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Dogorama-Mitglied
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zuletzt 21. Dez.

Intrinsische Motivation - Leinenführigkeit?

Hallo liebe Hundemenschen, Ich bin durch einen anderen Thread darauf gestoßen, dass man Leinenführigkeit mittels intrinsischer Motivation beibringen kann. Intrinsische Motivation bedeutet das es der Hund von sich aus macht, es macht ihm Spaß und führt es für sich bzw. sein Wohlbefinden aus. Also zum Beispiel ist bei meinem Münsterländer das Jagen eine intrinsische Motivation, die ich mir für die Arbeit zunutze mache. Ich trainiere viel mit meinen Hunden und natürlich auch die Leinenführigkeit. In aller Regel machen das meine Hunde aber nicht aus eigener intrinsische Motivation. Jetzt frage ich mich natürlich, was ich die Jahre falsch gemacht habe, dass meine Hunde anscheinend nicht aus intrinsischer Motivation neben mir her spazieren. Habt ihr eine Idee wie man das aufbaut, dass er Hund das aus intrinsischer Motivation macht? Ist dies überhaupt möglich?
 
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Dogorama-Mitglied
14. Dez. 18:27
Ich glaube, da bleibt Dir nix anderes übrig, als Gegenden mit Skateboard-Fahrern erstmal nur sehr gezielt zu „besuchen“… und den Abstand massiv zu kontrollieren. Wenn der erstmal im Tunnel ist, ist intrinsische Ruhe ausgeschlossen, würde ich sagen. Hast Du nicht in der Gegend irgendwie nen Zaun oder so, von dem Du beobachten kannst? Oder Du stellst einen von denen zum Training an…😀 Ich hatte das mit Kaninchen bei uns im Innenhof (im Gehege): Wir mussten nunmal im 2m-Abstand dran vorbei, Polli immer auf 2 Beinen. Hab ich immer versucht, so schnell wie möglich zu machen und ihr dafür vorher und hinterher die Möglichkeit zur Selbstregulierung zu geben. Glücklicherweise ist unsere Hinterhaustür aus Glas, d.h. das war der Rahmen/die Grenze, hinter der sie sich erstmal regulieren konnte. Nach ein paar Mal hatte ich deutlich den Eindruck, dass sie froh war über meine Eile, dran vorbei zu kommen -> sie rastete zwar immer noch aus, lief aber mit und entspannte dann schon deutlich noch im Hinterhof auf dem Weg zur Vorderhaustür. War aber auch ne Mischung aus ihrer freien Entscheidung und „ich lass Dich jetzt mal vor der geschlossenen Tür (drinnen) sitzen und Du darfst dann (fast) entscheiden, was Du machst, wenn die Tür aufgeht“…🤪
Die Skateboards tauchen auch auf der Strasse auf, hab ich keinen Einfluss darauf und kann ohne zu flüchten keinen Abstand kontrollieren 🙈🙈🙈
 
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Dogorama-Mitglied
14. Dez. 18:36
Ok, guter Punkt. Und im Alltag manage ich das wie am Besten? Ich bin zu diesem speziellen Thema inzwischen betriebsblind, weil es auch mich stresst und ich da nicht mehr klar sehe.
Was genau verursacht dir denn den Stress?

Bei mir war es, bevor ich die Unterscheidung hatte, das Gefühl, dass mein Trainingsstand „versaut“ wird durch schlechte Momente.
 
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Dogorama-Mitglied
14. Dez. 18:39
Die Skateboards tauchen auch auf der Strasse auf, hab ich keinen Einfluss darauf und kann ohne zu flüchten keinen Abstand kontrollieren 🙈🙈🙈
Besitzt du oder Freunde/Familie von dir ein Skateboard?
 
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Dogorama-Mitglied
14. Dez. 18:42
Ich kann dir sagen wie ich es bei meiner Hündin gemacht habe. Beim Training für den Freilauf habe ich gezielt mit Reizen wie Rehen, Raben oder Enten gearbeitet. Das kann man aber individuell machen. Auch mit anderen Hunden, wenn die ein Thema sind. Der erste Schritt war, diese Reize aus einer sicheren Distanz zu beobachten, die für meinen Hund noch gut auszuhalten war, ohne dass er Anzeichen von Stress, Überforderung zeigte oder die Tiere jagen wollte. Diese Distanz habe ich je nach Reaktion meines Hundes flexibel angepasst. Ziel war es, dass mein Hund den Reiz wahrnimmt, sich aber weiterhin auf mich und die Situation konzentrieren kann, ohne sofort zu reagieren. Im Verlauf des Trainings haben wir uns den Tieren schrittweise genähert, wobei der Hund immer die Möglichkeit hatte, den Reiz in seinem Tempo zu verarbeiten. Die Leine spielte dabei eine wichtige Rolle: Zunächst habe ich mit einer kürzeren Leine gearbeitet, um meinem Hund mehr Sicherheit zu geben. Mit fortschreitendem Training und wachsendem Vertrauen in die Selbstregulation meines Hundes wurde die Leine immer länger, bis hin zur Schleppleine. Wenn der Hund Anzeichen von Überforderung zeigt, wie Ziehen, Fiepen oder starke Anspannung, wird die Distanz wieder vergrößert, um ihn zu unterstützen. Der nächste Schritt ist der Freilauf. Sobald mein Hund zuverlässig gelernt hat, sich an mir zu orientieren und Impulse zu kontrollieren, löse ich die Schleppleine, um noch mehr Freiheit zu geben. Das Training bleibt dabei gleich: Der Hund lernt, dass ruhiges Verhalten nicht nur an der Leine, sondern auch ohne Leine die angenehmste Option ist. Es ist ja auch weniger Stress für sie. Sie ist nicht verantwortlich für die Reaktion auf einen Reiz. Wichtig ist, dass dieser Übergang schrittweise erfolgt, damit der Hund die gleichen Verhaltensweisen, die er mit der Schleppleine gezeigt hat, auch im Freilauf beibehält. Durch die vorherige Arbeit mit der Schleppleine hat sie die Fähigkeit entwickelt, Reize selbstständig zu bewältigen, ohne auf äußere Belohnungen oder Korrekturen angewiesen zu sein. So kann sie z.B. direkt an Enten und Raben vorbei laufen. Wenn sie sich unsicher ist, läuft sie hinter mich. Es ist ähnlich wie das Training was man oft mit Welpen macht, wenn die Schutz suchen beim Menschen. Nur das man es so aktiv fördert. Ich bediene mich damit quasi am natürlichen Bedürfnis von Sicherheit und Orientierung.
Ich hole diese Erklärung von Maike einfach nochmal nach oben, hier hat sie sehr ausführlich beschrieben, wie sie es gemacht hat.
Plus die an anderer Stelle gegebenen Hinweise auf die Unterscheidung Geschirr/Halsband und den Zeitraum des Trainings auf 6-12 Monate auszulegen.
 
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Dogorama-Mitglied
14. Dez. 19:09
Ich hole diese Erklärung von Maike einfach nochmal nach oben, hier hat sie sehr ausführlich beschrieben, wie sie es gemacht hat. Plus die an anderer Stelle gegebenen Hinweise auf die Unterscheidung Geschirr/Halsband und den Zeitraum des Trainings auf 6-12 Monate auszulegen.
Das klappt aber so wie ich es verstehe nur im kontrollierten Rahmen. Und das find ich auch einen sehr sinnvollen Zugang.

Schön wäre jetzt noch ein Management oder gar eine Adaption für die unkontrollierten Situationen zu haben, wo man sich das Training eben zumindest nicht wieder versaut.
 
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Dogorama-Mitglied
14. Dez. 19:12
Besitzt du oder Freunde/Familie von dir ein Skateboard?
Ich hab inzwischen eines, kann aber nicht fahren.

Zwei Versuche wurden mit Freundin bzw Trainer gestartet, aber außer Hysterie schon allein beim Anblick (das ist nicht immer so, er reagiert recht unterschiedlich) hat das nicht viel gebracht.
 
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Dogorama-Mitglied
14. Dez. 19:14
Was genau verursacht dir denn den Stress? Bei mir war es, bevor ich die Unterscheidung hatte, das Gefühl, dass mein Trainingsstand „versaut“ wird durch schlechte Momente.
Ich glaube, das ist bei mir ähnlich. Ich hab keine Go-to Reaktion, auf die ich ohne lang zu überlegen zurückgreifen könnte.

Ich hab diesbezüglich schon so viel probiert, vieles davon war scheisse, manches schien zu helfen und dann auch wieder nicht.
Ich bin planlos, vor allem weil er tw wirklich extrem reagiert.

Und dann gibt's halt auch Anderes mit ihm zu tun, da rückt Skateboard tw wieder in den Hintergrund. Kann ihn ja auch nicht permanent bearbeiten.
 
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Mel
14. Dez. 19:22
Ich hole diese Erklärung von Maike einfach nochmal nach oben, hier hat sie sehr ausführlich beschrieben, wie sie es gemacht hat. Plus die an anderer Stelle gegebenen Hinweise auf die Unterscheidung Geschirr/Halsband und den Zeitraum des Trainings auf 6-12 Monate auszulegen.
Ich weiß, dass ich grad nicht auf Maikes Post direkt antworte aber den finde ich jetzt nicht so schnell. Ich wollte kurz fragen wenn du sagst, dass du je nach Trainingsstand die Distanz vergrößert oder verringert hast, dann bedeutet das, dass du lange bspw gar nicht an Hunden vorbei bist sondern immer nur so weit wie dein Hund es ausgehalten hat? Und irgendwann als es ging dann erst?
 
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Katrin
14. Dez. 20:02
Ich hab inzwischen eines, kann aber nicht fahren. Zwei Versuche wurden mit Freundin bzw Trainer gestartet, aber außer Hysterie schon allein beim Anblick (das ist nicht immer so, er reagiert recht unterschiedlich) hat das nicht viel gebracht.
Alleine beim Anblick des Boards oder wenn jemand es benutzt?
 
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Dogorama-Mitglied
14. Dez. 20:06
Alleine beim Anblick des Boards oder wenn jemand es benutzt?
Unterschiedlich. Seine Reaktionen sind da nicht konsistent und situations- und verfassungsabhäbgig.

Das macht es zusätzlich schwieriger, adäquat zu reagieren.