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Dogorama-Mitglied
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zuletzt 21. Dez.

Intrinsische Motivation - Leinenführigkeit?

Hallo liebe Hundemenschen, Ich bin durch einen anderen Thread darauf gestoßen, dass man Leinenführigkeit mittels intrinsischer Motivation beibringen kann. Intrinsische Motivation bedeutet das es der Hund von sich aus macht, es macht ihm Spaß und führt es für sich bzw. sein Wohlbefinden aus. Also zum Beispiel ist bei meinem Münsterländer das Jagen eine intrinsische Motivation, die ich mir für die Arbeit zunutze mache. Ich trainiere viel mit meinen Hunden und natürlich auch die Leinenführigkeit. In aller Regel machen das meine Hunde aber nicht aus eigener intrinsische Motivation. Jetzt frage ich mich natürlich, was ich die Jahre falsch gemacht habe, dass meine Hunde anscheinend nicht aus intrinsischer Motivation neben mir her spazieren. Habt ihr eine Idee wie man das aufbaut, dass er Hund das aus intrinsischer Motivation macht? Ist dies überhaupt möglich?
 
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SandrA
13. Dez. 09:02
Ich denke es steht ohnehin außer Frage, dass Gewöhnung in den meisten Fällen Erfolg hat, sie ist schließlich eine der Grundlagen des Lernens. Würde das nicht klappen, wären wir ja allesamt überlebensunfähig.
Gewöhnung trifft es aber nicht, find ich. Der Prozess ist viel komplexer.
Ich würde eher sagen, dass sie Selbstregulation gelernt hat,indem Handlungen eingebettet in eine wohlige Atmosphäre mit positiven Emotionen verknüpft oder konnotiert wurden.
Meine Hündin wurde nicht desensibilisiert, sondern sie erlernte neue Umgangsformen mit den Hühnern.
 
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SandrA
13. Dez. 09:04
Und um einen Gedanken komm ich bei dem Ansatz aber generell nicht rum - in wie weit wird die Beschränkung seiner Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit vom Hund womöglich als unangenehm bzw frustrierend erlebt? Bzw wenn in der Idealversion vielleicht nicht, ab welcher Nuance von Erregung wird sie es? Und wie sieht es bei der Distanzvergrösserung aus, die imho ja dann schon gegen die eigentliche Motivation des Hundes läuft? Das ist jetzt wieder eher theoretisch gedacht, aber für mich für das Verständnis dessen, was da genau an Methoden abläuft und worauf man speziell achten muss, schon sehr interessant. Ich sehe eine ansatzweise Ähnlichkeit zur erlernten Hilflosigkeit, nur in deutlich milderer Ausprägung... Ich bin versucht, es "erlernte Untätigkeit" nennen... Kann damit jemand aus lernmethodischer Sicht was anfangen? Bzw mir auch gerne erklären, was abläuft, wenn es das nicht ist?
Es ist genau nicht erlernte Hilflosigkeit. Vielmehr erzeugt der Hund mit anfänglicher Unterstützung eine Stimmung in der Lernen überhaupt möglich ist. Der Hund selbst findet Lösungen.

Die Distanzvergrösserung war bei mir ein Angebot, eine Reaktion auf ihr Verhalten/ihre Stimmung. Nicht ein Wegzerren während sie immer erregter wurde. Den Erregungszustand habe ich mit ihr ausgehalten.
 
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Dogorama-Mitglied
13. Dez. 09:19
Gewöhnung trifft es aber nicht, find ich. Der Prozess ist viel komplexer. Ich würde eher sagen, dass sie Selbstregulation gelernt hat,indem Handlungen eingebettet in eine wohlige Atmosphäre mit positiven Emotionen verknüpft oder konnotiert wurden. Meine Hündin wurde nicht desensibilisiert, sondern sie erlernte neue Umgangsformen mit den Hühnern.
Ok...Maike hatte gesagt, es ist vom Lernprinzip her Gewöhnung...

Ich glaube, man muss hier unterscheiden, zwischen den äußeren Bedingungen, die du kreiert hast (wohlig, positiv etc) und den inneren Abläufen im Hund (extrem aufgeregt).
Und wahrscheinlich auch zw der von dir geschaffenen Atmosphäre (wohlig, positiv) und deiner Handlung (einschränkend).

Ich kann mir gut vorstellen, dass die Bedingungen und die Atmosphäre im Laufe der Zeit wohlig und positiv (beruhigend) auf den Hund eingewirkt haben, aber ob er es während des Prozesses durchgängig als wohlig und positiv empfunden hat, in hoher Erregung davon abgehalten zu werden, daß zu tun, was er eigentlich wollte, müsste in Frage gestellt werden dürfen.

Versteh mich nicht falsch, ich kritisiere das nicht, ich bin auch der Meinung, dass im Leben nicht immer Alles stressfrei ablaufen kann.

Ich will nur detaillierter verstehen, um zu wissen, was aus Hundesicht abläuft.
Weil nur weil wir denken, dass etwas rein positiv ist, muss das Gegenüber das nicht genauso empfinden.
 
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Dogorama-Mitglied
13. Dez. 09:33
Gewöhnung trifft es aber nicht, find ich. Der Prozess ist viel komplexer. Ich würde eher sagen, dass sie Selbstregulation gelernt hat,indem Handlungen eingebettet in eine wohlige Atmosphäre mit positiven Emotionen verknüpft oder konnotiert wurden. Meine Hündin wurde nicht desensibilisiert, sondern sie erlernte neue Umgangsformen mit den Hühnern.
Gewöhnung und Desensibilisierung sind eh nicht ganz das Gleiche.

Aber du hast recht, bei euch wäre es Desensibilisierung., da ja schon eine gesteigerte Sensibilität vorhanden war.

Auch bei der Desensibilisierung lernt man ja letztlich neue "Umgangsformen" und zwar über eine Veränderung der emotionalen Reaktion auf den Reiz.

Salopp gesagt über eine Art "Abhärtung" dem Reiz gegenüber.

Warum denkst du also, dass bei euch keine Desensibilisierung involviert war?
 
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Dogorama-Mitglied
13. Dez. 09:34
Gewöhnung trifft es aber nicht, find ich. Der Prozess ist viel komplexer. Ich würde eher sagen, dass sie Selbstregulation gelernt hat,indem Handlungen eingebettet in eine wohlige Atmosphäre mit positiven Emotionen verknüpft oder konnotiert wurden. Meine Hündin wurde nicht desensibilisiert, sondern sie erlernte neue Umgangsformen mit den Hühnern.
Der Prozess der Gewöhnung (Habituation) umfasst Selbstregulation, da ein Hund, der sich an einen Reiz gewöhnt, aktiv lernt, seine eigenen Emotionen und Reaktionen zu kontrollieren.
 
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SandrA
13. Dez. 09:40
Der Prozess der Gewöhnung (Habituation) umfasst Selbstregulation, da ein Hund, der sich an einen Reiz gewöhnt, aktiv lernt, seine eigenen Emotionen und Reaktionen zu kontrollieren.
Dass Gewöhnung stattfindet, schließe ich ja nicht aus. Ich sehe sie nur nicht als den einzigen Faktor, um den ganzen Prozess zu beschreiben. Das geht ja schon noch darüber hinaus.
 
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Dogorama-Mitglied
13. Dez. 09:44
Dass Gewöhnung stattfindet, schließe ich ja nicht aus. Ich sehe sie nur nicht als den einzigen Faktor, um den ganzen Prozess zu beschreiben. Das geht ja schon noch darüber hinaus.
Gut möglich. Ich wollte nur anbringen das Gewöhnung auch schon vieles beinhaltet. Das Wort hört sich halt so gewöhnlich an. 😉
 
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Dogorama-Mitglied
13. Dez. 09:47
Gut möglich. Ich wollte nur anbringen das Gewöhnung auch schon vieles beinhaltet. Das Wort hört sich halt so gewöhnlich an. 😉
Meinst du mit darüber hinaus, dass du das aktiv gefördert hast...?
 
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Dogorama-Mitglied
13. Dez. 09:50
Gut möglich. Ich wollte nur anbringen das Gewöhnung auch schon vieles beinhaltet. Das Wort hört sich halt so gewöhnlich an. 😉
Dem stimme ich zu, Gewöhnung ist ein reichlich komplexes Gefüge aus äusseren Umständen und Reizen und inneren Zuständen und Verarbeitungsprozessen.
 
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SandrA
13. Dez. 10:27
Gewöhnung und Desensibilisierung sind eh nicht ganz das Gleiche. Aber du hast recht, bei euch wäre es Desensibilisierung., da ja schon eine gesteigerte Sensibilität vorhanden war. Auch bei der Desensibilisierung lernt man ja letztlich neue "Umgangsformen" und zwar über eine Veränderung der emotionalen Reaktion auf den Reiz. Salopp gesagt über eine Art "Abhärtung" dem Reiz gegenüber. Warum denkst du also, dass bei euch keine Desensibilisierung involviert war?
Das denke ich nicht. Ich hab mich im Eifer aber auch nicht exakt ausgedrückt; es fehlt im Text das Wörtchen „nur“ i.S. von ausschließlich 😉