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Dogorama-Mitglied
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zuletzt 21. Dez.

Intrinsische Motivation - Leinenführigkeit?

Hallo liebe Hundemenschen, Ich bin durch einen anderen Thread darauf gestoßen, dass man Leinenführigkeit mittels intrinsischer Motivation beibringen kann. Intrinsische Motivation bedeutet das es der Hund von sich aus macht, es macht ihm Spaß und führt es für sich bzw. sein Wohlbefinden aus. Also zum Beispiel ist bei meinem Münsterländer das Jagen eine intrinsische Motivation, die ich mir für die Arbeit zunutze mache. Ich trainiere viel mit meinen Hunden und natürlich auch die Leinenführigkeit. In aller Regel machen das meine Hunde aber nicht aus eigener intrinsische Motivation. Jetzt frage ich mich natürlich, was ich die Jahre falsch gemacht habe, dass meine Hunde anscheinend nicht aus intrinsischer Motivation neben mir her spazieren. Habt ihr eine Idee wie man das aufbaut, dass er Hund das aus intrinsischer Motivation macht? Ist dies überhaupt möglich?
 
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Dogorama-Mitglied
19. Dez. 22:18
Und du hast da nie was vorgegeben? Nie Aufmerksamkeit trainiert oder eingefordert? Deine Hunde sind schon immer so, ganz freiwillig und von sich aus? Ich frage mich in diesem Fall nicht, wie Orientierung entsteht - das kann wohl freiwillig oder unfreiwillig sein - sondern was darunter verstanden wird. Ist im wechselseitigen Austausch sein schon Orientierung? Oder braucht es dafür nicht Einen, der irgendwas vorgibt, woran sich der Andere orientieren kann? Wenn man gemeinsam spazieren geht und immer mal guckt, wo der jeweils Andere ist, orientiert man sich noch nicht an dem. Wenn man mit einer geführten Gruppe wandern geht, orientiert man sich hingegen schon am Führer.
Ich hab heute mal wieder viel nachgedacht 😉 und besonders Ino N.s Beschreibung des „vor sich hin Laufens“ im Rahmen seines Trainings hat mich an etwas ähnliches erinnert. Ich hab mich bei der Großen bei unserem Start in ihren vollen Freilauf etwas genervt daran gestoßen, dass sie unsere Wege kennt und sich immer recht weit voraus entfernt hatte. Ich hab dann einfach „was riskiert“ und bin abgebogen. Es hatte ne ganze Weile gedauert, aber sie hat meine Wegänderung bemerkt und ist hinterher gekommen. Ich hab das dann noch ein paar mal gemacht und seither ist der Freilauf voller Aufmerksamkeit und Orientierung an mir. Meine Wegänderungen blieben von mir komplett unkommentiert, genauso ihr braves Folgen.

Bei der Kleinen habe ich tatsächlich Radiustraining an der Schleppleine geübt. Wieder ähnlich wie Ino N. es wahrscheinlich gemeint hat. Ohne zu reden und Kommandos habe ich an der Schleppleine „mein Ding“ gemacht. Ist sie vorgelaufen, dann bin ich rechts abgebogen, hat sie meine Änderung der Richtung bemerkt, habe ich das geklickt.
Auf der Hunde-Freilauffläche bin ich dann auch einfach unvermittelt mal zum Ausgang gelaufen. Und unser Training mit der Jägerin hat sicherlich auch dazu beigetragen, dass ich mittlerweile „super“ bin.
 
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Sophie
19. Dez. 22:28
Ich hab heute mal wieder viel nachgedacht 😉 und besonders Ino N.s Beschreibung des „vor sich hin Laufens“ im Rahmen seines Trainings hat mich an etwas ähnliches erinnert. Ich hab mich bei der Großen bei unserem Start in ihren vollen Freilauf etwas genervt daran gestoßen, dass sie unsere Wege kennt und sich immer recht weit voraus entfernt hatte. Ich hab dann einfach „was riskiert“ und bin abgebogen. Es hatte ne ganze Weile gedauert, aber sie hat meine Wegänderung bemerkt und ist hinterher gekommen. Ich hab das dann noch ein paar mal gemacht und seither ist der Freilauf voller Aufmerksamkeit und Orientierung an mir. Meine Wegänderungen blieben von mir komplett unkommentiert, genauso ihr braves Folgen. Bei der Kleinen habe ich tatsächlich Radiustraining an der Schleppleine geübt. Wieder ähnlich wie Ino N. es wahrscheinlich gemeint hat. Ohne zu reden und Kommandos habe ich an der Schleppleine „mein Ding“ gemacht. Ist sie vorgelaufen, dann bin ich rechts abgebogen, hat sie meine Änderung der Richtung bemerkt, habe ich das geklickt. Auf der Hunde-Freilauffläche bin ich dann auch einfach unvermittelt mal zum Ausgang gelaufen. Und unser Training mit der Jägerin hat sicherlich auch dazu beigetragen, dass ich mittlerweile „super“ bin.
Das mit dem Arme ausbreiten und freuen, wenn der Hund zu einem kommt und auch das clickern ist aber extrinsich, also positive Verstärkung. Also nicht, dass das verkehrt oder falsch wäre, nur halt nicht intrinsisch
 
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Dogorama-Mitglied
19. Dez. 22:49
Ino ist wild auf und ab gelaufen, bis der Hund sich nicht mehr bewegen wollte, weil er das so irritierend fand.

Sie hat ihn quasi erstmal in vorübergehende Handlungsunwilligkeit gefrustet und daraus dann die von ihr gewünschte Hanflung aufgebaut.

Keine Wertung, nur eine Feststellung.
 
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Dogorama-Mitglied
19. Dez. 22:50
Das mit dem Arme ausbreiten und freuen, wenn der Hund zu einem kommt und auch das clickern ist aber extrinsich, also positive Verstärkung. Also nicht, dass das verkehrt oder falsch wäre, nur halt nicht intrinsisch
Das ist mir klar, ich habe auch an Training zur intrinsischen Motivation bisher rein gar nichts gemacht.
Hier ging es jetzt einfach nur um meine Definition zur „Orientierung“ und insbesondere meine Antwort auf Joe cools Frage, ob meine Hunde von sich aus auf mich achten oder ob ich etwas dafür getan habe, dass sie auf mich achten.
 
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Dogorama-Mitglied
19. Dez. 22:52
Das ist mir klar, ich habe auch an Training zur intrinsischen Motivation bisher rein gar nichts gemacht. Hier ging es jetzt einfach nur um meine Definition zur „Orientierung“ und insbesondere meine Antwort auf Joe cools Frage, ob meine Hunde von sich aus auf mich achten oder ob ich etwas dafür getan habe, dass sie auf mich achten.
Nur wo ist da im Ursprung die Freiwilligkeit?
Du sagst doch selbst, dass du es bei beiden konkret Konditionieren musstest.
 
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Dogorama-Mitglied
19. Dez. 23:11
Nur wo ist da im Ursprung die Freiwilligkeit? Du sagst doch selbst, dass du es bei beiden konkret Konditionieren musstest.
Orientierung ist das unsrige Unterthema zzt, nicht die Freiwilligkeit 😉

Zum Thema Freiwilligkeit:
Dass ich die Große mit wenigen unkommentierten Änderungen unserer Gassiroute zu so viel mehr Aufmerksamkeit gebracht habe, das finde ich schon ganz schön stark, ehrlich. Und sehe da auch sehr viel Freiwilligkeit auf Seiten des Hundes.

Und bei der Kleinen: ja, „orientier dich an mir!“ hab ich ihr wohl beigebracht. Ich denke, dass es dringend nötig war, bevor der Schritt in den Freilauf gemacht werden konnte. Dass sie sich nun wie beschrieben verhält finde ich wunderbar und ist mir ob nun „in“ oder „ex“ motiviert erstmal egal 😉

Zu deiner Frage ob es bei uns nun wirklich Orientierung ist oder nur ein wechselseitiger Austausch:

Unser Beagle war -beagletypisch- zu null Komma null an uns orientiert. War die Leine ab, dann kam „Tschö mit ö!“ und weg war sie. 200 m. Die hat ab und zu mal geschaut und signalisiert „ich seh euch!“ und hat ihr Ding weiter gemacht. Das ist für mich auf niedrigem Niveau ein „wechselseitiger Austausch“.
Meine beiden Vizslas sind an mir orientiert, definitiv. Die interessieren sich für mich und das was ich tue und passen auf.
 
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Dogorama-Mitglied
19. Dez. 23:23
Orientierung ist das unsrige Unterthema zzt, nicht die Freiwilligkeit 😉 Zum Thema Freiwilligkeit: Dass ich die Große mit wenigen unkommentierten Änderungen unserer Gassiroute zu so viel mehr Aufmerksamkeit gebracht habe, das finde ich schon ganz schön stark, ehrlich. Und sehe da auch sehr viel Freiwilligkeit auf Seiten des Hundes. Und bei der Kleinen: ja, „orientier dich an mir!“ hab ich ihr wohl beigebracht. Ich denke, dass es dringend nötig war, bevor der Schritt in den Freilauf gemacht werden konnte. Dass sie sich nun wie beschrieben verhält finde ich wunderbar und ist mir ob nun „in“ oder „ex“ motiviert erstmal egal 😉 Zu deiner Frage ob es bei uns nun wirklich Orientierung ist oder nur ein wechselseitiger Austausch: Unser Beagle war -beagletypisch- zu null Komma null an uns orientiert. War die Leine ab, dann kam „Tschö mit ö!“ und weg war sie. 200 m. Die hat ab und zu mal geschaut und signalisiert „ich seh euch!“ und hat ihr Ding weiter gemacht. Das ist für mich auf niedrigem Niveau ein „wechselseitiger Austausch“. Meine beiden Vizslas sind an mir orientiert, definitiv. Die interessieren sich für mich und das was ich tue und passen auf.
Ich kritisiere deine Methoden nicht.

Was mir grade so auf meiner Seite auffällt...:

Das Nachfolgen bei Richtungswechsel hat Guinness tatsächlich weitgehend von selbst gemacht, zumindest wenn keine Mega Ablenkung da ist.
Und ja, das fällt in der Situation auch für mich unter Orientierung.

Einer geht vor, der andere kommt mit.

Das ist meinem Hund auch tatsächlich ein intrinsisches Anliegen, dass ich nicht völlig verschwinde.

Heisst aber nicht, dass er sich nicht zwischendurch auch für was Anderes interessieren kann und sich ohne Stress, Unsicherheit oder Desorientierung ein gutes Stück von mir entfernen würde, wenn das möglich wäre.
 
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Sophie
19. Dez. 23:35
Eine Frage in die Runde: Haltet ihr einen Umstieg vom extrinsischem Training zum intrinsischem Training für umsetzbar? Einige Verhaltensweisen sind nunmal bereits konditioniert und monatelange Konditionierung, wird der Hund bestimmt auch nur schwer vollständig vergessen? Aber wahrscheinlich würde trotzdem erstmal eine Verschlechterung stattfinden. Also zum Beispiel beim Freilauf. Ich beschäftige meine Hündin im Freilauf regelmäßig, das führt natürlich dazu, dass sie in meiner Nähe bleibt. Jetzt müsste ich das Beschäftigen weglassen und wahrscheinlich wäre sie dann mehr nach außen orientiert. Eigentlich muss ich dann doch mit dem Training nochmal von vorne anfangen, also mit Schleppleine und so?
Und darf ich sie denn im Freilauf überhaupt noch beschäftigten? Das ist ja auch ein extrinsischer Grund, wegen dem sie bei mir bleibt. Muss ich das jetzt immer im Garten machen?
 
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Babs
20. Dez. 00:40
Es geht zunächst erst mal darum, dem Hund nichts anzutrainieren, sondern ihn lernen zu lassen. Damit er das kann, braucht er einen stressfreien Raum. Unter Stress können Hunde nicht lernen. Also schaffe ich diesen Raum. Außerhalb des Raumes befindet sich ein Reiz. Entweder unangenehm (z. B. ein lautes Geräusch) oder spannend (z. B. ein Vogel). Nun lässt man den Hund innerhalb des stressfreien Raumes den Hund seine Erfahrungen sammeln, ohne das man auf ihn einwirkt. Jeder Hund hat nun seine eigene Art mit dem Reiz umzugehen. Der eine schnuppert, der andere beobachtet, der andere möchte hin oder zu seinem Sozialpartner, der ja auch in diesem Raum ist. Das einzige, worauf man selber achten muss ist, dass der Hund nicht in Stress gerät, weil er dann nicht mehr lernen kann. Merkt man, dass der Hund entspannt bleibt, erweitert man den Raum so weit, bis kleine Anzeichen von Stress da sind, sodass man dann Raum wieder etwas kleiner macht, damit der Hund wieder lernen kann und sich mit dem Reiz außerhalb des stressfreien Raumes (Außenreiz) beschäftigen kann. So gibt man ihm die Möglichkeit, sich selber zu regulieren und eine Lösung zu finden.

Würde man nun hingehen und sein tolles Verhalten (seine Lösung) extrinsisch verstärken, riskiert man, dass er das tolle Verhalten macht, weil er was dafür bekommt (dann ist sein tolles Verhalten extrinsisch motiviert) bishin zu einer Erwartungshaltung (er macht es nur noch, wenn er etwas bekommt).
Korrigiert man ihn, lässt er es sein, weil die Korrektur unangenehm ist und steigert sich bis zu einem Meideverhalten.

Jede Beeinflussung, ob verstärkend oder korrigierend beeinflusst das eigenständige/ursprüngliche Gefühl bzw. intrinsische Handeln in die eine oder andere Richtung.

Man kann nur etwas verstärken oder korrigieren, was der Hund eh schon von sich aus (intrinsisch) gezeigt hat.

Wenn der Hund nun gelernt hat, seinen Stress selber zu regulieren, dann ist auch Leinenführigkeit kein Thema mehr, denn meisstens entsteht das gezappel an der Leine wegen Stress aufgrund von Außenreizen.

So habe ich es verstanden.

Mir persönlich ist ein entspannter Hund lieber als ein gestresster. Eine Erwartungshaltung sowie Meideverhalten bedeuten immer Stress. Ein entspannter Hund kann viel bewusster durchs Leben gehen, als ein im Tunnel sitzender Hund. Und entspannt bedeutet nicht gleich Schlaftablette.
 
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Dogorama-Mitglied
20. Dez. 04:04
Eine Frage in die Runde: Haltet ihr einen Umstieg vom extrinsischem Training zum intrinsischem Training für umsetzbar? Einige Verhaltensweisen sind nunmal bereits konditioniert und monatelange Konditionierung, wird der Hund bestimmt auch nur schwer vollständig vergessen? Aber wahrscheinlich würde trotzdem erstmal eine Verschlechterung stattfinden. Also zum Beispiel beim Freilauf. Ich beschäftige meine Hündin im Freilauf regelmäßig, das führt natürlich dazu, dass sie in meiner Nähe bleibt. Jetzt müsste ich das Beschäftigen weglassen und wahrscheinlich wäre sie dann mehr nach außen orientiert. Eigentlich muss ich dann doch mit dem Training nochmal von vorne anfangen, also mit Schleppleine und so? Und darf ich sie denn im Freilauf überhaupt noch beschäftigten? Das ist ja auch ein extrinsischer Grund, wegen dem sie bei mir bleibt. Muss ich das jetzt immer im Garten machen?
Babs hat das „wie“ beschrieben.
Noch wichtig dazu, wurde bereits mehrfach erwähnt aber geht irgendwie immer wieder unter 😉.: wenn du im trainingsmodus bist fürs intrinsische Training, dann trägt der Hund z.B. sein Geschirr. Hier ist dann die konsequente Unterscheidung erforderlich.
Meine Bekannte ist z.B. immer mit Leine am Geschirr zu unserem Treffpunkt gekommen. Dort haben wir uns dann auch immer erstmal auf Distanz begrüßt und einen Moment lang gewartet. Dann gingen wir noch ein Stück zusammen und als wir an der Stelle angekommen waren, wo die Hunde von der Leine kommen, kam halt die Leine ab und dann galt der Freizeit Modus.
Das Training ist tatsächlich ein Training, das findet nicht 24/7 statt. Du musst „nur“ konsequent sein und wenn du Intrinsisch trainierst, das dann auch durchziehen.
Wir haben auch oft den Rückweg zusammen angetreten. Meine Bekannte hat dann geschaut, ob ihr Hund in der Lage war, den intrinsischen Weg zu gehen, oder ob die Leine ans Halsband kam. Manchmal war die Stimmung auch so, dass wir eben nicht zusammen weiter gegangen sind und sie alleine weiter gelaufen ist mit ihrem Hund.