Schön ist, dass deine Hündin frühzeitig versucht den Konflikt abzuwenden (Knurren statt eskalieren), du gut eingreifen kannst, die Schwierigkeiten sehr kontextabhängig sind und sich so wohl recht gut eingrenzen lassen. Und kein generelles Problem zwischen den Hunden da ist.
Hältst du es für möglich, dass deine neue Hündin sehr auf dich als Sicherheitsanker zurückgreifen möchte?
Im Moment ist ja noch vieles sehr neu, und sie muss sich in euer bereits bestehendes System integrieren. Viele Situationen müssen von ihr erstmal gelesen und verstanden werden. Das ist anstrengend und fordert viel Aufmerksamkeit und bedarf viel Ruhe zum verarbeiten.
Da du die Person bist, die den Alltag strukturiert, ist es ja irgendwo auch sinnvoll, sich an dich zu hängen. Ihr Nervensystem wird ja vermutlich nach Sicherheitsstrategien suchen und nach Möglichkeiten Stress zu reduzieren. Wenn sie sich in deiner Nähe wohl und sicher fühlt, kann es aus ihrer Sicht sinnvoll sein, diesen Zustand zu erhalten und erstmal gegen mögliche „Hindernisse“ abzusichern.
Wenn deine Hündin ein erhöhtes Bedürfnis nach sozialer Sicherheit, nach Nähe und Orientierung (was ja durch die aktuelle Integrationssituation viel Sinn ergeben würde) hat, könnte es sein, dass sie diese Sicherheit stabil halten möchte. Das das Abwehren Teil ihrer Regulationsstrategie ist.
Falls dem so ist, kann es vielleicht helfen, deine Hündin generell darin zu unterstützen, dass sie dich als Mittel zur Sicherheit weniger benötigt.
Also Situationen, besonders solche die Konfliktpotenzial bergen, mehr zu strukturieren und besser einschätzbar und für deine Hündin verständlich zu machen. Vorhersagbarkeit und Kontrolle für deine Hündin zu schaffen, Stress zu reduzieren. Festere Routinen, bis deine Hündin eure Dynamiken in der Familie und Abläufe besser versteht und durch mehr Sicherheit gewonnen hat.
Vielleicht lohnt es sich Gedanken darüber zu machen, wie deine Hündin (langfristig) emotional ein wenig selbstständiger von dir werden kann? Also Sicherheit auch ohne deine direkte Nähe zu ermöglichen oder auch positive gemeinsame Erfahrungen mit deinen Hunden zusammen gesammelt werden können, ohne das Konkurrenzsituationen um deine Nähe entstehen.
Kannst du damit etwas anfangen?