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Celine
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heute 08:05

Der Fall "Sam" - Angriff oder missglückter Rettungsversuch?

Der aktuelle Fall um den Hund "Sam" wirft bei mir viele Fragen auf. Je mehr ich lese, desto unsicherer werde ich bezüglich des tatsächlichen Tathergangs. In den Medien (die nicht einmal die korrekte Rasse benennen können) ist die Rede davon, dass der Halter an einem Biss ins Gesicht verstarb. Dem steht die Theorie gegenüber, der Hund habe lediglich versucht, sein Herrchen (nach einem medizinischen Notfall) zu "wecken". Wie lässt sich die Schwere der Verletzungen mit einem bloßen Weckversuch vereinbaren? Ab wann schlägt Fürsorge in (unbeabsichtigte) schwere Verletzung um? Auf dem Bild erkennt man schon etwas rosa am weißen Brustzeichen, was für Kontakt mit Blut steht. Die Dobihündin, die bei mir zum Schluss war, lag 2 Tage neben dem toten Besitzer in der Wohnung. Der Besitzer hatte aber keine Spuren von seinem Hund. Das heißt natürlich nicht, dass es bei allen Hunden so sein muss, das ist mir schon klar. Wären aber solche Fälle nicht häufiger/ bekannter? Und vor allem, wenn es zu einem Kampf kam, warum hat niemand was gesehen oder gehört? Der Fall Chico damals, der nachweislich misshandelt wurde und die 2 Menschen getötet hat, hat meiner Meinung nach nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen. Was ist hier anders? Ich bin mir bei dem Thema so unsicher, dass ich mir gar kein Urteil erlauben kann oder will. Dennoch freue ich mich über eure Ansichten und vielleicht auch die ein oder andere fachliche Einschätzung oder auch persönliche Erfahrung😊 https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/osnabrueck_emsland/hund-toetet-halter-rechtsmedizin-bestaetigt-bisse-als-ursache,lohne-122.html
 
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Sina
15. Feb. 11:26
Die meisten scheinen auch gar nicht zu checken, dass die Bisse todesursächlich waren und dass der positive Wesenstest kein Beweis dagegen ist. 🙈 Aber man braucht auch echt nicht mit Fakten kommen, die kommen irgendwie nicht oben an 😅 viele schreiben dann sogar beim argumentieren "als ob irgendeine Familie einen Hund zu sich zurück holen würde, hätte der ein Familienmitglied getötet" und dass Sam es nicht war. Und dann kommen wieder die Verschwörungstheorien. Kein Blut, kleiner Kuschelbär...
Ich glaube das Problem ist, dass die meisten nicht wissen, dass ein Hund nicht nur aus Aggression heraus beissen kann.
Da Sam kein Aggressionsverhalten zeigt, ist deren Schlussfolgerung, er kann es nicht gewesen sein.

Tatsächlich ist es aber halt leider so, dass die wenigsten tödlichen Bissverletzungen aus Aggression passieren.
Fehlgeleitetes Beutefangverhalten ist da zB viel häufiger.
 
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Celine
15. Feb. 11:35
Die meisten scheinen auch gar nicht zu checken, dass die Bisse todesursächlich waren und dass der positive Wesenstest kein Beweis dagegen ist. 🙈 Aber man braucht auch echt nicht mit Fakten kommen, die kommen irgendwie nicht oben an 😅 viele schreiben dann sogar beim argumentieren "als ob irgendeine Familie einen Hund zu sich zurück holen würde, hätte der ein Familienmitglied getötet" und dass Sam es nicht war. Und dann kommen wieder die Verschwörungstheorien. Kein Blut, kleiner Kuschelbär...
Nee die glauben alle anhand von Momentaufnahmen, dass ein Hund X nicht beißen oder töten kann, weil er lieb aussieht.

Ich kenne selber Hunde, die einen Wesenstest bestanden haben aber Hunde tot gebissen haben.
Ein Wesenstest sagt also erstmal gar nichts aus, weil der Hund darauf trainiert und vorbereitet wird.
 
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Celine
15. Feb. 11:36
Die meisten scheinen auch gar nicht zu checken, dass die Bisse todesursächlich waren und dass der positive Wesenstest kein Beweis dagegen ist. 🙈 Aber man braucht auch echt nicht mit Fakten kommen, die kommen irgendwie nicht oben an 😅 viele schreiben dann sogar beim argumentieren "als ob irgendeine Familie einen Hund zu sich zurück holen würde, hätte der ein Familienmitglied getötet" und dass Sam es nicht war. Und dann kommen wieder die Verschwörungstheorien. Kein Blut, kleiner Kuschelbär...
Zu mal der Hund offensichtliche Blutspuren hatte. Aber man sieht nur das, was man wahrhaben will..
 
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Celine
15. Feb. 11:46
Der Fall wird auf jeden fall auch alle Nachfolgenden Fälle beeinflussen.

Wenn ein Hund nach einem tödlichen Vorfall durch einen künstlichen Wesenstest zurück in sein altes Umfeld darf, ebnet das den Weg für künftige Rechtsstreits. Jeder Anwalt kann sich nun darauf berufen, um Hunde, die Kinder, Erwachsene oder Artgenossen getötet haben, zurück in private Hände zu klagen.
 
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Sina
15. Feb. 11:51
Der Fall wird auf jeden fall auch alle Nachfolgenden Fälle beeinflussen. Wenn ein Hund nach einem tödlichen Vorfall durch einen künstlichen Wesenstest zurück in sein altes Umfeld darf, ebnet das den Weg für künftige Rechtsstreits. Jeder Anwalt kann sich nun darauf berufen, um Hunde, die Kinder, Erwachsene oder Artgenossen getötet haben, zurück in private Hände zu klagen.
Die Rechtslage ist aber glaube ich schon seit dem Fall Chico so.
In der Regel wollen die Leute einen Hund, der jemand getötet hat, ja nicht zurück.
Das ist hier schon ein sehr spezieller Fall, ich glaube nicht, dass das die Regel wird.
 
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Celine
15. Feb. 11:54
Die Rechtslage ist aber glaube ich schon seit dem Fall Chico so. In der Regel wollen die Leute einen Hund, der jemand getötet hat, ja nicht zurück. Das ist hier schon ein sehr spezieller Fall, ich glaube nicht, dass das die Regel wird.
Welche Rechtslage?
Chico wurde eingeschläfert.

Es spielt keine Rolle, ob ‚die meisten‘ ihren Hund nicht zurückwollen. Es reicht ein einziger Halter (oder ein Erbe, wie der Bruder hier), der rechtlich darauf pocht. Anwälte orientieren sich an dem, was rechtlich möglich ist und dieser Fall zeigt, dass sogar nach einer Tötung eine Rückkehr möglich ist. Das wird die Standard-Argumentation für jeden zukünftigen Beißvorfall.
 
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Sina
15. Feb. 12:02
Welche Rechtslage? Chico wurde eingeschläfert. Es spielt keine Rolle, ob ‚die meisten‘ ihren Hund nicht zurückwollen. Es reicht ein einziger Halter (oder ein Erbe, wie der Bruder hier), der rechtlich darauf pocht. Anwälte orientieren sich an dem, was rechtlich möglich ist und dieser Fall zeigt, dass sogar nach einer Tötung eine Rückkehr möglich ist. Das wird die Standard-Argumentation für jeden zukünftigen Beißvorfall.
Nach dem Fall Chico hat man den Fokus auf verstärkte Einzelfallprüfung gelegt und weniger nach der Rasse beurteilt.
Ab dann war es gängig die Gefährlichkeit eines Hundes nach Wesenstest zu beurteilen.

Chico wurde eingeschläfert, war er schwer verletzt war. Vermutlich wäre es aber auch schwierig geworden ihn zu Resozialisieren, so wie er gehalten wurde.

Das ist hier also kein neues Vorgehen, nur kommt es eben selten vor, dass so ein Hund noch gewollt wird.
 
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Celine
15. Feb. 12:06
Nach dem Fall Chico hat man den Fokus auf verstärkte Einzelfallprüfung gelegt und weniger nach der Rasse beurteilt. Ab dann war es gängig die Gefährlichkeit eines Hundes nach Wesenstest zu beurteilen. Chico wurde eingeschläfert, war er schwer verletzt war. Vermutlich wäre es aber auch schwierig geworden ihn zu Resozialisieren, so wie er gehalten wurde. Das ist hier also kein neues Vorgehen, nur kommt es eben selten vor, dass so ein Hund noch gewollt wird.
Okay mir geht in meinem Punkt aber nicht um Chicos Auswirkungen, da er eingeschläfert wurde.

Ab heute kann sich jeder Anwalt in Deutschland bei einem schweren Beißvorfall (egal ob gegen Kinder, Erwachsene oder andere Hunde) auf genau diesen Fall berufen. Er wird argumentieren ‚Bei Sam hat ein Wesentest gereicht, um die Tötung eines Menschen rechtlich zu neutralisieren. Also steht das meinem Mandanten auch zu‘
 
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Lena
15. Feb. 12:13
Okay mir geht in meinem Punkt aber nicht um Chicos Auswirkungen, da er eingeschläfert wurde. Ab heute kann sich jeder Anwalt in Deutschland bei einem schweren Beißvorfall (egal ob gegen Kinder, Erwachsene oder andere Hunde) auf genau diesen Fall berufen. Er wird argumentieren ‚Bei Sam hat ein Wesentest gereicht, um die Tötung eines Menschen rechtlich zu neutralisieren. Also steht das meinem Mandanten auch zu‘
Ich denke auch in Zukunft wird die Eignung als Halter durchaus ne Rolle spielen.

Jetzt ist der offenbar ungeeignete Halter tot (ob der Bruder es sein wird mal sehen).

Aber dieser Fall dient nicht als Argument für einen Halter seinen! Hund wieder zu bekommen, wenn der einen anderen Menschen getötet hat.

Denn selbst mit bestanden Wesenstest, wäre der Halter trotzdem dran.
 
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Celine
15. Feb. 12:17
Ich denke auch in Zukunft wird die Eignung als Halter durchaus ne Rolle spielen. Jetzt ist der offenbar ungeeignete Halter tot (ob der Bruder es sein wird mal sehen). Aber dieser Fall dient nicht als Argument für einen Halter seinen! Hund wieder zu bekommen, wenn der einen anderen Menschen getötet hat. Denn selbst mit bestanden Wesenstest, wäre der Halter trotzdem dran.
Dass ein Halter juristisch zur Rechenschaft gezogen wird, ist selbstverständlich, das ändert aber rein gar nichts an der Gefahr, die vom Hund ausgeht.

Hier geht es mir um die rechtliche Gleichbehandlung.
Wenn dieser Hund trotz einer Tötung als führbar eingestuft wird, erschwert das künftige Entziehungen massiv. Ein Anwalt wird genau diesen Präzedenzfall nutzen, um zu argumentieren ‚Wenn der Hund Sam nach einer Tötung eine zweite Chance bekam, warum wird meinem Mandanten diese Chance bei einer weniger schweren Beißattacke verwehrt? Das ist das Prinzip der juristischen Vergleichbarkeit.