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Celine
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zuletzt 27. Jan.

Der Fall "Sam" - Angriff oder missglückter Rettungsversuch?

Der aktuelle Fall um den Hund "Sam" wirft bei mir viele Fragen auf. Je mehr ich lese, desto unsicherer werde ich bezüglich des tatsächlichen Tathergangs. In den Medien (die nicht einmal die korrekte Rasse benennen können) ist die Rede davon, dass der Halter an einem Biss ins Gesicht verstarb. Dem steht die Theorie gegenüber, der Hund habe lediglich versucht, sein Herrchen (nach einem medizinischen Notfall) zu "wecken". Wie lässt sich die Schwere der Verletzungen mit einem bloßen Weckversuch vereinbaren? Ab wann schlägt Fürsorge in (unbeabsichtigte) schwere Verletzung um? Auf dem Bild erkennt man schon etwas rosa am weißen Brustzeichen, was für Kontakt mit Blut steht. Die Dobihündin, die bei mir zum Schluss war, lag 2 Tage neben dem toten Besitzer in der Wohnung. Der Besitzer hatte aber keine Spuren von seinem Hund. Das heißt natürlich nicht, dass es bei allen Hunden so sein muss, das ist mir schon klar. Wären aber solche Fälle nicht häufiger/ bekannter? Und vor allem, wenn es zu einem Kampf kam, warum hat niemand was gesehen oder gehört? Der Fall Chico damals, der nachweislich misshandelt wurde und die 2 Menschen getötet hat, hat meiner Meinung nach nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen. Was ist hier anders? Ich bin mir bei dem Thema so unsicher, dass ich mir gar kein Urteil erlauben kann oder will. Dennoch freue ich mich über eure Ansichten und vielleicht auch die ein oder andere fachliche Einschätzung oder auch persönliche Erfahrung😊 https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/osnabrueck_emsland/hund-toetet-halter-rechtsmedizin-bestaetigt-bisse-als-ursache,lohne-122.html
 
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Katja
19. Jan. 08:44
Deshalb ja mein Gedanke, dass wenn Halter strukturell in Prävention und Auffangsysteme eingebunden sind, sich auch Bewusstsein und Verantwortung von innen heraus, nicht nur durch Zwang, verändern könn(t)en.
Mmh, interessanter Gedanke!

Wie könnte sowas aussehen?
Eine zusätzliche Abgabe gestuft nach festgestelltem Gefährdungspotential…?
Und daraus würde dann eine eventuelle Sicherungsverwahrung bezahlt werden. Hab irgendwo gelesen, dass sowas inkl. Allem um die 25EUR pro TAG sind.
Da kommt also bisserl was zusammen -> 9kEUR/Jahr!😳

a) würde dann wirklich jeder mitkriegen, wie teuer es ist, wenn man in seiner Hundeerziehung versagt und b) hätte man die Möglichkeit, sich sozusagen „runterzutesten“, wenn man nachweist, dass der Hund ungefährlich ist…

Monster-Aufwand und ne Menge Bürokratie… andere angesichts der aktuellen Schlagzahl der Übergriffe vielleicht nötig…🤔
 
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Celine
19. Jan. 08:45
Dann müsste ja bei jedem jagenden Hund ein Wesenstest durchgeführt werden, egal ob er Hasen, Rehe oder Fasane jagt.
Es geht doch darum, dass ein Tier gerissen wurde.
Wenn ein Hund ein Wildtier reißt, umso schlimmer.
Ein Tötungserfolg ist eine enorme Bestätigung für das Tier.

Btw, finde ich das richtig schlimm, wenn ein Hund Wildtiere jagt und das verharmlost wird. Da läuft dann schon einiges schief.
 
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Celine
19. Jan. 08:47
Und was würde dagegen sprechen? Ganz ehrlich, ich denke wir sind an einem Punkt angelangt wo jeder Halter eines Hund der in der Lage ist körperlich schwere Schäden zu verursachen beweisen muss das er seinen Hund auch in hoher Reizlage (Wesenstest) sicher führen kann. Was wenn der Hund sich entschließt anstelle dem Hasen mal einem spielenden Kind nachzujagen?
Danke, dass finde ich nämlich auch.
 
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Celine
19. Jan. 08:48
Da gehe ich mit. Es geht ja nicht darum einen „Wesenstest als Dtrafe für Hasenjagen“ zu etablieren, sondern um etwas Grundsätzlicheres: Jagdverhalten ist kein harmloses Detail, sondern ein hoch aktivierender Funktionskreis, der gerade im heutigen Umfeld ernst genommen werden muss. Einfach auch, weil die Rahmenbedingungen sich im Verhältnis zu „früher“ massiv verändert haben - Hundedichte, Lebensräume, Begegnungsfrequenz, Haltervielfalt. Wenn sich die Verhältnisse ändern, müssen sich auch Haltung, Management und Bewertung ändern. Das ist find ich keine Dramatisierung, sondern Anpassung an Realität.
Vor allem, wenn es kein jagdlich geführter Hund ist, ist Jagdverhalten gegenüber Wildtieren ein absolutes No Go.
 
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Sonja
19. Jan. 09:03
Vor allem, wenn es kein jagdlich geführter Hund ist, ist Jagdverhalten gegenüber Wildtieren ein absolutes No Go.
Das stimmt. Im jagdlichen Rahmen fänd ich einen grundsätzlichen Wesenstest allerdings absurd. Es sei denn der Jagdhund bewegt sich nicht im geforderten Fokus.
 
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Celine
19. Jan. 09:29
Das stimmt. Im jagdlichen Rahmen fänd ich einen grundsätzlichen Wesenstest allerdings absurd. Es sei denn der Jagdhund bewegt sich nicht im geforderten Fokus.
Ist auch nicht notwendig, weil die Hunde von Jägern extra selektiert und ausgebildet wurden.
 
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SandrA
19. Jan. 10:15
Bezüglich Sachkunde und FoBi bin ich bei euch. Ob das allerdings etwas daran ändert, dass „der eigene Hunde so etwas nie machen“ würde? Für mich schwer zu glauben, dass sich dieses Problem dadurch lösen lässt, allein schon wegen der emotionalen Komponente. Ich finde es schon ziemlich irre, wenn bis zum obersten Gerichtshof gegangen wird, wenn der eigene Hund attackiert hat und Halter nicht dafür bereit sind zahlen, weil der eigene Hund zuvor immer brav war. https://www.derstandard.de/story/3000000304360/kein-freibiss-fuer-brave-tiere-halterin-haftet-fuer-angriff-von-hund-ohne-leine Für mich wäre interessant, welche Möglichkeiten es genau gibt, das Verantwortungsgefühl für den eigenen Hund gegenüber anderen nachhaltig zu fördern.
Ganz verhindern wird man „Unfälle“ sicher nicht.
Würden Halter aber mehr strukturell eingebunden und auch in Pflicht und Verantwortung zB Auffangstationen oder auch die Refinanzierung von Steuerungsinstrumenten zu unterstützen, wäre aber zumindest dafür gesorgt, dass Ressourcen zur Verfügung stünden, damit eigene „Fehler“ aufgefangen werden könnten.

Ich denke auch, dass das eingebunden sein und die Mitwirkung an strukturellen Veränderungen selbst schon ein Stück dazu beitragen kann, dass Menschen das eigene Handeln eher und realistischer reflektieren - wenn man eben Teil der Lösung ist.
 
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Katrin
19. Jan. 10:17
Deshalb ja mein Gedanke, dass wenn Halter strukturell in Prävention und Auffangsysteme eingebunden sind, sich auch Bewusstsein und Verantwortung von innen heraus, nicht nur durch Zwang, verändern könn(t)en.
Glaube ich nicht. Dafür ist die Gesellschaft bereits zu egoistisch geworden. Man liest es hier ja schon in sämtlichen Threads das die Liebe viele Hundehalter nur dem eigenen Hund gilt und andere Fremdhunde sehr häufig als störend empfunden werden die man sich bestmöglichst vom Hals hält. Neulich tauchte sogar die Frage auf ob man wenn ein Hund zu nahe kommt (nur zu Nahe, nicht angreifend) Pfeffspray einsetzen kann.

Ich denke das wir viel früher gesetzlich steuern müssen in Form von Pflichtkursen damit Halter im Vorfeld gezwungen sind sich mit den Themen richtig auseinanderzusetzen bevor die Hundewahl getroffen wird. Freiwillig wird das nix.
 
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SandrA
19. Jan. 10:28
Glaube ich nicht. Dafür ist die Gesellschaft bereits zu egoistisch geworden. Man liest es hier ja schon in sämtlichen Threads das die Liebe viele Hundehalter nur dem eigenen Hund gilt und andere Fremdhunde sehr häufig als störend empfunden werden die man sich bestmöglichst vom Hals hält. Neulich tauchte sogar die Frage auf ob man wenn ein Hund zu nahe kommt (nur zu Nahe, nicht angreifend) Pfeffspray einsetzen kann. Ich denke das wir viel früher gesetzlich steuern müssen in Form von Pflichtkursen damit Halter im Vorfeld gezwungen sind sich mit den Themen richtig auseinanderzusetzen bevor die Hundewahl getroffen wird. Freiwillig wird das nix.
Ich halte Pflichtkurse durchaus für sinnvoll – aber nicht für ausreichend.
Die Verantwortung endet eben nicht mit bestandener Prüfung. Aber sie kann dort beginnen, wo man Teil eines Systems ist, das auch für Scheitern vorbereitet ist. Wird Verantwortung systemisch verankert, verändert sich Verhalten – auch bei Egoisten.
 
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SandrA
19. Jan. 10:31
Mmh, interessanter Gedanke! Wie könnte sowas aussehen? Eine zusätzliche Abgabe gestuft nach festgestelltem Gefährdungspotential…? Und daraus würde dann eine eventuelle Sicherungsverwahrung bezahlt werden. Hab irgendwo gelesen, dass sowas inkl. Allem um die 25EUR pro TAG sind. Da kommt also bisserl was zusammen -> 9kEUR/Jahr!😳 a) würde dann wirklich jeder mitkriegen, wie teuer es ist, wenn man in seiner Hundeerziehung versagt und b) hätte man die Möglichkeit, sich sozusagen „runterzutesten“, wenn man nachweist, dass der Hund ungefährlich ist… Monster-Aufwand und ne Menge Bürokratie… andere angesichts der aktuellen Schlagzahl der Übergriffe vielleicht nötig…🤔
Ja genau, eher wie ein Versicherungssystem.

Nicht als individuelle Strafe für „Versagen“, sondern als kollektive Vorsorge. Alle Hundehalter zahlen in ein System ein, das Prävention, Auffang- und Übergangslösungen sowie Krisenintervention finanziert.

So wie wir alle in Systeme einzahlen, die wir hoffentlich nie selbst brauchen – aber froh sind, dass sie existieren, wenn etwas schiefläuft.