Womit ich bei dem Ansatz ein wenig hadere ist deine Aussage, dass der Hund am Anfang kurz genommen werden soll, um Sicherheit zu geben.
Das hört man ja oft und ich habe es auch schon in Büchern zum Thema Angst gelesen. Eine Autorin geht sogar so weit, dass sie sagt, man solle einen Hund direkt aus dem Romänientransporter nehmen und erstmal fest halten, auch wenn er sich wehrt (natürlich mit Vorsichtsmaßnahmen), das gäbe ihm Sicherheit.
Vielleicht widerstrebt mir der Ansatz so, weil ich es auch nicht mag von Fremden bedrängt zu werden und selbst auch nicht von nahen Personen, wenn ich gestresst bin.
So beobachte ich das auch bei Pepe, schränke ich ihn in Situationen mit erhöhtem Erregungslevel an kurzer Leine ein, passiert das Gegenteil von „Sicherheitstransfer“. Und das, obwohl er der Kontaktlieger vor dem Herren ist.
Ich bin der Meinung, dass die Wegnahme der Selbstwirksamkeit bei vielen Hunden kontraproduktiv ist. Pepe braucht das Gefühl wirksam handeln zu können, wenn er Angst bekommt.
Gibt es beispielsweise einen Knall beim Spaziergang, lasse ich ihn einige Meter flüchten (natürlich nur dort, wo er sich nicht gefährden kann), bis er sich wieder selbst reguliert hat, das funktioniert bei ihm erstaunlich gut.
Ach ja, und vielen Dank für deine Beharrlichkeit, dein Insistieren und deine Guduld.
Mit „kurzer Leine“ meine ich keineswegs einen Kurzführer, sondern eine Leine von etwa 2 Metern – genug, um dem Hund Bewegungsfreiheit zu lassen, aber nicht so lang, dass er sich in seiner Überforderung reinsteigern kann.
Was ich aber auch interessant finde: Du sagst, dass dir die Einschränkung der Selbstwirksamkeit widerstrebt – das verstehe ich absolut. Doch gerade bei extrinsischen Methoden wie der Arbeit mit Leckerlis oder Spielzeug wird der Hund doch genau das: weniger selbstwirksam. Er handelt nicht mehr aus eigenem Antrieb, sondern, weil er auf eine externe Belohnung wartet. Das ist für mich sogar noch problematischer, weil der Hund dann gar nicht mehr lernt, eigenständig Entscheidungen zu treffen, sondern immer nur auf die äußeren Verstärker reagiert.