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Dogorama-Mitglied
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zuletzt 21. Dez.

Intrinsische Motivation - Leinenführigkeit?

Hallo liebe Hundemenschen, Ich bin durch einen anderen Thread darauf gestoßen, dass man Leinenführigkeit mittels intrinsischer Motivation beibringen kann. Intrinsische Motivation bedeutet das es der Hund von sich aus macht, es macht ihm Spaß und führt es für sich bzw. sein Wohlbefinden aus. Also zum Beispiel ist bei meinem Münsterländer das Jagen eine intrinsische Motivation, die ich mir für die Arbeit zunutze mache. Ich trainiere viel mit meinen Hunden und natürlich auch die Leinenführigkeit. In aller Regel machen das meine Hunde aber nicht aus eigener intrinsische Motivation. Jetzt frage ich mich natürlich, was ich die Jahre falsch gemacht habe, dass meine Hunde anscheinend nicht aus intrinsischer Motivation neben mir her spazieren. Habt ihr eine Idee wie man das aufbaut, dass er Hund das aus intrinsischer Motivation macht? Ist dies überhaupt möglich?
 
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Michi
7. Dez. 10:28
Da kommt man aber über Beziehungsgestaltung bzw ganz allgemeine Verhaltensgrundlagen nie hinaus. Wirklich selbstbelohnend ist nur, was an Grundbedürfnissen (körperlich wie sozial-emotional) natürlich vorhanden ist. Nicht zu jagen ist nicht selbstbelohnend und wenn ich ausser nicht näher rangehen (wobei ich den Hund aber extrinsisch beschränke) nichts machen darf, wie komm ich dann auf ein konkretes Ergebnis? Wie soll der Hund dann überhaupt wissen, dass ein konkretes Ergebnis erwünscht wäre, wenn Feedback nicht erlaubt ist? Ich bitte jetzt nochmals um eine konkrete Beschreibung des intrinsischen Trainings - gerne in Bezug auf Jagen, weil das bei uns ein Thema ist und ich um jede Hilfe froh bin.
Da schließe ich mich an. Habe bisher hier nur mitgelesen, aber gerade in Bezug auf Jagdverhalten würde mich das auch sehr interessieren.
Bei einem Hund , der ein sehr eigenständiges Wesen hat ( wie meiner ) geht ohne klare Regeln garnix. Und die Regeln muss ich vorgeben. Ich habe niemals eine Art von Jagdersatztrainig gemacht, aber ihm beigebracht, dass er den Weg nicht verlassen darf.
In ihm selber ist das Jagdverhalten sehr stark verankert und das hat ja nichts mit mangelnder Bindung zu tun.
 
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Steffi
7. Dez. 10:31
Die Kontrolle von Distanz und Position ist keine direkte Manipulation🫨🫨🫨??? Ich kann mir kaum mehr direkte Manipulation vorstellen, als ein Lebewesen in seiner physischen Bewegungsfreiheit zu beschneiden.
Kaum weniger?
 
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Dogorama-Mitglied
7. Dez. 10:39
Kaum weniger?
Sorry ja, ist korrigiert
 
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Dogorama-Mitglied
7. Dez. 10:46
Da schließe ich mich an. Habe bisher hier nur mitgelesen, aber gerade in Bezug auf Jagdverhalten würde mich das auch sehr interessieren. Bei einem Hund , der ein sehr eigenständiges Wesen hat ( wie meiner ) geht ohne klare Regeln garnix. Und die Regeln muss ich vorgeben. Ich habe niemals eine Art von Jagdersatztrainig gemacht, aber ihm beigebracht, dass er den Weg nicht verlassen darf. In ihm selber ist das Jagdverhalten sehr stark verankert und das hat ja nichts mit mangelnder Bindung zu tun.
Ich frage mich auch, ob man über Bindung und Orientierung (wie genau definiert sich das überhaupt?) ein solch tief verwurzeltes Verhaltensbedürfnis wie das Jagen überhaupt konterkarieren kann.
Vor allem, weil es ja vom Hund nicht als falsch eingeordnet wird, es bei einem Kleintierjäger kein Rudel zum Jagen braucht, Hunde ohnehin nicht in eigentlichen Rudeln leben und der kurze Alleingang nach dem Kanickel damit auch absolut nichts mit mangelnder Zusammengehörigkeit zu tun hat.
 
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Mary-Lou
7. Dez. 10:52
Auch Umweltverstärker sind ja Belohnung und damit extrinsische Motivation. In meinem Verständnis fällt da auch jegliche Reaktion auf ein Verhalten darunter, weil die ja fast zwangsläufig entweder einen zustimmenden oder ablehnende Anklang hat. Ich verstehe Maike aber so, dass eben genau das zu unterbleiben hätte und damit dem Hund kein Feedback gegeben werden kann. Der Mensch soll da wohl keine Meinung zum hündischen Tun äussern. In einem gewißen Radius um den Menschen bleiben ist für mich übrigens noch keine Leinenführigkeit. Wie ich es dem Hund intrinsisch machen soll, dass er sich zB an der Leine lieber nicht zum läufigen Pipi streckt, seh ich zB auch nicht klar.
Ja, genau, Umweltbelohnungen sind extrinsisch. Ich wollte damit auch nur sagen, dass nicht jede extrinsische Motivation Suchtpotential hat.
Maike sagt ja, dass extrinsische Motivation zu Erwartung und Abhängigkeit führt. Das sehe ich anders. Natürlich kann man seinen Hund von Lob und Leckerlis abhängig machen, aber nur weil man diese Bestätigung benutzt, wird nicht jeder Hund davon abhängig, wenn es richtig eingesetzt und wohl dosiert wird.
 
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Steffi
7. Dez. 11:00
Ich denke, man sollte offen und flexibel für verschiedene Methoden und Meinungen sein und im Umgang mit seinem Hund mischen.
 
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Dogorama-Mitglied
7. Dez. 11:02
Ja, genau, Umweltbelohnungen sind extrinsisch. Ich wollte damit auch nur sagen, dass nicht jede extrinsische Motivation Suchtpotential hat. Maike sagt ja, dass extrinsische Motivation zu Erwartung und Abhängigkeit führt. Das sehe ich anders. Natürlich kann man seinen Hund von Lob und Leckerlis abhängig machen, aber nur weil man diese Bestätigung benutzt, wird nicht jeder Hund davon abhängig, wenn es richtig eingesetzt und wohl dosiert wird.
Ja bin ich total deiner Meinung.

Was Maike dabei auch außer Acht lässt ist, dass Belohnungen ja mit der Zeit ausgeschlichen werden und nicht auf ewig in hohen Dosen verabreicht werden sollten.

Das größte Verständnisproblem hab ich aber damit, dass bei der intrinsischen Methode wohl generell keinerlei Reaktion auf ein Verhalten des Hundes erlaubt wäre.
Das heißt, ich dürfte weder "Aua lass das" tückmelden, wenn er mich als Welpe zwickt noch mich super freuen, wenn er auf mich zugallopiert kommt.
 
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Dogorama-Mitglied
7. Dez. 11:03
Ich denke, man sollte offen und flexibel für verschiedene Methoden und Meinungen sein und im Umgang mit seinem Hund mischen.
Ich auch, aber dafür muss ich erstmal verstehen wie die Methode eigentlich funktioniert, was gemacht werden doll/darf und was kontraproduktiv wäre.
 
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Michi
7. Dez. 11:05
Man könnte das ja auch mal auf freilebende Hunde auf der Straße oder Rudelhaltung im Tierheim übertragen.
Welchen Stellenwert hat da die Begrenzung und Erziehung durch die anderen Hunde?
Auch da wird sich an Regeln gehalten, die von Anderen vorgegeben werden....
 
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Carola
7. Dez. 11:06
Meine haben vorher auch nicht gejagt - weil sie nicht durften. Auf diesem Gelände durften sie aber, es kam keine Einwirkung meinerseits. Aber flink wie die Elfen waren die Ninchens eben immer so schnell weg, ich denke das Desinteresse kam durch Nichterfolg. So wie die meisten Hunde in ihrer Jugend mal versuchen Vögel zu jagen und es dann wieder aufgeben. Auch da gibt's Ausnahmen, ist mir bewußt.
Was, wenn der Hund bereits erfolgreich gejagt hatte? Warte ich dann bis er die Lust verliert?
Ich hatte einen Hund der schon erfolgreich gejagt hatte als er zu mir kam und zwar Enten und Kaninchen( er war schneller als die und auch als die Enten).
Trotz guter Bindung und viel Erziehung gab er das Jagen erst im Alter vor ca 14 Jahren aufgrund von mangelnder Schnelligkeit und Hörvermögen auf bis dahin war es nicht möglich den Hund mit bitte bitte mach deine Erfahrung vom jagen abzuhalten.
Meine jetzigen Hunde jagen intrinistisch Mäuse und gelegentlich sind sie erfolgreich. Sie denken mit Sicherheit nicht: oh es ist aber viel schöner bei meinem Menschen nebenher zu laufen und außerdem bekomme ich dann später eine Wurmkur weil ich diese olle Maus gefressen habe!
Also verhindere ich diese Selbstverwirklichung soweit das möglich ist.