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Dogorama-Mitglied
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zuletzt 21. Dez.

Intrinsische Motivation - Leinenführigkeit?

Hallo liebe Hundemenschen, Ich bin durch einen anderen Thread darauf gestoßen, dass man Leinenführigkeit mittels intrinsischer Motivation beibringen kann. Intrinsische Motivation bedeutet das es der Hund von sich aus macht, es macht ihm Spaß und führt es für sich bzw. sein Wohlbefinden aus. Also zum Beispiel ist bei meinem Münsterländer das Jagen eine intrinsische Motivation, die ich mir für die Arbeit zunutze mache. Ich trainiere viel mit meinen Hunden und natürlich auch die Leinenführigkeit. In aller Regel machen das meine Hunde aber nicht aus eigener intrinsische Motivation. Jetzt frage ich mich natürlich, was ich die Jahre falsch gemacht habe, dass meine Hunde anscheinend nicht aus intrinsischer Motivation neben mir her spazieren. Habt ihr eine Idee wie man das aufbaut, dass er Hund das aus intrinsischer Motivation macht? Ist dies überhaupt möglich?
 
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Michi
13. Dez. 15:35
zu 2: Hier steht ja im Vordergrund, dass der Hund Selbstbewusstsein aufbaut und sich 'was' traut. Da ist ein unterstützendes Lob zu Anfang sicher nicht verkehrt - ist dann natürlich wieder extrinsisch. :-)
So wie ich es hier verstanden habe, sollte es ja weder bei der Ausführung noch beim Ergebnis kommentiert werden, da dieses Lob ja ein positiver Verstärker ist...so wie du schon sagst....
Das ist doch dann eine Mischform .
 
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Olli
13. Dez. 15:44
So wie ich es hier verstanden habe, sollte es ja weder bei der Ausführung noch beim Ergebnis kommentiert werden, da dieses Lob ja ein positiver Verstärker ist...so wie du schon sagst.... Das ist doch dann eine Mischform .
Ja, wenn man die Umgebung ändert.

In diesem Fall könnte man hinter dem Hund Feuer legen, damit er 'freiwillig' und ohne Kommando oder Leckerlie über den Kastenhaufen springt.

Auf jeden Fall wäre das selbstmotiviert, aber wohl nicht selbstbelohnend und massnahmentechnisch auch daneben.

Das Ziehen meiner Schlittenhunde könnte man weitgehend als intrinsisch bezeichnen, wenn ich sie nicht mit Lob angefeuert hätte.

Schneller wurden sie nur extrinsisch, wenn der Labrador auf der anderen Straßenseite am Rad schneller sein wollte
 
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Dogorama-Mitglied
13. Dez. 18:55
Ja, wenn man die Umgebung ändert. In diesem Fall könnte man hinter dem Hund Feuer legen, damit er 'freiwillig' und ohne Kommando oder Leckerlie über den Kastenhaufen springt. Auf jeden Fall wäre das selbstmotiviert, aber wohl nicht selbstbelohnend und massnahmentechnisch auch daneben. Das Ziehen meiner Schlittenhunde könnte man weitgehend als intrinsisch bezeichnen, wenn ich sie nicht mit Lob angefeuert hätte. Schneller wurden sie nur extrinsisch, wenn der Labrador auf der anderen Straßenseite am Rad schneller sein wollte
Hallo Olli, das ist für mich der Punkt. Das Ziehen bei Schlittenhunden sehe ich tatsächlich, ebenso wie das Hüten bei den Hütehunden oder das typische Wachen der Lager- und Herdenschutzhunde als rein intrinsisch motiviert. An lockerer Leine neben dem Menschen gehen mag zwar intrinsisch motiviert funktionieren, aber der Weg bis zu diesem Training beinhaltet ja schon sehr viel positive Verstärkung und Prägung des Welpen. Deswegen ist das Konzept an sich nicht schlecht, ich sehe da eine Menge Positives dran, aber es hat für mich schon auch ein ganz schönes Marketing-gschmäckle...
 
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Babs
13. Dez. 19:42
Hallo Olli, das ist für mich der Punkt. Das Ziehen bei Schlittenhunden sehe ich tatsächlich, ebenso wie das Hüten bei den Hütehunden oder das typische Wachen der Lager- und Herdenschutzhunde als rein intrinsisch motiviert. An lockerer Leine neben dem Menschen gehen mag zwar intrinsisch motiviert funktionieren, aber der Weg bis zu diesem Training beinhaltet ja schon sehr viel positive Verstärkung und Prägung des Welpen. Deswegen ist das Konzept an sich nicht schlecht, ich sehe da eine Menge Positives dran, aber es hat für mich schon auch ein ganz schönes Marketing-gschmäckle...
Probier es doch einfach mal aus 😉. Habe ich vor 1,5 Jahren gemacht. Mein Hütehund läuft heute ohne Leine an Kühe vorbei. Vögel sind ebenfalls kein Thema mehr. Weder flatternde Fasane noch Gänse, Raben, Enten die über den Weg marschieren. Neben dem Hütetrieb hat mein Rüde auch einen ausgeprägten Jagdtrieb. Da er nicht an der Leine läuft, sondern 10 Meter vor mir, latscht er auch nicht gelangweilt neben mir. Ach ja, das hatte ich mir selber überlegt. 1. weil meine Hündin meinen Rüden auch nicht lobt und mit Leckerchen bestätigt und ich 2. ein Fan davon bin, meinen Hund nicht vollzuquatschen. Da ich vorher noch nie was von dieser Methode gehört hatte, habe ich das nicht aufgrund einer Marketingstragie gemacht. Waren meine eigenen Gedankengänge.

Über Lob und Bestätigung habe ich allerdings ein Anzeigeverhalten bei verletzen Tieren trainiert.

Also ... ich habe mehrere Trainingsmethoden ausprobiert und finde nach wie vor den Weg über die intrinsische Motivation sehr spannend.
 
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Michi
13. Dez. 19:44
Probier es doch einfach mal aus 😉. Habe ich vor 1,5 Jahren gemacht. Mein Hütehund läuft heute ohne Leine an Kühe vorbei. Vögel sind ebenfalls kein Thema mehr. Weder flatternde Fasane noch Gänse, Raben, Enten die über den Weg marschieren. Neben dem Hütetrieb hat mein Rüde auch einen ausgeprägten Jagdtrieb. Da er nicht an der Leine läuft, sondern 10 Meter vor mir, latscht er auch nicht gelangweilt neben mir. Ach ja, das hatte ich mir selber überlegt. 1. weil meine Hündin meinen Rüden auch nicht lobt und mit Leckerchen bestätigt und ich 2. ein Fan davon bin, meinen Hund nicht vollzuquatschen. Da ich vorher noch nie was von dieser Methode gehört hatte, habe ich das nicht aufgrund einer Marketingstragie gemacht. Waren meine eigenen Gedankengänge. Über Lob und Bestätigung habe ich allerdings ein Anzeigeverhalten bei verletzen Tieren trainiert. Also ... ich habe mehrere Trainingsmethoden ausprobiert und finde nach wie vor den Weg über die intrinsische Motivation sehr spannend.
Na ja, jetzt ging es ja um die Videos, da wurde halt schon sehr deutlich gelobt. Das ist schon ein wenig kontrovers, finde ich...
 
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Babs
13. Dez. 19:46
Na ja, jetzt ging es ja um die Videos, da wurde halt schon sehr deutlich gelobt. Das ist schon ein wenig kontrovers, finde ich...
Ich habe mir die Filmchen tatsächlich nicht angeschaut 😳.
 
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Michi
13. Dez. 19:46
Ich habe mir die Filmchen tatsächlich nicht angeschaut 😳.
Dann mal los...
 
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Katja
13. Dez. 23:19
So wie ich es hier verstanden habe, sollte es ja weder bei der Ausführung noch beim Ergebnis kommentiert werden, da dieses Lob ja ein positiver Verstärker ist...so wie du schon sagst.... Das ist doch dann eine Mischform .
Ja, die „reine Lehre“ ist das bestimmt nicht!

Aber ich find‘s spannend, das aus der Perspektive des Hundes zu sehen: die Hündin im Film muss sich echt anstrengen, dieses Problem zu lösen und das in ihrem Kopf für sich klarzukriegen!
Polli ist so verfressen, die würde auch über 4 Lagen Kisten einfach drüberspringen… obwohl sie auch ein sehr zurückhaltender Hund ist, mit dem wir echt viele Maßnahmen zur Stärkung des Selbstbewusstseins gemacht haben. Aber Futter, da hakt‘s bei dem ehemaligen Strassenhund eben aus.

Und ich glaube, darum gehts für jeden Hund: das er auf seinem Level Entscheidungen trifft und nicht die Entscheidung durch die externe Fixierung vorbestimmt wird.

Aber ich finde die Komponente der Stärkung des Selbstbewusstseins echt interessant… hatte ich so noch nicht auf dem Schirm. Aber ist ja irgendwie klar!😀
 
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Michi
13. Dez. 23:46
Genau deswegen rede ich ja davon, dass es eigentlich eine Mischform ist....
 
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Kirsten
14. Dez. 07:45
Ja, wenn man die Umgebung ändert. In diesem Fall könnte man hinter dem Hund Feuer legen, damit er 'freiwillig' und ohne Kommando oder Leckerlie über den Kastenhaufen springt. Auf jeden Fall wäre das selbstmotiviert, aber wohl nicht selbstbelohnend und massnahmentechnisch auch daneben. Das Ziehen meiner Schlittenhunde könnte man weitgehend als intrinsisch bezeichnen, wenn ich sie nicht mit Lob angefeuert hätte. Schneller wurden sie nur extrinsisch, wenn der Labrador auf der anderen Straßenseite am Rad schneller sein wollte
Wenn du Feuer legst, handelt der Hund auch aufgrund eines extrinsischen Reizes (vergleichbar mit dem Leckerchen oder?)🤔
Nur belohnt er sich nicht mit dem Reiz. Die Flucht ist aber selbstbelohnend.
Zumindest in dem Sinne, dass der Hund sich durch die Flucht ein besseres Gefühl schafft, als bei der Bedrohung durch das Feuer.

Er hat einen hohen Druck selbstständig eine Lösung zu finden.
Ich kenne nur wenige Hunde die sich ähnlich extrem verhalten, wie der im Video.
Bei dem Hund der mir in den Sinn kommt, könnt ich mir gut vorstellen, dass er zwar direkt flüchten würde, das aber nicht dazu führt Situationen ohne Druck eigenständig zu lösen.