Was mich an diesem Fall traurig macht und echt frustriert, ist, dass ein Mensch gestorben ist, dass sehr wahrscheinlich am Ende wieder auch ein Hund sterben wird und damit das Thema als „erledigt“ gilt.
Ich habe dabei keine naive Vorstellung und gehöre nicht zu denen, die reflexhaft schreiben „das arme Tier darf nicht eingeschläfert werden“. Aber Euthanasie ist in solchen Fällen keine Lösung, sondern der Endpunkt eines vorherigen systemischen Versagens.
Wenn darüber entschieden wird, ob ein Hund euthanasiert wird, ist in der Regel bereits ein Mensch tot oder schwer verletzt. Die eigentlichen Stellschrauben liegen doch viel früher: bei Prävention, Halterverantwortung, Qualifikation, Auffang- und Übergangssystemen.
Einrichtungen wie die Hellhound Foundation oder ähnliche arbeiten dort, wo das System längst versagt hat. Sie sind kein Beweis dafür, dass alles funktioniert, sondern dafür, dass wir strukturell zu spät reagieren.
Ich empfinde mich als Hundehalterin selbst mitverantwortlich. Deshalb kann ich nicht nachvollziehen, warum Halter nicht stärker in die Pflicht genommen werden, etwa durch zweckgebundene Abgaben für Prävention, Schulung und Auffangstrukturen. Die derzeitige Hundesteuer ist eine Luxusabgabe ohne Steuerungswirkung. Sie verändert nichts.
Am Ende landen solche Hunde häufig in lebensunwerten Haltungsbedingungen, nicht weil sie „böse“ sind, sondern weil die Ressourcen fehlen, mit ihnen verantwortungsvoll umzugehen. Dann bleibt nur noch die Wahl zwischen dauerhafter Verwahrung oder Euthanasie, was beides kein Erfolg ist.
Solange wir jeden einzelnen Fall isoliert betrachten und erst reagieren, wenn Menschen tot sind, wird sich dieser Kreislauf wiederholen. Der Tod des Hundes beendet die Debatte, aber er verhindert nicht den nächsten Fall.
Edit:
Und wenn Hundehalter kollektiv an der Bereitstellung von Ressourcen für gescheiterte Haltungen beteiligt wären – ggf ja auch für den eigenen Hund –, würde Verantwortung nicht erst dann beginnen, wenn etwas schiefgeht. Und vielleicht würde sich auch Wahrnehmung und Bewusstsein für die eigene Verantwortung dem eigenen Hund gegenüber schärfen.