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Svenja
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heute 11:42

Stress bei Hunden durch Vermenschlichung?

Ich wage mich nun doch in die Höhle die Löwen und erstelle einen Thread. Ich hoffe, es gelingt, sich nicht persönlich angegriffen oder gekränkt zu fühlen und die eigene Meinung zu vertreten, ohne die mögliche Gegenseite abzuwerten. Was meiner Meinung nach dabei helfen kann, ist sich immer zu fragen, warum mich Kommentare so emotional machen. - Hat es etwas mit mir selber zu tun? - habe ich Erfahrungen mit dem Schreibenden und kann es sein, dass ich ihn deshalb in der neuen Situation vorverurteile? - Warum kann ich die Meinung des anderen nicht akzeptieren? Geht es wirklich um die Sache an sich oder um mich als Person? Das Thema Stress bei Hunden wird hier immer wieder thematisiert, was ich grundsätzlich echt gut finde. Mir fällt dabei aber oft auf, dass der größte Stressfaktor, nämlich Stress durch Überforderung, die aus Vermenschlichung resultiert, völlig übersehen wird. Hunde funktionieren anders als Menschen. Ist das jedem wirklich bewusst? - Was sind für euch die größten Stressauslöser? - Zeigen eure Hunde Verhaltensauffälligkeiten wie Reaktivitat oder Ängste, Aggressionen? Was ist für euch die Ursache? -Hören sie draußen im Freilauf auf euch? Oder laufen sie nie frei? Warum nicht? Ich fand dazu einen Artikel, der meine Sicht und Erfahrung dazu ganz gut wiedergibt. Ich möchte hier niemanden vorführen, anprangern oder angreifen. Niemand muss sich hier zu Wort melden, wenn er nicht offen für diese Reflektion ist. Zitat aus: https://www.odt.co.nz/star-news/star-lifestyle/pampered-pets-may-become-anxious-behaviourist-says Rena“ (nicht ihr richtiger Name) schläft auf Seidenkissen zwischen den Köpfen ihrer Besitzer, trinkt aus deren Wassergläsern und zerstört Haushaltsgegenstände wie Topfpflanzen und Kissen, wenn sie zu lange allein gelassen wird. Oft sitzt sie mit der Familie am Esstisch; wenn sie sich auf die Couch legt, rücken alle zusammen, um ihr mehr Platz zu geben. Ihr veganes, getreidebasiertes Futter (plus Leckerlis) kostet fast so viel wie der wöchentliche Supermarkteinkauf, ihre Tierarztkosten haben sich bereits auf Tausende von Dollar belaufen (Hüftprobleme) und ihre Besuche beim Hundefriseur sind teurer als ein Haarschnitt für einen Menschen. Sie besitzt eine ganze Garderobe. Die vierjährige schwarze Cockapoo-Hündin (eine Mischung aus Cocker Spaniel und Zwergpudel) ist zweifellos ein verwöhnter Hund. Aber sie ist damit keineswegs allein. Die Bevorzugung von Haustieren ist ein weltweites Phänomen, das sich während der Pandemie noch verstärkte, da Lockdowns einsame Menschen dazu veranlassten, sich Hunde als Begleiter anzuschaffen. Verschärft wurde dies durch den Trend, Designerhunde mit kindlichen Merkmalen (große Augen, kurze Nasen, runde Gesichter) zu züchten, die die Herzen der Menschen erobern sollen. Hinzu kommt ein zunehmendes Misstrauen gegenüber der Menschheit, wodurch Hunde als Freunde umso erstrebenswerter erscheinen. Hunde sind loyal, sie verurteilen uns nicht, und Studien belegen, dass sie die körperliche und seelische Gesundheit und das Wohlbefinden ihrer Besitzer verbessern. Daraus folgt dann sicherlich, dass sie im Gegenzug verwöhnt werden sollten. Das sieht die Hundeverhaltensforscherin und Autorin Selina McIntyre aus Matamata anders. Sie arbeitet seit fast 20 Jahren mit Hunden und ihren Besitzern und hat dabei alle Facetten der Mensch-Hund-Beziehung miterlebt. McIntyre liebt Hunde und hatte im Laufe ihres Lebens schon viele, darunter ihre beiden Border Terrier Trev und Lily („echte Charaktere, die zu kleinen Rabauken werden können, wenn sie nicht genug Auslauf bekommen“). Sie stimmt voll und ganz zu, dass Hunde zur Familie gehören und Menschen eine emotionale Bindung zu ihnen haben. Aber damit enden die Gemeinsamkeiten auch schon. „Hunde sind Tiere. Sie gehören einer anderen Spezies an. Egal, wie niedlich sie auch aussehen mögen, sie bleiben Hunde. Wenn wir sie nicht als Hunde behandeln, tun wir ihnen Unrecht“, sagt sie. „Wenn wir annehmen, dass sie denken und handeln wie wir, sehen wir sie nur aus unserer eigenen Perspektive. Zu glauben, man mache seinen Hund glücklich, indem man ihm alle möglichen Leckerlis kauft und ihn im Bett schlafen lässt, bedeutet, ihn wie einen Menschen zu behandeln, was er definitiv nicht ist.“ Sie sagt, wenn Besitzer über die Bedürfnisse ihrer Hunde sprechen („Schau dir diese Augen an, wie könnte man ihm widerstehen?“), spiegeln sie damit oft ihre eigenen Bedürfnisse wider. Sie könnten einsam oder ängstlich sein oder Zuneigung und Schutz suchen. Manche sind vielleicht allein zu Hause, oder ein Partner arbeitet lange, sodass eine größere Abhängigkeit von einem vierbeinigen Begleiter entsteht. Wenn der Hund ihnen ständig von der Seite weicht, sagen sie vielleicht Dinge wie: „Sie ist sehr anhänglich“ oder „Er klebt förmlich an ihr“. Sie sagt jedoch, dass man Hunden niemals menschliche Formen, Verhaltensweisen und Emotionen zuschreiben oder ihnen die gleichen Rechte und Privilegien wie Menschen gewähren sollte. „Wenn einem Hund aufs Wort jeder Wunsch erfüllt wird, steigt sein sozialer Status über den seiner menschlichen Besitzer. Ein Hund, der mit den Menschen am Tisch isst, in ihrem Bett schläft oder sich auf der Sofalehne über dem Kopf seines Besitzers positioniert, fühlt sich privilegiert und gleicht eher dem König oder der Königin des Hauses. Physische Bevorzugung kann mit sozialer Bevorzugung einhergehen. Der Hund glaubt dann, er sei das wichtigste Lebewesen im Haus.“ Hoher Status bringt eine große Verantwortung mit sich. Laut McIntyre kann das bei Hunden zu übermäßiger Ängstlichkeit führen. „Verwöhnte Hunde schlafen möglicherweise mit einem Ohr gespitzt, um auf Bedrohungen zu achten. Sie fühlen sich ihren Besitzern jederzeit verantwortlich. Sie können große Trennungsangst entwickeln, wenn ihr Mensch den Raum oder das Haus verlässt. Diese Angst kann zu unaufhörlichem Bellen, Winseln, Zerstörung von Gegenständen oder Hin- und Herlaufen am Zaun führen, während sie auf die Rückkehr ihrer Besitzer warten.“ Hunde brauchen Zuneigung, keine Bewunderung, sagt sie. „Hunde müssen wissen, dass ihr Platz im Haus sicher ist, aber sie dürfen nicht das Gefühl haben, für ihre Besitzer verantwortlich sein zu müssen. Man kann ein Tier nicht immer nur aus menschlicher Sicht betrachten. Ein Hund ist eine andere Spezies. Es sind Tiere, um die wir uns kümmern, keine Babys, die wir erziehen.“ Selina McIntyres Tipps für die Bedürfnisse eines Hundes - Zweimal täglich Spaziergänge (auch mit kleinen Hunden) außerhalb Ihres Grundstücks - Sicherheit (das Gefühl, nicht für jede Bewegung seiner Besitzer verantwortlich zu sein) - Verständnis und Wertschätzung der Hundewelt, einschließlich der Art und Weise, wie Hunde in verschiedenen Situationen kommunizieren und sich verhalten - Sozialisierung (entscheidend in den ersten 16 Wochen), um „neue“ Situationen und eine Reihe unterschiedlicher Menschen und Umgebungen kennenzulernen. - Geistige Anregung, unter anderem durch Spiel - Zuneigung, nicht Bewunderung - Grenzen (was ist angemessenes und unangemessenes Verhalten?) - Die Freiheit, hundespezifische Verhaltensweisen wie Futtersuche und Erkundung auszuleben. - Zeit und Geduld, um neue Verhaltensweisen zu erlernen, insbesondere bei älteren Hunden - Wie ein Hund geschätzt zu werden.
 
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Svenja
26. Feb. 09:53
Meinst du, dass sie nicht den Hund selbst so sehen, sondern mit Spott oder Sarkasmus ihre Einschätzung über die Mensch-Hund-Beziehung wiedergeben? Ich wünschte, es würde sich darauf beschränken. Damit könnte ich gut leben. Mir gehen ab und an die Nackenhaare hoch, wenn mir jemand erzählt, wie kleine Hunde so sind. Aber gut. Ich möchte nicht jammern, mir ging es viel mehr darum, diesen Punkt sichtbar zu machen ☺️
Hm, ja ich glaube, dass sie einen Askspt der Mensch-Hund-Beziehung wiedergeben, den sie ungefiltert wahrnehmen.
Besonders kleine Hunde werden oft betüddelt, bekommen wenig bis kaum Grenzen, mit ihnen wird weniger ernsthaft und artgerecht kommuniziert. Ein Beispiel : ich bat eine Hundehalterin, ihren Chihuahua kurz mal hier her zu holen und zeigte auf die Stelle, wo ich den Hund gern hätte. Was macht sie? Drückt den Knopf der Flexi Leine, hebt den Hund im Geschirr hoch und stellt ihn da wieder ab, wo ich ihn gern gehabt hätte. Ich werde das nie vergessen.
Ich komme nochmal zu meiner These zurück, dass viele Privilegien einem Hund Status verleihen. Keinen Rang in einer starren Hierarchie, einfach situationsbezogenen Status. Bekommt ein Hund alles was er will und noch mehr, von dem der Mensch alles denkt, es wäre gut für ihn, dann wird er von außen zu einem Hund gemacht, der in vielen Situationen einen hohen sozialen Status hat. Wenn er von der Persönlichkeit her aber eher ein unsicherer Charakter ist, der vielleicht auch noch territorial ist und einen Schutztrieb hat, dann überfordert ihn die daraus resultierende Verantwortung für vieles in unserer menschlichen Welt unendlich, was sich dann in Verhalten äußern kann, das Außenstehende als tyrannisch wahrnehmen, in Wahrheit ist es aber Ausdruck einer hilflosen, völlig überforderten Seele.
Werden dann noch seine wahren hündischen Bedürfnisse ignoriert (wieviele kleine Hunde dürfen denn frei ihre bestenfalls natürliche Umwelt erkunden, haben Kontakt zu geeigneten Artgenossen, werden geistig ihren Anlagen entsprechend stimuliert usw??) und bekommen sie keine Regeln und Grenzen erklärt, weil man im Notfall einfach ohne nennenswerte Konsequenzen körperlich übergriffig werden kann, anstatt mit ihnen vernünftig zu kommunizieren (wie die Dame mit dem Chihuahua), dann muss sich niemand wundern, wenn die Gesellschaft genervt von solchem Kleinhund - Verhalten ist. Nur dass dann der Hund kritisiert wird, obwohl in Wahrheit mal wieder der Mensch "Schuld" ist.
 
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Michi
26. Feb. 09:57
Ich glaube, ihr meint eigentlich unterschiedliche Dinge. Babs hat – wenn ich sie richtig verstanden habe – nicht die Notwendigkeit von Erziehung in Frage gestellt, sondern eher diese gesellschaftliche Ambivalenz beschrieben. Einerseits werden Hunde emotional aufgeladen oder verniedlicht, andererseits sollen sie perfekt funktionieren. Ihr tierisches Wesen bleibt dabei aber auf der Strecke. Erziehung und klare Regeln sind selbstverständlich - sonst wäre Zusammenleben kaum möglich. Vermenschlichung droht auch für mich da, wo wir Verhalten moralisch aufladen („boshaft“, „manipulativ“, „tyrannisch“) oder wo wir Hunde gleichzeitig als Stofftiere und als „regelkonforme Bürger“ behandeln. Es geht mMn also weniger um das Ob von Regeln, sondern eher um die Haltung dahinter.
Natürlich, eine menschliche Interpretation von Hundeverhalten trifft es nicht auf den Punkt.
Allerdings kann ich es Nichthundehaltern oder Nichthundefreunden ( davon gibt es ja nun auch eine ganze Menge ) nicht verdenken.
Bei Hundehaltern fehlt halt trotz Tierliebe oft die Erkenntnis, dass es förderlich wäre , diesbezüglich mal etwas mehr in die Materie einzutauchen.
 
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Petra
26. Feb. 10:02
Zwei Gedanken einfach mal in die Runde geworfen:

1. Warum sagen wir z.B
adopt dont't shop? Was impliziert das "adoptieren" anderes, als das wir ein Lebewesen als Familienmitglied aufnehmen.

2. Ich hatte vor einer Weile die Aussage gelesen, "Hunde sind keine Menschen, sie sind aber auch keine Tiere". Für mich spiegelt dies wider, dass wir Menschen mit keinem anderen Säugetier eine so persönliche Beziehung aufbauen. (Ausnahmen natürlich individuell möglich).
 
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SandrA
26. Feb. 10:14
Natürlich, eine menschliche Interpretation von Hundeverhalten trifft es nicht auf den Punkt. Allerdings kann ich es Nichthundehaltern oder Nichthundefreunden ( davon gibt es ja nun auch eine ganze Menge ) nicht verdenken. Bei Hundehaltern fehlt halt trotz Tierliebe oft die Erkenntnis, dass es förderlich wäre , diesbezüglich mal etwas mehr in die Materie einzutauchen.
Das stimmt, dass man Nichthundehaltern ihre menschlichen Zuschreibungen nicht verübeln kann. Wir alle können ja nur auf uns bekannte Kategorien zurückgreifen, wenn wir Verhalten einordnen.

Aber wie du schon ssgst, sollten gerade wir Hundehalter versuchen, diese moralischen Etiketten zu hinterfragen - weil Worte eben Wirkung haben.

Wenn ich von „Boshaftigkeit“ oder „Manipulation“ spreche, verschiebt sich mein innerer Umgang mit dem Hund automatisch. Wenn ich stattdessen nach Funktion frage, bleibt das Thema sachlicher.
Ist auch in der Hundebubble nicht immer einfach - vor allem wenn es um Beissvorfälle geht, denn da vermischen sich sofort gesellschaftliche Auswirkungen, moralische Überzeugungen, persönliche Erfahrungen und Emotionen zu einer dichten Wolke. An Funktion, Kontext oder neurobiologische Hintergründe im Sinne von Prävention denkt dann kaum noch jemand.

Für mich ist es vielleicht gar nicht die Vermenschlichung per Se, die problematisch ist, sondern vor allem die moralische Aufladung von Verhalten.
Und da stimme ich dir zu, dass wir als Halter durchaus sensibler sein könnten und sollten als das Umfeld.
 
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Michi
26. Feb. 10:20
Darum geht es mir nicht. Natürlich sorge ich dafür, dass meine Hunde keine Probleme bekommen und sie lernen mit Stress ... umzugehen und sich sozial verhalten. Aber nicht, weil das die Gesellschaft erwartet, sondern zum Wohle meiner Hunde (insb. was ihre Gesundheit angeht). Was ich meine ist, dass das Umfeld erwartet, dass der Hund nach ihren Maßstäben erzogen. Und das sind menschliche Maßstäbe. Ich habe Hunde, die in der Dämmerung aktiv werden und aufgrund ihres genetischen Auftrages anfangen zu bewachen. Da kann es passieren, dass sie um 24 Uhr bellen, weil draußen ein unbekanntes Geräusch war. Ab 22 Uhr dürften sie aber nicht mehr bellen, da es dann Ruhestörung wäre. Von einem Menschen kann man erwarten, dass er seinen Fernseher auf Zimmerlautstärke stellt, aber woher soll der Hund wissen, dass es 22 Uhr ist und er nun nicht mehr bellen darf? Für ihn ist das entgegen seiner Natur. Andererseits nimmt der Mensch seine Fähigkeiten z. B. in der Menschenrettung an und dann darf er bellen, wenn er einen Mensch gefunden hat. Dennoch hat er ja nicht den Status eines Menschen, sondern ist ein Tier bzw. eine Sache. Bei der Erziehung geht es mir um die menschlichen Maßstäbe, die sich mit der hündischen Erziehung nicht immer decken. Wenn ich höre:" Dein Hund kann sich nicht benehmen.", dann ist das eine menschliche Sichtweise. Aus Hundesicht ist es aber in dieser Situation ein ganz normales Verhalten z. B. Bellen. Was bitte ist schlimm am Bellen eines Hundes? Es ist für viele Menschen schlichtweg unangenehm oder zu laut, aber der Hund ist dann nicht erzogen oder sogar aggressiv. Das ist mMn Vermenschlichung.
Ich verstehe jetzt besser was du meinst, aber noch nicht so ganz.
Ich lese heraus, dass du nicht ganz nachvollziehen kannst, dass Leute sich gestört fühlen, weil ( deine ) Hunde nachts anschlagen.
Ich kann das durchaus verstehen, obwohl ich Hundefreund bin.
Es gehört für mich zum guten Miteinander zu versuchen, das zu unterbinden, damit Andere nicht gestört werden.
Ein Hund muss, genau wie ein Mensch, nicht alle Verhaltensweisen zu jeder Zeit ausleben.
Das passt nicht immer in ein Sozialgefüge.
Natürlich soll ein Hund wachen und bellen, wenn man auf einem einzeln gelegenen Hof lebt.
Sobald sich aber Menschen nachts gestört fühlen, halte ich es durchaus für legitim, dass man da sein Veto einlegt. Ob man von unerzogen oder etwas Anderem spricht, das finde ich erstmal zweitrangig.
Andere hündische Verhaltensweisen müssen auch reglementiert werden. ZB der Fortpflanzungstrieb.
Ich lese immer wieder, dass ( läufige ) Hündinnen von Rüden belästigt werden. Da sind dann halt irgendwie nicht die Rüden schlecht erzogen sondern die Halter. Erwünscht ist es so oder so nicht.
Es ist alles eine Interpretationssache...
 
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SandrA
26. Feb. 10:31
Ich verstehe jetzt besser was du meinst, aber noch nicht so ganz. Ich lese heraus, dass du nicht ganz nachvollziehen kannst, dass Leute sich gestört fühlen, weil ( deine ) Hunde nachts anschlagen. Ich kann das durchaus verstehen, obwohl ich Hundefreund bin. Es gehört für mich zum guten Miteinander zu versuchen, das zu unterbinden, damit Andere nicht gestört werden. Ein Hund muss, genau wie ein Mensch, nicht alle Verhaltensweisen zu jeder Zeit ausleben. Das passt nicht immer in ein Sozialgefüge. Natürlich soll ein Hund wachen und bellen, wenn man auf einem einzeln gelegenen Hof lebt. Sobald sich aber Menschen nachts gestört fühlen, halte ich es durchaus für legitim, dass man da sein Veto einlegt. Ob man von unerzogen oder etwas Anderem spricht, das finde ich erstmal zweitrangig. Andere hündische Verhaltensweisen müssen auch reglementiert werden. ZB der Fortpflanzungstrieb. Ich lese immer wieder, dass ( läufige ) Hündinnen von Rüden belästigt werden. Da sind dann halt irgendwie nicht die Rüden schlecht erzogen sondern die Halter. Erwünscht ist es so oder so nicht. Es ist alles eine Interpretationssache...
Ich versuche es mal aus meiner Sicht zu erklären: Wenn mein Hund nachts bellt und die Nachbarn reagieren mit „Was für ein nerviger Köter, der ist nicht erzogen“, dann ist das erstmal ihre moralische Bewertung.

Wenn ich diese Bewertung nun innerlich übernehme, verschiebt sich meine Haltung.
Dann arbeite ich nicht mehr an einem funktionalen Verhalten, sondern gegen ein vermeintliches Fehlverhalten mit Absicht.
Und das merkt der Hund.
Denn dann kann es durchaus passieren mit dem inneren Satz: „Das darfst du nicht.“ Statt mit: „Was bewegt dich gerade?“ ins Training zu gehen.

Das heißt na klar nicht, dass nächtliches Bellen okay ist. Natürlich muss ich es regulieren.
Aber ich kann es auf zwei Ebenen tun:
Moralisch:
„Du nervst. Hör auf damit.“
Oder funktional:
„Was löst das Anschlagen aus? Unsicherheit? Territorialverhalten? Reizüberflutung?….“

Im ersten Fall arbeite ich gegen meinen Hund.
Im zweiten arbeite ich mit seinem System.

Und genau dieser Unterschied in der inneren Haltung verändert oft mehr als jede Trainingsmethode. So ging es mir auch mit meinem Hund - denn aggressives, rückgerichtetes Verhalten macht sehr viel mit einem und ich habe lange gebraucht um mir da selbst auf die Schliche zu kommen. Schließlich war da eine Menge Druck auf ganz unterschiedlichen Ebenen.
 
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Carola
26. Feb. 10:35
Darum geht es mir nicht. Natürlich sorge ich dafür, dass meine Hunde keine Probleme bekommen und sie lernen mit Stress ... umzugehen und sich sozial verhalten. Aber nicht, weil das die Gesellschaft erwartet, sondern zum Wohle meiner Hunde (insb. was ihre Gesundheit angeht). Was ich meine ist, dass das Umfeld erwartet, dass der Hund nach ihren Maßstäben erzogen. Und das sind menschliche Maßstäbe. Ich habe Hunde, die in der Dämmerung aktiv werden und aufgrund ihres genetischen Auftrages anfangen zu bewachen. Da kann es passieren, dass sie um 24 Uhr bellen, weil draußen ein unbekanntes Geräusch war. Ab 22 Uhr dürften sie aber nicht mehr bellen, da es dann Ruhestörung wäre. Von einem Menschen kann man erwarten, dass er seinen Fernseher auf Zimmerlautstärke stellt, aber woher soll der Hund wissen, dass es 22 Uhr ist und er nun nicht mehr bellen darf? Für ihn ist das entgegen seiner Natur. Andererseits nimmt der Mensch seine Fähigkeiten z. B. in der Menschenrettung an und dann darf er bellen, wenn er einen Mensch gefunden hat. Dennoch hat er ja nicht den Status eines Menschen, sondern ist ein Tier bzw. eine Sache. Bei der Erziehung geht es mir um die menschlichen Maßstäbe, die sich mit der hündischen Erziehung nicht immer decken. Wenn ich höre:" Dein Hund kann sich nicht benehmen.", dann ist das eine menschliche Sichtweise. Aus Hundesicht ist es aber in dieser Situation ein ganz normales Verhalten z. B. Bellen. Was bitte ist schlimm am Bellen eines Hundes? Es ist für viele Menschen schlichtweg unangenehm oder zu laut, aber der Hund ist dann nicht erzogen oder sogar aggressiv. Das ist mMn Vermenschlichung.
Okay dann haben wir uns da an dem Punkt missverstanden. Dennoch ist es ja so dass übermäßiges Bellen die Nachbarn durchaus auf die Palme bringen kann selbst wenn sie Hunde mögen. Also liegt es doch an mir dem Hund zu sagen und zu zeigen wann er aufpassen und melden soll und wann nicht.
Ich habe selbst"gesprächige" Hunde, die wenn es dämmerig wird, besonders gut aufpassen. Dennoch ist es mir gelungen dass sie nicht bei jeder Bewegung draußen wie wild herum kläffen sondern nur einmal anschlagen oder auch nur knurren.
Würden wir jetzt draußen auf einem einsamen Hof leben wäre es mir völlig egal wann Sie Ihre telefonstunde haben- da wohne ich aber nicht- und deshalb ist eine gewisse Anpassung und auch Rücksichtnahme für die Mitmenschen erforderlich.
Das heißt ja nicht dass der Hund das nicht darf was heißt ja nur dass er weiß wie er sich äußern soll und es eben lernt das angemessen zu tun.
Das hat auch nichts mit Vermenschlichung zu tun und hängt ja auch vom Wesen, der Genetik und vom Charakter des Hundes ab die bei der Erziehung berücksichtigt werden müssen ohne dass man da menschliche Interpretationen hineinbringt.

Hier fehlt es schon bei vielen Hundehaltern und wie sollen Menschen die nichts mit Hunden zu tun haben das richtig interpretieren?
Wenn ich dann schon lese auch hier im Forum, dass Menschen nicht damit klarkommen wenn Ihre Hündin läufig ist und den Annäherungsversuch eines Rüden als Angriff bezeichnen. Zum einen ist das völlige Fehlterpretation und dann kommen noch ideologische Ideen dazu, dass ja der Rüde zu wissen hat dass er sich "ordentlich" benehmen soll. Natürlich ist es am Halter seinem Rüden beizubringen nicht zu jeder läufigen Hündin hinzurennen, ebenso ist es klug seiner Hündin beizubringen sich in den Stehtagen nicht vor jedem Rüden zu werfen.
Wenn schon der Umgang mit diesen elementaren Dingen nicht funktioniert und nicht mal die Hundehalter das richtig interpretieren dann finde ich es schon kompliziert und nicht zum Wohle des Hundes.
 
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Michi
26. Feb. 10:35
Ich versuche es mal aus meiner Sicht zu erklären: Wenn mein Hund nachts bellt und die Nachbarn reagieren mit „Was für ein nerviger Köter, der ist nicht erzogen“, dann ist das erstmal ihre moralische Bewertung. Wenn ich diese Bewertung nun innerlich übernehme, verschiebt sich meine Haltung. Dann arbeite ich nicht mehr an einem funktionalen Verhalten, sondern gegen ein vermeintliches Fehlverhalten mit Absicht. Und das merkt der Hund. Denn dann kann es durchaus passieren mit dem inneren Satz: „Das darfst du nicht.“ Statt mit: „Was bewegt dich gerade?“ ins Training zu gehen. Das heißt na klar nicht, dass nächtliches Bellen okay ist. Natürlich muss ich es regulieren. Aber ich kann es auf zwei Ebenen tun: Moralisch: „Du nervst. Hör auf damit.“ Oder funktional: „Was löst das Anschlagen aus? Unsicherheit? Territorialverhalten? Reizüberflutung?….“ Im ersten Fall arbeite ich gegen meinen Hund. Im zweiten arbeite ich mit seinem System. Und genau dieser Unterschied in der inneren Haltung verändert oft mehr als jede Trainingsmethode. So ging es mir auch mit meinem Hund - denn aggressives, rückgerichtetes Verhalten macht sehr viel mit einem und ich habe lange gebraucht um mir da selbst auf die Schliche zu kommen. Schließlich war da eine Menge Druck auf ganz unterschiedlichen Ebenen.
Aber das hat ja mit einem selber zu tun, was man aus einer " Beschwerde " macht. Nicht mit den Anderen.
Andere Menschen können ja sagen , was sie wollen und wie sie es wollen. Das können wir eh nicht ändern.
Wichtig ist doch, wie wir zu unserem Hund stehen und in welcher Form wir Erziehung oder Anleitung vornehmen können und wollen.
 
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SandrA
26. Feb. 10:39
Aber das hat ja mit einem selber zu tun, was man aus einer " Beschwerde " macht. Nicht mit den Anderen. Andere Menschen können ja sagen , was sie wollen und wie sie es wollen. Das können wir eh nicht ändern. Wichtig ist doch, wie wir zu unserem Hund stehen und in welcher Form wir Erziehung oder Anleitung vornehmen können und wollen.
Mir geht es nicht um Schuldverschiebung oder darum, was Nachbarn sagen dürfen sondern um moralische Zuschreibungen bzw. Folgen von Vermenschlichung.

Wenn ich selbst als Halter wenig Wissen über hündisches Verhalten habe und stark in menschlichen Kategorien denke, laufe ich eher Gefahr, moralische Bewertungen zu übernehmen, ganz egal ob sie von außen kommen oder aus mir selbst.

Dann wird aus „Wachverhalten“ schnell „unerzogen“.
Aus „Unsicherheit“ wird „Boshaftigkeit“.
Aus „Übererregung“ wird „Absicht“.

Und da beginnt für mich problematische Vermenschlichung.

Natürlich liegt es in meiner Verantwortung, wie ich damit umgehe.
Aber ob ich funktional oder moralisch denke, hängt stark davon ab, wie gut ich das Wesen des Hundes verstehe.

Darauf wollte ich hinaus.
 
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Katrin
26. Feb. 10:42
Okay dann haben wir uns da an dem Punkt missverstanden. Dennoch ist es ja so dass übermäßiges Bellen die Nachbarn durchaus auf die Palme bringen kann selbst wenn sie Hunde mögen. Also liegt es doch an mir dem Hund zu sagen und zu zeigen wann er aufpassen und melden soll und wann nicht. Ich habe selbst"gesprächige" Hunde, die wenn es dämmerig wird, besonders gut aufpassen. Dennoch ist es mir gelungen dass sie nicht bei jeder Bewegung draußen wie wild herum kläffen sondern nur einmal anschlagen oder auch nur knurren. Würden wir jetzt draußen auf einem einsamen Hof leben wäre es mir völlig egal wann Sie Ihre telefonstunde haben- da wohne ich aber nicht- und deshalb ist eine gewisse Anpassung und auch Rücksichtnahme für die Mitmenschen erforderlich. Das heißt ja nicht dass der Hund das nicht darf was heißt ja nur dass er weiß wie er sich äußern soll und es eben lernt das angemessen zu tun. Das hat auch nichts mit Vermenschlichung zu tun und hängt ja auch vom Wesen, der Genetik und vom Charakter des Hundes ab die bei der Erziehung berücksichtigt werden müssen ohne dass man da menschliche Interpretationen hineinbringt. Hier fehlt es schon bei vielen Hundehaltern und wie sollen Menschen die nichts mit Hunden zu tun haben das richtig interpretieren? Wenn ich dann schon lese auch hier im Forum, dass Menschen nicht damit klarkommen wenn Ihre Hündin läufig ist und den Annäherungsversuch eines Rüden als Angriff bezeichnen. Zum einen ist das völlige Fehlterpretation und dann kommen noch ideologische Ideen dazu, dass ja der Rüde zu wissen hat dass er sich "ordentlich" benehmen soll. Natürlich ist es am Halter seinem Rüden beizubringen nicht zu jeder läufigen Hündin hinzurennen, ebenso ist es klug seiner Hündin beizubringen sich in den Stehtagen nicht vor jedem Rüden zu werfen. Wenn schon der Umgang mit diesen elementaren Dingen nicht funktioniert und nicht mal die Hundehalter das richtig interpretieren dann finde ich es schon kompliziert und nicht zum Wohle des Hundes.
Ich wohne seit ein paar Jahren in einem Kläffergebiet. Hier lebten schon immer viele Hunde in der Straße aber seit gut 2Jahren macht die Gartenzeit echt selten Erholung möglich. Sogar Suki verzieht sich beim Gekläffe genervt nach drinnen. Ich finde es schon intessant das dies vor einigen Jahren trotz gleicher Hundeanzahl nur halt inzwischen mit anderen Hunden so negativ gekippt ist. Wenn ich als HH schon so genervt bin wie geht es dann wohl den Nichthundehaltern?

Mal ganz abgesehen vom Stresslevel für die Hunde.