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Mara
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Anzahl der Antworten 63
zuletzt 30. März

Gestresster Hund

Hallo ihr lieben, unser kleiner Mokka ist jetzt seit fünf Tagen bei uns. Er ist ein Tierschutzhund aus Griechenland und ca. 5 Monate alt. Eigentlich klappt der Großteil schon besser als ich dachte, er ist schon fast stubenrein, fühlt sich in unserer Nähe wohl und verträgt sein Futter super. Allerdings ist er in der Außenwelt völlig gestresst und überfordert: draußen bellt er absolut jeden und alles an, kann kaum runterfahren und ist dann zu gestresst um sich zu lösen. Es ist ein absoluter Teufelskreis. Gassi gehen möchte er gar nicht, sobald wir draußen sind zieht er wieder nach drinnen und bellt auch hier alles und jeden an. Auch in der Wohnung bellt er oft unkontrolliert, mit oder ohne Trigger. Hatte jemand eine ähnliche Situation und hat ein paar Tipps für mich? Auch wenn er sonst ein totaler Schatz ist, fühle ich mich mit der Situation ziemlich überfordert. 😞
 
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Karin
28. März 06:25
Meine Nala kommt aus Rumänien u ich habe sie mit einem halben Jahr bekommen. Wir haben auch eine Katze, die bereits da war - das war eine Herausforderung. Nala konnte noch gar nichts u war auch von den ganzen Reizen überflutet. Allein der Fernseher war auch eine Reizüberflutung, aber das hatte sich nach einiger Zeit gelegt. Alles etwas langsamer angehen. Das braucht alles seine Zeit. Ich war auch völlig überfordert mit Hund u Katze. Das hat echt gedauert, dass sie zusammen in einem Raum u sogar zusammen auf dem Sofa liegen konnten. Manchmal habe ich mich auch gefragt, ob das alles so richtig gewesen ist -Ja - das war es - es dauert halt. Sie hat auch auf dem Küchentisch gestanden und war an der Leine wie ein Flummi. Ich kann nur sagen ZEIT und GEDULD ist ALLES. Natürlich dabei erziehen und loben, viel kuscheln. Beim Bellen habe ich sie in ein Zimmer getan u die Tür zu - hat sie aufgehört, habe ich die Tür geöffnet u dann immer so. Sie bellt gar nicht - nicht mal, wenn jemand klingelt- nur mal beim Spielen mit anderen Hunden. Hundeschule habe ich auch gemacht. Die helfen auch und ist allein wegen anderen Hunden schon super. Das sie untereinander toben können usw - ich gehe auch viel auf Hundewiesen, damit sie mit anderen gut toben kann. Allein das Zusehen und das sie Freude daran an, freut mich dann wieder. Aber es braucht Zeit Geduld, Liebe und Konsequenz (da bin ich auch nicht so super drin u es ist noch Ausbaufähig 😂. Ihr schafft das 👍🏼 LG Claudia
Einen unsicheren Hund in ein Zimmer zu geben wenn er bellt finde ich persönlich nicht so gut.

Der Lerneffekt dahinter : Wenn ich meinen natürlichen Instinkt, und damit auch meine Warnsignale unterdrücke - andere auf Abstand zu halten zb, muss ich sofort reagieren. Schnappen, beissen usw...Aus Sicht des Hundes. Bellen ist der Ausdruck des Hundes. Seine Sprache! Bitte nicht unterdrücken sondern gezielt begleiten ubd korrigieren.
 
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Marisol
28. März 07:04
Ich würde den Druck rausnehmen und erstmal nicht an Gassi gehen denken. Er wird aus Unsicherheit bellen, weil er das alles nicht kennt. Setzt euch gezielt zusammen für kurze Zeit in den Garten (angeleint) und lass ihn Dinge beobachten. Dabei würde ich ruhiges Verhalten belohnen und nach 2-3 Minuten wieder reingehen. Auch wenn es nur eine Situation in der Zeit war. Ein Hund der gestresst ist, lernt sehr schlecht. Und so würde ich die Zeit und Situationen ganz langsam ausbauen. Kennst du das Markerwort? Das würde ich sehr zeitig etablieren, damit den wirklich im perfekten Zeitpunkt loben kannst.
Und sonst würde ich drinnen an eurem Vertrauen arbeiten. Da helfen oft auch kleine Dinge die zusammen gemacht werden.

Meine jüngere Hündin kam im gleichen Alter mit ähnlichen Problemen, nur das sie draußen absolute Panik hatte. Wir haben das wie oben beschrieben alles ganz dosiert gesteigert. Das war aber ein sehr langer Weg. Bei uns ist im Winter absolut nichts los, da trifft man manchmal Tage lang keinen. Im Frühling fange ich wieder von 0 an und selbst da sie alles eigentlich kennt braucht sie ihre 2-3 Wochen Eingewöhnung. Wir sitzen in der Zeit einfach viel in der Gegend rum und schauen uns alles mit Abstand an.
 
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Michi
28. März 07:09
Der Hund ist erst ein paar Tage dort . Alles hat sich verändert und er ist extrem unsicher.
Dem Bellen im Haus, bei Geräuschen würde ich erstmal garkeine große Bedeutung zumessen und, wie gesagt, viel mit Nähe und komplett ohne Dinge wie ignorieren etc. arbeiten.
Im Garten würde ich ihn erstmal an der Schleppleine lassen und unbedingt dabei bleiben, um zu verhindern, dass er am Zaun steht und bellt.
Ich würde auf jeden Fall spazieren gehen, aber nicht zuhause in belebten Gebiet, sondern mit dem Auto an einem ruhigen Ort.
Natürlich muss man auch im Haus Regeln aufstellen, aber auf eine liebevolle Art und Weise.
 
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Katie
28. März 07:27
Nur als Erfahrungsbericht:

Bruce kam Ende Januar 2024 aus Rumänien zu uns.
Die Hundeschule haben wir ab März 2024 besucht (erst Einzeltraining, später Junghundgruppe).
Sein neues Zuhause als genau dieses angenommen hat er erst nach unserem ersten gemeinsamen Urlaub im August 2024.
So richtig angekommen ist er für uns aber erst etwa 18 Monate nach dem Einzug.


Im Gegensatz zu vielen Züchterhunden bringen Tierschutzhunde oft keine Erfahrungen im Zusammenleben mit Menschen mit und müssen das erst Schritt für Schritt lernen.
Sie sind aber nicht weniger lernfähig, sondern sehr anpassungsfähig, wenn man ihnen Zeit, Struktur und Sicherheit gibt.

Eine wundervolle Kennlernzeit wünsche ich euch! 🫶
Versucht bitte sein Stresslevel möglichst niedrig zu halten. 🙂
 
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Kirsten
28. März 07:27
Leider kriegt man ihn da in solchen Momenten kaum weg 🥲 Selbst vorher „umlenken“ klappt nicht wirklich, manchmal hab ich das Gefühl er will nur zum Bellen raus 😄
Du kannst ihn bestimmt über die Leine mitnehmen. Mach durch ein Geräusch auf dich aufmerksam, damit er mitbekommt was los ist, Blickrichtung dahin, wo du hinmöchtest und dann gehst du zusammen mit ihm flott in die andere Richtung.
Manchmal hilft ein bisschen Dynamik, in dem du z.B. ein paar Schritte läufst. Freu dich mit ihm, wenn er schafft sich anzuschließen 🥰

Wie andere schon sagten, ihr seid ja vermutlich eh zum lösen recht häufig im Garten. Aufpassen mit der Dauer nicht zu übertreiben und ans Gemüt anpassen.

Ihr macht das schon 🤗🐾

Von der Ulli Reichmann gibt es auch ein ganz liebes und humorvolles Welpenbüchlein, dass sich in meinen Augen auch für frisch eingezogene Tierschutzhunde eignet und die typischen Welpen- und Junghundthemen ohne „Höher, weiter, schneller“-Einstellung anschneidet. Sehr angenehm, vielleicht ist das ja was für dich. Ich empfinde es als sehr erdend, gerade wenn anfangs nicht alles so läuft, wie man sich das vielleicht ausgedacht hat.
 
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Kerstin
28. März 10:33
Meine Nachbarin hat auch einen Tierschutzhund, der vor allem Angst hatte. Er ließ sich nicht anfassen, hatte solche Angst vor anderen Hunden, dass er sich nur in ihrem winzigen Gartdn lösen konnte. In meiner Wohnung ist ein Fenster so gelegen, dass ich direkt in deren Garten schauen kann. Wenn ichden Hund beobachtet habe und er mich bemerkte, weil sich unsere Blicke zufällig trafen oder wenn ich nur mit Papier geraschelt habe, ist er sofort wieder in die Wohnung geflüchtet.

Meine Nachbarin hat mit einer Trainerin im Einzelzraining mit ihm gearbeitet. Es hat DREI JAHRE gedauert, bis sich die ersten Erfolge zeigten.

Jetzt hat sie den Hund 5 Jahre. Er wird nie zum Kuschelnär werden, aber Geschirrwechsel, Fellpflege und sogar der Tierarztbesuch gehen gut, wenn man ruhig bleibt und keine hektischen Bewegungen macht. Er kann sich jetzt auch draussen lösen, wenn keine Artgenossen in Sicht sind und er bellt viel weniger.
 
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Claudia
28. März 10:48
Meine Nachbarin hat auch einen Tierschutzhund, der vor allem Angst hatte. Er ließ sich nicht anfassen, hatte solche Angst vor anderen Hunden, dass er sich nur in ihrem winzigen Gartdn lösen konnte. In meiner Wohnung ist ein Fenster so gelegen, dass ich direkt in deren Garten schauen kann. Wenn ichden Hund beobachtet habe und er mich bemerkte, weil sich unsere Blicke zufällig trafen oder wenn ich nur mit Papier geraschelt habe, ist er sofort wieder in die Wohnung geflüchtet. Meine Nachbarin hat mit einer Trainerin im Einzelzraining mit ihm gearbeitet. Es hat DREI JAHRE gedauert, bis sich die ersten Erfolge zeigten. Jetzt hat sie den Hund 5 Jahre. Er wird nie zum Kuschelnär werden, aber Geschirrwechsel, Fellpflege und sogar der Tierarztbesuch gehen gut, wenn man ruhig bleibt und keine hektischen Bewegungen macht. Er kann sich jetzt auch draussen lösen, wenn keine Artgenossen in Sicht sind und er bellt viel weniger.
Toll, dass die Nachbarin durchgehalten hat und es ist sehr schön, dass er ein zu Hause gefunden hat und sich um ihn gekümmert wird. Was muss das Tier oder überhaupt Tiere aus dem Tierschutz alles erlebt haben um irgendwann vielleicht vertrauen aufzubauen? Da mag man gar nicht drüber nachdenken. Auch diese Hunde haben ein Recht auf ein Leben, was wahrscheinlich andere Menschen versaut haben. Meine Nala soll im Shelter von anderen Hunden gemoppt worden sein. Davon merkt man zum Glück nichts. Sie geht zu 99% auf Mensch u Tier positiv zu. Ich würde wieder ein Tier aus dem Tierschutz aufnehmen - auch wenn sehr Zeitintensiv ist.
 
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Annett
28. März 11:21
Hundeschule ist zwar gut, aber jetzt noch nicht. Das ist gut gemeint, aber viel zu früh. Lasst den Hund erstmal in Ruhe ankommen und verlangt von ihm noch gar nichts, auch keine ausgiebigen Gassigänge. Er hat einen absoluten „Kulturschock“, was völlig normal ist. Stell dir vor, du kommst von der Straße, wurdest immer vertrieben, hattest noch nie ein Zuhause, schon gar keins, wo du im Haus wohnen durftest, musstest täglich ums Überleben kämpfen und niemand hat sich um dich gekümmert. Und nun ist von heute auf morgen alles komplett anders. Dazu kommt, dass jeder Hund anders ist und das anders wegsteckt. Selbst im besten Fall dauert es etwa 3 Monate, bis ein Hund richtig angekommen ist. Also gib euch Zeit, das ist das Wichtigste! Das Verhalten, dass du da beschreibst, zeigt Überforderung, Unsicherheit und Angst. Der Hund weiß ja nicht, dass es ihm jetzt gut gehen wird und er in Sicherheit ist. Das muss er erst nach und nach lernen und begreifen. Alles ist neu, gruselig und völlig ungewohnt für ihn. Auch wenn er es bisher nicht gut hatte, war das trotzdem sein gewohntes Leben. Das alles kann sich in diesem Verhalten äußern. Lasst ihn erstmal in Ruhe und bedrängt ihn nicht. Setzt euch mit auf den Boden und lasst ihn von alleine kommen. Auch füttern aus der Hand kann helfen. Macht anfangs nur kleine Runden auf immer der gleichen Strecke. Das alles schafft Sicherheit und Vertrauen. Funktioniert auch das nicht, dann geht einfach erstmal nur in den Garten oder vors Haus. Der Hund muss langsam Vertrauen zu euch aufbauen. Erst dann wird er sich bei euch sicher fühlen und dann wird auch dieses Verhalten nachlassen. Bleibt also ruhig und gelassen und lasst ihm alle Zeit der Welt zum Ankommen und dann wird das schon. Zum jetzigen Zeitpunkt eine Hundeschule wird ihn wahrscheinlich noch mehr überfordern, denn dieses Verhalten ist zur jetzigen Zeit mit dem Hintergrund der Herkunft noch kein Erziehungsproblem. Es kann aber zu einem werden, wenn ihr nicht auf die Bedürfnisse des Hundes eingeht. Viel Erfolg und erwartet jetzt erst einmal nichts vom Hund. Ihr werdet sehen, das kommt alles nach und nach.
 
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Mara
28. März 11:39
Vielen Dank für eure Worte, das ist mir wirklich eine kleine Stütze. 🙏🏼
Wir werden die nächsten Tage nun ruhig angehen und uns ohne Erwartungen auf unsere Bindung und das Vertrauen konzentrieren.
Da ich eine Gruppenstunde in der Hundeschule auch für etwas zu früh halte, kommt uns unsere Trainerin am Dienstag besuchen um die Situation einzuschätzen. Ich bin super zuversichtlich, dass wir das hinbekommen. 🤎
 
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Kirsten
28. März 11:44
Vielen Dank für eure Worte, das ist mir wirklich eine kleine Stütze. 🙏🏼 Wir werden die nächsten Tage nun ruhig angehen und uns ohne Erwartungen auf unsere Bindung und das Vertrauen konzentrieren. Da ich eine Gruppenstunde in der Hundeschule auch für etwas zu früh halte, kommt uns unsere Trainerin am Dienstag besuchen um die Situation einzuschätzen. Ich bin super zuversichtlich, dass wir das hinbekommen. 🤎
Das klingt prima 👏🏻☺️