Ich kenne so eine Dynamik ein bisschen aus unserer eigenen Mehrhundsituation. Bei uns war es zwar nicht der Neuankömmling, der verteidigt hat, aber ich habe erfahren, wie schnell Überforderung entstehen kann, wenn ein neuer Hund in ein bestehendes System kommt.
Gerade wenn ein Hund aus einer Umgebung kommt, in der viel Konkurrenz herrschte (zB Shelter, viele Hunde, wenig Rückzug), kann Nähe zu Menschen plötzlich eine sehr wertvolle Ressource werden. Hunde, wie mein Rüde, reagieren dann aus Unsicherheit und gehen nach vorne, nicht unbedingt, weil sie wirklich „beschützen“ wollen, sondern weil sie versuchen, Kontrolle über eine Situation zu bekommen, die für sie noch sehr unklar ist. Euer Hund ist ja gerade erst eingezogen.
Was uns damals geholfen hat, war tatsächlich erstmal viel Management und Stressreduktion/Entlastung für beide Hunde. Wir haben am Anfang Türgitter installiert, damit die Hunde sich sehen und wahrnehmen konnten, ohne ständig direkt miteinander konfrontiert zu sein. Außerdem hatten beide feste Schlafplätze und eigene Rückzugsbereiche.
Das Ganze hat bei uns ehrlich gesagt einige Wochen gedauert, bis sich eine wirkliche Alltäglichkeit eingestellt hat - ich würde sagen so sechs bis acht Wochen. In der Zeit ging es vor allem darum, größere Konflikte gar nicht erst entstehen zu lassen.
Mit etwas Struktur und Ruhe kann sich sowas oft ganz gut sortieren, wenn die Hunde grundsätzlich sozialverträglich sind. Manchmal brauchen sie einfach ein bisschen Zeit, um sich gegenseitig „lesen“ zu lernen und zu merken, dass sie nicht alles selbst regeln müssen.