Home / Forum / Erziehung & Training / Intrinsische Motivation - Leinenführigkeit?

Verfasser
Dogorama-Mitglied
Einleitungs-Beitrag
Anzahl der Antworten 995
zuletzt 21. Dez.

Intrinsische Motivation - Leinenführigkeit?

Hallo liebe Hundemenschen, Ich bin durch einen anderen Thread darauf gestoßen, dass man Leinenführigkeit mittels intrinsischer Motivation beibringen kann. Intrinsische Motivation bedeutet das es der Hund von sich aus macht, es macht ihm Spaß und führt es für sich bzw. sein Wohlbefinden aus. Also zum Beispiel ist bei meinem Münsterländer das Jagen eine intrinsische Motivation, die ich mir für die Arbeit zunutze mache. Ich trainiere viel mit meinen Hunden und natürlich auch die Leinenführigkeit. In aller Regel machen das meine Hunde aber nicht aus eigener intrinsische Motivation. Jetzt frage ich mich natürlich, was ich die Jahre falsch gemacht habe, dass meine Hunde anscheinend nicht aus intrinsischer Motivation neben mir her spazieren. Habt ihr eine Idee wie man das aufbaut, dass er Hund das aus intrinsischer Motivation macht? Ist dies überhaupt möglich?
 
Beitrag-Verfasser
Dogorama-Mitglied
20. Dez. 08:42
Und ich wiederhole mein Beispiel von gestern Abend: Jerna ist im Freilauf, ich kümmere mich nicht um sie, sondern gerade nur um Kaisa und Jerna kommt, setzt sich und wartet. Ja, es kommt drauf an, wie der Hund es interpretiert. Aber in erster Linie interpretierst du Ino N.s flapsige Schilderung. Ich lese es in der Tat vollkommen anders als du, als ein „Ich mache hier jetzt mal mein Ding, ich schlendere hin und her, gucke mal den Laternenpfahl bis nach oben, und der Hund wird so dazu gebracht Nix zu tun, weil es nicht weiter geht.“ Weil Frauchen grad was ganz anderes macht, dass den Hund nicht die Bohne interessiert, er aber einfach warten muss. Und auf Frauchen achten muss. Ähnlich wie das oft gepredigte „sich auf ne Bank setzen und nix tun“.
Wie gesagt, es ist egal was du oder ich oder auch Ino interpretieren, ob das aversiv war oder nicht kann nur der Hund beurteilen.

Die Gefahr liegt darin, das nicht mehr zu erkennen, weil man sich die eigenen Methoden überzeugend schön redet.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Babs
20. Dez. 08:45
Deine Beschreibung find ich total super und verständlich! Ich für mich würde extrinsische Motivation dennoch immer wieder mit einbeziehen bzw schließe positive Verstärkung nicht kategorisch aus. Es muss mit Bedacht eingesetzt werden, das ist klar, als Management zu verstehen sein und sollte nicht mit der konkreten Handlung, die der Hund intrinsisch motiviert zeigt in direkter Verbindung erfolgen - für mich und meine Hunde dient es tatsächlich zur Gestaltung des Rahmens und hat vorbereitenden Charakter. Denn ich habe in der Regel stark vorbelastete Hunde. Die haben anfangs schon Stress allein durch menschliche Nähe.
Danke ☺️, ich musste für mich noch mal zurück zur Basic (was passiert im Hund, wenn ich etwas extrinsisch verstärke oder korrigiere) und dachte, kann ich ja alle dran teilhaben lassen und falls ich doch irgendwas falsch verstanden hätte, Maike es hätte korrigieren können.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Babs
20. Dez. 08:46
Ich fänd es eigentlich gut, wenn diese Frage z.B. Maike beantworten würde, da sie auf diesem Weg ja trainiert hat und die Antwort mit Sicherheit weiß. Ich habe ja nur ein ganz kleines Wissen dazu, was rein aus beobachten und lesen zusammengewürfelt ist. Nur soweit: da meine Bekannte ihrer Hündin auch weiterhin Tricks beigebracht hat wie z.B. Socken ausziehen, gehe ich davon aus, dass beide Methoden nebeneinander möglich sind. Wahrscheinlich ist das möglich durch die stenge Trennung von der Trainingsmethode und dem Geschirr: mit Leine am Geschirr ausschließlich Intrinsisch, keinerlei Leckerlies.
Ich unterscheide zwischen Alltag und Hundesport. Den Sport leite ich über ein Ritual ein.
 
Beitrag-Verfasser
Dogorama-Mitglied
20. Dez. 08:48
Der Hund empfindet deine Nähe als positiv, beruhigend. Wenn du jetzt allerdings voll in den Reiz reingehst, in die größte Stresssituation, dann begehst du den ersten Fehler. Langsam, schrittweise, Abstand so groß, dass der Reiz erträglich ist usw. Ich glaub mittlerweile, dass das größte (Verständnis)Problem hier ist, dass Dogma unterstellt wird, was nicht da ist und dass es tatsächlich ein TrainingsPLAN ist, wo man nicht mal eben dies das oder jenes halbverstanden ausprobieren kann. Insofern verstehe ich jetzt Maikes Ablehnung zu einer genauen Anleitung 😉, das kann hier einfach nicht funktionieren. Wer’s ausprobieren will, der muss wahrscheinlich wirklich das ganze begleitet als Kurs machen oder sich hier haarklein die Mühe machen und fast 1000 Beiträge nochmal lesen und sich selbst einen Plan zusammenstellen.
Dogmatisch ist nicht der Ablauf sondern die Wertzuschreibung "Dieses nur gut, Jenes generell schlechter".
 
Beitrag-Verfasser
Dogorama-Mitglied
20. Dez. 08:50
Was legst du mir denn da in den Mund??? Weder hab ich jemals gesagt, dass bei mir und Guinness alles super läuft noch dass ich nicht intrinsisch arbeite. Das genaue Gegenteil ist sogar direkt hier in diesem Thread ausdrücklich und wiederholt der Fall. Lass also bitte derartige Unterstellungen bleiben. Ich hänge mich deshalb allerdings auch nicht unkritisch an eine Sache, nur weil sie verpackt in Wohlfühlterminologie und mit dem "Besser als alles Andere" - Mascherl daherkommt. Und ich verstehe genug von der Materie um zu sehen, dass auch an der hier angepriesenen Darstellung der Dinge nicht alles Gold ist, was glänzt.
Ich lege gar nix in den Mund und ich glaube dein Hund ist wirklich super gut erzogen, warum wirst du denn jetzt so heftig?

Das habe ich alles gelesen, letztlich mischen wir alle aus vielen Töpfen unsere Erziehung zusammen. Ist doch alles gut.

„Besser als alles andere“ hat keiner behauptet von den pro-eingestellten. Nur dass es ein Weg ist. Einer von vielen. Der wie immer zu Mensch und Hund passen muss.

Und mir musst du schon lassen, dass ich nun tatsächlich mit jemandem befreundet bin, der nach der Methode trainiert und ich das Ergebnis sehe. Nicht Hörensagen oder insta oder Werbefalle, sondern „in echt“.
Das ist vielleicht auch etwas wert 😉
 
Beitrag-Verfasser
Dogorama-Mitglied
20. Dez. 09:08
Du behauptest, ich hätte gesagt, dass bei uns alles super läuft und ich nicht sehe, warum ich intrinsisch trainieren sollte.
Beides habe ich nie gesagt, ist mir also in den Mund gelegt.
Mag ich nicht, widerspreche ich nachdrücklichst.

Die primäre Verfechterin des intrinsischen Trainings hat positive Verstärkung und generell extrinsische Motivation als extrem minderwertig dargestellt (ich glaube mich anfänglich an das Wort "schrecklich" zu erinnern), ihre Methode ausschliesslich mit positiver Zuschreibung versehen und als Königsweg angepriesen.

Kritische Hinterfragung war nicht erwünscht und wurde leider auch nicht sachlich behandelt.

Das ist also zumindest auf dieser Seite nicht nur ein Weg von vielen, sondern der Weg.

Das macht ihn wie gesagt in der praktischen Umsetzung fehleranfällig, wei der kritische Blick auf das eigene Tun fehlt.

Und egal was man von mir halten mag, ich habe zu dieser Interpretation der intrinsischen Methode massenhaft mehr als legitime und für die objektive Einschätzung wichtige Fragen gestellt und so gut wie keine wurde von irgendwem auch nur mit der Kneifzange angefasst.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Babs
20. Dez. 09:12
Auch ich finde deine Erklärung super! Und das ist auch für mich, wie schon mehrmals erwähnt, grundsätzlich ein sehr brauchbarer und sinnvoller Ansatz. Aber mich irritiert dieser extrem wertende theoretische Unterbau sehr. Ich sehe in ihm ein großes Potential für Fehlinterpretationen und Fehleinschätzungen sowohl der hündischen Motivationen und Empfindungen wie auch des eigenen Handelns und der angewandten Methoden. Warum wird Eigeninteresse und Handlungsmotivation in dem Konzept so pauschal mit Stress gleichgesetzt? Es gibt ja auch genug Wollen bzw Verhalten am Hund, das keinen Stress für ihn verursacht, das ich aber trotzdem modifizieren will. Wozu muss man da um einen Lernprozess eine Zuschreibungsideologie basteln, die die Motivations- und Emotionslage des Hundes unhinterfragt negativ und das Handeln des Menschen ebenso unhinterfragt positiv konnotiert?
Danke ☺️, tatsächlich sehe ich eine große Fehlerquote im verstärken und korrigieren. Stimmt da das Timing nicht oder interpretiere ich ein Verhalten falsch, dann verstärke oder korrigiere ich ein falsches Verhalten.

Ein Hund handelt für mich instinktiv und sein Verhalten kann daher in dieser Situation nicht falsch sein.

Wir Menschen übersehen aber oftmals die kleinen Vorboten wie z. B. eine schnellere Atmung. Er gerät also schon in Stress oder auch in Trieblage wie beim Jagen. Bei Stress wie auch im Trieb gerät der Hund in einen Tunnel und kann nicht mehr lernen, seinen Stress oder Trieb zu regulieren.

Nun liegt es an einem selber, ob man möchte, dass der Hund in Stress oder Trieb kommt, oder man es nur bedingt zulässt oder eben gar nicht. Ist der Hund in einer hohen Stresslevel oder einen hohen Trieblage, kann man jegliche extrinsische Verstärkung und Korrektur vergessen, weil der Hund gar nicht mehr in der Lage ist, das wahrzunehmen.
 
Beitrag-Verfasser
Dogorama-Mitglied
20. Dez. 09:18
Der Hund empfindet deine Nähe als positiv, beruhigend. Wenn du jetzt allerdings voll in den Reiz reingehst, in die größte Stresssituation, dann begehst du den ersten Fehler. Langsam, schrittweise, Abstand so groß, dass der Reiz erträglich ist usw. Ich glaub mittlerweile, dass das größte (Verständnis)Problem hier ist, dass Dogma unterstellt wird, was nicht da ist und dass es tatsächlich ein TrainingsPLAN ist, wo man nicht mal eben dies das oder jenes halbverstanden ausprobieren kann. Insofern verstehe ich jetzt Maikes Ablehnung zu einer genauen Anleitung 😉, das kann hier einfach nicht funktionieren. Wer’s ausprobieren will, der muss wahrscheinlich wirklich das ganze begleitet als Kurs machen oder sich hier haarklein die Mühe machen und fast 1000 Beiträge nochmal lesen und sich selbst einen Plan zusammenstellen.
Ne ne das hab ich schon verstanden „Stück für Stück“ hab das jetzt nicht so ausgeführt.

Und ich habe die 1000 Nachrichten mitgelesen und bin der Meinung das ich euch verstehe aber auch die andere Seite nachvollziehen kann die dagegen hält.

Ich finde es richtig zu hinterfragen und fragen zu stellen, dafür sollte der thread ja da sein!
 
Beitrag-Verfasser
Dogorama-Mitglied
20. Dez. 09:21
Dass Belohnung und Bestrafung fehleranfällig sind ist kein Geheimnis.

Heisst das jetzt im Rückschluss, dass intrinsisches Training das nicht ist?

Und heisst der Rest, dass es bei Hund nur Zustandsabstufungen zwischen zwischen Stress und Kein Stress gibt?

Sonst tut sich in dem nix?

Und Mensch ist in einer minimierten Interaktion mit Hund vorwiegend dafür zuständig, die Einstellung möglichst Richtung Kein Stress runterzuregulieren?
 
Beitrag-Verfasser
Dogorama-Mitglied
20. Dez. 09:41
Du behauptest, ich hätte gesagt, dass bei uns alles super läuft und ich nicht sehe, warum ich intrinsisch trainieren sollte. Beides habe ich nie gesagt, ist mir also in den Mund gelegt. Mag ich nicht, widerspreche ich nachdrücklichst. Die primäre Verfechterin des intrinsischen Trainings hat positive Verstärkung und generell extrinsische Motivation als extrem minderwertig dargestellt (ich glaube mich anfänglich an das Wort "schrecklich" zu erinnern), ihre Methode ausschliesslich mit positiver Zuschreibung versehen und als Königsweg angepriesen. Kritische Hinterfragung war nicht erwünscht und wurde leider auch nicht sachlich behandelt. Das ist also zumindest auf dieser Seite nicht nur ein Weg von vielen, sondern der Weg. Das macht ihn wie gesagt in der praktischen Umsetzung fehleranfällig, wei der kritische Blick auf das eigene Tun fehlt. Und egal was man von mir halten mag, ich habe zu dieser Interpretation der intrinsischen Methode massenhaft mehr als legitime und für die objektive Einschätzung wichtige Fragen gestellt und so gut wie keine wurde von irgendwem auch nur mit der Kneifzange angefasst.
ICH habe behauptet, dass aus MEINER Beobachtung hier bei euch für mein Empfinden alles super läuft. Das war nichts weiter als ein Lob und Kompliment.

Und dann korrigiere ich mich in der Wortwahl: das hier angepriesene „NUR-Intrinsisch-motivierte“-Training würde ich bei euch nicht als notwendig erachten.
Das du dich aus allen Baukästen des Trainings bedienst und die für euch passenden Dinge anwendest ist doch unbenommen.

Und meinerseits ist dazu jetzt auch alles gesagt.