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Dogorama-Mitglied
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zuletzt 21. Dez.

Intrinsische Motivation - Leinenführigkeit?

Hallo liebe Hundemenschen, Ich bin durch einen anderen Thread darauf gestoßen, dass man Leinenführigkeit mittels intrinsischer Motivation beibringen kann. Intrinsische Motivation bedeutet das es der Hund von sich aus macht, es macht ihm Spaß und führt es für sich bzw. sein Wohlbefinden aus. Also zum Beispiel ist bei meinem Münsterländer das Jagen eine intrinsische Motivation, die ich mir für die Arbeit zunutze mache. Ich trainiere viel mit meinen Hunden und natürlich auch die Leinenführigkeit. In aller Regel machen das meine Hunde aber nicht aus eigener intrinsische Motivation. Jetzt frage ich mich natürlich, was ich die Jahre falsch gemacht habe, dass meine Hunde anscheinend nicht aus intrinsischer Motivation neben mir her spazieren. Habt ihr eine Idee wie man das aufbaut, dass er Hund das aus intrinsischer Motivation macht? Ist dies überhaupt möglich?
 
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Dogorama-Mitglied
12. Dez. 18:22
Deine Antwort finde ich gut. Aber kann man denn als Mensch nicht in den Hund hineininterpretieren, warum der Hund etwas macht oder eben nicht? Um bei meinem Beispiel zu bleiben... mein Hund geht nicht mehr in den Wald zum Jagen : ich interpretiere das so, dass er weiß, dass ich das nicht möchte und er sich an diese Regel hält. Jemand anders nennt es : er macht es nicht, weil er weiß, dass es besser für ihn ist . Das sind 2 Interpretationen für die selbe Sache....
Die grosse Frage ist ja, wie man den Eindruck von zweifellos "Besser" im Hund erzeugt, visavis einer Sache, die von sich aus suuuuuper gut ist...?

Andersrum gefragt, wie erreicht man, dass er XY schlechter findet bzw wie demotiviert man ihn, XY zu tun?
 
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Michi
12. Dez. 18:22
....und ja...ich denke, dass ich es einigermaßen verstanden habe.
Die Art des Trainings sollte eine andere sei.
Nur wenn wir von der Leinenführigkeit wegkommen und zur Jagdambition übergehen, dann kann ich mir trotzdem nicht vorstellen, dass das Glücksgefühl einer Jagd nicht höher ist, als das Gefühl in diesem Moment!!! lieber beim Menschen bleiben zu wollen.
 
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SandrA
12. Dez. 18:39
Deine Antwort finde ich gut. Aber kann man denn als Mensch nicht in den Hund hineininterpretieren, warum der Hund etwas macht oder eben nicht? Um bei meinem Beispiel zu bleiben... mein Hund geht nicht mehr in den Wald zum Jagen : ich interpretiere das so, dass er weiß, dass ich das nicht möchte und er sich an diese Regel hält. Jemand anders nennt es : er macht es nicht, weil er weiß, dass es besser für ihn ist . Das sind 2 Interpretationen für die selbe Sache....
Um da wirklich einen unumstößlich sicheren Beweis für das eine oder das andere zu haben, müsste man wahrscheinlich Hirnregionen betrachten und Botenstoffe analysieren 😅
 
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SandrA
12. Dez. 19:26
Die grosse Frage ist ja, wie man den Eindruck von zweifellos "Besser" im Hund erzeugt, visavis einer Sache, die von sich aus suuuuuper gut ist...? Andersrum gefragt, wie erreicht man, dass er XY schlechter findet bzw wie demotiviert man ihn, XY zu tun?
Ich versuche es mal zu erklären. Als Beispiel fällt mir meine Hündin ein:

Sie ist passionierte Jägerin und wurde auch zur Jagd genutzt bevor sie zu uns kam. Sprich: jagen war und ist das absolut größte für sie.

Wir halten Hühner und die wollte sie gern zu ihrer Beute umwidmen.
Sie wusste aber recht schnell, dass wir das echt kacke finden, wenn sie Ihr Jagdverhalten in Gegenwart der Hühner zeigt. Vorteilhaft war, sie reagiert hochsensibel auf meine Stimmung und meine Emotionen ihr gegenüber. Also war da ja eine gute Trainingsbasis und lange Zeit war auch alles gut. Sie wurde eben konditioniert; positiv verstärkt, belohnt, wenn sie brav am Gehege vorbeiging und kein Interesse an den Hühnern zeigte. Training eben. Und so zogen Wochen und Monate ohne besondere Vorkommnisse ins Land….
Es kam irgendwann Tag x an dem die doofe Kuh sich hinterrücks aus dem Haus schlich, den Zaun übersprang und sich ein Huhn schnappte. Das Huhn hat’s nicht überlebt und die Trulla nur, weil ich nen vollen Staubsaugerbeutel in der Hand hielt und kein Gartengerät als ich sie erwischt hab.
Ok, Training allein reichte wohl doch nicht. Da musste was anderes her…etwas das nachhaltiger wirkt (ausser Gartengeräte).
Ich habe es dann tatsächlich damals in etwa so aufgebaut, wie Maike es beschrieben hat. Es dauerte Monate. Wir sind täglich zusammen zu den Hühnern; der Abstand zum Gehege immer so weit, wie sie entspannen konnte. Und ja, die zu frühe Annäherung löste Stress aus: bei ihr vor allem Zittern und fiepen. Das war in dem Augenblick für sie kein per Se negatives Gefühl, wie Angst, sondern Geilheit auf das Federvieh, Vorbereitung auf den großen Spaß und das große Fressen; aber dieser Stress war für sie offenbar trotzdem unangenehmer als die Entspannung und Ruhe bei größer werdendem Abstand. Ihre Handlungen (eben nicht Jagdverhalten) in dieser Zeit und Stimmung wurden als zielführend und wirksam erlebt, also positiv verknüpft.
Wie gesagt, wir reden von Monaten, die von außen betrachtet stinklangweilig waren😅. Mehr als da stehen beobachten, nachspüren, in Verbindung sein, passiert da auch nicht.
Aber am Ende (ca 4 -6 Monate würd ich sagen) des Prozesses, lag sie entspannt mitten zwischen den Hühnern; die nichtmal mehr im Gehege waren. Bis heute (10 Jahre später) ist kein Huhn mehr wegen Joona Richtung Regenbogen marschiert. Ich kann sie draußen alleine lassen mit den freien Damen; sie rennt zwischen ihnen herum, spielt mit dem Rüden; und nur dem Rüden, selbst wenn hühnerseits wild geflattert und gezetert wird.
Sie zeigt kein Jagdverhalten mehr gegenüber dem Federvieh, sondern priorisiert andere Handlungen, wie Spielen, rumschnüffeln, sonnenbaden whatever. Und das ohne Kontrolle durch uns.
 
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Michi
12. Dez. 20:00
Ich versuche es mal zu erklären. Als Beispiel fällt mir meine Hündin ein: Sie ist passionierte Jägerin und wurde auch zur Jagd genutzt bevor sie zu uns kam. Sprich: jagen war und ist das absolut größte für sie. Wir halten Hühner und die wollte sie gern zu ihrer Beute umwidmen. Sie wusste aber recht schnell, dass wir das echt kacke finden, wenn sie Ihr Jagdverhalten in Gegenwart der Hühner zeigt. Vorteilhaft war, sie reagiert hochsensibel auf meine Stimmung und meine Emotionen ihr gegenüber. Also war da ja eine gute Trainingsbasis und lange Zeit war auch alles gut. Sie wurde eben konditioniert; positiv verstärkt, belohnt, wenn sie brav am Gehege vorbeiging und kein Interesse an den Hühnern zeigte. Training eben. Und so zogen Wochen und Monate ohne besondere Vorkommnisse ins Land…. Es kam irgendwann Tag x an dem die doofe Kuh sich hinterrücks aus dem Haus schlich, den Zaun übersprang und sich ein Huhn schnappte. Das Huhn hat’s nicht überlebt und die Trulla nur, weil ich nen vollen Staubsaugerbeutel in der Hand hielt und kein Gartengerät als ich sie erwischt hab. Ok, Training allein reichte wohl doch nicht. Da musste was anderes her…etwas das nachhaltiger wirkt (ausser Gartengeräte). Ich habe es dann tatsächlich damals in etwa so aufgebaut, wie Maike es beschrieben hat. Es dauerte Monate. Wir sind täglich zusammen zu den Hühnern; der Abstand zum Gehege immer so weit, wie sie entspannen konnte. Und ja, die zu frühe Annäherung löste Stress aus: bei ihr vor allem Zittern und fiepen. Das war in dem Augenblick für sie kein per Se negatives Gefühl, wie Angst, sondern Geilheit auf das Federvieh, Vorbereitung auf den großen Spaß und das große Fressen; aber dieser Stress war für sie offenbar trotzdem unangenehmer als die Entspannung und Ruhe bei größer werdendem Abstand. Ihre Handlungen (eben nicht Jagdverhalten) in dieser Zeit und Stimmung wurden als zielführend und wirksam erlebt, also positiv verknüpft. Wie gesagt, wir reden von Monaten, die von außen betrachtet stinklangweilig waren😅. Mehr als da stehen beobachten, nachspüren, in Verbindung sein, passiert da auch nicht. Aber am Ende (ca 4 -6 Monate würd ich sagen) des Prozesses, lag sie entspannt mitten zwischen den Hühnern; die nichtmal mehr im Gehege waren. Bis heute (10 Jahre später) ist kein Huhn mehr wegen Joona Richtung Regenbogen marschiert. Ich kann sie draußen alleine lassen mit den freien Damen; sie rennt zwischen ihnen herum, spielt mit dem Rüden; und nur dem Rüden, selbst wenn hühnerseits wild geflattert und gezetert wird. Sie zeigt kein Jagdverhalten mehr gegenüber dem Federvieh, sondern priorisiert andere Handlungen, wie Spielen, rumschnüffeln, sonnenbaden whatever. Und das ohne Kontrolle durch uns.
Auch diesen Beitrag von dir finde ich richtig gut und ich habe es verstanden.
Ist aber ja so nicht auf alle Hunde ummünzbar.
Ich hatte ja schonmal geschrieben dass ich das mit Müsli ähnlich gestaltet habe. In Österreich mit sichtbarem Wild
und stundenlangem Beobachten aus verschiedenen Distanzen und zum Schluss mit weglaufendem Wild.
Im Gegensatz zu deinem Hund war er aber nicht in ( sichtbaren) Stress. Kein Fiepen, bellen, zittern etc.
Nur ein Starren .
Ich habe nie etwas kommentiert. Am Anfang habe ich ihn mit meinen Händen etwas umrahmt, er saß zwischen meinen Beinen, dann immer mehr ohne Kontakt mit Entfernung ( an der Schlepp zur Sicherheit ).
Irgendwann dann auch ohne Schleppleine.
Alles ohne Worte und ohne irgendeine Belohnung.
Der erste Knackpunkt war, wenn ich aufgestanden bin.
Eine Veränderung der Situation konnte bewirken, dass er losgestartet ist. Dann habe ich ihn mit Nein gestoppt.
So haben wir es immer weiter aufgebaut.
Er macht es aber tatsächlich nicht, weil er weiß, dass er es nicht darf.
Vielleicht könnte ich es auch anders rein interpretieren.
Aber das reicht mir auch so, letztendlich egal wie es heißt.
Ich denke, dass diese Methode wirklich gute Ansätze hat und es ist sehr interessant dem Kind einen Namen zu geben. Aber individuell auf jeden Hund anwendbar, das finde ich schwierig. Letztendlich ist eine Alltagstauglichkeit und eine gute Beziehung wichtig, die tatsächlich viele Halter und Hunde nicht haben.
Wenn Sie es dadurch hinbekommen, dann bin ich unbedingt dafür!
 
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SandrA
12. Dez. 20:17
Auch diesen Beitrag von dir finde ich richtig gut und ich habe es verstanden. Ist aber ja so nicht auf alle Hunde ummünzbar. Ich hatte ja schonmal geschrieben dass ich das mit Müsli ähnlich gestaltet habe. In Österreich mit sichtbarem Wild und stundenlangem Beobachten aus verschiedenen Distanzen und zum Schluss mit weglaufendem Wild. Im Gegensatz zu deinem Hund war er aber nicht in ( sichtbaren) Stress. Kein Fiepen, bellen, zittern etc. Nur ein Starren . Ich habe nie etwas kommentiert. Am Anfang habe ich ihn mit meinen Händen etwas umrahmt, er saß zwischen meinen Beinen, dann immer mehr ohne Kontakt mit Entfernung ( an der Schlepp zur Sicherheit ). Irgendwann dann auch ohne Schleppleine. Alles ohne Worte und ohne irgendeine Belohnung. Der erste Knackpunkt war, wenn ich aufgestanden bin. Eine Veränderung der Situation konnte bewirken, dass er losgestartet ist. Dann habe ich ihn mit Nein gestoppt. So haben wir es immer weiter aufgebaut. Er macht es aber tatsächlich nicht, weil er weiß, dass er es nicht darf. Vielleicht könnte ich es auch anders rein interpretieren. Aber das reicht mir auch so, letztendlich egal wie es heißt. Ich denke, dass diese Methode wirklich gute Ansätze hat und es ist sehr interessant dem Kind einen Namen zu geben. Aber individuell auf jeden Hund anwendbar, das finde ich schwierig. Letztendlich ist eine Alltagstauglichkeit und eine gute Beziehung wichtig, die tatsächlich viele Halter und Hunde nicht haben. Wenn Sie es dadurch hinbekommen, dann bin ich unbedingt dafür!
Ich denke tatsächlich auch, dass die Methode nicht für jedes Mensch-Hunde-Team passt und aber auch nicht für jede Situation bei ein und demselben Tier😅. Rehe draußen findet Joona noch immer intrinsisch total motivierend. Da hilft NUR Abbruch und ich hätte keine Hände mehr, hätt ich sie je ins Feuer gelegt 😂. Sprich: sie bleibt, weil ich es sage….zum richtigen Zeitpunkt, in der richtigen Tonlage und im besten Fall schrei ich auch den richtigen Namen🙄.

Aber ich denke, die Sache ist hier auch verzwickter; sie jagt nämlich im Grunde schon in dem Moment, wenn sie den Wald betritt (manchmal auch schon im Vorgarten, wenn Marder oder Eichhorn kurz vorher vorbeikamen). Sie nimmt sofort eine Hannibal Lector Pose ein und riecht, anscheinend wirklich ALLES und JEDEN. Sie ist jederzeit auf Zündung. Ich müsste also theoretisch monatelang im Flur oder im Auto mit ihr sitzen….da schrei ich lieber und setz auf Herrn Pawlow 😇.
 
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Michi
12. Dez. 20:30
Ich denke tatsächlich auch, dass die Methode nicht für jedes Mensch-Hunde-Team passt und aber auch nicht für jede Situation bei ein und demselben Tier😅. Rehe draußen findet Joona noch immer intrinsisch total motivierend. Da hilft NUR Abbruch und ich hätte keine Hände mehr, hätt ich sie je ins Feuer gelegt 😂. Sprich: sie bleibt, weil ich es sage….zum richtigen Zeitpunkt, in der richtigen Tonlage und im besten Fall schrei ich auch den richtigen Namen🙄. Aber ich denke, die Sache ist hier auch verzwickter; sie jagt nämlich im Grunde schon in dem Moment, wenn sie den Wald betritt (manchmal auch schon im Vorgarten, wenn Marder oder Eichhorn kurz vorher vorbeikamen). Sie nimmt sofort eine Hannibal Lector Pose ein und riecht, anscheinend wirklich ALLES und JEDEN. Sie ist jederzeit auf Zündung. Ich müsste also theoretisch monatelang im Flur oder im Auto mit ihr sitzen….da schrei ich lieber und setz auf Herrn Pawlow 😇.
Und noch etwas, was die Methode vielleicht manchmal an Grenzen stoßen lässt...
Das mit deinen Hühnern konntest du gezielt aufbauen, die waren einfach immer da. Weiter weg, näher ran, ganz nach Belieben.
Mit den Tieren im Wald sieht die Sache dann aber ganz anders aus. Da ist bei uns zuhause ( Sauerland) ein solches Training nicht möglich, weil man selten ein Tier sieht und auch nicht weiß, wo gerade eine interessante Spur ist. In unseren riesigen Waldgebieten wimmelt es von Tieren, aber so trainieren wie in Österreich ist nicht möglich.
Deswegen habe ich ein Abbruchwort, welches ihm deutlich sagt : Hör sofort auf mit dem was du da tust, egal was es ist !
Und das ist ja nicht im Sinne der intrinsischen Methode.
Deswegen ist es für mich sehr interessant, aber nicht immer so ganz alltagstauglich.
 
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Kirsten
12. Dez. 20:32
Und noch etwas, was die Methode vielleicht manchmal an Grenzen stoßen lässt... Das mit deinen Hühnern konntest du gezielt aufbauen, die waren einfach immer da. Weiter weg, näher ran, ganz nach Belieben. Mit den Tieren im Wald sieht die Sache dann aber ganz anders aus. Da ist bei uns zuhause ( Sauerland) ein solches Training nicht möglich, weil man selten ein Tier sieht und auch nicht weiß, wo gerade eine interessante Spur ist. In unseren riesigen Waldgebieten wimmelt es von Tieren, aber so trainieren wie in Österreich ist nicht möglich. Deswegen habe ich ein Abbruchwort, welches ihm deutlich sagt : Hör sofort auf mit dem was du da tust, egal was es ist ! Und das ist ja nicht im Sinne der intrinsischen Methode. Deswegen ist es für mich sehr interessant, aber nicht immer so ganz alltagstauglich.
Genau das ist ein großes Problem. Für mich jedenfalls. Wirklich zuverlässige Trainingsmöglichkeiten für z.B. Rehe zu finden, die nicht hinter Gittern stecken.
 
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SandrA
12. Dez. 20:58
Und noch etwas, was die Methode vielleicht manchmal an Grenzen stoßen lässt... Das mit deinen Hühnern konntest du gezielt aufbauen, die waren einfach immer da. Weiter weg, näher ran, ganz nach Belieben. Mit den Tieren im Wald sieht die Sache dann aber ganz anders aus. Da ist bei uns zuhause ( Sauerland) ein solches Training nicht möglich, weil man selten ein Tier sieht und auch nicht weiß, wo gerade eine interessante Spur ist. In unseren riesigen Waldgebieten wimmelt es von Tieren, aber so trainieren wie in Österreich ist nicht möglich. Deswegen habe ich ein Abbruchwort, welches ihm deutlich sagt : Hör sofort auf mit dem was du da tust, egal was es ist ! Und das ist ja nicht im Sinne der intrinsischen Methode. Deswegen ist es für mich sehr interessant, aber nicht immer so ganz alltagstauglich.
Da stimmt ich Dir voll zu!
Aber trotz der Grenzen, finde ich, dass es eine ganz wunderbare Methode ist, die die Intensität der Beziehung zum Hund enorm bereichert. Wo es geht, versuche ich so zu arbeiten und finde den Thread deshalb total super!
Vor allem bin ich davon überzeugt, dass die erreichten Ziele nachhaltiger und zuverlässiger wirken, weil dem Weg dorthin ein inneres, lustvolles Wollen des Hundes zugrunde liegt. Und sich dessen immer wieder gewahr zu sein, bereichert die Beziehung zum Hund.
 
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Dogorama-Mitglied
12. Dez. 21:09
Ich versuche es mal zu erklären. Als Beispiel fällt mir meine Hündin ein: Sie ist passionierte Jägerin und wurde auch zur Jagd genutzt bevor sie zu uns kam. Sprich: jagen war und ist das absolut größte für sie. Wir halten Hühner und die wollte sie gern zu ihrer Beute umwidmen. Sie wusste aber recht schnell, dass wir das echt kacke finden, wenn sie Ihr Jagdverhalten in Gegenwart der Hühner zeigt. Vorteilhaft war, sie reagiert hochsensibel auf meine Stimmung und meine Emotionen ihr gegenüber. Also war da ja eine gute Trainingsbasis und lange Zeit war auch alles gut. Sie wurde eben konditioniert; positiv verstärkt, belohnt, wenn sie brav am Gehege vorbeiging und kein Interesse an den Hühnern zeigte. Training eben. Und so zogen Wochen und Monate ohne besondere Vorkommnisse ins Land…. Es kam irgendwann Tag x an dem die doofe Kuh sich hinterrücks aus dem Haus schlich, den Zaun übersprang und sich ein Huhn schnappte. Das Huhn hat’s nicht überlebt und die Trulla nur, weil ich nen vollen Staubsaugerbeutel in der Hand hielt und kein Gartengerät als ich sie erwischt hab. Ok, Training allein reichte wohl doch nicht. Da musste was anderes her…etwas das nachhaltiger wirkt (ausser Gartengeräte). Ich habe es dann tatsächlich damals in etwa so aufgebaut, wie Maike es beschrieben hat. Es dauerte Monate. Wir sind täglich zusammen zu den Hühnern; der Abstand zum Gehege immer so weit, wie sie entspannen konnte. Und ja, die zu frühe Annäherung löste Stress aus: bei ihr vor allem Zittern und fiepen. Das war in dem Augenblick für sie kein per Se negatives Gefühl, wie Angst, sondern Geilheit auf das Federvieh, Vorbereitung auf den großen Spaß und das große Fressen; aber dieser Stress war für sie offenbar trotzdem unangenehmer als die Entspannung und Ruhe bei größer werdendem Abstand. Ihre Handlungen (eben nicht Jagdverhalten) in dieser Zeit und Stimmung wurden als zielführend und wirksam erlebt, also positiv verknüpft. Wie gesagt, wir reden von Monaten, die von außen betrachtet stinklangweilig waren😅. Mehr als da stehen beobachten, nachspüren, in Verbindung sein, passiert da auch nicht. Aber am Ende (ca 4 -6 Monate würd ich sagen) des Prozesses, lag sie entspannt mitten zwischen den Hühnern; die nichtmal mehr im Gehege waren. Bis heute (10 Jahre später) ist kein Huhn mehr wegen Joona Richtung Regenbogen marschiert. Ich kann sie draußen alleine lassen mit den freien Damen; sie rennt zwischen ihnen herum, spielt mit dem Rüden; und nur dem Rüden, selbst wenn hühnerseits wild geflattert und gezetert wird. Sie zeigt kein Jagdverhalten mehr gegenüber dem Federvieh, sondern priorisiert andere Handlungen, wie Spielen, rumschnüffeln, sonnenbaden whatever. Und das ohne Kontrolle durch uns.
Sehr spannend...

Hattest du sie in der Teainingsphase frei oder an der Leine?
Und du wie hast du auf ihre Aufregung beim Näherkommen reagiert?

Bist du auch wieder mehr auf Distanz gegangen?