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Dogorama-Mitglied
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zuletzt 21. Dez.

Intrinsische Motivation - Leinenführigkeit?

Hallo liebe Hundemenschen, Ich bin durch einen anderen Thread darauf gestoßen, dass man Leinenführigkeit mittels intrinsischer Motivation beibringen kann. Intrinsische Motivation bedeutet das es der Hund von sich aus macht, es macht ihm Spaß und führt es für sich bzw. sein Wohlbefinden aus. Also zum Beispiel ist bei meinem Münsterländer das Jagen eine intrinsische Motivation, die ich mir für die Arbeit zunutze mache. Ich trainiere viel mit meinen Hunden und natürlich auch die Leinenführigkeit. In aller Regel machen das meine Hunde aber nicht aus eigener intrinsische Motivation. Jetzt frage ich mich natürlich, was ich die Jahre falsch gemacht habe, dass meine Hunde anscheinend nicht aus intrinsischer Motivation neben mir her spazieren. Habt ihr eine Idee wie man das aufbaut, dass er Hund das aus intrinsischer Motivation macht? Ist dies überhaupt möglich?
 
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SandrA
12. Dez. 21:16
Sehr spannend... Hattest du sie in der Teainingsphase frei oder an der Leine? Und du wie hast du auf ihre Aufregung beim Näherkommen reagiert? Bist du auch wieder mehr auf Distanz gegangen?
Sie war immer gesichert…schon um der armen Hühner willen….
Wenn wir zu nah waren, fing sie an zu zittern. Ich hab das wahrgenommen und sie angesehen. Mehr nicht. Sie kam dann zu mir und stellte sich hinter mich. Dann bin ich mit ihr zusammen ein Stück weiter weg. Wenn die Wiese nicht gerade ein Schlammloch war, hab ich mich dann hingesetzt und sie hielt sich halt in meiner Nähe auf. Schnüffelnd, wälzend, albern, schmusig….dann war für mich alles im lot.
 
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Dogorama-Mitglied
12. Dez. 21:21
Und noch etwas, was die Methode vielleicht manchmal an Grenzen stoßen lässt... Das mit deinen Hühnern konntest du gezielt aufbauen, die waren einfach immer da. Weiter weg, näher ran, ganz nach Belieben. Mit den Tieren im Wald sieht die Sache dann aber ganz anders aus. Da ist bei uns zuhause ( Sauerland) ein solches Training nicht möglich, weil man selten ein Tier sieht und auch nicht weiß, wo gerade eine interessante Spur ist. In unseren riesigen Waldgebieten wimmelt es von Tieren, aber so trainieren wie in Österreich ist nicht möglich. Deswegen habe ich ein Abbruchwort, welches ihm deutlich sagt : Hör sofort auf mit dem was du da tust, egal was es ist ! Und das ist ja nicht im Sinne der intrinsischen Methode. Deswegen ist es für mich sehr interessant, aber nicht immer so ganz alltagstauglich.
Genau, man hat auch nicht für jedes relevante Szenario die passende Trainingsarena vor der Haustür.

Hasen/Wild sind bei uns ein Thema, in Oberösterreich könnt ich da auch immer mal dran arbeiten, dann aber in Wien wieder monatelang nicht wirklich.

Und anhand der Skateboards seh ich, wie extrem sich die Details der Begegnung auf seine Reaktion auswirken.

Ein eher ruhig Dahinrollendes kann er aus gewisser Entfernung tw fast reaktionslos bemerken, wenn eines unerwartet auftaucht, uns abrupt überholt oder auf uns zu kommt flippt er oft aus, dass ich denke er bekommt einen Herzinfarkt 🤦🤦🤦
 
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Dogorama-Mitglied
12. Dez. 21:27
Sie war immer gesichert…schon um der armen Hühner willen…. Wenn wir zu nah waren, fing sie an zu zittern. Ich hab das wahrgenommen und sie angesehen. Mehr nicht. Sie kam dann zu mir und stellte sich hinter mich. Dann bin ich mit ihr zusammen ein Stück weiter weg. Wenn die Wiese nicht gerade ein Schlammloch war, hab ich mich dann hingesetzt und sie hielt sich halt in meiner Nähe auf. Schnüffelnd, wälzend, albern, schmusig….dann war für mich alles im lot.
Verstehe...hat sie sich das hinter dich Stellen quasi selbst ausgedacht oder hattet ihr das schon davor in anderen Situationen in Gebrauch?

Ich kann mir bei Guinness schwer vorstellen, dass er das von selbst wählen würde...
 
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Sigi
12. Dez. 23:28
Ich versuche es mal zu erklären. Als Beispiel fällt mir meine Hündin ein: Sie ist passionierte Jägerin und wurde auch zur Jagd genutzt bevor sie zu uns kam. Sprich: jagen war und ist das absolut größte für sie. Wir halten Hühner und die wollte sie gern zu ihrer Beute umwidmen. Sie wusste aber recht schnell, dass wir das echt kacke finden, wenn sie Ihr Jagdverhalten in Gegenwart der Hühner zeigt. Vorteilhaft war, sie reagiert hochsensibel auf meine Stimmung und meine Emotionen ihr gegenüber. Also war da ja eine gute Trainingsbasis und lange Zeit war auch alles gut. Sie wurde eben konditioniert; positiv verstärkt, belohnt, wenn sie brav am Gehege vorbeiging und kein Interesse an den Hühnern zeigte. Training eben. Und so zogen Wochen und Monate ohne besondere Vorkommnisse ins Land…. Es kam irgendwann Tag x an dem die doofe Kuh sich hinterrücks aus dem Haus schlich, den Zaun übersprang und sich ein Huhn schnappte. Das Huhn hat’s nicht überlebt und die Trulla nur, weil ich nen vollen Staubsaugerbeutel in der Hand hielt und kein Gartengerät als ich sie erwischt hab. Ok, Training allein reichte wohl doch nicht. Da musste was anderes her…etwas das nachhaltiger wirkt (ausser Gartengeräte). Ich habe es dann tatsächlich damals in etwa so aufgebaut, wie Maike es beschrieben hat. Es dauerte Monate. Wir sind täglich zusammen zu den Hühnern; der Abstand zum Gehege immer so weit, wie sie entspannen konnte. Und ja, die zu frühe Annäherung löste Stress aus: bei ihr vor allem Zittern und fiepen. Das war in dem Augenblick für sie kein per Se negatives Gefühl, wie Angst, sondern Geilheit auf das Federvieh, Vorbereitung auf den großen Spaß und das große Fressen; aber dieser Stress war für sie offenbar trotzdem unangenehmer als die Entspannung und Ruhe bei größer werdendem Abstand. Ihre Handlungen (eben nicht Jagdverhalten) in dieser Zeit und Stimmung wurden als zielführend und wirksam erlebt, also positiv verknüpft. Wie gesagt, wir reden von Monaten, die von außen betrachtet stinklangweilig waren😅. Mehr als da stehen beobachten, nachspüren, in Verbindung sein, passiert da auch nicht. Aber am Ende (ca 4 -6 Monate würd ich sagen) des Prozesses, lag sie entspannt mitten zwischen den Hühnern; die nichtmal mehr im Gehege waren. Bis heute (10 Jahre später) ist kein Huhn mehr wegen Joona Richtung Regenbogen marschiert. Ich kann sie draußen alleine lassen mit den freien Damen; sie rennt zwischen ihnen herum, spielt mit dem Rüden; und nur dem Rüden, selbst wenn hühnerseits wild geflattert und gezetert wird. Sie zeigt kein Jagdverhalten mehr gegenüber dem Federvieh, sondern priorisiert andere Handlungen, wie Spielen, rumschnüffeln, sonnenbaden whatever. Und das ohne Kontrolle durch uns.
Hast Du das auch schon bei fremden Hühnern ( also an einem anderen Ort) getestet?
 
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SandrA
13. Dez. 05:52
Verstehe...hat sie sich das hinter dich Stellen quasi selbst ausgedacht oder hattet ihr das schon davor in anderen Situationen in Gebrauch? Ich kann mir bei Guinness schwer vorstellen, dass er das von selbst wählen würde...
Sie hat das Verhalten von sich aus gezeigt. Wir haben das nie geübt. Sie kam nicht sofort; das hat schon etwas gedauert. Es gab auch Abstufungen; erst dreht sie um, nachdem sie schon gebibbert hat. Nach und nach fuhr sie aber auch schon rum, wenn nur die Nasenflügel aufgebläht waren.
Es schien von Beginn an ein Lösungsversuch für sie zu sein, mal die Olle anzufragen und das hat ihr Entspannung, Ruhe und Wohlfühlen eingebracht. Ihre Handlungen standen dann in diesem Kontext und in diesem Gefühl.
Ich hab auf sie reagiert und es entstand eine Wechselseitigkeit ohne Kommandos.
 
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SandrA
13. Dez. 05:58
Hast Du das auch schon bei fremden Hühnern ( also an einem anderen Ort) getestet?
Tatsächlich reagiert sie auf Hühner allgemein nicht mehr so stark. Aber sie unterscheidet auch mittlerweile zwischen Haustieren und Wildtieren und dabei sogar zwischen „richtig wild“ und Gehegetieren. Die findet sie zwar spannend, aber bei Wildtieren löst sie wirklich aus; das ging anfangs soweit, dass sie bei Wildnähe (Geruch reichte) Leine und Geschirr durchbeißen wollte; teilweise auch erfolgreich. Wir sind oft mit ihr in Tierparks gewesen; da zeigt sie sowas nicht.
 
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Sigi
13. Dez. 07:15
Tatsächlich reagiert sie auf Hühner allgemein nicht mehr so stark. Aber sie unterscheidet auch mittlerweile zwischen Haustieren und Wildtieren und dabei sogar zwischen „richtig wild“ und Gehegetieren. Die findet sie zwar spannend, aber bei Wildtieren löst sie wirklich aus; das ging anfangs soweit, dass sie bei Wildnähe (Geruch reichte) Leine und Geschirr durchbeißen wollte; teilweise auch erfolgreich. Wir sind oft mit ihr in Tierparks gewesen; da zeigt sie sowas nicht.
Danke für deine Antwort, das hat mich interessiert.
 
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Dogorama-Mitglied
13. Dez. 08:42
Sie hat das Verhalten von sich aus gezeigt. Wir haben das nie geübt. Sie kam nicht sofort; das hat schon etwas gedauert. Es gab auch Abstufungen; erst dreht sie um, nachdem sie schon gebibbert hat. Nach und nach fuhr sie aber auch schon rum, wenn nur die Nasenflügel aufgebläht waren. Es schien von Beginn an ein Lösungsversuch für sie zu sein, mal die Olle anzufragen und das hat ihr Entspannung, Ruhe und Wohlfühlen eingebracht. Ihre Handlungen standen dann in diesem Kontext und in diesem Gefühl. Ich hab auf sie reagiert und es entstand eine Wechselseitigkeit ohne Kommandos.
Das ist wirklich ein schöner Lösungsweg, das werd ich im Kopf behalten.

Wobei ich zumindest im Erregungsniveau einen Unterschied zu dem von Maike Beschriebenen sehe. Da sollte der Hund ja glaub ich garnicht so aufgeregt werden, oder?
 
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Dogorama-Mitglied
13. Dez. 08:46
Tatsächlich reagiert sie auf Hühner allgemein nicht mehr so stark. Aber sie unterscheidet auch mittlerweile zwischen Haustieren und Wildtieren und dabei sogar zwischen „richtig wild“ und Gehegetieren. Die findet sie zwar spannend, aber bei Wildtieren löst sie wirklich aus; das ging anfangs soweit, dass sie bei Wildnähe (Geruch reichte) Leine und Geschirr durchbeißen wollte; teilweise auch erfolgreich. Wir sind oft mit ihr in Tierparks gewesen; da zeigt sie sowas nicht.
Ich denke es steht ohnehin außer Frage, dass Gewöhnung in den meisten Fällen Erfolg hat, sie ist schließlich eine der Grundlagen des Lernens.
Würde das nicht klappen, wären wir ja allesamt überlebensunfähig.
 
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Dogorama-Mitglied
13. Dez. 08:54
Und um einen Gedanken komm ich bei dem Ansatz aber generell nicht rum - in wie weit wird die Beschränkung seiner Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit vom Hund womöglich als unangenehm bzw frustrierend erlebt?
Bzw wenn in der Idealversion vielleicht nicht, ab welcher Nuance von Erregung wird sie es?
Und wie sieht es bei der Distanzvergrösserung aus, die imho ja dann schon gegen die eigentliche Motivation des Hundes läuft?

Das ist jetzt wieder eher theoretisch gedacht, aber für mich für das Verständnis dessen, was da genau an Methoden abläuft und worauf man speziell achten muss, schon sehr interessant.

Ich sehe eine ansatzweise Ähnlichkeit zur erlernten Hilflosigkeit, nur in deutlich milderer Ausprägung...
Ich bin versucht, es "erlernte Untätigkeit" nennen...

Kann damit jemand aus lernmethodischer Sicht was anfangen?
Bzw mir auch gerne erklären, was abläuft, wenn es das nicht ist?