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Celine
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Anzahl der Antworten 87
heute 19:23

Der Fall "Sam" - Angriff oder missglückter Rettungsversuch?

Der aktuelle Fall um den Hund "Sam" wirft bei mir viele Fragen auf. Je mehr ich lese, desto unsicherer werde ich bezüglich des tatsächlichen Tathergangs. In den Medien (die nicht einmal die korrekte Rasse benennen können) ist die Rede davon, dass der Halter an einem Biss ins Gesicht verstarb. Dem steht die Theorie gegenüber, der Hund habe lediglich versucht, sein Herrchen (nach einem medizinischen Notfall) zu "wecken". Wie lässt sich die Schwere der Verletzungen mit einem bloßen Weckversuch vereinbaren? Ab wann schlägt Fürsorge in (unbeabsichtigte) schwere Verletzung um? Auf dem Bild erkennt man schon etwas rosa am weißen Brustzeichen, was für Kontakt mit Blut steht. Die Dobihündin, die bei mir zum Schluss war, lag 2 Tage neben dem toten Besitzer in der Wohnung. Der Besitzer hatte aber keine Spuren von seinem Hund. Das heißt natürlich nicht, dass es bei allen Hunden so sein muss, das ist mir schon klar. Wären aber solche Fälle nicht häufiger/ bekannter? Und vor allem, wenn es zu einem Kampf kam, warum hat niemand was gesehen oder gehört? Der Fall Chico damals, der nachweislich misshandelt wurde und die 2 Menschen getötet hat, hat meiner Meinung nach nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen. Was ist hier anders? Ich bin mir bei dem Thema so unsicher, dass ich mir gar kein Urteil erlauben kann oder will. Dennoch freue ich mich über eure Ansichten und vielleicht auch die ein oder andere fachliche Einschätzung oder auch persönliche Erfahrung😊 https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/osnabrueck_emsland/hund-toetet-halter-rechtsmedizin-bestaetigt-bisse-als-ursache,lohne-122.html
 
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Lena
heute 18:12
Ja, ich habe ähnliches gelesen in einer Gruppe, die die Mitbewohnerin gegründet hat. Sie will Sam offenbar behalten, sagt sie hat jahrelang mit dem Hund zusammen gewohnt, und ist sich sicher, er ist unschuldig. Ich glaube schon daran, dass die Obduktionsergebnisse eindeutig sind, und der Hund es war. Aber trotzdem scheint sich der Fall von anderen Fällen zu unterscheiden, in denen das Umfeld und Nachbarn dann sofort sagen "haben wir immer gewusst, es musste ja so kommen", der Hund schon zig mal bei Behörden gemeldet war, und Angehörige letztendlich froh sind, dass der eingeschläfert wird. Er scheint in diesem Fall wirklich bislang völlig unauffällig gewesen zu sein. Oder niemand war in der Lage die Gefahr zu erkennen. Auch möglich.
Ich weiß nicht, ob der Hund vielleicht schon untersucht wurde- Krankheiten können ja scheußliche Folgen haben.

Dazu wo kommt der Hund her, Zucht etc.

Und schlicht unbesorgter Umgang, was in einer Tragödie geendet hat.

Hab noch heute ein Video gesehen, wo ein Hund „spielerisch“ ständig in ein Kind beißt-

Das Geheule ist groß, wenn das Spiel vorbei ist…
 
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Celine
heute 18:14
Ja, ich habe ähnliches gelesen in einer Gruppe, die die Mitbewohnerin gegründet hat. Sie will Sam offenbar behalten, sagt sie hat jahrelang mit dem Hund zusammen gewohnt, und ist sich sicher, er ist unschuldig. Ich glaube schon daran, dass die Obduktionsergebnisse eindeutig sind, und der Hund es war. Aber trotzdem scheint sich der Fall von anderen Fällen zu unterscheiden, in denen das Umfeld und Nachbarn dann sofort sagen "haben wir immer gewusst, es musste ja so kommen", der Hund schon zig mal bei Behörden gemeldet war, und Angehörige letztendlich froh sind, dass der eingeschläfert wird. Er scheint in diesem Fall wirklich bislang völlig unauffällig gewesen zu sein. Oder niemand war in der Lage die Gefahr zu erkennen. Auch möglich.
Ja deshalb finde ich es so schwierig einzuordnen.
Würden Eltern wirklich den Hund retten wollen, der das eigene Kind getötet hat?
Die müssen so überzeugt sein, dass ich das ganze selber nicht mehr so glauben kann.

Andererseits konnte ich mir bei der Dobermannhündin, die ich zuletzt hatte und bei der es drei Beißvorfälle mit Menschen gab, es auch erst nicht glauben, weil sie bei mir völlig anders war.
Meine Gedanken waren auch oft „das kann ich mir nicht vorstellen“ und „naja gut, bei emotionaler Instabilität und falscher Führung plus Genetik..ja“
 
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Celine
heute 18:20
Ich finde das Ausmaß langsam echt schlimm..
 
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Lena
heute 18:21
Ja deshalb finde ich es so schwierig einzuordnen. Würden Eltern wirklich den Hund retten wollen, der das eigene Kind getötet hat? Die müssen so überzeugt sein, dass ich das ganze selber nicht mehr so glauben kann. Andererseits konnte ich mir bei der Dobermannhündin, die ich zuletzt hatte und bei der es drei Beißvorfälle mit Menschen gab, es auch erst nicht glauben, weil sie bei mir völlig anders war. Meine Gedanken waren auch oft „das kann ich mir nicht vorstellen“ und „naja gut, bei emotionaler Instabilität und falscher Führung plus Genetik..ja“
Letztlich wird man es niemals wissen können, was tatsächlich vorgefallen ist-

Dramatisch ist es, wenn keine Einschätzung des Hundes mehr möglich ist und Triggerpunkte ggf. nicht gefunden werden.

Ein Fall in unserem Tierheim: Hund nach Beißvorfall kam rein, über ein Jahr trainiert, Trigger nicht gefunden aber auch kein neuer Vorfall und dann „aus dem Nichts“ einen Pfleger schwerst verletzt in einer Alltagssituation mit einer bekannten Person.

Der Hund hatte keine körperlichen Erkrankungen
 
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Celine
heute 18:25
Letztlich wird man es niemals wissen können, was tatsächlich vorgefallen ist- Dramatisch ist es, wenn keine Einschätzung des Hundes mehr möglich ist und Triggerpunkte ggf. nicht gefunden werden. Ein Fall in unserem Tierheim: Hund nach Beißvorfall kam rein, über ein Jahr trainiert, Trigger nicht gefunden aber auch kein neuer Vorfall und dann „aus dem Nichts“ einen Pfleger schwerst verletzt in einer Alltagssituation mit einer bekannten Person. Der Hund hatte keine körperlichen Erkrankungen
Das nicht aber man sollte der Rechtsmedizin so glauben können?
Warum sollte eine falsche Todesursache genannt werden?

Naja der muss durch einen Wesenstest, was natürlich völlig harmlos verlaufen kann.

Ich glaube mittlerweile, dass uns diese ganze Hobby Vermehrerei und das kaufen von polnischen Hunden langsam vor die Füße fällt.
Statt soziale und gesunde Hunde mit dem notwendigen Fachwissen zu verpaaren, wird nach Optik verpaart.
 
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Lena
heute 18:29
Das nicht aber man sollte der Rechtsmedizin so glauben können? Warum sollte eine falsche Todesursache genannt werden? Naja der muss durch einen Wesenstest, was natürlich völlig harmlos verlaufen kann. Ich glaube mittlerweile, dass uns diese ganze Hobby Vermehrerei und das kaufen von polnischen Hunden langsam vor die Füße fällt. Statt soziale und gesunde Hunde mit dem notwendigen Fachwissen zu verpaaren, wird nach Optik verpaart.
Wann wurde eine falsche Todesursache genannt?

Mein Stand ist, dass zuerst vermutet wurde, dass die Bisse verantwortlich sein könnten (aber nicht müssen) und nun klar ist, dass die Bisse verantwortlich sind.

Die Rechtsmedizin kann die Motivation hinter den Bissen nicht feststellen, nur vermuten.

Also, wo kann man der Rechtsmedizin nicht glauben?
 
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Celine
heute 18:35
Wann wurde eine falsche Todesursache genannt? Mein Stand ist, dass zuerst vermutet wurde, dass die Bisse verantwortlich sein könnten (aber nicht müssen) und nun klar ist, dass die Bisse verantwortlich sind. Die Rechtsmedizin kann die Motivation hinter den Bissen nicht feststellen, nur vermuten. Also, wo kann man der Rechtsmedizin nicht glauben?
Na weil du meintest, dass man niemals wissen könne, was tatsächlich vorgefallen ist.

Das klang eher so, als würdest du dem ganzen auch so nicht glauben können.

Daraufhin brachte ich den Rechtsmediziner ins Spiel.
Sehr viele im Netz glauben ja selbst dem nicht und scheinbar ja nicht mal das nähere Umfeld. Aber warum sollte ein Rechtsmediziner auch die Todesursache fälschen. Das war auch eher eine Rhetorische Frage.
 
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Raphael
heute 18:37
Ich denke man sollte nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Ich denke nicht das sie zB den Frenchy jetzt mit einbezogen hat sondern hauptsächlich an die größeren Vertreter dachte und da stimme ich ehrlich gesagt zu. Vanessa Interviews stoßen ja oftmals bei vielen Leuten sauer auf was ihre Wortwahl und Direktheit angeht. Menschen wollen zunehmend nur das gute und liebe im Hund sehen. Das es trotz allem noch immer Raubtiere sind mit Instinkten und genetischen Veranlagungen die auch das packen und töten beinhalten wird oft ausgeblendet. Social Media ist voll von Videos wo Halter Fehler machen im Umgang mit dem eigenen Hund, wo Halter übergriffig handeln, Hundverhalten falsch interpretieren usw. Das kann lange gut gehen aber genauso gut kann es dann doch plötzlich kippen und der Hund beißt zu. Zum Thema Bindung. Bindung bedeutet für uns Menschen meistens was anderes wie für den Hund. Bindung endet wo der Instinkt übernimmt. Bindung schützt nicht vor Auseinandersetzungen.
Es ist inzwischen wissenschaftlich erwiesen das Hunde über die gleichen Arten von Bindungen und Bindungstypen zu ihreren Bezugspersonen aufbauen wie Kinder zu ihren Eltern.

Brok's Aussagen zu den Thema sind fachlich so falsch wie ne Aussage nur falsch sein kann.
Auch der Rest des Interviews ist vom fachlichen Geschichtspunkt auf einem ähnlichen Niveau.
Aber von Brok kann man ja nichts anderes erwarten.
 
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Lena
heute 18:40
Na weil du meintest, dass man niemals wissen könne, was tatsächlich vorgefallen ist. Das klang eher so, als würdest du dem ganzen auch so nicht glauben können. Daraufhin brachte ich den Rechtsmediziner ins Spiel. Sehr viele im Netz glauben ja selbst dem nicht und scheinbar ja nicht mal das nähere Umfeld. Aber warum sollte ein Rechtsmediziner auch die Todesursache fälschen. Das war auch eher eine Rhetorische Frage.
Naja, vorher sprach ich von Triggerpunkten beim Hund- woraus man dann schließen will, dass ich an der Todesursache an sich zweifel- weiß ich nicht.

Und letztendlich ist so, dass niemand genau sagen kann, warum der Hund in diesem Moment gebissen hat. Es gibt Dinge die man untersuchen kann, wahrscheinliche Szenarien und unwahrscheinlichere Szenarien
 
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Celine
heute 18:48
Naja, vorher sprach ich von Triggerpunkten beim Hund- woraus man dann schließen will, dass ich an der Todesursache an sich zweifel- weiß ich nicht. Und letztendlich ist so, dass niemand genau sagen kann, warum der Hund in diesem Moment gebissen hat. Es gibt Dinge die man untersuchen kann, wahrscheinliche Szenarien und unwahrscheinlichere Szenarien
Ja den genauen Tathergang wird man nie erfahren.
Allerdings finde ich es auch erschreckend, wie gefühlt das ganze Internet sich sicher ist, dass dieser Hund nicht gebissen hat.