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zuletzt 21. Dez.

Intrinsische Motivation - Leinenführigkeit?

Hallo liebe Hundemenschen, Ich bin durch einen anderen Thread darauf gestoßen, dass man Leinenführigkeit mittels intrinsischer Motivation beibringen kann. Intrinsische Motivation bedeutet das es der Hund von sich aus macht, es macht ihm Spaß und führt es für sich bzw. sein Wohlbefinden aus. Also zum Beispiel ist bei meinem Münsterländer das Jagen eine intrinsische Motivation, die ich mir für die Arbeit zunutze mache. Ich trainiere viel mit meinen Hunden und natürlich auch die Leinenführigkeit. In aller Regel machen das meine Hunde aber nicht aus eigener intrinsische Motivation. Jetzt frage ich mich natürlich, was ich die Jahre falsch gemacht habe, dass meine Hunde anscheinend nicht aus intrinsischer Motivation neben mir her spazieren. Habt ihr eine Idee wie man das aufbaut, dass er Hund das aus intrinsischer Motivation macht? Ist dies überhaupt möglich?
 
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Babs
20. Dez. 18:31
Drum hab ich ja geschrieben neben dir auf die couch legen. Nichts sagen keine leckerlies . Selber den neuen erkunden lassen.( Wäre doch intrinsisch oder?) Was anderes fällt mir da auch nicht ein.
Tatsächlich habe ich es ähnlich mit dem Geschirr gemacht. Newton hat die Angewohnheit, alle Sachen für den Spaziergang zu bringen 🤣. Also habe ich das Geschirr so hingelegt, dass es mit zu den Spaziergangsachen passte. Er kam tatsächlich mit dem Geschirr anmarschiert, hat es mir gegeben und ich habe es ihm angezogen 🤣. Seit dem findet er das Geschirr toll. Er hat quasi das Rad selber erfunden 🤭
 
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Sigi
20. Dez. 18:37
Tatsächlich habe ich es ähnlich mit dem Geschirr gemacht. Newton hat die Angewohnheit, alle Sachen für den Spaziergang zu bringen 🤣. Also habe ich das Geschirr so hingelegt, dass es mit zu den Spaziergangsachen passte. Er kam tatsächlich mit dem Geschirr anmarschiert, hat es mir gegeben und ich habe es ihm angezogen 🤣. Seit dem findet er das Geschirr toll. Er hat quasi das Rad selber erfunden 🤭
😂😂
Hab ja vor etlichen Texten das mit meiner Katze gebracht, das hat gut funktioniert mit intrinsisch.😍
Allerdings auf fremd katzen keine wirkung gehabt.😏
 
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SandrA
20. Dez. 18:46
Vielleicht möchte ja jemand konkrete Beispiel aus dem Alltag liefern, sodass man beleuchten kann, was daran intrinsisch und extrinsisch ist. Was sinnvoll ist, oder eher nicht 😊 Meine Hündin lasse ich sehr gerne auf Plattformen hüpfen, um von dort aus die Umgebung zu beobachten. Zum Beispiel große Steine am Wegrand, gefällte Bäume,… Von dort aus kann sie sich gerne ausgiebig die Umgebung anschauen. Sie dürfte den Ort auch selbstständig verlassen, aber ich habe durch Zufall festgestellt, dass es ihr viel leichter fällt, von solchen Orten aus zu Observieren, ohne zu handeln, als vom Boden aus. Irgendwann schaut sie sich nach mir um und fragt, ob wir weiter gehen, so erscheint es mir jedenfalls. Das funktioniert für uns sowohl bei Fremdhunden als auch bei wildreichen Strecken. Gerade wenn ich merke, dass sie aufgeregter wird tut uns beiden eine solche aufmerksame Pause sehr gut ☺️
Das ist doch mal eine gute Idee 😁
Ich hätte da noch eine Geschichte, die mir eingefallen ist:

Mein Rüde war als Junghund vor allem draußen ständig auf Futtersuche (was bei seiner Vorgeschichte und seinem gesundheitlichen Zustand völlig klar war).
Er frass wirklich alles mögliche, aber vor allem Kot. Pferdekot, Hundekot, Hasenköttel, Menschenkot 🤢usw.
Ist natürlich etwas, das man so nicht braucht und was ja auch bekanntlich nicht ungefährlich ist. Das Verhalten hatte sich auch nach der Beseitigung der gesundheitlichen Ursachen nicht wirklich verändert. Ich habe ihm dann über Konditionierung beigebracht vor Kothaufen stehen zu bleiben. Dann bekam er seinen Keks und wir zogen weiter. Klassisches Vorgehen, würd ich sagen. Klappte super. Wir konnten das Verhalten auf alle möglichen Fundstücke ausweiten. Er fing dann auch an, regelrecht nach Kackhaufen zu suchen, um sie anzuzeigen. Hat das ganze sogar auf Maulwurfshügel ausgeweitet😂. Obwohl er die nie gefressen hat, aber versuchen kann man es ja…zumindest eine optische Ähnlichkeit zu Pferdehaufen ist ja gegeben.
Dann habe ich irgendwann seine Erwartungshaltung nicht mehr erfüllt; sprich sein Anzeigeverhalten bei Fundstücken nicht mehr belohnt sondern ignoriert. Nach und nach hat er aufgehört danach zu suchen und anzuzeigen - lohnte sich ja nicht mehr. Seitdem hat er draußen nichts mehr aufgenommen. Er ignoriert alles essbare, das draußen rumliegt, klaut seitdem auch nichts vom Tisch (oder von der Couch, wenn Sohnemann mal wieder sein angebissenes Brot liegen lässt).

Ich würde jetzt mal interpretieren, dass das intrinsisch motivierte Verhalten meines Rüden, die (von mir unerwünschte) Futtersuche, durch die Verknüpfung mit positiver Verstärkung korrumpiert wurde. Für mich auf jeden Fall eine Bestätigung, dass Belohnung mit Bedacht eingesetzt werden muss, da sie eine vermindernde Auswirkung auf intrinsische Motivation haben kann.

(In meinem Fall war es nun allerdings eine erfreuliche und erwünschte Auswirkung 😅)
 
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Steffi
20. Dez. 19:21
Im Sommer vor Lumi habe ich die Bemühungen beobachtet, einen stattlichen Rüden für den See zu begeistern..Es flogen Stöckchen, Bälle und Cederic war nicht zu bewegen..als nächstes wurden schwimmfähige Leckerlis ins Wasser geworfen und Cederic fing an zu winseln, ging mit 2 Pfoten ins Wasser und wieder raus..voll gestresst. Dann die Menschen beherzt in den See und der Hund wurde begleitet mit motivierenden ' Du schaffst das' halb ins Wasser gezerrt..
Das war so abschreckend, dass Lumi den See, Meer, Bäche für sich allein in ihrem Tempo ohne Anreiz unsererseits entdecken und lieben lernen durfte.
 
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Sigi
20. Dez. 19:26
Hab da auch noch was.
Snow zeigt mir wann er schlafen gehen möchte, wenn ich noch TV oder Musik höre.😁 (steht vor der Schlafzimmertüre und schaut mich an) keine Beeiflussung meiner seits.
Macht er auch nur an Tagen wenn wir viel gemacht haben.
Denk ist intrinsisch.
 
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Katja
20. Dez. 20:43
Im Sommer vor Lumi habe ich die Bemühungen beobachtet, einen stattlichen Rüden für den See zu begeistern..Es flogen Stöckchen, Bälle und Cederic war nicht zu bewegen..als nächstes wurden schwimmfähige Leckerlis ins Wasser geworfen und Cederic fing an zu winseln, ging mit 2 Pfoten ins Wasser und wieder raus..voll gestresst. Dann die Menschen beherzt in den See und der Hund wurde begleitet mit motivierenden ' Du schaffst das' halb ins Wasser gezerrt.. Das war so abschreckend, dass Lumi den See, Meer, Bäche für sich allein in ihrem Tempo ohne Anreiz unsererseits entdecken und lieben lernen durfte.
Naja, Polli hat auch so das Problem, dass Dinge, die sie nicht kennt erstmal ganz unmöglich probiert werden können. So auch Baden gehen. Da müssen wer weiß was für Gespenster in ihrem Kopf auftauchen. Die intrinsisch motiviert zu überwinden, da braucht es definitiv nen anderen Charakter als Polli für. Also haben wir gebadet und Polli stand am Ufer. Ganz zufällig flog dann auch mal Stöckchen oder Ball zwischen uns hin und her und auch mal ein Stück ins Wasser, so dass sie sich wenigstens die Füße nass machen musste. Irgendwann auch den Bauch.

Klaro: extrinsisch motiviert… aber immer mit dem Ziel ihr schrittweise klarzumachen: die Gespenster, die Du Dir da ausmalst, sind gar nicht so schlimm!
Also schon in ihrem Tempo mit den Ängsten auseinandersetzen, so dass sie sie selbstgewählt überwinden kann! Das find ich immer echt wichtig.

Und ganz oft haben wir auch schon erlebt, dass sie einfach irgendwann allen Mut zusammennimmt und sich doch traut… und danach wahnsinnig stolz auf sich selbst ist!
War auch irgendwann beim Schwimmen so: Nach dem ersten Mal hat sie Freudensprünge auf der Wiese gemacht und wollte gefühlt allen erzählen, was sie da grad tolles gemacht hat.🤗

Mein Gefühl: wenn ich auf rein intrinsische Motivation gewartet hätte, würde ich nach 2,5 Jahren immer noch am Ufer sitzen und eben einen Hund haben, der beim Schwimmen auf mich wartet. Oder liege ich hier falsch…?🤔
 
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Steffi
20. Dez. 21:30
Naja, Polli hat auch so das Problem, dass Dinge, die sie nicht kennt erstmal ganz unmöglich probiert werden können. So auch Baden gehen. Da müssen wer weiß was für Gespenster in ihrem Kopf auftauchen. Die intrinsisch motiviert zu überwinden, da braucht es definitiv nen anderen Charakter als Polli für. Also haben wir gebadet und Polli stand am Ufer. Ganz zufällig flog dann auch mal Stöckchen oder Ball zwischen uns hin und her und auch mal ein Stück ins Wasser, so dass sie sich wenigstens die Füße nass machen musste. Irgendwann auch den Bauch. Klaro: extrinsisch motiviert… aber immer mit dem Ziel ihr schrittweise klarzumachen: die Gespenster, die Du Dir da ausmalst, sind gar nicht so schlimm! Also schon in ihrem Tempo mit den Ängsten auseinandersetzen, so dass sie sie selbstgewählt überwinden kann! Das find ich immer echt wichtig. Und ganz oft haben wir auch schon erlebt, dass sie einfach irgendwann allen Mut zusammennimmt und sich doch traut… und danach wahnsinnig stolz auf sich selbst ist! War auch irgendwann beim Schwimmen so: Nach dem ersten Mal hat sie Freudensprünge auf der Wiese gemacht und wollte gefühlt allen erzählen, was sie da grad tolles gemacht hat.🤗 Mein Gefühl: wenn ich auf rein intrinsische Motivation gewartet hätte, würde ich nach 2,5 Jahren immer noch am Ufer sitzen und eben einen Hund haben, der beim Schwimmen auf mich wartet. Oder liege ich hier falsch…?🤔
Ich denke nicht, dass Du falsch liegst. Wenn etwas gruselig ist, ist intrinsische Motivation bestimmt schwieriger. Aber extrinsische Motivation sollte meiner Meinung nach dann auch behutsam eingesetzt werden. In meinem Beispiel sollte der Hund seine Ängste innerhalb einer Stunde überwinden. Finde ich falsch. Meine hatte keine Angst vor Wasser. Sie ist aber auch nicht sofort reingehüpft, sondern hat das neue Element behutsam für sich erschlossen..Hat einige Tage gedauert und dann ist sie geschwommen.
 
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Sigi
20. Dez. 22:22
Naja, Polli hat auch so das Problem, dass Dinge, die sie nicht kennt erstmal ganz unmöglich probiert werden können. So auch Baden gehen. Da müssen wer weiß was für Gespenster in ihrem Kopf auftauchen. Die intrinsisch motiviert zu überwinden, da braucht es definitiv nen anderen Charakter als Polli für. Also haben wir gebadet und Polli stand am Ufer. Ganz zufällig flog dann auch mal Stöckchen oder Ball zwischen uns hin und her und auch mal ein Stück ins Wasser, so dass sie sich wenigstens die Füße nass machen musste. Irgendwann auch den Bauch. Klaro: extrinsisch motiviert… aber immer mit dem Ziel ihr schrittweise klarzumachen: die Gespenster, die Du Dir da ausmalst, sind gar nicht so schlimm! Also schon in ihrem Tempo mit den Ängsten auseinandersetzen, so dass sie sie selbstgewählt überwinden kann! Das find ich immer echt wichtig. Und ganz oft haben wir auch schon erlebt, dass sie einfach irgendwann allen Mut zusammennimmt und sich doch traut… und danach wahnsinnig stolz auf sich selbst ist! War auch irgendwann beim Schwimmen so: Nach dem ersten Mal hat sie Freudensprünge auf der Wiese gemacht und wollte gefühlt allen erzählen, was sie da grad tolles gemacht hat.🤗 Mein Gefühl: wenn ich auf rein intrinsische Motivation gewartet hätte, würde ich nach 2,5 Jahren immer noch am Ufer sitzen und eben einen Hund haben, der beim Schwimmen auf mich wartet. Oder liege ich hier falsch…?🤔
Ich glaub da liegst Du nicht falsch. Ich hab Snow 1 Jahr zeit gegeben selber das Wasser zu erkunden. Mehr als die Zunge zum Durst löschen reinhängen war nicht.😂 (Auch nicht mit locken,Ball werfen und selber rein gehen nicht).🙄
Erst als ich ihn tragend mit ins Wasser genommen habe (unterstüzend ans Ufer begleitet habe).
Nicht schön, aber seit dem ist er ein Seehund.😂
 
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Sophie
21. Dez. 01:23
Das ist doch mal eine gute Idee 😁 Ich hätte da noch eine Geschichte, die mir eingefallen ist: Mein Rüde war als Junghund vor allem draußen ständig auf Futtersuche (was bei seiner Vorgeschichte und seinem gesundheitlichen Zustand völlig klar war). Er frass wirklich alles mögliche, aber vor allem Kot. Pferdekot, Hundekot, Hasenköttel, Menschenkot 🤢usw. Ist natürlich etwas, das man so nicht braucht und was ja auch bekanntlich nicht ungefährlich ist. Das Verhalten hatte sich auch nach der Beseitigung der gesundheitlichen Ursachen nicht wirklich verändert. Ich habe ihm dann über Konditionierung beigebracht vor Kothaufen stehen zu bleiben. Dann bekam er seinen Keks und wir zogen weiter. Klassisches Vorgehen, würd ich sagen. Klappte super. Wir konnten das Verhalten auf alle möglichen Fundstücke ausweiten. Er fing dann auch an, regelrecht nach Kackhaufen zu suchen, um sie anzuzeigen. Hat das ganze sogar auf Maulwurfshügel ausgeweitet😂. Obwohl er die nie gefressen hat, aber versuchen kann man es ja…zumindest eine optische Ähnlichkeit zu Pferdehaufen ist ja gegeben. Dann habe ich irgendwann seine Erwartungshaltung nicht mehr erfüllt; sprich sein Anzeigeverhalten bei Fundstücken nicht mehr belohnt sondern ignoriert. Nach und nach hat er aufgehört danach zu suchen und anzuzeigen - lohnte sich ja nicht mehr. Seitdem hat er draußen nichts mehr aufgenommen. Er ignoriert alles essbare, das draußen rumliegt, klaut seitdem auch nichts vom Tisch (oder von der Couch, wenn Sohnemann mal wieder sein angebissenes Brot liegen lässt). Ich würde jetzt mal interpretieren, dass das intrinsisch motivierte Verhalten meines Rüden, die (von mir unerwünschte) Futtersuche, durch die Verknüpfung mit positiver Verstärkung korrumpiert wurde. Für mich auf jeden Fall eine Bestätigung, dass Belohnung mit Bedacht eingesetzt werden muss, da sie eine vermindernde Auswirkung auf intrinsische Motivation haben kann. (In meinem Fall war es nun allerdings eine erfreuliche und erwünschte Auswirkung 😅)
Also ich glaube nicht, dass hier eine Korrumpierung stattgefunden hat 🤔
Hättest du deinem Hund jedes Mal nach dem Kotfressen ein Leckerli gegeben und er hätte daraufhin aufgehört nach Futter zu suchen, wäre es eine Korrumpierung. Aber du hast das Verhalten, das er intrinsisch gezeigt hat nicht positiv verstärkt, sondern ein Alternativverhalten aufgebaut.
Aber super, dass ihr das Problem so in den Griff bekommen habt ☺️
 
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SandrA
21. Dez. 06:32
Also ich glaube nicht, dass hier eine Korrumpierung stattgefunden hat 🤔 Hättest du deinem Hund jedes Mal nach dem Kotfressen ein Leckerli gegeben und er hätte daraufhin aufgehört nach Futter zu suchen, wäre es eine Korrumpierung. Aber du hast das Verhalten, das er intrinsisch gezeigt hat nicht positiv verstärkt, sondern ein Alternativverhalten aufgebaut. Aber super, dass ihr das Problem so in den Griff bekommen habt ☺️
Ich würde schon sagen, dass ich die Futtersuche ( nicht das Fressen) positiv verstärkt habe. Das Verhalten selbst habe ich nicht verändert. Die einzige Variante war, dass er am Ende der Suche anstatt dem Kackhaufen Katzenfutter bekommen hat.
Er hat sein Verhalten (Futtersuche) also zunächst noch öfter und intensiver gezeigt und noch ausgeweitet, aber dann verknüpft mit der Erwartungshaltung belohnt zu werden.

Edit: Das Suchen habe ich im Übrigen auch stimmlich verstärkt.
Und Katzenfutter ist für ihn das absolut größte, weil es zuhause verboten ist und noch mehr stinkt als Kackhaufen😵‍💫