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Katja
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Anzahl der Antworten 16
zuletzt 16. Feb.

Verhalten (war: Mobbing) in der Gruppe

Ich bräuchte jetzt doch mal ein paar Ideen aus der geballten Kompetenz hier!😀 Polli (inzwischen 6 Jahre alte Hündin, 3,5 Jahre bei uns, kastriert, von der spanischen Straße) ist ja eher ein zurückhaltender Charakter, sowohl bei anderen Hunden als auch bei Menschen. Viele andere Hunde beachtet sie gar nicht und geht auch Begegnungen eher aus dem Weg. Ganz selten findet sie mal einen Hund toll (eher kleinere Modelle) und möchte die dann auch gerne kennenlernen, alles ganz gesittet und höflich. Mir war aber schon von Anfang an aufgefallen, dass sie in der Gruppe teilweise durchaus anders agiert. Eigentlich hält sie sich auch da komplett raus, mein Eindruck: das ist ihr zu viel Dynamik. Es wird höchstens Kontakt zu einzelnen Hunden gesucht, wenn überhaupt. Wenn aber ein Hund zum Opfer gemacht wird, ist sie plötzlich mittendrin und agiert auch deutlich… als wenn sie sich dann plötzlich stark fühlt! Heute dann zum ersten Mal folgende Situation: Wir stehen mit zwei bekannten größeren Hunden auf einer Wiese, ein intakter Rüde und eine kastrierte Hündin (war früher oft das Mobbing-Opfer). An Rand der Wiese erscheint ein weiterer intakter, sehr präsenter Rüde, den wir auch kennen. Die Halterin des anderen Rüden hat sich vorsichtshalber mit ihm entfernt. Plötzlich stürzt sich Polli beeindruckend knurrend aus der Distanz auf diesen neu hinzukommenden Rüden. Die 2 Hündin geht mit, aber definitiv als zweite… Polli war definitiv die Rädelsführerin! Ich war so überrascht, dass ich komplett überrumpelt war. Der Rüde hat dann Polli auch sehr souverän eins auf den Deckel gegeben und sie kam quietschend und ziemlich kleinlaut wieder an. Nix passiert, alles wieder friedlich. Das ist direkt danach sogar nochmal mit einem vorbeikommenden Goldi passiert. Wir standen immer noch auf derselben Wiese und hatten gerade einen neuen Rüden im Viertel (18 Monate, kastriert, sehr umgänglich) kennengelernt, den Polli viel zu ungestüm und laut fand (der Rest der Hunde war schon weg). Als er aber wegen des Goldis (schlurfte wirklich nur arglos schwänzend vorbei… Goldi eben), löste Polli wieder aus. Diesmal waren wir gewarnt und haben sie direkt zurückzitiert. War auch kein Problem, aber trotzdem ungewohnt. Was fährt da gerade in die schüchterne Maus? Wo kommt mit nem großen Hund im Rücken plötzlich dieses Selbstvertrauen her, selber zum Angriff zu Blasen? Und wie gehe ich am Besten damit um? 🤔 Ich würde ihr ja gerne mehr Selbstvertrauen geben (waren letztens schon zum Degility und die Kleene wird bei jeder erfolgreichen neuen Übung 2cm größer!😀), aber dieses (vor allen Dingen sich entwickelnde) Mobbing jetzt irritiert mich jetzt doch etwas… Aber was meint ihr dazu…? Wo könnte die Ursache liegen?
 
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Katja
16. Feb. 11:10
Ich schließe mich meinen Vorrednern an und sehe ebenfalls kein Mobbing. Ich würde mal Gedanken in Richtung Dynamik und Regulation einwerfen. Ich kenne ein ähnliches Muster vom Verhalten meiner Hunde in Hundegruppen. Wenn Neo in einer Situation jemanden stoppt und dabei sehr deutlich wird, steigt meine Ivy manchmal mit ein – aber Neo stoppt nicht den vermeintlich Schwächsten sondern den Dynamischen, den, der für ihn die meiste Unruhe reinbringt und Ivy steigt mMn nicht ein, weil sie Neo verteidigt oder ein Opfer sieht. Es wirkt eher so, als könne sie die steigende soziale Spannung in dem Moment noch nicht gut aushalten. Die Erregung überträgt sich und sie geht mit nach vorne. Das fühlt sich für mich auch weniger nach „Mutbooster“ oder Territorialverhalten an, sondern mehr nach sozialer Mitaktivierung bei hoher Erregung. Erregung ist ohnehin ein großes Thema bei ihr. Gerade wenn regelmäßig dieselben Hunde aufeinandertreffen, entsteht ja eine gewisse Erwartung an Abläufe. Kommt dann ein neuer Hund dazu oder kippt die Dynamik, steigt auch die Spannung. Je nach Hund wird unterschiedlich reguliert - durch Rückzug, Kontrollverhalten, Vorwärtsgehen etc Für mich wären daher die Fragen spannend, wie hoch das Erregungsniveau in der Gruppe insgesamt ist, ob deine Hündin gut unterbrechbar ist und ob das Verhalten situativ oder wiederholt gegen denselben Hund gerichtet ist? Wenn es situativ ist und sich unterbrechen lässt, würde ich eher an Stress und Impulskontrolle denken als an Mobbing. Filmen finde ich tatsächlich auch eine gute Idee; oft sieht man erst in Slow Motion, wer die Spannung zuerst aufbaut und wie schnell es kippt. Mein Gedanke wäre also, ob es Gründe geben könnte, dass deine Hündin in Spannung gerät und es ihr zugleich schwer fällt diesen Zustand anders als durch „nach vorne gehen“ zu regulieren.
„Soziale Mitaktivierung“ ist hier wahrscheinlich kein so schlechtes Stichwort, danke dafür!😀

Jedenfalls hat sie das ja vorher nicht gemacht und sich stattdessen deutlich abseits gehalten.
Sie bringt sich also jetzt mehr in die soziale Interaktion ein und da finde ich es durchaus nicht erstaunlich, dass ihre Erregung aufgrund der damit einhergehenden Unsicherheit hoch ist… und sich auch mal in die falsche Richtung entlädt.

Ich muss also zusehen, dass ich sie in den Ansätzen der Interaktion bestätige und rechtzeitig übernehme, bevor‘s kippt und für sie frustrierend wird. Dabei würde ich mich auf 2-, maximal 3-Hunde-Situationen konzentrieren… mehr wäre MIR zu unübersichtlich.🥴
Schön wäre natürlich, wenn ich ein Gegenüber finden würde, der auch auf ihre zarten Versuche der Gegenwehr in Konflikten mit einer deutlichen Aufgabe reagiert. Dann wär’s für Polli ein schönes Erfolgserlebnis!🤗
Mal sehen, wo wir so jemanden finden…

PS: Da fällt mir ein, dass sie früher durchaus auch mit größeren Hunden um Stöckchen oder Buddellöcher diskutiert und sich da auch durchgesetzt hat. War immer sehr schön zu beobachten.
Jetzt aber aus irgendeinem Grund schon länger nicht mehr… da hab ich vielleicht bei Misserfolgen nicht rechtzeitig genug eingegriffen…🤔
 
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Jens
16. Feb. 12:51
Das Verhalten klingt für mich nach Kontrolle. Sie übernimmt die Rolle dann mit Freunden im Rücken. Jule ist auch so der Typ der erstmal meckert wenn andere Hunde sich ihrer Meinung nach nicht benehmen.

Ich glaube die Watsche von dem Rüden war eine gute Lektion. Du kannst sie selbst dafür nicht bestrafen, weil das nur verwirrend wäre.

Grundsätzlich würde ich hier keinen "Charakterfehler" attestieren, nur etwas soziale Unsicherheit verbunden mit Kontrollbedürfniss.
 
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Katja
16. Feb. 13:49
Das Verhalten klingt für mich nach Kontrolle. Sie übernimmt die Rolle dann mit Freunden im Rücken. Jule ist auch so der Typ der erstmal meckert wenn andere Hunde sich ihrer Meinung nach nicht benehmen. Ich glaube die Watsche von dem Rüden war eine gute Lektion. Du kannst sie selbst dafür nicht bestrafen, weil das nur verwirrend wäre. Grundsätzlich würde ich hier keinen "Charakterfehler" attestieren, nur etwas soziale Unsicherheit verbunden mit Kontrollbedürfniss.
Das muss ich echt mal im Hinterkopf behalten und schauen, wieviel Kontrolle da wirklich drin ist.
Mein erster Impuls war „Polli ist nicht der Hund, der kontrolliert!“… aber so ganz 100% stimmt das auch nicht: ihre Tochter hat sie schon sehr unter der Fuchtel, wenn sie sie trifft und auch zuhause fühlt sie sich zumindest fürs Anzeigen von Dingen zuständig… letzteres soll sie auch, bis wir dann übernehmen. Das klappt auch.

Aber auch wenn jemand Garten oder unser Vereinsgelände betritt, wird sich grollend draufgestürzt… und das soll eigentlich nicht sein -> melden ja, aber nicht bedrohen.
Mmh… vielleicht hängt das auch irgendwie mit den Hundebegegnungen zusammen, auch wenn sie in Grundstückssituationen bei Hunden ulkigerweise nicht auslöst, nur bei Menschen.🤔

Dein Hund, das unbekannte Wesen…😬
 
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Jens
16. Feb. 14:44
Man darf nicht unterschätzen wie sehr Hunde sich im Rudel anders benehmen und wie stark sich die Gruppe gegenseitig hochfahren kann. Ich kenne es ja persönlich: Jule ist lieb und friedlich mit Hunden die sie kennt. Kommt dann einer vorbei den sie noch nicht einschätzen kann wird gekläfft und der Rest vom "Rudel" macht aus Prinzip mit.
 
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Claudia
16. Feb. 16:28
Als ich deinen Text das erste Mal gelesen hab, dachte ich direkt ans Hüten

Als ich ihn das zweite Mal und auch die Kommentare las, bin ich immernoch beim Hüten 😉
 
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Katja
16. Feb. 21:42
Als ich deinen Text das erste Mal gelesen hab, dachte ich direkt ans Hüten Als ich ihn das zweite Mal und auch die Kommentare las, bin ich immernoch beim Hüten 😉
Da sagst Du was!🤔
Und vier Hütehunde im Topf (Carea Leones, Berger des Pyrénées, Altspanischer Hütehund & Mudi lt. Gentest)… was soll da auch anders ne Rolle spielen?😀

Sie hatte halt bisher wenig Anwandlungen, aber vielleicht haben die Erfahrungen auf der Straße sich die Gene einfach gnadenlos überschrieben!
Was ist denn da die treibende/motivierende Kraft? Ich dachte immer, es geht den Hütis ums Zusammenhalten & Dirigieren von etwas…🤔

Aber ok, ok… ich les mich in die Richtung mal schlauer. Danke!😀👍