Auch ich finde deine Erklärung super!
Und das ist auch für mich, wie schon mehrmals erwähnt, grundsätzlich ein sehr brauchbarer und sinnvoller Ansatz.
Aber mich irritiert dieser extrem wertende theoretische Unterbau sehr.
Ich sehe in ihm ein großes Potential für Fehlinterpretationen und Fehleinschätzungen sowohl der hündischen Motivationen und Empfindungen wie auch des eigenen Handelns und der angewandten Methoden.
Warum wird Eigeninteresse und Handlungsmotivation in dem Konzept so pauschal mit Stress gleichgesetzt?
Es gibt ja auch genug Wollen bzw Verhalten am Hund, das keinen Stress für ihn verursacht, das ich aber trotzdem modifizieren will.
Wozu muss man da um einen Lernprozess eine Zuschreibungsideologie basteln, die die Motivations- und Emotionslage des Hundes unhinterfragt negativ und das Handeln des Menschen ebenso unhinterfragt positiv konnotiert?
Danke ☺️, tatsächlich sehe ich eine große Fehlerquote im verstärken und korrigieren. Stimmt da das Timing nicht oder interpretiere ich ein Verhalten falsch, dann verstärke oder korrigiere ich ein falsches Verhalten.
Ein Hund handelt für mich instinktiv und sein Verhalten kann daher in dieser Situation nicht falsch sein.
Wir Menschen übersehen aber oftmals die kleinen Vorboten wie z. B. eine schnellere Atmung. Er gerät also schon in Stress oder auch in Trieblage wie beim Jagen. Bei Stress wie auch im Trieb gerät der Hund in einen Tunnel und kann nicht mehr lernen, seinen Stress oder Trieb zu regulieren.
Nun liegt es an einem selber, ob man möchte, dass der Hund in Stress oder Trieb kommt, oder man es nur bedingt zulässt oder eben gar nicht. Ist der Hund in einer hohen Stresslevel oder einen hohen Trieblage, kann man jegliche extrinsische Verstärkung und Korrektur vergessen, weil der Hund gar nicht mehr in der Lage ist, das wahrzunehmen.