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Dogorama-Mitglied
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zuletzt 21. Dez.

Intrinsische Motivation - Leinenführigkeit?

Hallo liebe Hundemenschen, Ich bin durch einen anderen Thread darauf gestoßen, dass man Leinenführigkeit mittels intrinsischer Motivation beibringen kann. Intrinsische Motivation bedeutet das es der Hund von sich aus macht, es macht ihm Spaß und führt es für sich bzw. sein Wohlbefinden aus. Also zum Beispiel ist bei meinem Münsterländer das Jagen eine intrinsische Motivation, die ich mir für die Arbeit zunutze mache. Ich trainiere viel mit meinen Hunden und natürlich auch die Leinenführigkeit. In aller Regel machen das meine Hunde aber nicht aus eigener intrinsische Motivation. Jetzt frage ich mich natürlich, was ich die Jahre falsch gemacht habe, dass meine Hunde anscheinend nicht aus intrinsischer Motivation neben mir her spazieren. Habt ihr eine Idee wie man das aufbaut, dass er Hund das aus intrinsischer Motivation macht? Ist dies überhaupt möglich?
 
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Dogorama-Mitglied
7. Dez. 16:16
In erster Linie geht es da um eine grobe Zusammenfassung. Ist schließlich keine Doktorarbeit sondern eine Online Seite von Leuten deren Ziel es ist letztendlich Geld zu verdienen. Für mich macht die Kombi von intrinsischer und extrinsischer Motivation allerdings deutlich mehr Sinn (das tat es auch schon bevor ich den Bericht gelesen habe). Für mich ist wichtig das Ergebnisse in der Erziehung und im Training schnell erreicht werden und das geht meiner Meinung nach so am effektivsten. Zumindest bei jenen Rassen die für mich und mein Leben in Frage kommen.
Da hast du sicherlich recht, dass die Seite keine Doktorarbeit ist und das Ziel darin besteht, Informationen einfach zugänglich zu machen. Das ist auch völlig legitim, besonders für Menschen, die sich einen ersten Überblick verschaffen wollen.

Allerdings finde ich, dass so eine Seite allein nicht ausreicht, um sie als Beweis dafür anzuführen, dass ein bestimmter Ansatz der „beste“ ist.
 
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Katrin
7. Dez. 17:09
Da hast du sicherlich recht, dass die Seite keine Doktorarbeit ist und das Ziel darin besteht, Informationen einfach zugänglich zu machen. Das ist auch völlig legitim, besonders für Menschen, die sich einen ersten Überblick verschaffen wollen. Allerdings finde ich, dass so eine Seite allein nicht ausreicht, um sie als Beweis dafür anzuführen, dass ein bestimmter Ansatz der „beste“ ist.
Ich hab nicht viele Seiten aufgerufen aber überall hab ich rausgelesen das die intrinsische Motivation lediglich ein Puzzleteil ist um ans Ziel zu kommen. Mit dazu gehört ebenfalls die extrinsische Motivation sowie positive und negative Verstärker. Erst alles zusammen in der richtigen Anwendung macht gutes und schnelles lernen möglich. Während der Läufigkeit zB alleine auf die intrinsische Motivation zu setzen in der Leinenführigkeit fände ich jetzt doch etwas fraglich.
 
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Tina
7. Dez. 17:09
Da hast du sicherlich recht, dass die Seite keine Doktorarbeit ist und das Ziel darin besteht, Informationen einfach zugänglich zu machen. Das ist auch völlig legitim, besonders für Menschen, die sich einen ersten Überblick verschaffen wollen. Allerdings finde ich, dass so eine Seite allein nicht ausreicht, um sie als Beweis dafür anzuführen, dass ein bestimmter Ansatz der „beste“ ist.
Diese Anmerkung ist sehr wertvoll. Ich beobachte aber, daß viele Hundebesitzer "konsumieren" ohne zu hinterfragen. Konfirmatorische Informationssuche ist sehr weit verbreitet. (ist ja oft am einfachsten) Der Thread an sich ist genial. Hier frägt jemand - meiner Meinung nach - nach neuen Methoden. Die Frage nach Training mit Hilfe intrinsischer Motivation hat mich sehr inspiriert. Ich drehe mich aber noch im Kreis inwieweit man beim Hund Trieb, angeborenes Verhalten, Motivation usw. abgrenzen kann. Für die Anregung möchte ich mich aber bedanken.
 
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Katja
7. Dez. 17:15
Da hast du sicherlich recht, dass die Seite keine Doktorarbeit ist und das Ziel darin besteht, Informationen einfach zugänglich zu machen. Das ist auch völlig legitim, besonders für Menschen, die sich einen ersten Überblick verschaffen wollen. Allerdings finde ich, dass so eine Seite allein nicht ausreicht, um sie als Beweis dafür anzuführen, dass ein bestimmter Ansatz der „beste“ ist.
Mal abgesehen davon, dass ich nicht glaube, dass es den einen perfekten Ansatz für alle Hundecharaktere gibt, würde ich auch sehr gerne eine in Deinen Augen vernünftige Quelle zu dem Thema studieren.
Wie gesagt: Ich stehe immer noch ziemlich auf dem Schlauch und kapier‘s einfach nicht…😫
 
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Carola
7. Dez. 18:36
Der Denkanstoß ist ganz interessant ich bin jedoch nicht der Meinung dass man ausschließlich damit mit den meisten Hunden ein erträgliches Zusammenleben schaffen kann.
Eben hatte ich ein sehr schönes Beispiel meine Hunde entdeckten im Garten etwas-was auch immer- jagdbares. Ich konnte es nicht sehen ob es Maus, Ratte oder Vogel war. Und ja ich habe die Hunde abgerufen. Ich habe Glück dass meine Hunde in solchen Situationen abrufbar sind weil erstens der Rückruf einwandfrei funktioniert und zweitens ihr Jagdtrieb nicht so stark ist.
Wenn ich jetzt nach diesem Ansatz streng vorgehe, müsste man die Hunde ja lassen und warten bis sie in ca drei bis vier Stunden nach erfolgreicher Jagd zurückkommen um dann das Interesse daran zu verlieren. Ich weiß dass sie Erfolg gehabt hätten, hätte ich sie gelassen.
So ganz leuchtet mir das nicht ein und ich hätte auch keine Stunde oder länger in der Kälte gewartet denn meine Hunde haben große Ausdauer, arbeiten im Team und gehen taktisch vor. Abgesehen davon halte ich das Ziel dann nur bedingt für erreicht denn ich habe keine Lust irgendein zerfetztes Opfer zu entsorgen was ja dann den Jagdtrieb der Hunde durchaus befriedigt hätte.
Also setze ich in diesem Fall auf die Konditionierung und das bisher erfolgte Training.

Wie geht man dann vor wenn man diesen Ansatz dogmatisch verfolgt?
 
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Kirsten
7. Dez. 18:50
Der Denkanstoß ist ganz interessant ich bin jedoch nicht der Meinung dass man ausschließlich damit mit den meisten Hunden ein erträgliches Zusammenleben schaffen kann. Eben hatte ich ein sehr schönes Beispiel meine Hunde entdeckten im Garten etwas-was auch immer- jagdbares. Ich konnte es nicht sehen ob es Maus, Ratte oder Vogel war. Und ja ich habe die Hunde abgerufen. Ich habe Glück dass meine Hunde in solchen Situationen abrufbar sind weil erstens der Rückruf einwandfrei funktioniert und zweitens ihr Jagdtrieb nicht so stark ist. Wenn ich jetzt nach diesem Ansatz streng vorgehe, müsste man die Hunde ja lassen und warten bis sie in ca drei bis vier Stunden nach erfolgreicher Jagd zurückkommen um dann das Interesse daran zu verlieren. Ich weiß dass sie Erfolg gehabt hätten, hätte ich sie gelassen. So ganz leuchtet mir das nicht ein und ich hätte auch keine Stunde oder länger in der Kälte gewartet denn meine Hunde haben große Ausdauer, arbeiten im Team und gehen taktisch vor. Abgesehen davon halte ich das Ziel dann nur bedingt für erreicht denn ich habe keine Lust irgendein zerfetztes Opfer zu entsorgen was ja dann den Jagdtrieb der Hunde durchaus befriedigt hätte. Also setze ich in diesem Fall auf die Konditionierung und das bisher erfolgte Training. Wie geht man dann vor wenn man diesen Ansatz dogmatisch verfolgt?
Aber was du beschreibst wäre ja eher Laissez-Faire oder nicht 🤔

Wenn ich Maike richtig verstanden habe, ist es durchaus erlaubt Regeln zu haben, Abstand aufzubauen und Hilfsmittel wie Geschirr und Leine zu nutzen.

Also ich hab’s vermutlich auch nicht 100% begriffen, aber was Maike bisher geschrieben hatte hörte sich nicht danach an, dass man den Hund einfach munter machen lässt, sondern durchaus einen Rahmen schafft, in dem es dem Hund möglich ist sich zu regulieren.

Wenn der Hund nun jedem Impuls direkt nachgeben dürfte, würde es keine Selbstregulation benötigen.
 
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Carola
7. Dez. 18:54
Aber was du beschreibst wäre ja eher Laissez-Faire oder nicht 🤔 Wenn ich Maike richtig verstanden habe, ist es durchaus erlaubt Regeln zu haben, Abstand aufzubauen und Hilfsmittel wie Geschirr und Leine zu nutzen. Also ich hab’s vermutlich auch nicht 100% begriffen, aber was Maike bisher geschrieben hatte hörte sich nicht danach an, dass man den Hund einfach munter machen lässt, sondern durchaus einen Rahmen schafft, in dem es dem Hund möglich ist sich zu regulieren. Wenn der Hund nun jedem Impuls direkt nachgeben dürfte, würde es keine Selbstregulation benötigen.
Hmmm also intinistisch im extrinistischen Rahmen 🤔🤔
 
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Dogorama-Mitglied
7. Dez. 19:07
Mal abgesehen davon, dass ich nicht glaube, dass es den einen perfekten Ansatz für alle Hundecharaktere gibt, würde ich auch sehr gerne eine in Deinen Augen vernünftige Quelle zu dem Thema studieren. Wie gesagt: Ich stehe immer noch ziemlich auf dem Schlauch und kapier‘s einfach nicht…😫
Genau das ist der Punkt, auf den ich hinaus wollte: Es wird oft davon gesprochen, dass extrinsische Motivation das perfekte Trainingstool sei, aber tatsächlich gibt es kaum belastbare Studien, die das beweisen – insbesondere nicht im Vergleich zu intrinsischer Motivation. Grundsätzlich gibt es keine umfassenden und aussagekräftigen Studien, die intrinsische und extrinsische Motivation als Trainingsmethoden bei Hunden direkt gegenüberstellen. Auch zum Korrumpierungseffekt existieren keine spezifischen Untersuchungen mit Hunden. Das Einzige, was bisher eindeutig durch Studien belegt ist, ist, dass sowohl intrinsische als auch extrinsische Motivation deutlich besser sind als aversive Methoden, die nachweislich zu erhöhtem Stress und vermindertem Lernerfolg führen. Generell gibt es sehr wenige Studien zu Motivation und Lerntheorien im Hundetraining, was häufig zu Halbwissen oder der Verwendung fragwürdiger Quellen führt.

Zur Motivation gibt es jedoch interessante Studien an anderen Tierarten wie Ratten, Primaten oder Papageien. Diese Tiere habe ich bewusst gewählt, da sie ähnlich oder weniger intelligent als Hunde sind, aber dennoch komplexes Verhalten zeigen. Eine Studie von Tolman & Honzik (1930) zeigt, dass Ratten ein Labyrinth aus Neugier und Explorationserfahrung heraus erkundeten. Als jedoch Futter als extrinsische Belohnung eingeführt wurde und später entfiel, nahm das Explorationsverhalten signifikant ab. Dieses Phänomen illustriert den Korrumpierungseffekt, bei dem extrinsische Belohnungen die intrinsische Motivation untergraben können.

Auch bei Primaten und Papageien wurde gezeigt, dass intrinsisch motivierte Handlungen wie Problemlösen oder Spielen nachhaltiger sind, wenn sie nicht durch extrinsische Belohnungen bedingt sind. Harlow et al. (1950) zeigten, dass Rhesusaffen Puzzles allein aus Freude an der Aufgabe lösten – ohne äußere Belohnung. Ähnlich belegte Pepperberg (2004), dass Graupapageien aus eigenem Antrieb komplexe Aufgaben lösten, was ihre kognitive Flexibilität und intrinsische Motivation unterstreicht.

Natürlich gibt es nicht den einen perfekten Ansatz für alle Hunde oder jede Situation. Intrinsische Motivation ist jedoch eine gute Möglichkeit, besonders bei Verhaltensweisen, die in der Natur des Hundes liegen, nachhaltige und langfristige Ergebnisse zu erzielen.

Quellen zu den Studien
Tolman, E. C., & Honzik, C. H. (1930).
Introduction and removal of reward, and maze performance in rats. University of California Publications in Psychology.
Harlow, H. F., Harlow, M. K., & Meyer, D. R. (1950).
Learning motivated by a manipulation drive. Journal of Experimental Psychology, 40(2), 228–234.
Pepperberg, I. M. (2004).
Cognitive and communicative abilities of Grey parrots. Current Directions in Psychological Science, 13(3), 80–87.

Weiterführende Literatur zu intrinsischer Motivation
Ryan, R. M., & Deci, E. L. (2000).
Self-determination theory and the facilitation of intrinsic motivation, social development, and well-being. American Psychologist, 55(1), 68–78.
Pink, D. H. (2009).
Drive: The surprising truth about what motivates us. Riverhead Books.
 
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Kirsten
7. Dez. 19:11
Genau das ist der Punkt, auf den ich hinaus wollte: Es wird oft davon gesprochen, dass extrinsische Motivation das perfekte Trainingstool sei, aber tatsächlich gibt es kaum belastbare Studien, die das beweisen – insbesondere nicht im Vergleich zu intrinsischer Motivation. Grundsätzlich gibt es keine umfassenden und aussagekräftigen Studien, die intrinsische und extrinsische Motivation als Trainingsmethoden bei Hunden direkt gegenüberstellen. Auch zum Korrumpierungseffekt existieren keine spezifischen Untersuchungen mit Hunden. Das Einzige, was bisher eindeutig durch Studien belegt ist, ist, dass sowohl intrinsische als auch extrinsische Motivation deutlich besser sind als aversive Methoden, die nachweislich zu erhöhtem Stress und vermindertem Lernerfolg führen. Generell gibt es sehr wenige Studien zu Motivation und Lerntheorien im Hundetraining, was häufig zu Halbwissen oder der Verwendung fragwürdiger Quellen führt. Zur Motivation gibt es jedoch interessante Studien an anderen Tierarten wie Ratten, Primaten oder Papageien. Diese Tiere habe ich bewusst gewählt, da sie ähnlich oder weniger intelligent als Hunde sind, aber dennoch komplexes Verhalten zeigen. Eine Studie von Tolman & Honzik (1930) zeigt, dass Ratten ein Labyrinth aus Neugier und Explorationserfahrung heraus erkundeten. Als jedoch Futter als extrinsische Belohnung eingeführt wurde und später entfiel, nahm das Explorationsverhalten signifikant ab. Dieses Phänomen illustriert den Korrumpierungseffekt, bei dem extrinsische Belohnungen die intrinsische Motivation untergraben können. Auch bei Primaten und Papageien wurde gezeigt, dass intrinsisch motivierte Handlungen wie Problemlösen oder Spielen nachhaltiger sind, wenn sie nicht durch extrinsische Belohnungen bedingt sind. Harlow et al. (1950) zeigten, dass Rhesusaffen Puzzles allein aus Freude an der Aufgabe lösten – ohne äußere Belohnung. Ähnlich belegte Pepperberg (2004), dass Graupapageien aus eigenem Antrieb komplexe Aufgaben lösten, was ihre kognitive Flexibilität und intrinsische Motivation unterstreicht. Natürlich gibt es nicht den einen perfekten Ansatz für alle Hunde oder jede Situation. Intrinsische Motivation ist jedoch eine gute Möglichkeit, besonders bei Verhaltensweisen, die in der Natur des Hundes liegen, nachhaltige und langfristige Ergebnisse zu erzielen. Quellen zu den Studien Tolman, E. C., & Honzik, C. H. (1930). Introduction and removal of reward, and maze performance in rats. University of California Publications in Psychology. Harlow, H. F., Harlow, M. K., & Meyer, D. R. (1950). Learning motivated by a manipulation drive. Journal of Experimental Psychology, 40(2), 228–234. Pepperberg, I. M. (2004). Cognitive and communicative abilities of Grey parrots. Current Directions in Psychological Science, 13(3), 80–87. Weiterführende Literatur zu intrinsischer Motivation Ryan, R. M., & Deci, E. L. (2000). Self-determination theory and the facilitation of intrinsic motivation, social development, and well-being. American Psychologist, 55(1), 68–78. Pink, D. H. (2009). Drive: The surprising truth about what motivates us. Riverhead Books.
Ich finde das Thema sowie deine Antworten bisher sehr spannend und möchte mich bei dir bedanken, dass du viele Fragen hier versuchst zu beantworten 🌸
 
Beitrag-Verfasser
Dogorama-Mitglied
7. Dez. 19:24
Ich finde das Thema sowie deine Antworten bisher sehr spannend und möchte mich bei dir bedanken, dass du viele Fragen hier versuchst zu beantworten 🌸
Das ist lieb, danke. ☺️