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Verfasser
Linda-Leila
Einleitungs-Beitrag
Anzahl der Antworten 6
heute 10:08

Aggression an der Leine - Klarheit und Zeit?

Hallo zusammen Unser Rüde ist ein Mix aus Borderzeller/Aussie, 21 Monate alt und intakt. Es läuft recht gut und wir haben schon viel gelernt. Unser Thema ist, dass er seit anfangs Pubertät vor allem, wenn er an der Leine ist gegen andere Rüden teilweise sehr stark reagiert mit Knurren. Wenn von dem anderen Hund nichts kommt (keine Aufforderung/ Angriff), dann reagiert er nicht. Wir sind, glaube ich, klar und übernehmen die Führung. Bei einigen Begegnungen gibt es durch ein „Nein-Signal“ von uns dann manchmal auch nur ein kurzes Knurren oder auch nur eine Angespanntheit. Wie reagiert ihr? Was denkt ihr? Braucht es noch mehr, als Klarheit und Zeit für ihn diese Erfahrungen zu machen? Danke euch für eure Gedanken.
 
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Sonja
Beliebteste Antwort
heute 09:06
Kann man so machen, also vermuten, dass der Hund ein Problem hat, um das der Mensch sich kümmern muss, und die Situationen in Folge meiden. Ich würde aber bei einem jungen, sonst unauffälligen Hund eher dafür sorgen, dass er - kontrolliert, d.h. am besten mit Trainer/in und von ihm/ihr ausgewählten, souveränen Hunden (auch intakten Rüden) - interagieren darf, um nicht zum frustrierten, sozialen Krüppel zu werden. Und ganz nebenbei als Mensch eine Menge über Innerartliches Verhalten lernen. Und sollte wirklich ein ernsthaftes Problem vorliegen, ist man ja schon in guten Händen. Sind halt zwei völlig unterschiedliche Herangehensweisen, die immer wieder kontrovers diskutiert werden werden.
Da hast Du mich falsch verstanden. Ich halte auch nichts davon, die Situationen zu meiden. Und mit dem Trainer hast Du absolut Recht.

Wenn der Mensch den Hund durch die kurze Leine nicht frei agieren lässt, provoziert er so ein Verhalten. Wenn sich das nicht durch locker lassen der Leine korrigieren lässt, weil das zu gefährlich sein könnte, kann man dem Hund durch Bögen laufen ein Alternativverhalten ermöglichen oder aufzeigen.
In erster Linie würde ich darauf schauen, was der Hund eigentlich tun will. Will er Konflikte vermeiden, wird er eventuell stehen bleiben, dann sollte man darauf eingehen. Oft müssen Hunde die Situation erst mal einschätzen und nehmen sich so kurz Zeit. Viele können danach friedlich weitergehen. Auch das Bogen laufen wird der Hund, dem das hilft, von sich aus versuchen. An kurzer Leine werden die Hunde aber oft frontal auf das Gegenüber zu gezwungen. Das ist für Hunde unhöflich und schürt Konflikte.

Ob das überhaupt helfen kann, hängt aber von der Ursache ab. Ist der Hund im Macho-Modus, will er ja gar nicht ausweichen. In dem Fall sollte der Halter dem Hund zeigen, dass sein Verhalten nicht erwünscht ist. Und das tut man am besten, indem man das erwünschte Verhalten fördert.
Ein Hund wird nicht zum sozialen Krüppel, wenn man ihm sein Macho-Verhalten nicht durchgehen lässt. Er darf mit anderen Hunden agieren, solange er höflich bleibt.

Ich sehe hier keine völlig konträren Ansätze, sondern nur unterschiedliche Meinungen im Umgang mit dem Knurren. Bezüglich des Trainers sind wir einer Meinung, und wenn der mit kontrollierten Begegnungen trainiert, ist das super. Der Fokus sollte dabei aber nicht nur auf Management der akuten Situation liegen, sondern darauf, die Ursache zu beseitigen. Und das machen manchmal sogar Trainer falsch.
 
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Svenja
heute 05:11
Moin! Wenn es nur knurren ist, finde ich das gar nicht dramatisch. Aggression dient erst einmal nur der Kommunikation.
Könnt ihr ihn trotz des Knurrens führen und er geht mit euch, ist doch alles in Ordnung.
Er hat gerade ein Thema mit anderen Rüden, er wird erwachsen, das gehört dazu.
Ich fände sehr wichtig, dass er kontrollierten Kontakt zu anderen Hunden bekommt, auch zu intakten Rüden. Ein Trainer kann die Situationen begleiten und euch zeigen, was normal ist und für seine Entwicklung wichtig und was zu weit geht und wo ihr eingreifen müsst. Wenn er sich mit anderen Rüden nicht auseinander setzen darf, wird aus dem Knurren möglicherweise irgendwann mehr.
 
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Sonja
heute 07:23
Knurren ist zwar nur Kommunikation, aber wenn Euer Ziel ein entspannter Spaziergang ist, und er jeden Rüden anknurrt, ist ER zumindest nicht entspannt.
Ihr müsst herausfinden, warum er knurrt und die Ursache beseitigen.

Euer Nein ist eine Reaktion auf das Verhalten, das Ihr nicht haben wollt, aber es ist reines Management, und noch dazu gefährlich. Wenn er mit Eurem Nein verknüpft, dass er nicht knurren darf, lässt er diese Eskalationsstufe weg und geht gleich drauf. Ihr solltet nicht das unerwünschte Verhalten abwarten, und erst dann reagieren, sondern proaktiv eingreifen, wenn er noch in positiver oder neutraler Stimmung ist. Beobachte ihn genau, ab wann er angespannt ist und Reaktion zeigt.

Bei den meisten Gründen, die mir für sein Verhalten einfallen, hilft mehr Abstand zu halten. Wenn Euch jemand begegnet, solltest Du mit ihm einen Bogen laufen. Immer auf die abgewandte Seite nehmen.

Verstärk seine Anspannung nicht mit einer negativen Reaktion. Er soll als Ziel anderen Hunden positiv oder neutral begegnen, dazu muss er in eine positive oder neutrale Stimmung gebracht, bzw. besser darin gehalten werden. Reagiert er nicht, könnt Ihr neutral bleiben. Reagiert er, müsst Ihr was Positives dagegen halten.
 
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Svenja
heute 07:52
Kann man so machen, also vermuten, dass der Hund ein Problem hat, um das der Mensch sich kümmern muss, und die Situationen in Folge meiden.
Ich würde aber bei einem jungen, sonst unauffälligen Hund eher dafür sorgen, dass er - kontrolliert, d.h. am besten mit Trainer/in und von ihm/ihr ausgewählten, souveränen Hunden (auch intakten Rüden) - interagieren darf, um nicht zum frustrierten, sozialen Krüppel zu werden. Und ganz nebenbei als Mensch eine Menge über Innerartliches Verhalten lernen.
Und sollte wirklich ein ernsthaftes Problem vorliegen, ist man ja schon in guten Händen.
Sind halt zwei völlig unterschiedliche Herangehensweisen, die immer wieder kontrovers diskutiert werden werden.
 
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Sonja
heute 09:06
Kann man so machen, also vermuten, dass der Hund ein Problem hat, um das der Mensch sich kümmern muss, und die Situationen in Folge meiden. Ich würde aber bei einem jungen, sonst unauffälligen Hund eher dafür sorgen, dass er - kontrolliert, d.h. am besten mit Trainer/in und von ihm/ihr ausgewählten, souveränen Hunden (auch intakten Rüden) - interagieren darf, um nicht zum frustrierten, sozialen Krüppel zu werden. Und ganz nebenbei als Mensch eine Menge über Innerartliches Verhalten lernen. Und sollte wirklich ein ernsthaftes Problem vorliegen, ist man ja schon in guten Händen. Sind halt zwei völlig unterschiedliche Herangehensweisen, die immer wieder kontrovers diskutiert werden werden.
Da hast Du mich falsch verstanden. Ich halte auch nichts davon, die Situationen zu meiden. Und mit dem Trainer hast Du absolut Recht.

Wenn der Mensch den Hund durch die kurze Leine nicht frei agieren lässt, provoziert er so ein Verhalten. Wenn sich das nicht durch locker lassen der Leine korrigieren lässt, weil das zu gefährlich sein könnte, kann man dem Hund durch Bögen laufen ein Alternativverhalten ermöglichen oder aufzeigen.
In erster Linie würde ich darauf schauen, was der Hund eigentlich tun will. Will er Konflikte vermeiden, wird er eventuell stehen bleiben, dann sollte man darauf eingehen. Oft müssen Hunde die Situation erst mal einschätzen und nehmen sich so kurz Zeit. Viele können danach friedlich weitergehen. Auch das Bogen laufen wird der Hund, dem das hilft, von sich aus versuchen. An kurzer Leine werden die Hunde aber oft frontal auf das Gegenüber zu gezwungen. Das ist für Hunde unhöflich und schürt Konflikte.

Ob das überhaupt helfen kann, hängt aber von der Ursache ab. Ist der Hund im Macho-Modus, will er ja gar nicht ausweichen. In dem Fall sollte der Halter dem Hund zeigen, dass sein Verhalten nicht erwünscht ist. Und das tut man am besten, indem man das erwünschte Verhalten fördert.
Ein Hund wird nicht zum sozialen Krüppel, wenn man ihm sein Macho-Verhalten nicht durchgehen lässt. Er darf mit anderen Hunden agieren, solange er höflich bleibt.

Ich sehe hier keine völlig konträren Ansätze, sondern nur unterschiedliche Meinungen im Umgang mit dem Knurren. Bezüglich des Trainers sind wir einer Meinung, und wenn der mit kontrollierten Begegnungen trainiert, ist das super. Der Fokus sollte dabei aber nicht nur auf Management der akuten Situation liegen, sondern darauf, die Ursache zu beseitigen. Und das machen manchmal sogar Trainer falsch.
 
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Svenja
heute 09:32
Da hast Du mich falsch verstanden. Ich halte auch nichts davon, die Situationen zu meiden. Und mit dem Trainer hast Du absolut Recht. Wenn der Mensch den Hund durch die kurze Leine nicht frei agieren lässt, provoziert er so ein Verhalten. Wenn sich das nicht durch locker lassen der Leine korrigieren lässt, weil das zu gefährlich sein könnte, kann man dem Hund durch Bögen laufen ein Alternativverhalten ermöglichen oder aufzeigen. In erster Linie würde ich darauf schauen, was der Hund eigentlich tun will. Will er Konflikte vermeiden, wird er eventuell stehen bleiben, dann sollte man darauf eingehen. Oft müssen Hunde die Situation erst mal einschätzen und nehmen sich so kurz Zeit. Viele können danach friedlich weitergehen. Auch das Bogen laufen wird der Hund, dem das hilft, von sich aus versuchen. An kurzer Leine werden die Hunde aber oft frontal auf das Gegenüber zu gezwungen. Das ist für Hunde unhöflich und schürt Konflikte. Ob das überhaupt helfen kann, hängt aber von der Ursache ab. Ist der Hund im Macho-Modus, will er ja gar nicht ausweichen. In dem Fall sollte der Halter dem Hund zeigen, dass sein Verhalten nicht erwünscht ist. Und das tut man am besten, indem man das erwünschte Verhalten fördert. Ein Hund wird nicht zum sozialen Krüppel, wenn man ihm sein Macho-Verhalten nicht durchgehen lässt. Er darf mit anderen Hunden agieren, solange er höflich bleibt. Ich sehe hier keine völlig konträren Ansätze, sondern nur unterschiedliche Meinungen im Umgang mit dem Knurren. Bezüglich des Trainers sind wir einer Meinung, und wenn der mit kontrollierten Begegnungen trainiert, ist das super. Der Fokus sollte dabei aber nicht nur auf Management der akuten Situation liegen, sondern darauf, die Ursache zu beseitigen. Und das machen manchmal sogar Trainer falsch.
Jo, dann hab ich dich falsch verstanden.
Ich meinte nicht, ein Hund wird zum sozialen Krüppel, wenn man ihm Macho Gehabe untersagt, sondern wenn man ihn aufgrund eigener Unsicherheit und Unwissenheit gänzlich seines Sozialverhaltens beraubt (wozu beim jungen Rüden auch Konkurrenzgehabe mit Artgenossen gehört), das hast du ja sicher dann auch so verstanden.
 
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Sonja
heute 10:08
Rionnag ist 7 und intakt, mittlerweile ignoriert er die allermeisten Rüden ( er hat zwei Endgegner, aber die sind beide älter als er und haben ihn schon von anfang an nicht gemocht, also ihre antipahie beruht auf gegenseitigkeit🤗) , selbst wenn die ihn ankläffen, gibt er machmal ein kurzes knurren zurück, und dann ist die "sache für ihn erledigt". So reagieren darf er auch,er darf knurren und auch mal etwas lauter werden, ABER alles muss im Rahmen bleiben, wenn ich "lass es" sage hat er aufzuhören und das klappt auch. Also meiner Meinung dürfen Hunde auch ihre Meinung kundtun, aber es muss für den HH kontrolierbar bleiben. Mein Hund muss auch nicht alle andern Hunde "mögen"...🤗. In seiner pubertät hatte er eine "grössere Klappe" und war auch "Machohafter", aber das legte dich durch training und auch durch älter werden. Also wie du es beschreibst finde ich das völlig in Ordnung, normal und gehört auch zur normalen Hunde-/Rüden- Kommunikation.. Ich finde nicht das man sowas abtrainieren sollte🤗