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Celine
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Anzahl der Antworten 123
heute 23:09

Der Fall "Sam" - Angriff oder missglückter Rettungsversuch?

Der aktuelle Fall um den Hund "Sam" wirft bei mir viele Fragen auf. Je mehr ich lese, desto unsicherer werde ich bezüglich des tatsächlichen Tathergangs. In den Medien (die nicht einmal die korrekte Rasse benennen können) ist die Rede davon, dass der Halter an einem Biss ins Gesicht verstarb. Dem steht die Theorie gegenüber, der Hund habe lediglich versucht, sein Herrchen (nach einem medizinischen Notfall) zu "wecken". Wie lässt sich die Schwere der Verletzungen mit einem bloßen Weckversuch vereinbaren? Ab wann schlägt Fürsorge in (unbeabsichtigte) schwere Verletzung um? Auf dem Bild erkennt man schon etwas rosa am weißen Brustzeichen, was für Kontakt mit Blut steht. Die Dobihündin, die bei mir zum Schluss war, lag 2 Tage neben dem toten Besitzer in der Wohnung. Der Besitzer hatte aber keine Spuren von seinem Hund. Das heißt natürlich nicht, dass es bei allen Hunden so sein muss, das ist mir schon klar. Wären aber solche Fälle nicht häufiger/ bekannter? Und vor allem, wenn es zu einem Kampf kam, warum hat niemand was gesehen oder gehört? Der Fall Chico damals, der nachweislich misshandelt wurde und die 2 Menschen getötet hat, hat meiner Meinung nach nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen. Was ist hier anders? Ich bin mir bei dem Thema so unsicher, dass ich mir gar kein Urteil erlauben kann oder will. Dennoch freue ich mich über eure Ansichten und vielleicht auch die ein oder andere fachliche Einschätzung oder auch persönliche Erfahrung😊 https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/osnabrueck_emsland/hund-toetet-halter-rechtsmedizin-bestaetigt-bisse-als-ursache,lohne-122.html
 
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Sonja
heute 18:57
Ja den genauen Tathergang wird man nie erfahren. Allerdings finde ich es auch erschreckend, wie gefühlt das ganze Internet sich sicher ist, dass dieser Hund nicht gebissen hat.
Das finde ich sogar sehr bedenklich. Es kann bei den Leuten offenbar nicht sein, was nicht sein darf... Aber vielleicht ist es ja aus "unschuldigen" Gründen so, dem muss man doch nachgehen und erstmal offen dafür sein. Vielleicht sind es Schmerzen, vielleicht neuronal etwas. Vielleicht auch ein Defizit durch schlechte Zucht, was erst mit zunehmender Reife zutage trat. Und dann muss man doch besonders bei letzterem auch ehrlich sagen: vielleicht kann das wieder passieren... Vielleicht sogar wieder "einfach so". Das muss man ergründen und so gut es geht verhindern.
Ich habe ein Herz für Listenhunde und deren Mixe, aber bei aller Liebe muss man realistisch bleiben. Besteht Gefahr und die ist nicht langfristig verhinderbar, dann sind traurige Entscheidungen meiner Meinung nach leider unumgänglich.
 
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Katja
heute 19:01
Ich finde das Ausmaß langsam echt schlimm..
Ja, und genau das ist ja das, was u.a. Vanessa von den Hellhounds und viele andere, die an diesem Ende der Kette stehen, immer wieder sagen: das Ausmaß der richtig krassen Fälle ist inzwischen absolut erschreckend!
Über das warum und wieso kann man gerne unterschiedlicher Meinung sein.

Auch im Berliner Tierheim ist kaum ein Hund ohne Beiß- oder Tötungsvorfall zu finden (die anderen sind halt in einer Großstadt schnell vermittelt)… daher kommt Polli auch aus dem Auslandstierschutz.
Und wie haben unserem HFS bei einem Verhaltenstherapeuten gemacht, der normalerweise genau solche Hunde behandelt. Dem wurde beileibe nicht langweilig… obwohl ja der Schritt zum kompetenten Trainer wenigstens mal ein Anfang ist, den viele nicht gehen.
Aber was der da leistet, sehe ich bei anderen Hundetrainern auch nicht mal im Ansatz!

Verantwortungsvoll Hunde vermitteln (eben nicht den HSH in die Etagenwohnung), wahllose Vermehrung konsequent verbieten & verfolgen, Kompetenz- und Ernsthaftigkeit bei den neuen Haltern abfragen (Hundeführerschein?)… aber ich glaube auch, dass die ganze Blauäugigkeit in den sozialen Medien einen signifikanten Teil zu der aktuellen Situation beiträgt!🤔

Wie sagen alle immer so schön?
„Hund Hund sein lassen“… und nicht Kind- oder Lebenspartner-Ersatz, Statussymbol o.ä….
Aber davon entfernen wir uns leider immer mehr.
 
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Katrin
heute 19:02
Es ist inzwischen wissenschaftlich erwiesen das Hunde über die gleichen Arten von Bindungen und Bindungstypen zu ihreren Bezugspersonen aufbauen wie Kinder zu ihren Eltern. Brok's Aussagen zu den Thema sind fachlich so falsch wie ne Aussage nur falsch sein kann. Auch der Rest des Interviews ist vom fachlichen Geschichtspunkt auf einem ähnlichen Niveau. Aber von Brok kann man ja nichts anderes erwarten.
Und es kommt natürlich nie vor das Kinder sich nicht doch aggressiv gegen Eltern richten🫣. Sorry aber schon Kinder hauen, treten, beißen und manch ältere tun sogar noch schlimmeres den Eltern an. Bindung schützt nicht immer vor Gewalt.
 
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Heike
heute 19:02
Ich denke, es gibt kaum Hunde, wo man die Hand ins Feuer legen könnte, dass sie nie einen Menschen ernsthaft beißen.
Ich kenne den Fall aus der Nachbarschaft, ein freundlicher, großer Mischlingsrüde. Er ist mit dem Sohn der Familie aufgewachsen und es gab nie Vorfälle, wo er den Menschen gegenüber aggressiv war. Dann hatte der Sohn im Alter von 6 oder 7 Jahren Besuch von einem Schulfreund, die zwei spielten auf der Wiese Fußball, der Hund war dabei. Der Sohn rutschte nah beim Hund aus und fiel hin, in dem Moment biss der Hund ihm mehrfach, ernsthaft ins Gesicht und in den Kopf. Er wurde verletzt, kam ins Krankenhaus und behielt einige Naben von dem Vorfall, wer weiß, wie es ausgegangen wäre, wenn niemand in der Nähe gewesen wäre der eingreift. Niemand hat bei dem Hund mit einer solchen Reaktion gerechnet.
Falsche Stimmung, falsche Situation… wer weiß es schon genau 🤷🏼‍♀️
 
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Katja
heute 19:17
Und es kommt natürlich nie vor das Kinder sich nicht doch aggressiv gegen Eltern richten🫣. Sorry aber schon Kinder hauen, treten, beißen und manch ältere tun sogar noch schlimmeres den Eltern an. Bindung schützt nicht immer vor Gewalt.
Wie war das mit der Bürgermeisterin von Herdecke, die Opfer eines Messerangriffs ihrer Adoptivtochter wurde…?

Es kann halt immer blöd laufen, man steckt nicht drin…
Man kann nur versuchen, Mechanismen zu etablieren, die das Risiko minimieren.

Und ein blauer XL Bully spricht zumindest mal nicht für die optimalsten Gene, sag ich jetzt mal so.😫
 
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Raphael
heute 19:20
Und es kommt natürlich nie vor das Kinder sich nicht doch aggressiv gegen Eltern richten🫣. Sorry aber schon Kinder hauen, treten, beißen und manch ältere tun sogar noch schlimmeres den Eltern an. Bindung schützt nicht immer vor Gewalt.
Es gibt durchaus "defekte" Bindungen wo dann massive Gewalt stattfindet.
Das bestreitet ja niemand.

Ist aber auch nicht ansatzweise das was im Interview von Brok gesagt wird. Da wird unter anderem behauptet das Hunde keine Bindung zu uns aufbauen und das es keine Familienmitglieder sind.

Und das ist falsch.

Und es ist bei weitem nicht die einzige Falschaussage in dem Text.
 
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Lena
heute 19:23
Ja den genauen Tathergang wird man nie erfahren. Allerdings finde ich es auch erschreckend, wie gefühlt das ganze Internet sich sicher ist, dass dieser Hund nicht gebissen hat.
Naja, „das ganze Internet“-in allen sozialen Medien gibt es eben auch einen Teil Schwurbler bzw. Menschen die meinen sie würden es besser wissen.

Wenn man wirklich Infos haben will, sollte man sich an seriöse Quellen halten und nicht irgendwelchen Berichten auf Face*, Insta oder sonst was für bare Münze nehmen.

Selbst hier gab es schon reine Aufreißerstorys, wo sich alle furchtbar aufgeregt haben und im Hintergrund die Wahrheit eine ganz andere war.
 
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Celine
heute 20:08
Das finde ich sogar sehr bedenklich. Es kann bei den Leuten offenbar nicht sein, was nicht sein darf... Aber vielleicht ist es ja aus "unschuldigen" Gründen so, dem muss man doch nachgehen und erstmal offen dafür sein. Vielleicht sind es Schmerzen, vielleicht neuronal etwas. Vielleicht auch ein Defizit durch schlechte Zucht, was erst mit zunehmender Reife zutage trat. Und dann muss man doch besonders bei letzterem auch ehrlich sagen: vielleicht kann das wieder passieren... Vielleicht sogar wieder "einfach so". Das muss man ergründen und so gut es geht verhindern. Ich habe ein Herz für Listenhunde und deren Mixe, aber bei aller Liebe muss man realistisch bleiben. Besteht Gefahr und die ist nicht langfristig verhinderbar, dann sind traurige Entscheidungen meiner Meinung nach leider unumgänglich.
Da bin ich ganz bei dir.

Es ist legitim, den Vorfall kritisch zu betrachten und den Tathergang zu hinterfragen. Für viele Menschen, einschließlich des direkten Umfelds des Verstorbenen reicht die vom Rechtsmediziner bestätigte Todesursache jedoch nicht aus.

Nach meinem Kenntnisstand ist der Hund etwa 11 Jahre alt, sodass auch altersbedingte Veränderungen im Verhalten nicht ausgeschlossen werden könnten..
 
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Katrin
heute 20:13
Es gibt durchaus "defekte" Bindungen wo dann massive Gewalt stattfindet. Das bestreitet ja niemand. Ist aber auch nicht ansatzweise das was im Interview von Brok gesagt wird. Da wird unter anderem behauptet das Hunde keine Bindung zu uns aufbauen und das es keine Familienmitglieder sind. Und das ist falsch. Und es ist bei weitem nicht die einzige Falschaussage in dem Text.
Es gibt keine ,,defekte Bindung" aber es gibt verschiedene Bindungsstypen. Und da wären wir wieder bei der Sozialisierung, den Erfahrungen die der Hund in der frühen Welpenzeit und danach gemacht hat. Auch das beeinflusst spätere Bindungsfähigkeiten und Verhalten.
 
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Celine
heute 20:17
Ja, und genau das ist ja das, was u.a. Vanessa von den Hellhounds und viele andere, die an diesem Ende der Kette stehen, immer wieder sagen: das Ausmaß der richtig krassen Fälle ist inzwischen absolut erschreckend! Über das warum und wieso kann man gerne unterschiedlicher Meinung sein. Auch im Berliner Tierheim ist kaum ein Hund ohne Beiß- oder Tötungsvorfall zu finden (die anderen sind halt in einer Großstadt schnell vermittelt)… daher kommt Polli auch aus dem Auslandstierschutz. Und wie haben unserem HFS bei einem Verhaltenstherapeuten gemacht, der normalerweise genau solche Hunde behandelt. Dem wurde beileibe nicht langweilig… obwohl ja der Schritt zum kompetenten Trainer wenigstens mal ein Anfang ist, den viele nicht gehen. Aber was der da leistet, sehe ich bei anderen Hundetrainern auch nicht mal im Ansatz! Verantwortungsvoll Hunde vermitteln (eben nicht den HSH in die Etagenwohnung), wahllose Vermehrung konsequent verbieten & verfolgen, Kompetenz- und Ernsthaftigkeit bei den neuen Haltern abfragen (Hundeführerschein?)… aber ich glaube auch, dass die ganze Blauäugigkeit in den sozialen Medien einen signifikanten Teil zu der aktuellen Situation beiträgt!🤔 Wie sagen alle immer so schön? „Hund Hund sein lassen“… und nicht Kind- oder Lebenspartner-Ersatz, Statussymbol o.ä…. Aber davon entfernen wir uns leider immer mehr.
Absolut. Wir bekommen nur die medialen Fälle mit.
Die Beißvorfälle auf Menschen sind enorm. Da reicht es ja schon einfach mal bei der Hellhound sich zu belesen, welche Fälle in letzter Zeit wieder eingetroffen sind.

Und ja, auch Tierheime/ Trainer, Pflegestellen sind mit Problemfällen ausgelastet.
Von einer damalige Arbeitskollegin die beste Freundin hatte einen Rottweiler, der immer mehr auf sie los ging. Das Berliner Tierheim hatte für so einen Extremfall keine Kapazitäten mehr. Die Züchterin hatte sich den Fall selbst nicht zugetraut und konnte auch nicht helfen. Ende vom Lied war, dass der Hund wo untergekommen ist, wo sie monatlich sehr viel Geld bezahlt.