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Svenja
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Anzahl der Antworten 398
heute 22:47

Stress bei Hunden durch Vermenschlichung?

Ich wage mich nun doch in die Höhle die Löwen und erstelle einen Thread. Ich hoffe, es gelingt, sich nicht persönlich angegriffen oder gekränkt zu fühlen und die eigene Meinung zu vertreten, ohne die mögliche Gegenseite abzuwerten. Was meiner Meinung nach dabei helfen kann, ist sich immer zu fragen, warum mich Kommentare so emotional machen. - Hat es etwas mit mir selber zu tun? - habe ich Erfahrungen mit dem Schreibenden und kann es sein, dass ich ihn deshalb in der neuen Situation vorverurteile? - Warum kann ich die Meinung des anderen nicht akzeptieren? Geht es wirklich um die Sache an sich oder um mich als Person? Das Thema Stress bei Hunden wird hier immer wieder thematisiert, was ich grundsätzlich echt gut finde. Mir fällt dabei aber oft auf, dass der größte Stressfaktor, nämlich Stress durch Überforderung, die aus Vermenschlichung resultiert, völlig übersehen wird. Hunde funktionieren anders als Menschen. Ist das jedem wirklich bewusst? - Was sind für euch die größten Stressauslöser? - Zeigen eure Hunde Verhaltensauffälligkeiten wie Reaktivitat oder Ängste, Aggressionen? Was ist für euch die Ursache? -Hören sie draußen im Freilauf auf euch? Oder laufen sie nie frei? Warum nicht? Ich fand dazu einen Artikel, der meine Sicht und Erfahrung dazu ganz gut wiedergibt. Ich möchte hier niemanden vorführen, anprangern oder angreifen. Niemand muss sich hier zu Wort melden, wenn er nicht offen für diese Reflektion ist. Zitat aus: https://www.odt.co.nz/star-news/star-lifestyle/pampered-pets-may-become-anxious-behaviourist-says Rena“ (nicht ihr richtiger Name) schläft auf Seidenkissen zwischen den Köpfen ihrer Besitzer, trinkt aus deren Wassergläsern und zerstört Haushaltsgegenstände wie Topfpflanzen und Kissen, wenn sie zu lange allein gelassen wird. Oft sitzt sie mit der Familie am Esstisch; wenn sie sich auf die Couch legt, rücken alle zusammen, um ihr mehr Platz zu geben. Ihr veganes, getreidebasiertes Futter (plus Leckerlis) kostet fast so viel wie der wöchentliche Supermarkteinkauf, ihre Tierarztkosten haben sich bereits auf Tausende von Dollar belaufen (Hüftprobleme) und ihre Besuche beim Hundefriseur sind teurer als ein Haarschnitt für einen Menschen. Sie besitzt eine ganze Garderobe. Die vierjährige schwarze Cockapoo-Hündin (eine Mischung aus Cocker Spaniel und Zwergpudel) ist zweifellos ein verwöhnter Hund. Aber sie ist damit keineswegs allein. Die Bevorzugung von Haustieren ist ein weltweites Phänomen, das sich während der Pandemie noch verstärkte, da Lockdowns einsame Menschen dazu veranlassten, sich Hunde als Begleiter anzuschaffen. Verschärft wurde dies durch den Trend, Designerhunde mit kindlichen Merkmalen (große Augen, kurze Nasen, runde Gesichter) zu züchten, die die Herzen der Menschen erobern sollen. Hinzu kommt ein zunehmendes Misstrauen gegenüber der Menschheit, wodurch Hunde als Freunde umso erstrebenswerter erscheinen. Hunde sind loyal, sie verurteilen uns nicht, und Studien belegen, dass sie die körperliche und seelische Gesundheit und das Wohlbefinden ihrer Besitzer verbessern. Daraus folgt dann sicherlich, dass sie im Gegenzug verwöhnt werden sollten. Das sieht die Hundeverhaltensforscherin und Autorin Selina McIntyre aus Matamata anders. Sie arbeitet seit fast 20 Jahren mit Hunden und ihren Besitzern und hat dabei alle Facetten der Mensch-Hund-Beziehung miterlebt. McIntyre liebt Hunde und hatte im Laufe ihres Lebens schon viele, darunter ihre beiden Border Terrier Trev und Lily („echte Charaktere, die zu kleinen Rabauken werden können, wenn sie nicht genug Auslauf bekommen“). Sie stimmt voll und ganz zu, dass Hunde zur Familie gehören und Menschen eine emotionale Bindung zu ihnen haben. Aber damit enden die Gemeinsamkeiten auch schon. „Hunde sind Tiere. Sie gehören einer anderen Spezies an. Egal, wie niedlich sie auch aussehen mögen, sie bleiben Hunde. Wenn wir sie nicht als Hunde behandeln, tun wir ihnen Unrecht“, sagt sie. „Wenn wir annehmen, dass sie denken und handeln wie wir, sehen wir sie nur aus unserer eigenen Perspektive. Zu glauben, man mache seinen Hund glücklich, indem man ihm alle möglichen Leckerlis kauft und ihn im Bett schlafen lässt, bedeutet, ihn wie einen Menschen zu behandeln, was er definitiv nicht ist.“ Sie sagt, wenn Besitzer über die Bedürfnisse ihrer Hunde sprechen („Schau dir diese Augen an, wie könnte man ihm widerstehen?“), spiegeln sie damit oft ihre eigenen Bedürfnisse wider. Sie könnten einsam oder ängstlich sein oder Zuneigung und Schutz suchen. Manche sind vielleicht allein zu Hause, oder ein Partner arbeitet lange, sodass eine größere Abhängigkeit von einem vierbeinigen Begleiter entsteht. Wenn der Hund ihnen ständig von der Seite weicht, sagen sie vielleicht Dinge wie: „Sie ist sehr anhänglich“ oder „Er klebt förmlich an ihr“. Sie sagt jedoch, dass man Hunden niemals menschliche Formen, Verhaltensweisen und Emotionen zuschreiben oder ihnen die gleichen Rechte und Privilegien wie Menschen gewähren sollte. „Wenn einem Hund aufs Wort jeder Wunsch erfüllt wird, steigt sein sozialer Status über den seiner menschlichen Besitzer. Ein Hund, der mit den Menschen am Tisch isst, in ihrem Bett schläft oder sich auf der Sofalehne über dem Kopf seines Besitzers positioniert, fühlt sich privilegiert und gleicht eher dem König oder der Königin des Hauses. Physische Bevorzugung kann mit sozialer Bevorzugung einhergehen. Der Hund glaubt dann, er sei das wichtigste Lebewesen im Haus.“ Hoher Status bringt eine große Verantwortung mit sich. Laut McIntyre kann das bei Hunden zu übermäßiger Ängstlichkeit führen. „Verwöhnte Hunde schlafen möglicherweise mit einem Ohr gespitzt, um auf Bedrohungen zu achten. Sie fühlen sich ihren Besitzern jederzeit verantwortlich. Sie können große Trennungsangst entwickeln, wenn ihr Mensch den Raum oder das Haus verlässt. Diese Angst kann zu unaufhörlichem Bellen, Winseln, Zerstörung von Gegenständen oder Hin- und Herlaufen am Zaun führen, während sie auf die Rückkehr ihrer Besitzer warten.“ Hunde brauchen Zuneigung, keine Bewunderung, sagt sie. „Hunde müssen wissen, dass ihr Platz im Haus sicher ist, aber sie dürfen nicht das Gefühl haben, für ihre Besitzer verantwortlich sein zu müssen. Man kann ein Tier nicht immer nur aus menschlicher Sicht betrachten. Ein Hund ist eine andere Spezies. Es sind Tiere, um die wir uns kümmern, keine Babys, die wir erziehen.“ Selina McIntyres Tipps für die Bedürfnisse eines Hundes - Zweimal täglich Spaziergänge (auch mit kleinen Hunden) außerhalb Ihres Grundstücks - Sicherheit (das Gefühl, nicht für jede Bewegung seiner Besitzer verantwortlich zu sein) - Verständnis und Wertschätzung der Hundewelt, einschließlich der Art und Weise, wie Hunde in verschiedenen Situationen kommunizieren und sich verhalten - Sozialisierung (entscheidend in den ersten 16 Wochen), um „neue“ Situationen und eine Reihe unterschiedlicher Menschen und Umgebungen kennenzulernen. - Geistige Anregung, unter anderem durch Spiel - Zuneigung, nicht Bewunderung - Grenzen (was ist angemessenes und unangemessenes Verhalten?) - Die Freiheit, hundespezifische Verhaltensweisen wie Futtersuche und Erkundung auszuleben. - Zeit und Geduld, um neue Verhaltensweisen zu erlernen, insbesondere bei älteren Hunden - Wie ein Hund geschätzt zu werden.
 
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Svenja
28. Feb. 17:45
Du ärgerst mich nicht! Und ich habe sogar Verständnis für gewisse menschliche Zuschreibungen gegenüber den Hunden. Solange es den Hunden nicht schadet finde ich es auch nicht schlimm aber: Hier wird oftmals sehr viel Wert auf Sprache gelegt und gerade die Sprache impliziert ja auch eine gewisse Haltung und darum denke ich dass manche Begriffe es aus menschlicher Sicht einfach nicht treffen. Für mich hat das auch etwas mit Respekt zu tun. Ich bin in einer naturwissenschaftlich orientierten Familie mit vielen Tieren groß geworden-Hunde waren auch dabei- und ich habe gelernt, wie wichtig das neutrale und wertfreie Beobachten von Handlungen ist um sie richtig zu deuten. Das habe ich von klein auf so gelernt und ich bin auch ehrlich gesagt dankbar dafür. Aus meiner Sicht ist gerade die wertfreie und nicht interpretierte Beobachtung so wichtig und ist auch für mich Respekt nämlich Respekt vor dem anders sein. Und ja genau dieses beobachten ist so wichtig und zwar nicht nur die Handlung an sich sondern auch der Weg dorthin und der Weg wieder raus. Dieses wertfreie beobachten ermöglicht es ja auch dem Hund Orientierung zu geben die notwendige Führung und auch die so wichtige Freiheit.
👍🏻👍🏻 Freiheit, da gehe ich mit. Natürlich in einem Rahmen, der niemand anderen stört oder belästigt.
Ich finde auch, beobachten, ohne zu bewerten, ermöglicht es einem zudem, die eigenen Emotionen wahrzunehmen und die der anderen Beteiligten.
Und dann abzugleichen, ob ich vielleicht die eigenen gerade überbewerte. Emotionen kann man eben nicht verhindern, aber man kann sie beobachten und über sie nachdenken, was Tiere leider nicht können. Letztendlich können wir aber Hunden helfen, dadurch dass wir es können 🙂
Ich persönlich habe über solche wertfreien Beobachtungen - und so schräg es klingt, aber u.a. auch meiner eigenen Gedankengänge - sehr viel gelernt.
Heutzutage nehme ich es leider auch so wahr, dass viel an innerartlichem Verhalten sofort abgebrochen wird, weil man es nach seinen menschlichen Vorstellungen nicht gut findet.
 
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Carola
28. Feb. 18:02
👍🏻👍🏻 Freiheit, da gehe ich mit. Natürlich in einem Rahmen, der niemand anderen stört oder belästigt. Ich finde auch, beobachten, ohne zu bewerten, ermöglicht es einem zudem, die eigenen Emotionen wahrzunehmen und die der anderen Beteiligten. Und dann abzugleichen, ob ich vielleicht die eigenen gerade überbewerte. Emotionen kann man eben nicht verhindern, aber man kann sie beobachten und über sie nachdenken, was Tiere leider nicht können. Letztendlich können wir aber Hunden helfen, dadurch dass wir es können 🙂 Ich persönlich habe über solche wertfreien Beobachtungen - und so schräg es klingt, aber u.a. auch meiner eigenen Gedankengänge - sehr viel gelernt. Heutzutage nehme ich es leider auch so wahr, dass viel an innerartlichem Verhalten sofort abgebrochen wird, weil man es nach seinen menschlichen Vorstellungen nicht gut findet.
Natürlich lernt man beim Beobachten viel über sich selbst. Das kann auch manchmal ganz schön unbequem sein aber es ist wichtig.
Und Freiheit je nachdem wo man ist im möglichen Rahmen. Meine Hunde dürfen sich frei im Garten bewegen und in dieser Zeit bekommen Sie in der Regel auch keine Anweisungen von mir sondern sie dürfen einfach vor sich hin kötern. Das heißt nicht dass es keine Grenzen gibt aber innerhalb dieser Grenzen dürfen sie sich frei bewegen. Auch mit anderen Artgenossen dürfen Sie frei agieren sofern es nicht zu Aggressionen kommt-das passiert allerdings so gut wie nie- läuft aber auch nicht immer so wie Mensch es sich romantisch vorstellt. Es kann gut sein dass meine Hunde einen Hund der gar zu gerne spielen oder rennen möchte stumpf ignorieren weil sie gerade nicht wollen. Dann ist das so oder aber die Hunde verstehen sich in diesem Moment gut und alles läuft so wie Mensch es sich vorstellt.
Wenn ich als Mensch klar und eindeutig für den Hund lesbar bin dann orientiert er sich auch an mir denn er weiß wo die Wurst hängt.
Um Missverständnissen vorzubeugen nein ich arbeite nicht immer mit Leckerli sondern auch mit Motivation, Lob und Stimme. Kommt das Lob wie auch immer im richtigen Moment und das Timing ist gut, dann ist es eigentlich relativ einfach die Hunde dazu zu bewegen das zu tun was man möchte denn sie verstehen was sie sollen.
 
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Melanie
28. Feb. 21:20
Ich habe durch unsere beiden Damen sehr viel über mich und meine Körperhaltung gelernt. Auch die ein oder andere Rückmeldung und Korrektur durch unsere Hundetrainerin hat mir und meinem Mann im Umgang mit den beiden geholfen. Trotzdem fallen auch wir hin und wieder noch in die "Vermenschlichungsfalle". Z.B . wenn wir etwas essen und unsere beiden Damen sich vor uns setzen und den berühmten "Dackelblick" aufsetzen. Stress haben wir durch unseren bisherigen Weg mit ihnen aus "Vermenschlichungsgründen" nicht mehr. Es sind Hundedamen und das dürfen sie auch ausleben.

Allerdings habe ich auch bereits im "Was hat Euch genervt Thread" über ein Gespräch mit dem Nachbarn meiner Mutter berichtet. Er hat seit 4 Wochen einen Tierschutzhund bei sich. Er hat zu mir gesagt das er sich darüber wundert, das der Hund ihm Gegenüber nicht dankbarer ist. Er hätte ja nun schließlich ein sehr gutes Zuhause. Bei solchen Aussagen komme ich echt ins Zweifeln darüber ob der jeweilige Halter sich wirklich mit der Herkunft und der Vorgeschichte des Hundes auseinandergesetzt hat. Für mich ist es definitiv nicht "selbstverständlich" das ein Hund sich uns gegenüber "Dankbar" zeigt. Sie sind in der Regel auch nicht freiwillig bei uns gelandet. Diese "Dankbarkeit" ist für mich definitiv ein sehr vermenschlichtes Gefühl.
 
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Kirsten
28. Feb. 21:35
Du ärgerst mich nicht! Und ich habe sogar Verständnis für gewisse menschliche Zuschreibungen gegenüber den Hunden. Solange es den Hunden nicht schadet finde ich es auch nicht schlimm aber: Hier wird oftmals sehr viel Wert auf Sprache gelegt und gerade die Sprache impliziert ja auch eine gewisse Haltung und darum denke ich dass manche Begriffe es aus menschlicher Sicht einfach nicht treffen. Für mich hat das auch etwas mit Respekt zu tun. Ich bin in einer naturwissenschaftlich orientierten Familie mit vielen Tieren groß geworden-Hunde waren auch dabei- und ich habe gelernt, wie wichtig das neutrale und wertfreie Beobachten von Handlungen ist um sie richtig zu deuten. Das habe ich von klein auf so gelernt und ich bin auch ehrlich gesagt dankbar dafür. Aus meiner Sicht ist gerade die wertfreie und nicht interpretierte Beobachtung so wichtig und ist auch für mich Respekt nämlich Respekt vor dem anders sein. Und ja genau dieses beobachten ist so wichtig und zwar nicht nur die Handlung an sich sondern auch der Weg dorthin und der Weg wieder raus. Dieses wertfreie beobachten ermöglicht es ja auch dem Hund Orientierung zu geben die notwendige Führung und auch die so wichtige Freiheit.
Super, mir ging es vor allem darum, es besser einordnen können.

„So lange es den Hunden nicht schadet, finde ich es auch nicht schlimm.“ Daran war ich interessiert. Ich habe länger überlegt und mir sind tatsächlich nur sehr wenige Menschen eingefallen, bei denen ich noch nicht erlebt habe, dass sie ihre Hunde in irgendeiner Form vermenschlichen.
Mal als Beispiel: Das Schreiben aus Hundeperspektive ist ja auch Vermenschlichung, wenn man davon ausgeht, dass Hunde nicht in ganzen Sätzen denken. Finde ich jetzt nicht problematisch, wurde aber im Laufe des Threads auch schon kritisch angesprochen.

In Büchern kann eine Perspektivübernahme des Hundes beim Leser Empathie und emotionale Nähe fördern. Manchmal haben wir Menschen selbst stark mit eigenen Emotionen und Problemen zu tun, sodass die hündische Perspektive schnell übersehen werden kann.
Hundeverhalten als didaktisches Hilfsmittel in menschliche Sprache zu übersetzen, kann dafür sorgen, dass es für den Leser verständlicher wird und mehr Akzeptanz erzeugt.

Ich denke aber auch, dass man sich dabei bewusst sein sollte, dass diese Übersetzungen fehleranfällig sind und nicht automatisch die Wahrheit wiedergeben. Wenn Projektionen als Realität wahrgenommen werden und daraus Handlungen entstehen, die nicht hundegerecht sind, kann der Hund erheblich an Lebensqualität verlieren. Da bin ich absolut bei dir. Wenn Fachwissen durch Vermenschlichung ersetzt wird, kommen möglicherweise Probleme auf.

„Aus meiner Sicht ist gerade die wertfreie und nicht interpretierte Beobachtung so wichtig und ist auch für mich Respekt nämlich Respekt vor dem anders sein.“
-> 💯🙏🏻
Wirklich wertfrei zu beobachten empfinde ich genau wie du als unheimlich wichtig ☺️
Gleichzeitig aber auch als genau so schwierig.
Ich muss mich doch arg zusammenreißen nicht vorschnell in Interpretationen zu verfallen und das gelingt mir nicht immer.
 
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Carola
heute 06:48
Ich habe durch unsere beiden Damen sehr viel über mich und meine Körperhaltung gelernt. Auch die ein oder andere Rückmeldung und Korrektur durch unsere Hundetrainerin hat mir und meinem Mann im Umgang mit den beiden geholfen. Trotzdem fallen auch wir hin und wieder noch in die "Vermenschlichungsfalle". Z.B . wenn wir etwas essen und unsere beiden Damen sich vor uns setzen und den berühmten "Dackelblick" aufsetzen. Stress haben wir durch unseren bisherigen Weg mit ihnen aus "Vermenschlichungsgründen" nicht mehr. Es sind Hundedamen und das dürfen sie auch ausleben. Allerdings habe ich auch bereits im "Was hat Euch genervt Thread" über ein Gespräch mit dem Nachbarn meiner Mutter berichtet. Er hat seit 4 Wochen einen Tierschutzhund bei sich. Er hat zu mir gesagt das er sich darüber wundert, das der Hund ihm Gegenüber nicht dankbarer ist. Er hätte ja nun schließlich ein sehr gutes Zuhause. Bei solchen Aussagen komme ich echt ins Zweifeln darüber ob der jeweilige Halter sich wirklich mit der Herkunft und der Vorgeschichte des Hundes auseinandergesetzt hat. Für mich ist es definitiv nicht "selbstverständlich" das ein Hund sich uns gegenüber "Dankbar" zeigt. Sie sind in der Regel auch nicht freiwillig bei uns gelandet. Diese "Dankbarkeit" ist für mich definitiv ein sehr vermenschlichtes Gefühl.
Ja die Körpersprache und Körperhaltung sind unglaublich wichtig. Das spielt bei uns im Training auch immer eine sehr große Rolle und es ist auch so wichtig da man sich selber ja nicht sieht.
Inzwischen nehmen wir trainingsequenzen mit Video auf und die werden dann gemeinsam analysiert. Das ist wirklich eine spannende Sache denn zum einen sieht man sich selbst(manchmal wirklich gruselig) und dann kann man häufig wunderbar erkennen wo quasi der Fehler entstanden ist.
Der passiert nämlich oftmals schon einige Zeit bevor die Handlung des Hundes erfolgt weil man selbst den Fehler gemacht hat. Manchmal geht es ja auch blitzschnell und es sind Kleinigkeiten und wenn man sich das alles in Zeitlupe ansieht ist das sehr lehrreich.
 
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Carola
heute 06:58
Super, mir ging es vor allem darum, es besser einordnen können. „So lange es den Hunden nicht schadet, finde ich es auch nicht schlimm.“ Daran war ich interessiert. Ich habe länger überlegt und mir sind tatsächlich nur sehr wenige Menschen eingefallen, bei denen ich noch nicht erlebt habe, dass sie ihre Hunde in irgendeiner Form vermenschlichen. Mal als Beispiel: Das Schreiben aus Hundeperspektive ist ja auch Vermenschlichung, wenn man davon ausgeht, dass Hunde nicht in ganzen Sätzen denken. Finde ich jetzt nicht problematisch, wurde aber im Laufe des Threads auch schon kritisch angesprochen. In Büchern kann eine Perspektivübernahme des Hundes beim Leser Empathie und emotionale Nähe fördern. Manchmal haben wir Menschen selbst stark mit eigenen Emotionen und Problemen zu tun, sodass die hündische Perspektive schnell übersehen werden kann. Hundeverhalten als didaktisches Hilfsmittel in menschliche Sprache zu übersetzen, kann dafür sorgen, dass es für den Leser verständlicher wird und mehr Akzeptanz erzeugt. Ich denke aber auch, dass man sich dabei bewusst sein sollte, dass diese Übersetzungen fehleranfällig sind und nicht automatisch die Wahrheit wiedergeben. Wenn Projektionen als Realität wahrgenommen werden und daraus Handlungen entstehen, die nicht hundegerecht sind, kann der Hund erheblich an Lebensqualität verlieren. Da bin ich absolut bei dir. Wenn Fachwissen durch Vermenschlichung ersetzt wird, kommen möglicherweise Probleme auf. „Aus meiner Sicht ist gerade die wertfreie und nicht interpretierte Beobachtung so wichtig und ist auch für mich Respekt nämlich Respekt vor dem anders sein.“ -> 💯🙏🏻 Wirklich wertfrei zu beobachten empfinde ich genau wie du als unheimlich wichtig ☺️ Gleichzeitig aber auch als genau so schwierig. Ich muss mich doch arg zusammenreißen nicht vorschnell in Interpretationen zu verfallen und das gelingt mir nicht immer.
Nun ich mag weder das Schreiben aus Hundeperspektive noch die Mami und Papi Geschichte aber das ist sicherlich Geschmackssache.
Natürlich ist es manchmal wichtig sich in die Handlungen des Hundes hineinzuversetzen und zu überlegen warum er das getan hat. Und immer wieder kommt man dabei auf seine eigene fehlende Eindeutigkeit.
Mein einer Hund läuft trotz reichlich Übung nicht so gut bei Fuß wie ich es gerne möchte.
Wir üben das viel und oftmals ist es tatsächlich so(Videoanalysen haben es gezeigt) liegt es einfach oft an mir selbst. Der Hund ist leicht ablenkbar und ich reagiere manchmal einfach nicht schnell genug um seine Aufmerksamkeit zu halten. Da hilft es auch nicht wenn ich sauer bin auf den Hund oder die Maulwürfe als Grund betrachte. Ja die sind attraktiv und ich bin nicht interessant genug und das ist halt in diesem Falle meine Aufgabe daran zu arbeiten.
Wir haben den ganzen Winter fleißig daran gearbeitet und machen auch Fortschritte. Wenn jetzt das Training wieder losgeht werde ich mir mit Sicherheit trotzdem und den einen oder anderen Spruch vom Trainer einfangen-und wahrscheinlich wird er wieder mal recht haben.

Edit: Hund zwei läuft übrigens bei gleichem Training perfekt bei Fuß! Also was bei einem funktioniert muss bei dem anderen nicht zwingend funktionieren, da haben wir beim Training andere Problematiken wie Ablage und müssen an diesem Punkt intensiv arbeiten.
Trotz gleicher Rasse, gleichen Eltern und ähnlicher Veranlagung ist Hund eben nicht Hund!
 
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Babs
heute 08:46
Ich denke, dass die "ausgesprochene" Vermenschlichung nicht schlimm ist. Es kommt mMn darauf an, wie man handelt. Hunde verstehen ja nicht, was z. B. Mama oder Papa in der menschlichen Sprache bedeutet, sondern was für eine Bedeutung der Mensch seinen Hunden über dieses Wort erklärt hat.

Wir sagen tatsächlich auch Mama und Papa 🤭. Da bei uns keine Kinder im Haushalt leben, werden diese Worte grundsätzlich gar nicht bei uns benutzt, außer, wenn die Hunde gemeint sind und dann reagieren sie auch. Sprechen mein Mann und ich uns mit Namen an, interessiert unsere Hunde das nicht. Sie sind schlichtweg nicht gemeint und das wissen sie. Letztendlich sind die Worte Mama und Papa bei uns konditionierte Kommandos (auch für uns als Menschen 🤣), da mein Mann und ich uns nicht mit Mama und Papa ansprechen. Wir hätten uns auch den Hunden gegenüber Dick und Doof nennen können (fällt mir gerade so ein) 🤣.

Ich denke, dass die "menschliche" Wertung und das daraus folgende Handeln das Problem ist. Die Worte "Mama" und "Papa " sind bei uns einfache Komandos. Bewertet man diese als Außenstehender geht man davon aus, dass wir unsere Hunde vermenschlichen. Daher bin auch ich ein ganz großer Fan davon, etwas zu beobachten, aber nicht sofort zu bewerten. Man steckt schnell in einer Schublade, aus der man schwer wieder raus kommt. Auch unsere Hunde, wenn man ihr Verhalten menschlich bewertet. Da gibt es ein ganz klassisches Beispiel: Demut oder Angst? Die Körpersprache der Hunde ist da oberflächlich gesehen sehr ähnlich. Schnell steckt der Hund in der "Angstschublade" fest, obwohl er nur Demut gezeigt hat. Das Gleiche gilt auch andersrum. Eine vermenschlichte Fehleinschätzung aufgrund einer zu schnellen Wertung mit dem entsprechenden Handeln kann da nachhaltige Folgen haben.
 
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Melanie
heute 09:00
Ja die Körpersprache und Körperhaltung sind unglaublich wichtig. Das spielt bei uns im Training auch immer eine sehr große Rolle und es ist auch so wichtig da man sich selber ja nicht sieht. Inzwischen nehmen wir trainingsequenzen mit Video auf und die werden dann gemeinsam analysiert. Das ist wirklich eine spannende Sache denn zum einen sieht man sich selbst(manchmal wirklich gruselig) und dann kann man häufig wunderbar erkennen wo quasi der Fehler entstanden ist. Der passiert nämlich oftmals schon einige Zeit bevor die Handlung des Hundes erfolgt weil man selbst den Fehler gemacht hat. Manchmal geht es ja auch blitzschnell und es sind Kleinigkeiten und wenn man sich das alles in Zeitlupe ansieht ist das sehr lehrreich.
Bei uns wird während des Hundesporttrainings gefilmt. Es ist echt interessant und aufschlussreich für mich, wie schnell unsere beiden Damen auch kurze und unbewusste Bewegungen von mir oder meinem Mann wahrnehmen. Nicht umsonst heißt es unter Fachleuten : 80% der Fehler entstehen im Bezug auf Hundeerziehung/ Hundekommunikation durch den Menschen.
 
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Jochen
heute 09:39
Ich denke, dass die "ausgesprochene" Vermenschlichung nicht schlimm ist. Es kommt mMn darauf an, wie man handelt. Hunde verstehen ja nicht, was z. B. Mama oder Papa in der menschlichen Sprache bedeutet, sondern was für eine Bedeutung der Mensch seinen Hunden über dieses Wort erklärt hat. Wir sagen tatsächlich auch Mama und Papa 🤭. Da bei uns keine Kinder im Haushalt leben, werden diese Worte grundsätzlich gar nicht bei uns benutzt, außer, wenn die Hunde gemeint sind und dann reagieren sie auch. Sprechen mein Mann und ich uns mit Namen an, interessiert unsere Hunde das nicht. Sie sind schlichtweg nicht gemeint und das wissen sie. Letztendlich sind die Worte Mama und Papa bei uns konditionierte Kommandos (auch für uns als Menschen 🤣), da mein Mann und ich uns nicht mit Mama und Papa ansprechen. Wir hätten uns auch den Hunden gegenüber Dick und Doof nennen können (fällt mir gerade so ein) 🤣. Ich denke, dass die "menschliche" Wertung und das daraus folgende Handeln das Problem ist. Die Worte "Mama" und "Papa " sind bei uns einfache Komandos. Bewertet man diese als Außenstehender geht man davon aus, dass wir unsere Hunde vermenschlichen. Daher bin auch ich ein ganz großer Fan davon, etwas zu beobachten, aber nicht sofort zu bewerten. Man steckt schnell in einer Schublade, aus der man schwer wieder raus kommt. Auch unsere Hunde, wenn man ihr Verhalten menschlich bewertet. Da gibt es ein ganz klassisches Beispiel: Demut oder Angst? Die Körpersprache der Hunde ist da oberflächlich gesehen sehr ähnlich. Schnell steckt der Hund in der "Angstschublade" fest, obwohl er nur Demut gezeigt hat. Das Gleiche gilt auch andersrum. Eine vermenschlichte Fehleinschätzung aufgrund einer zu schnellen Wertung mit dem entsprechenden Handeln kann da nachhaltige Folgen haben.
Ja, absolut, meiner Partnerin wurde mit unseren letzten zwei Hunden immer Kinderersatz angedichtet. Das ging ihr so auf die Nerven, dass sie irgendwann die Hunde in der Öffentlichkeit immer mit "Kiiiinder kommt!" gerufen hat 😂
 
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Babs
heute 09:40
Ja, absolut, meiner Partnerin wurde mit unseren letzten zwei Hunden immer Kinderersatz angedichtet. Das ging ihr so auf die Nerven, dass sie irgendwann die Hunde in der Öffentlichkeit immer mit "Kiiiinder kommt!" gerufen hat 😂
🤣🤣🤣👍👍👍