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Dogorama-Mitglied
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zuletzt 21. Dez.

Intrinsische Motivation - Leinenführigkeit?

Hallo liebe Hundemenschen, Ich bin durch einen anderen Thread darauf gestoßen, dass man Leinenführigkeit mittels intrinsischer Motivation beibringen kann. Intrinsische Motivation bedeutet das es der Hund von sich aus macht, es macht ihm Spaß und führt es für sich bzw. sein Wohlbefinden aus. Also zum Beispiel ist bei meinem Münsterländer das Jagen eine intrinsische Motivation, die ich mir für die Arbeit zunutze mache. Ich trainiere viel mit meinen Hunden und natürlich auch die Leinenführigkeit. In aller Regel machen das meine Hunde aber nicht aus eigener intrinsische Motivation. Jetzt frage ich mich natürlich, was ich die Jahre falsch gemacht habe, dass meine Hunde anscheinend nicht aus intrinsischer Motivation neben mir her spazieren. Habt ihr eine Idee wie man das aufbaut, dass er Hund das aus intrinsischer Motivation macht? Ist dies überhaupt möglich?
 
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Katrin
7. Dez. 22:45
Dann musst du ja mit Rucksack los 😄 Wir haben nur uns 😅
Nö, kleine Umhängetasche. Hab sogar einen extra Ballhalter mit Karabiner😅
 
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Britta
7. Dez. 23:09
Ich denke nicht das du was falsch gemacht hast. Ich wüsste jetzt auch nicht warum ein Hund gerne von sich aus neben dem Menschen an der Leine laufen sollte. Was unnatürlicheres gibt es meiner Meinung nach für Hunde nicht als angeleint neben einem zu laufen ohne hundetypische Dinge tun zu können oder ohne eine Erwartungshaltung zu haben. Gerade eigenständige Rassen ohne will to please sehen da denke ich wenig Sinn drinnen es freiwillig von sich aus zu machen.
sehe ich genauso und ich habe ebenfalls schon mehrfach gelesen und gehört, dass allein das langsame tempo an der leine wirklich unnatürlich für hunde ist, weswegen sie auch eine ganze weile brauchen, sich daran zu gewöhnen..

nur einer der gründe, warum man die leinenführigkeit mit spaß und viel geduld trainieren sollte..

also für mich ist es ebenfalls nicht nachvollziehbar, wie ein hund von allein auf die idee kommen sollte, gut und gerne an der leine zu laufen, wenn es doch eine einschränkung für ihn bedeutet..

macht wenig sinn..
 
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Babs
7. Dez. 23:39
Bei der großen Feld/Waldtour? Mindestens ein Teil das ich verstecken oder werfen kann. Einfach zur Beschäftigung. Das kann ein Wurfspielzeug, eine Frisbee, ein Dummy oder sonstwas sein. Hab sie auch schon die Kotbeutelrolle suchen lassen😅. Pfeife, Kleinkram, Wasser etc. Brauche eh eine Tasche wegen dem Handy, Geldbörse und Schlüsselbund.
Da empfehle ich Dir eine Hundesportweste 🤣
 
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Katrin
8. Dez. 00:25
Da empfehle ich Dir eine Hundesportweste 🤣
Ich bin ein Taschen Fan. Hab immer eine dabei. Egal ob ich mit oder ohne Hund unterwegs bin. Lediglich der Inhalt ist dann natürlich anders😅
 
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Katrin
8. Dez. 00:26
Mit Belohnung besticht man nicht. Wenn man das macht setzt man die Belohnung falsch ein.
 
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Carola
8. Dez. 03:17
Den Mäusesprung kenne ich nur zu gut er hat übrigens exakt einen Winkel von 45°😁. Man geht spazieren,, schwupps Mäusesprung und Maus eingeatmet. Mein früherer Hund war so schnell dass man gar nicht abbrechen konnte und meine jetzigen Hunde sind es auch allerdings nicht ganz so präzise.
Dummerweise Apportieren sie nicht aber den Futterbeutel suchen wir durchaus gerne sogar mehrmals in der Woche.
Hat aber in unserem Fall keinerlei Einfluss auf die Lust zur Mäusejagd. Zum Glück sind sie abrufbar wenn Sie die Maus nicht sofort bekommen. Da sieht man aber wie unterschiedliche Hunde sind mit apportieren kann man vielleicht ein Stück weit die Jagdlust in den Griff bekommen vorausgesetzt der Hund apportiert,
Ich kann meine Hunde bei Spaziergängen nur von der Mäusejagd abhalten wenn aktiv mit ihnen kommuniziere und ihre Bereitschaft auf mich zu achten aufrecht erhalte.
 
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Alex
8. Dez. 06:10
Lieber Lars, ich glaube du hast das mit der intrinsischen/extrinsischen Motivation nicht ganz verstanden.

Intrinsisch bedeutet lediglich, der Hund führt es von allein aus. Beispiel: ich stehe herum und mache nichts, der Hund sieht mich und kommt zu mir.

Extrinsisch bedeutet, dass der Hund aufgefordert/motiviert wird, etwas zu tun. Beispiel: Ich stehe herum, der Hund sieht mich, macht nichts, ich rufe, er kommt zu mir.

Die Idee hinter intrinsisch motiviertem Leinentraining ist, dass man den Hund, wann immer er, an der Leine, von sich aus im perfekten Fuß läuft, belohnt. Dadurch zeigt der Hund dieses Verhalten immer öfter, da es sich für ihn ja lohnt.
Ob das alles alleiniges Leinentraining ausreicht, kann ich mir nicht vorstellen, aber es ist sicher eine sehr gute Ergänzung.
 
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Jochen
8. Dez. 07:13
Lieber Lars, ich glaube du hast das mit der intrinsischen/extrinsischen Motivation nicht ganz verstanden. Intrinsisch bedeutet lediglich, der Hund führt es von allein aus. Beispiel: ich stehe herum und mache nichts, der Hund sieht mich und kommt zu mir. Extrinsisch bedeutet, dass der Hund aufgefordert/motiviert wird, etwas zu tun. Beispiel: Ich stehe herum, der Hund sieht mich, macht nichts, ich rufe, er kommt zu mir. Die Idee hinter intrinsisch motiviertem Leinentraining ist, dass man den Hund, wann immer er, an der Leine, von sich aus im perfekten Fuß läuft, belohnt. Dadurch zeigt der Hund dieses Verhalten immer öfter, da es sich für ihn ja lohnt. Ob das alles alleiniges Leinentraining ausreicht, kann ich mir nicht vorstellen, aber es ist sicher eine sehr gute Ergänzung.
Zitat:
Die Idee hinter intrinsisch motiviertem Leinentraining ist, dass man den Hund, wann immer er, an der Leine, von sich aus im perfekten Fuß läuft, belohnt.
Zitatende

Nein, der Hund wird nicht(!) belohnt, das ist es ja gerade, er belohnt sich selbst.
 
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Jochen
8. Dez. 07:42
Ich kann dir sagen wie ich es bei meiner Hündin gemacht habe. Beim Training für den Freilauf habe ich gezielt mit Reizen wie Rehen, Raben oder Enten gearbeitet. Das kann man aber individuell machen. Auch mit anderen Hunden, wenn die ein Thema sind. Der erste Schritt war, diese Reize aus einer sicheren Distanz zu beobachten, die für meinen Hund noch gut auszuhalten war, ohne dass er Anzeichen von Stress, Überforderung zeigte oder die Tiere jagen wollte. Diese Distanz habe ich je nach Reaktion meines Hundes flexibel angepasst. Ziel war es, dass mein Hund den Reiz wahrnimmt, sich aber weiterhin auf mich und die Situation konzentrieren kann, ohne sofort zu reagieren. Im Verlauf des Trainings haben wir uns den Tieren schrittweise genähert, wobei der Hund immer die Möglichkeit hatte, den Reiz in seinem Tempo zu verarbeiten. Die Leine spielte dabei eine wichtige Rolle: Zunächst habe ich mit einer kürzeren Leine gearbeitet, um meinem Hund mehr Sicherheit zu geben. Mit fortschreitendem Training und wachsendem Vertrauen in die Selbstregulation meines Hundes wurde die Leine immer länger, bis hin zur Schleppleine. Wenn der Hund Anzeichen von Überforderung zeigt, wie Ziehen, Fiepen oder starke Anspannung, wird die Distanz wieder vergrößert, um ihn zu unterstützen. Der nächste Schritt ist der Freilauf. Sobald mein Hund zuverlässig gelernt hat, sich an mir zu orientieren und Impulse zu kontrollieren, löse ich die Schleppleine, um noch mehr Freiheit zu geben. Das Training bleibt dabei gleich: Der Hund lernt, dass ruhiges Verhalten nicht nur an der Leine, sondern auch ohne Leine die angenehmste Option ist. Es ist ja auch weniger Stress für sie. Sie ist nicht verantwortlich für die Reaktion auf einen Reiz. Wichtig ist, dass dieser Übergang schrittweise erfolgt, damit der Hund die gleichen Verhaltensweisen, die er mit der Schleppleine gezeigt hat, auch im Freilauf beibehält. Durch die vorherige Arbeit mit der Schleppleine hat sie die Fähigkeit entwickelt, Reize selbstständig zu bewältigen, ohne auf äußere Belohnungen oder Korrekturen angewiesen zu sein. So kann sie z.B. direkt an Enten und Raben vorbei laufen. Wenn sie sich unsicher ist, läuft sie hinter mich. Es ist ähnlich wie das Training was man oft mit Welpen macht, wenn die Schutz suchen beim Menschen. Nur das man es so aktiv fördert. Ich bediene mich damit quasi am natürlichen Bedürfnis von Sicherheit und Orientierung.
Womit ich bei dem Ansatz ein wenig hadere ist deine Aussage, dass der Hund am Anfang kurz genommen werden soll, um Sicherheit zu geben.

Das hört man ja oft und ich habe es auch schon in Büchern zum Thema Angst gelesen. Eine Autorin geht sogar so weit, dass sie sagt, man solle einen Hund direkt aus dem Romänientransporter nehmen und erstmal fest halten, auch wenn er sich wehrt (natürlich mit Vorsichtsmaßnahmen), das gäbe ihm Sicherheit.

Vielleicht widerstrebt mir der Ansatz so, weil ich es auch nicht mag von Fremden bedrängt zu werden und selbst auch nicht von nahen Personen, wenn ich gestresst bin.
So beobachte ich das auch bei Pepe, schränke ich ihn in Situationen mit erhöhtem Erregungslevel an kurzer Leine ein, passiert das Gegenteil von „Sicherheitstransfer“. Und das, obwohl er der Kontaktlieger vor dem Herren ist.

Ich bin der Meinung, dass die Wegnahme der Selbstwirksamkeit bei vielen Hunden kontraproduktiv ist. Pepe braucht das Gefühl wirksam handeln zu können, wenn er Angst bekommt.
Gibt es beispielsweise einen Knall beim Spaziergang, lasse ich ihn einige Meter flüchten (natürlich nur dort, wo er sich nicht gefährden kann), bis er sich wieder selbst reguliert hat, das funktioniert bei ihm erstaunlich gut.

Ach ja, und vielen Dank für deine Beharrlichkeit, dein Insistieren und deine Guduld.
 
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Nadine
8. Dez. 07:56
Womit ich bei dem Ansatz ein wenig hadere ist deine Aussage, dass der Hund am Anfang kurz genommen werden soll, um Sicherheit zu geben. Das hört man ja oft und ich habe es auch schon in Büchern zum Thema Angst gelesen. Eine Autorin geht sogar so weit, dass sie sagt, man solle einen Hund direkt aus dem Romänientransporter nehmen und erstmal fest halten, auch wenn er sich wehrt (natürlich mit Vorsichtsmaßnahmen), das gäbe ihm Sicherheit. Vielleicht widerstrebt mir der Ansatz so, weil ich es auch nicht mag von Fremden bedrängt zu werden und selbst auch nicht von nahen Personen, wenn ich gestresst bin. So beobachte ich das auch bei Pepe, schränke ich ihn in Situationen mit erhöhtem Erregungslevel an kurzer Leine ein, passiert das Gegenteil von „Sicherheitstransfer“. Und das, obwohl er der Kontaktlieger vor dem Herren ist. Ich bin der Meinung, dass die Wegnahme der Selbstwirksamkeit bei vielen Hunden kontraproduktiv ist. Pepe braucht das Gefühl wirksam handeln zu können, wenn er Angst bekommt. Gibt es beispielsweise einen Knall beim Spaziergang, lasse ich ihn einige Meter flüchten (natürlich nur dort, wo er sich nicht gefährden kann), bis er sich wieder selbst reguliert hat, das funktioniert bei ihm erstaunlich gut. Ach ja, und vielen Dank für deine Beharrlichkeit, dein Insistieren und deine Guduld.
Ich glaube das ist einfach wieder der Punkt, nicht alles funktioniert bei jedem Hund.
Wayne hilft tatsächlich Körperkontakt nach einem Schreck. Aber nur durch kurz nehmen wäre kontraproduktiv und würde vermutlich auch wieder zu rückgerichteter Aggression führen, wenn Ich ihm nicht aktiv beim runterkommen helfe.

Das gleiche Problem habe ich mit ihm auch mit dem "Reize aus ausreichend Distanz beobachten und mit der Leine einen Rahmen vorgeben". Die ersten paar Monate war es ihm unmöglich, einfach draußen an einem Ort zu bleiben und zu entspannen. Dazu brauchte es gar keine besonderen Reize. Alleine dass ich stehen bleibe und er nur einen begrenztem Raum hat (3m Leine!) hat ihn unglaublich gestresst. Wenn er nicht schon total am Ende ist wäre er nicht auf die Idee gekommen, sich einfach hinzusetzen oder hinzulegen und zu beobachten. Sondern hat sich immer weiter hoch gedreht.
Mittlerweile geht das, aber dabei fragt er trotzdem häufig bei mir ab.
Vielleicht fehlt mir da auch einfach noch die Fantasie, wie das mit einem solchen Hund funktionieren soll.

Vielen Hunden hilft aber ruhiges beobachten, am gleichen Ort bleiben etc. Da kann ich mir dann auch sehr gut vorstellen, dass das eine klasse Methode ist, um einen rundum entspannten Begleiter zu bekommen - wo viele klassisch konditionierte Kommandos gar nicht nötig sind.
Sitz und Platz halte ich zum Beispiel sowieso für ziemlich unnötige Kommandos, aber an manchen Stellen helfen sie bei uns einfach um dem Hund eine Hilfestellung zu geben. Ich setze die zwei Kommandos aber nur selten durch, sondern sehe sie mehr als Angebot.