Mal ein Beispiel aus der Pferdepraxis.
Noch vor wenigen Jahren war es so, dass ein Pferdebestand in einem Betrieb kollektiv 4x jährlich entwurmt wurde.
Mittlerweile weiß man aber, dass genau durch dieses Vorgehen die Wurmlast viel mehr zugenommen hat, weil sich Resistenzen gebildet haben.
Heutzutage betreuen die Tierärzte ihre Betriebe in der Regel anders.
Es werden Kotproben genommen.
Bei Herdenhaltung Sammelproben.
Bei Befall wird genau gegen die vorhandene Wurmart entwurmt.
So verändern sich auch jahrzehntelange Praktiken.
Da ich mir damals nur das Fazit zum Entwurmungsansatz gemerkt habe (-> bei Pferden muss da aufgrund der Haltung z.B. in konstanten Herden auf der Weide anders gehandelt werden als bei Hunden), habe ich jetzt doch nochmal nachgelesen. Und ich finde‘s ein schönes Beispiel, dass man eben genauer hingucken und die Mechanismen dahinter verstehen muss, bevor man Dinge einfach überträgt!
Nur kurz: So geht‘s ja bei Pferden im Wesentlichen um Würmer mit kürzeren Lebenszyklen (anpassungsfähiger), die aber netterweise bei kleinem Befall gut vertragen werden. Durch die Haltung in recht geschlossenen Gruppen in engem Kontakt wurde da bei in der Vergangenheit komplettem Abtöten ALLER Würmer denen sehr schön „beigebracht“, in welche Richtung sie sich entwickeln müssen -> sie wurden resistent!
Also lässt man inzwischen in ner Herde durch selektives Entwurmen immer welche übrig, so dass das nicht passiert. Ein geringer Befall wird dabei bewusst geduldet!
https://www.pferdeklinik-rennbahn.de/dam/jcr:1bd0850b-b5c7-47af-b581-27f47a9e9ea8/Selektive%20Entwurmung.pdf
Hunde haben andere Würmer und leben auch in anderen Verbänden, so dass das hier nicht relevant ist, zumindest sagen das die Quellen, die ich so gefunden habe! Deswegen macht da das Schema nach wie vor Sinn, insbesondere da Würmer von Hunden gerade bei Kindern & alten Menschen doch erheblichen Schaden anrichten können!
Es macht also schon Sinn, auf die zu hören, die das nicht nur studiert haben (also einen Überblick über alle möglichen Mechanismen haben) und sich zudem idealerweise auch noch kontinuierlich up-to-Date halten, um neue Erkenntnisse mit in ihre Handlungsweise einzuarbeiten!
Ich versuche dann immer für mich, das in bestimmten Fällen im Ansatz zu verifizieren, ob insbesondere letzteres der Fall ist.
Dafür hab ich schon zu viele studierte Leute gehabt, die mir trotzdem (im Brustton der Überzeugung!) versucht haben, Wissen von vor 20 Jahren anzudrehen…🥴
Ein gesundes Misstrauen ist also nie verkehrt, aber bei der Meinungsbildung muss man sich dann schon ein bisschen Mühe geben und tiefer einsteigen als „eomihe6 hat aber gesagt…“…😉