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Dogorama-Mitglied
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zuletzt 21. Dez.

Intrinsische Motivation - Leinenführigkeit?

Hallo liebe Hundemenschen, Ich bin durch einen anderen Thread darauf gestoßen, dass man Leinenführigkeit mittels intrinsischer Motivation beibringen kann. Intrinsische Motivation bedeutet das es der Hund von sich aus macht, es macht ihm Spaß und führt es für sich bzw. sein Wohlbefinden aus. Also zum Beispiel ist bei meinem Münsterländer das Jagen eine intrinsische Motivation, die ich mir für die Arbeit zunutze mache. Ich trainiere viel mit meinen Hunden und natürlich auch die Leinenführigkeit. In aller Regel machen das meine Hunde aber nicht aus eigener intrinsische Motivation. Jetzt frage ich mich natürlich, was ich die Jahre falsch gemacht habe, dass meine Hunde anscheinend nicht aus intrinsischer Motivation neben mir her spazieren. Habt ihr eine Idee wie man das aufbaut, dass er Hund das aus intrinsischer Motivation macht? Ist dies überhaupt möglich?
 
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Dogorama-Mitglied
18. Dez. 10:49
Grundvoraussetzung ist, dass meine Hunde gerne bei mir sind. Also in meiner Nähe ein gutes Gefühl haben. Ein Hund, der seinen Mensch lieber meidet, wird nicht gerne an der Leine gehen. Warum bist Du gerne in der Nähe Deines Hundes? Darüber hinaus ist es wichtig, dass der Hund lernt, seine Impulse zu kontrollieren und nicht kopflos durch die Gegend rennt.
Wir gesagt, das ist hier ebenso.

Ich bin aber skeptisch gegenüber der generellen Gleichsetzung von Eigeninteressen oder Impulsen folgen mit Stress (oder Kopflosigkeit).

Das kann natürlich, wie so Vieles, auch in Stress ausarten, ich seh aber nicht, warum es prinzipiell als solche definiert werden sollte...?
 
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Babs
18. Dez. 10:57
Wir gesagt, das ist hier ebenso. Ich bin aber skeptisch gegenüber der generellen Gleichsetzung von Eigeninteressen oder Impulsen folgen mit Stress (oder Kopflosigkeit). Das kann natürlich, wie so Vieles, auch in Stress ausarten, ich seh aber nicht, warum es prinzipiell als solche definiert werden sollte...?
Ich kann Dir leider nicht weiterhelfen.
 
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Dogorama-Mitglied
18. Dez. 11:09
Ein Hund bleibt auch in entspannten, stressfreien Situationen oder während Erkundungen bei seinem Menschen, wenn er gelernt hat, dass die Nähe nicht einschränkend ist, sondern Teil einer harmonischen Beziehung. Hunde sind von Natur aus soziale Tiere, die darauf ausgelegt sind, in Gruppen zu agieren und sich aneinander zu orientieren. Selbst in Momenten, in denen es keine akute Bedrohung oder Unsicherheit gibt, bleibt die Nähe zum Menschen oft attraktiv, weil sie Teil einer gewohnten und positiven Verbindung ist. Die positive Erfahrung, die den Hund dazu bringt, sich am Menschen zu orientieren, entsteht nicht durch klassische positive Verstärkung wie Leckerchen oder Lob, sondern durch das Gefühl, dass Nähe und Orientierung das Leben einfacher und angenehmer machen. Ein Beispiel: Wenn ein Hund in einer schwierigen Begegnung – etwa mit anderen Hunden oder Joggern – erlebt, dass bei seinem Menschen bleiben die Situation für ihn überschaubarer macht und er keinen zusätzlichen Stress oder Konflikte erleben muss, ist das eine intrinsische positive Erfahrung. Es geht nicht um eine Belohnung, die vom Menschen kommt, sondern um den inneren Zustand des Hundes, der durch Orientierung Ruhe, Klarheit oder Entspannung empfindet. Ein Hund, der die Nähe seines Menschen während der Erkundung sucht, tut das nicht unbedingt aus Sicherheitsbedürfnis, sondern weil die Orientierung zur Normalität geworden ist – ähnlich wie bei einem Spaziergang mit einem guten Freund. Er kann sich frei bewegen und erkunden, kehrt aber immer wieder zurück, weil diese Wechselwirkung aus Eigenständigkeit und Nähe für ihn Sinn ergibt. Wichtig ist auch, dass der Hund in solchen Momenten oft nicht bewusst entscheidet, ob er bei seinem Menschen bleibt oder sich entfernt. Die Nähe entsteht aus einer Mischung aus Gewohnheit, positiver Erfahrung und sozialem Verhalten. Selbst wenn der Hund seine Umgebung erkundet, bleibt er in Reichweite, weil er gelernt hat, dass die Orientierung keine Einschränkung bedeutet, sondern eine natürliche Basis für seinen Bewegungsradius darstellt.
Nochmal - ich verstehe die zugrundeliegende Philosophie und Methodik.

Mein Problem liegt einerseits bei den Prämissen und andererseits im Moment auch beim beschriebenen Ergebnis:

- Warum werden als Alternativen zum nahe beim Menschen Bleiben immer schwierige Begegnungen und Stresssituationen angenommen?

Was ist mit den vielen Situationen, wo der Hund sich aus Lust, Freude, Neugierde, selbstbelohnenden Interessen heraus entfernen will?

- Ja Hunde sind soziale Tiere, das Agieren in Gruppen ist bei ihnen, am Beispiel der Strassenhunde gut beobachtbar, aber ziemlich lose angelegt.
Weder formen sie echte Rudel noch gehören sie zwingend einer fixen sozialen Gruppe an noch sind sie ständig in deren nahem Umkreis.

Alleingänge, auch in größere Entfernungen, sind keineswegs unüblich und haben auch nichts mit Stress oder Ähnlichem zu tun sondern gehören zu dem, was Hunde ohne Menschen halt so tun.

- Ich bitte nochmal darum, die positive Erfahrung genauer zu beschreiben.

Meinst du damit ganz allgemein, dass der Mensch halt ok ist und man mit ihm eine angenehme Zeit und Spass haben kann?

Falls ja, in wie fern würde das automatisch andere angenehme und spaßige Alternativen trumpfen?

Falls nein, was genau meinst du?

- Und warum reden wir jetzt nurmehr von einem undefinierten im weiteren Umkreis Bleiben und darin weitgehend selbst Entscheiden?
Das hat für mich weder mit Leinenführigkeit noch mit verlässlichem direkt bei mir Verbleiben in Ablenkungssituationen zu tu...?
 
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Dogorama-Mitglied
18. Dez. 12:42
Jain. In der Sache gebe ich dir Recht, das ist so, wenn man mit einer Hundegruppe spazieren geht, auch alleine als Mensch. Was aber sehr deutlich variiert ist die Distanz. Ich kann dir sagen, daß die Distanz zwischen Huskies auch mal locker 100 m betragen kann, auch wenn die Gruppe an sich zusammen bleibt. Bei Windhunden ist es so, dass die sich irgendwie immer gegenseitig im Auge behalten, sobald einer durchstartet ist die Hatz eröffnet. Das kann man auch bei Coursings sehr gut beobachten, wenn immer einer treibt und der andere den Flügel sichert. Dabei wechseln sich die Hunde ab. Jagen Schlittenhunde, dann ähnelt das eher einem Treiben wie bei einem Wolfsrudel. Für das Thema insofern relevant, als dass Nähe und Gruppensicherheit für unterschiedliche Hunde ganz unterschiedlich interpretiert wird. Auch Border arbeiten mit dem Schäfer ja über eine große Distanz mit viel individuellem Freiraum, auch im Tun selbst. Ich kann mir schon vorstellen, dass es für solche Hunde sogar eher stressig empfunden wird, so nah mit und beim Menschen zu agieren. Ganz anders dagegen die Zwerge, ich habe jetzt den dritten und musste keinem von ihnen beibringen, nicht allzu weit von mir weg zu sein. Bei uns sieht das so aus wie in dem Video von Alexa, mühelos.
 
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SandrA
18. Dez. 13:03
Aber ich denke, es ist schon gut, die individuellen Unterschiede zu berücksichtigen. Insofern finde ich Cornelias Einwand wichtig.
Denn die Wohlfühlzone eines Schlittenhundes ist eben nicht die Wohlfühlzone eines Labradors. Ich muss das also bei der Gestaltung des Rahmens beachten.
 
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Steffi
18. Dez. 14:03
Aber ich denke, es ist schon gut, die individuellen Unterschiede zu berücksichtigen. Insofern finde ich Cornelias Einwand wichtig. Denn die Wohlfühlzone eines Schlittenhundes ist eben nicht die Wohlfühlzone eines Labradors. Ich muss das also bei der Gestaltung des Rahmens beachten.
Das denke ich auch..Im Sommer habe ich im Wald eine völlig aufgelöste Dame getroffen, die hinter ihrem Beagle her war.. Der verfolgte eine Spur und zeigte permanent durch Bellen an, wo er gerade war..Frauchen rief auch. Ich denke, der Hund fühlte sich wohl, die Distanz ohne Sicht war fein für ihn und er hätte sie auch jederzeit wiedergefunden.. Für Frauchen war es nicht so entspannt😅
 
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Dogorama-Mitglied
18. Dez. 23:31
Ok...das bestätigt ja, dass grosser Radius und auch Alleingänge - individuell bzw auch je nach Lebensumständen - zum normalen Verhalten gehören und einer Gruppenzugehörigkeit nicht entgegen stehen.
 
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Dogorama-Mitglied
18. Dez. 23:47
Gruppenzugehörigkeit ist beim Hund aber eben nicht automatisch mit räumlicher Nähe gleichzusetzen.

Hunde, die die Möglichkeit haben, wandern auch durch die Gegend, durch die Ortschaft, besuchen andere Hunde in der Umgebung und kommen dann wieder zu ihrem Zuhause zurück.

Die fühlen sich weder unsicher noch orientierungslos, sind ihrer Gruppe zugehörig, haben aber einen intrinsischen Radius, der meist nicht alltagstauglich ist.

Auch mein Border Collie hat keinen inneren Antrieb, ständig neben mir zu gehen. Er ist in so gutem Austausch mit mir, dass er oft sogar in der Stadt ein wenig kontrolliert frei laufen kann, aber das hat er konkret gelernt.
Ich weiss, dass er mir nie ernsthaft abhauen würde, an mir zu kleben, ist ihm umgekehrt aber auch kein angelegtes Bedürfnis.
 
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Dogorama-Mitglied
18. Dez. 23:51
Wieso verdreh ich das?
Du hast das selbst so beschrieben.

Auch zu Hause ist sie ja im Unkreis ihrer Gruppe und geht von dort bzw von euch weg und kommt später wieder zu euch zurück... oder nicht?
 
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Dogorama-Mitglied
19. Dez. 00:10
Jo...Lucy macht es beim Spaziergang vielleicht nicht, ein anderer Hund vielleicht schon.
Grundsätzlich bestätigt es die Tatsache, dass sich von der Gruppe Entfernen erstmal nichts ist, was gegen die hündische Natur läuft.

Und ihren Radius beschreibst du auch beim Spazierengehen als so groß, dass er mit direkt bei dir bzw in einem normalen Leinenradius Bleiben nichts zu tun hat.

Wie baut man daraus intrinsisch eine Leinenführigkeit auf, wenn der Radius, den der Hund ok findet, viel größer wäre?