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Celine
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Anzahl der Antworten 849
heute 18:18

Der Fall "Sam" - Angriff oder missglückter Rettungsversuch?

Der aktuelle Fall um den Hund "Sam" wirft bei mir viele Fragen auf. Je mehr ich lese, desto unsicherer werde ich bezüglich des tatsächlichen Tathergangs. In den Medien (die nicht einmal die korrekte Rasse benennen können) ist die Rede davon, dass der Halter an einem Biss ins Gesicht verstarb. Dem steht die Theorie gegenüber, der Hund habe lediglich versucht, sein Herrchen (nach einem medizinischen Notfall) zu "wecken". Wie lässt sich die Schwere der Verletzungen mit einem bloßen Weckversuch vereinbaren? Ab wann schlägt Fürsorge in (unbeabsichtigte) schwere Verletzung um? Auf dem Bild erkennt man schon etwas rosa am weißen Brustzeichen, was für Kontakt mit Blut steht. Die Dobihündin, die bei mir zum Schluss war, lag 2 Tage neben dem toten Besitzer in der Wohnung. Der Besitzer hatte aber keine Spuren von seinem Hund. Das heißt natürlich nicht, dass es bei allen Hunden so sein muss, das ist mir schon klar. Wären aber solche Fälle nicht häufiger/ bekannter? Und vor allem, wenn es zu einem Kampf kam, warum hat niemand was gesehen oder gehört? Der Fall Chico damals, der nachweislich misshandelt wurde und die 2 Menschen getötet hat, hat meiner Meinung nach nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen. Was ist hier anders? Ich bin mir bei dem Thema so unsicher, dass ich mir gar kein Urteil erlauben kann oder will. Dennoch freue ich mich über eure Ansichten und vielleicht auch die ein oder andere fachliche Einschätzung oder auch persönliche Erfahrung😊 https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/osnabrueck_emsland/hund-toetet-halter-rechtsmedizin-bestaetigt-bisse-als-ursache,lohne-122.html
 
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Sina
heute 16:26
Ich verstehe nicht recht, warum sie keinen DNA Test gemacht haben. Theoretisch wäre ja auch denkbar, dass ein anderer Hund des Weges kam? Und wenn sie den Wesenstest gewissenhaft gemacht haben und er hat ihn einfach so ohne Vorbereitung geschafft, dann ist das schon erstaunlich. Ich hatte erst einen Hund, bei dem das möglich gewesen wäre. Aber ja, könnte natürlich ein ganz bestimmter Trigger/Konstellation gewesen sein. Mir wäre auch nicht wohl mit dem Hund.
Ich vermute, dass stattdessen die Bissverletzungen vermessen wurden, dass sie zumindest ziemlich genau dem Gebiss eines Hundes dieser Rasse zuzuordnen waren.

Wobei man laut dem Mitbewohner anscheinend zumindest DNA Proben seines Bullys entnommen hat, anscheinend um da eine Beteiligung auszuschließen.
Wobei Entnahme natürlich auch nicht zwangsläufig heisst, dass man damit dann noch getestet hat.
 
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Katrin
heute 16:27
Ein DNA Test bringt nix. Selbst wenn man Spuren von Sam findet könnte man behaupten das wäre durch lecken passiert oder aber genauso gut könnte fremde DNA von einen anderen freundlichen Hund zuvor im Gesicht gelandet sein.
 
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Katrin
heute 16:31
Ich finde es nach wie beeindruckend wie sehr Menschen nach Gründen suchen. Ich frage mich ob das ganze auch so wäre wenn es sich zB um einen Straßenmix, Labrador oder Bernhardiner gehandelt hätte.
 
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Sina
heute 16:33
Ein DNA Test bringt nix. Selbst wenn man Spuren von Sam findet könnte man behaupten das wäre durch lecken passiert oder aber genauso gut könnte fremde DNA von einen anderen freundlichen Hund zuvor im Gesicht gelandet sein.
Es gibt zumindest einen Fall in Frankreich, bei dem eine junge Frau zerfleischt im Wald neben ihrem Hund gefunden wurde.
(Elisa Pilarski, wer es googlen möchte)

Zur selben Zeit war auch eine Horde Jagdhunde dort unterwegs.
Ihr Mann war sich auch zu 100% sicher, dass es der eigene Hund nicht gewesen sein kann.

Aber durch DNA hat man das wohl zweifelsfrei belegen können. Man hat vorher tatsächlich von jedem einzelnen Jagdhund DNA entnommen und verglichen und mehrere Gutachten erstellt.

Möglich ist es also schon, aber in dem Fall war es den Aufwand scheinbar nicht wert, verständlicherweise.
 
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Lena
heute 16:51
Naja, gegenüber lebenslanger Sicherungsverwahrung (wovon zu dem Zeitpunkt auszugehen war) sind 100€ (?) eher Portokasse?
Das Ergebnis des Obduktionsberichtes stand mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit fest, daher müssen die 100€ nicht ausgegeben werden (denn nur dafür wäre der Test gedacht), nur um das Ergebnis zu bestätigen.
 
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wolf
heute 17:43
Ich verstehe nicht recht, warum sie keinen DNA Test gemacht haben. Theoretisch wäre ja auch denkbar, dass ein anderer Hund des Weges kam? Und wenn sie den Wesenstest gewissenhaft gemacht haben und er hat ihn einfach so ohne Vorbereitung geschafft, dann ist das schon erstaunlich. Ich hatte erst einen Hund, bei dem das möglich gewesen wäre. Aber ja, könnte natürlich ein ganz bestimmter Trigger/Konstellation gewesen sein. Mir wäre auch nicht wohl mit dem Hund.
Es war ja erst angekündigt, einen zu machen. Aber wenn die Evidenz überzeugend ist, wozu dann noch? Man hat den Hund mit dem Gebiss ja. Meist lässt sich gut am Bissmuster erkennen, was für ein Zahnabstand vorlag.
Dann kommt dazu, dass es doch wenig überzeugend ist, daß ein weiterer Hund kommt, dem Halter direkt die Kehle zerfetzt und in keinen Konflikt mit Sam gerät. Und dann spurlos verschwindet. Das nennt sich Occam's Razer, daß man komplexe Theorien mit vielen Variablen zugunsten einer einfachen Erklärung verwirft.
Und nur um die Öffentlichkeit zu befriedigen soll hier ein Routinevorgehen angepasst werden. OK, hätte einige Diskussionen vermeiden können. Aber für die Polizei steht ja nach deren Aussage ohne Zweifel fest daß es Sam war. Das ist doch hier, was zählt und nicht, was die Allgemeinheit meint, wissen zu müssen.
 
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Jochen
heute 17:57
Es war ja erst angekündigt, einen zu machen. Aber wenn die Evidenz überzeugend ist, wozu dann noch? Man hat den Hund mit dem Gebiss ja. Meist lässt sich gut am Bissmuster erkennen, was für ein Zahnabstand vorlag. Dann kommt dazu, dass es doch wenig überzeugend ist, daß ein weiterer Hund kommt, dem Halter direkt die Kehle zerfetzt und in keinen Konflikt mit Sam gerät. Und dann spurlos verschwindet. Das nennt sich Occam's Razer, daß man komplexe Theorien mit vielen Variablen zugunsten einer einfachen Erklärung verwirft. Und nur um die Öffentlichkeit zu befriedigen soll hier ein Routinevorgehen angepasst werden. OK, hätte einige Diskussionen vermeiden können. Aber für die Polizei steht ja nach deren Aussage ohne Zweifel fest daß es Sam war. Das ist doch hier, was zählt und nicht, was die Allgemeinheit meint, wissen zu müssen.
Ja, ist wohl zu sehr nach dem Humanrecht gedacht: In dubio pro reo. Im Indizienprozess beim Menschen hätte man sicher keinen Beweis ausgelassen.
 
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Katrin
heute 18:09
Es gibt zumindest einen Fall in Frankreich, bei dem eine junge Frau zerfleischt im Wald neben ihrem Hund gefunden wurde. (Elisa Pilarski, wer es googlen möchte) Zur selben Zeit war auch eine Horde Jagdhunde dort unterwegs. Ihr Mann war sich auch zu 100% sicher, dass es der eigene Hund nicht gewesen sein kann. Aber durch DNA hat man das wohl zweifelsfrei belegen können. Man hat vorher tatsächlich von jedem einzelnen Jagdhund DNA entnommen und verglichen und mehrere Gutachten erstellt. Möglich ist es also schon, aber in dem Fall war es den Aufwand scheinbar nicht wert, verständlicherweise.
Ja da gab es dann aber durch die Jagdhunde eine gewisse Möglichkeit.

Die sehe ich in diesem Fall nicht.
 
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Lena
heute 18:18
Stimme dir zu, es gibt im Fall Sam keine naheliegende andere Variante, die zum selben Verletzungsmuster geführt haben kann.