Ich finde das Thema total spannend, weil ich solche „Grauzonen“ durchaus kenne.☺️
Neo zB zeigt bei engen Hundebegegnungen ein Verhalten, das ich schon als störend empfinde, sehe gleichzeitig aber auch, dass es für ihn offenbar eine wichtige Funktion erfüllt.
Er geht neben mir, grundsätzlich orientiert, aber sobald es räumlich eng wird, duckt er sich ab und fixiert das Gegenüber. Dabei „schleicht“ er weiter neben mir her. Und das führt dann oft dazu, dass der andere Hund entweder hochgeht oder stark ausweicht, was die Situation natürlich nicht unbedingt entspannter macht.
Ich bin mir heute sicher, dass das kein „Ungehorsam“ ist, sondern seine Art, mit der Situation klarzukommen.
Was ich für mich ehrlich gesagt schwierig finde ist das Timing. Ich schaffe es offenbar in diesen Situationen (noch) nicht, ihn so früh und so klar zu unterstützen, dass er dieses Verhalten gar nicht erst braucht. Manchmal gelingt es mir, aber manchmal eben auch nicht.
Und dann ist dieses Abducken für ihn offensichtlich die Strategie, die ihm noch am meisten Sicherheit gibt.
Was ich ihm (bzw. uns) zugutehalte ist, dass er auf diese Weise tatsächlich an Hunden vorbeigehen kann, ohne komplett zu eskalieren - das war mal anders. Aber er ist dabei sehr angespannt und da bin ich noch nicht zufrieden mit dem Ergebnis - eben weil ich nicht das Gefühl habe, dass ich ihn in diesen Momenten schon so gut begleite, dass er sich wirklich entspannen kann.
Für mich ist das allerdings weniger ein „der Hund muss das lassen“, sondern eher ein „ich verfüge da noch nicht über die passende Unterstützung im richtigen Moment“.
Anstatt Verhalten „nur zu bewerten“ ist es mir heute wichtig danach zu fragen, warum es für den Hund aktuell die beste verfügbare Lösung zu sein scheint.