Der Unterschied zum Keksen/ Leckerli werfen besteht für mich auch darin, dass der Hund bei der Futterbeuteljagd das “Tier” selbst erbeutet, während er beim Tricksen Futter als Gegenleistung für eine Handlung erhält, die nicht oder nur bedingt zu seinem natürlichen Repertoire gehört.
Dazu kommt, dass beim Tricksen das Futter nur stückchenweise kommt, während er das Futter aus dem Futterbeutel am Ende insgesamt verschlingen darf.
Ich merke vor allem bei meiner Jüngsten einen riesigen Unterschied. Tricksen mit ihr ist die Hölle. Sie kommt darauf gar nicht klar, bietet alles auf einmal an, hat riesige Pupillen und wird distanzlos. Wenn wir mit dem Futterbeutel arbeiten, werfe ich den für sie weg. Aber sie darf nicht sofort hinterher sprinten. Ich gehe dann erst ein paar Mal mit ihr hin und her und schicke sie dann los zum “Suchen”. Sie ist während der ganzen Übung und danach voll bei mir. Das macht richtig Spaß.
Ich mag den Ansatz von Jan Nijboer auch sehr gern, vor allem den Gedanken, dass Menschen die Eltern sind und entsprechend die Verantwortung übernehmen müssen. Aber klar gibts auch Kritikpunkte (z.B. den Hungertag).
So ein Durchdrehen und alles anbieten habe ich auch schon erlebt, als ich besonders wertvolle Leckerlis einsetzen wollte.
Da ist für mich selber zumindest klar geworden, dass positive Verstärkung durch Futter immer zwangsläufig mit negativer Strafe verknüpft ist. Denn sobald der Hund weiß, dass man Leckerlis in der Tasche hat, hat er die Erwartungshaltung sie für irgendwas zu bekommen.
Und da man bekanntlich nicht nicht kommunizieren kann, wird er eigentlich dauerhaft negativ bestraft, bis er dann endlich das tut, wofür er sein Leckerchen bekommt. Ist natürlich eine radikale Auslegung, aber würde vielleicht auch dauerhafte Erregung und Frust erklären.
Wir haben jetzt seit einiger Zeit gar keine Leckerchen mehr dabei. Aber weil ich Belohnung über soziale Verstärkung von Baumann übernommen habe (also Hund zu sich in die sichere Zone nehmen und ausstreichen). Das funktioniert inzwischen auch wirklich gut.
Wobei ich jetzt auch nicht ausschließen würde, dass Leckerchen doch wieder zum Einsatz kommen, wenn wir etwas neues lernen wollen.
Aber gezielt etwas lernen ist natürlich eine andere Sache, als den Hund den ganzen Tag über mit Leckerchen zu verstärken und zu "dressieren" (auch wieder radikal gesehen).