Es gibt da aber einen feinen Unterschied, Sina.
Wenn ich falsch liege, bin ich einfach nur ein nerviger Mahner und stehe am Ende blöd da – was mich für Tara sogar freuen würde. Damit könnte ich leben.
Wenn du aber unrecht hast, könnte bereits großes Leid eingetreten sein. Könntest du damit auch leben?
Und hört mir bitte auf mit Trainern. Wenn ich einen Hund übernehme, muss er erst mal ankommen. Man arbeitet an der Bindung und baut Vertrauen auf. Kein seriöser Trainer wird versuchen, einen Hund zu therapieren, der noch gar nicht angekommen ist. Das braucht Zeit – und genau die hat Tara nicht.
Und zur Frage der „vorsorglichen Abgabe“: Es geht um die Realität des Managements. Wie soll Tara den Alltag meistern, wenn das Baby da ist und ihr Partner den ganzen Tag arbeitet? Ein Säugling fordert 100 % – und ein Hund, der jetzt schon schnappt und kontrolliert, ebenfalls. Alleine und übermüdet passieren im Alltag zwangsläufig Fehler. Das hat nichts mit bösem Willen zu tun, sondern mit schlichter menschlicher Belastungsgrenze.
Ich bin lieber derjenige, der heute „übertreibt“, als derjenige, der am Ende recht behält, wenn es zum Ernstfall kommt. Ich denke, wenn man die Situation objektiv betrachtet, liegt die Antwort auf der Hand.
Ich sage ja nicht, lasst einfach alles laufen, Baby und Hund regeln das schon.
Sondern ich sagte, dass ein gutes Management und auch eine Fachperson, die sich das mal ansieht, nötig sein wird.
Und auch, dass man bei einer entsprechenden Einschätzung, vielleicht gegen den Hund handeln muss. Aber davon sind wir doch weit entfernt.
Dazu zu raten stehe ich natürlich, und nein ich mache mir da keine Sorgen, falsch zu liegen, solange man Willens ist die Ursache und eine Lösung zu finden und verantwortungsvoll handelt.
Es geht hier doch nicht um einen Hund der offensive Aggressionen gegenüber Kindern zeigt, sondern lediglich um einen Hund, der sich offenbar durch Berührungen eines Mannes unwohl fühlt, feine Zeichen nicht richtig verstanden werden, und deshalb defensiv knurrt und abschnappt.
Das ist erstmal normale Hundekommunikation, die in die richtigen Wege geleitet werden muss.
Kein Wunder, dass die Tierheime so voll sind, wenn das bei Eltern sofortige Abgabe rechtfertigt, wenn man noch nicht mal versucht hat daran zu arbeiten.
Dass man Baby und Hund nicht zusammen allein lässt, sehe ich da natürlich als selbstverständlich.
Aber letztendlich muss Tara natürlich selbst wissen, was sie verantworten kann und will.
Sie kennt ihren Hund im Gegensatz zu uns schließlich.