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Dogorama-Mitglied
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zuletzt 21. Dez.

Intrinsische Motivation - Leinenführigkeit?

Hallo liebe Hundemenschen, Ich bin durch einen anderen Thread darauf gestoßen, dass man Leinenführigkeit mittels intrinsischer Motivation beibringen kann. Intrinsische Motivation bedeutet das es der Hund von sich aus macht, es macht ihm Spaß und führt es für sich bzw. sein Wohlbefinden aus. Also zum Beispiel ist bei meinem Münsterländer das Jagen eine intrinsische Motivation, die ich mir für die Arbeit zunutze mache. Ich trainiere viel mit meinen Hunden und natürlich auch die Leinenführigkeit. In aller Regel machen das meine Hunde aber nicht aus eigener intrinsische Motivation. Jetzt frage ich mich natürlich, was ich die Jahre falsch gemacht habe, dass meine Hunde anscheinend nicht aus intrinsischer Motivation neben mir her spazieren. Habt ihr eine Idee wie man das aufbaut, dass er Hund das aus intrinsischer Motivation macht? Ist dies überhaupt möglich?
 
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Michi
12. Dez. 14:54
Kann schon sein, dass viele hier ähnlich arbeiten, weiß ich nicht. 😄 Einschränkungen und einen Rahmen gibt es natürlich! Aber ich befehle ihm nicht, was ER tun soll oder verbiete etwas, sondern mache halt einfach. Schwer für mich zu beschreiben. Also es gibt einen Unterschied zwischen „die Tür ist zu“ und „die Tür ist offen, aber du darfst nicht durch“. Verstehst du, was ich meine? 😅 Und da geht's in Richtung Reaktanz, was glaub ich Maike am Anfang erwähnt hat
Ich glaube aber tatsächlich, dass es unterschiedliche Begrifflichkeiten für die gleiche Sache sind.
Das ist ja dann die menschliche Auslegung . Wenn die Tür offen ist, aber Hund nicht durch darf oder die Tür zu ist und Hund nicht durch darf....das macht in der Erklärung einen Unterschied, aber macht es den für den Hund auch?
Wenn auf einmal ein Hund vor euch steht , zu dem er unbedingt hin möchte, dann musst du ihn auch begrenzen, bevor die Situation eskaliert...
Bei der Pferde Ausbildung wechselt man ja auch zwischen Trainings und Entspannungsmodus, auch innerhalb einer Einheit. Entspannung bedeutet dann, dass das Pferd keine Übung absolviert und in freier Haltung läuft. So festig man das vorher Erlernte. Aber auch in dieser Phase bleiben Regeln ja bestehen, sonst würde man sich ja sehr unglaubwürdig machen.
Deswegen denke ich , dass es tatsächlich eine Mischform ist, mit der man alltagstauglich arbeiten kann.
 
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Michi
12. Dez. 15:01
Da gibt es ganz viele Komponenten. Eine wichtige: Wenn was gefährliches kommt, werde ich zuerst gefressen 🤪. Also es ist wirklich klassisch „du musst dich nicht kümmern, ich mach das schon“. Ansonsten bringt es ihm halt einfach nichts, wenn er vorläuft. Wir haben das über eine abgewandelte Form vom Umdrehen aufgebaut, aber es war anders als „wenn du vorläufst, drehe ich um“. Ich bin unabhängig von ihm gelaufen, da hatte er schnell keinen Bock mehr, mit mir zu kommen 😆. Das wurde später so erweitert, dass wieder mehr Bewegung reinkam und die Strecken länger wurden. Ich hab das Gefühl, meine einzelnen Puzzleteile bringen nicht so viel, aber das ist wirklich ein ganzes „System“ (klingt so komisch), das ineinander greift
Bei Leinenführigkeit kommt es mir noch stimmig vor, wenn es keine unvorhergesehenen Situationen gibt.
Aber zum Beispiel bei sehr jagdaffinen Hunden, die vielleicht noch nicht mal Arbeitshunde sind, sondern Hunde, die von ihrer Genetik her auf Eigenständigkeit gezüchtet wurden, da hört sich dieses System erstmal sehr theoretisch an. In der ausschließlichen Form aber womöglich schwer umsetzbar.
Aber ich finde es dennoch sehr interessant!
 
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Babs
12. Dez. 15:10
Bei Leinenführigkeit kommt es mir noch stimmig vor, wenn es keine unvorhergesehenen Situationen gibt. Aber zum Beispiel bei sehr jagdaffinen Hunden, die vielleicht noch nicht mal Arbeitshunde sind, sondern Hunde, die von ihrer Genetik her auf Eigenständigkeit gezüchtet wurden, da hört sich dieses System erstmal sehr theoretisch an. In der ausschließlichen Form aber womöglich schwer umsetzbar. Aber ich finde es dennoch sehr interessant!
Ich habe ja einen sehr selbstsicheren Rüden, der bereits als Welpe der Auffassung war, dass er keine Menschen zum Leben braucht. Dennoch ist er nicht gerne alleine unterwegs (die Kehrseite der Medaille). Verstehst Du unter "Eigenständig", dass Müsli auch alleine durch die Welt ziehen würde?
 
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Michi
12. Dez. 15:12
Ich habe ja einen sehr selbstsicheren Rüden, der bereits als Welpe der Auffassung war, dass er keine Menschen zum Leben braucht. Dennoch ist er nicht gerne alleine unterwegs (die Kehrseite der Medaille). Verstehst Du unter "Eigenständig", dass Müsli auch alleine durch die Welt ziehen würde?
Nein, garnicht.
Ich meinte Rassenunterschiede.
ZB Asiaten oder Herdenschutzhunde, die sind ja von ihrer Arbeitsauffassung nicht mit Mali, Labrador oder Pudel vergleichbar.
 
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Katrin
12. Dez. 15:13
Nein, garnicht. Ich meinte Rassenunterschiede. ZB Asiaten oder Herdenschutzhunde, die sind ja von ihrer Arbeitsauffassung nicht mit Mali, Labrador oder Pudel vergleichbar.
Also ich kenne einige Hunde die wann immer sie können auch ohne Herrchen oder Frauchen auf Tour gehen😅
 
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Michi
12. Dez. 15:14
Ich habe ja einen sehr selbstsicheren Rüden, der bereits als Welpe der Auffassung war, dass er keine Menschen zum Leben braucht. Dennoch ist er nicht gerne alleine unterwegs (die Kehrseite der Medaille). Verstehst Du unter "Eigenständig", dass Müsli auch alleine durch die Welt ziehen würde?
Im Moment des Jagens ist/ wäre es ihm egal, dass er alleine ist. Im Gegenteil, da ist er froh, wenn ich nicht in der Nähe bin 😄
Ansonsten ist er immer bei mir. Und das gerne.
 
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Michi
12. Dez. 15:15
Also ich kenne einige Hunde die wann immer sie können auch ohne Herrchen oder Frauchen auf Tour gehen😅
Das meine ich nicht. Ich meine die Arbeitsauffassung oder Trainier oder Erziehbarkeit. Da gibt es von der Genetik ja schon riesige Unterschiede!
 
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Katrin
12. Dez. 15:19
Das meine ich nicht. Ich meine die Arbeitsauffassung oder Trainier oder Erziehbarkeit. Da gibt es von der Genetik ja schon riesige Unterschiede!
Ich tatsächlich auch. Das sind Hunde für die der Mensch zwar praktisch ist aber nicht wirklich eine Notwendigkeit darstellt. Oder besser gesagt die das was man ihnen sagt/beibringt nicht als Kommando/Regel sehen sondern eher als Vorschlag was man wenn man möchte machen könnte.
 
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Babs
12. Dez. 15:20
Nein, garnicht. Ich meinte Rassenunterschiede. ZB Asiaten oder Herdenschutzhunde, die sind ja von ihrer Arbeitsauffassung nicht mit Mali, Labrador oder Pudel vergleichbar.
Ja, genau, von Ihrer Arbeitsauffassung sind sie unterschiedlich, aber was ist mit dem sozialen Bereich? Wenn ich das Thema richtig verstanden habe, ist der Arbeitswille eher nebensächlich. Es geht m. E. eher um den sozialen Bereich und das der Hund entspannen kann, damit er nicht ständig im Arbeitsmodus sein muss, was nicht bedeutet, dass er niemals arbeiten darf, aber 24/7 ist für jeden Arbeiter auch zu viel.
 
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Dogorama-Mitglied
12. Dez. 15:27
Spannende Diskussion! 😄 Wobei ich glaube, dass es zum Teil bisschen am Thema vorbei geht. Die Frage ist doch eigentlich nicht, ob die Hunde generell/jetzt schon intrinsisch, also von sich aus, leinenführig laufen (wollen). Sondern ob man es ihnen über diesen Weg beibringen kann. Und das würde ich auf jeden Fall bejahen. Ich hab im Rahmen meiner Hundetrainerausbildung (nur für mich gemacht, ich biete nichts an, also keine Werbung hier oder so) mal einen Lehrgang bei einer anderen Trainerin gemacht, deren Kurse damals schon ewig im Voraus ausgebucht waren. Inzwischen ist sie auch auf Instagram recht aktiv, nennt sich Gefährtenschmiede. Und sie hat damals schon genauso gearbeitet! War echt faszinierend. Also ohne Leckerlis, aber auch völlig ohne Korrekturen und die Ergebnisse waren ehrlich gesagt schon beeindruckend. Im Grunde hat sie ein bestimmtes Bewegungsmuster gezeigt, also für den Menschen, das ganz unabhängig vom Hund abläuft. Damals war es total egal, ob der Hund grad vorläuft oder zieht oder hinter einem ist, der Mensch ist einfach sein Bewegungsmuster abgelaufen und tatsächlich haben sich die Hunde ausnahmslos nach einiger Zeit selbst dafür entschieden, sich einzureihen und mitzumachen. Ich würde behaupten, das war intrinsisch. Weil dafür bekommen haben sie nichts und sie hätten auch weiterhin alles andere machen können. Hat mich sehr beeindruckt. Wobei ich jetzt keinen Kontakt mehr habe, ist schon ein paar Jahre her. Aber gehen tut das!
Ja das ist auch eine der Hundeschulen, die ich absolut empfehlen würde!