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Dogorama-Mitglied
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zuletzt 21. Dez.

Intrinsische Motivation - Leinenführigkeit?

Hallo liebe Hundemenschen, Ich bin durch einen anderen Thread darauf gestoßen, dass man Leinenführigkeit mittels intrinsischer Motivation beibringen kann. Intrinsische Motivation bedeutet das es der Hund von sich aus macht, es macht ihm Spaß und führt es für sich bzw. sein Wohlbefinden aus. Also zum Beispiel ist bei meinem Münsterländer das Jagen eine intrinsische Motivation, die ich mir für die Arbeit zunutze mache. Ich trainiere viel mit meinen Hunden und natürlich auch die Leinenführigkeit. In aller Regel machen das meine Hunde aber nicht aus eigener intrinsische Motivation. Jetzt frage ich mich natürlich, was ich die Jahre falsch gemacht habe, dass meine Hunde anscheinend nicht aus intrinsischer Motivation neben mir her spazieren. Habt ihr eine Idee wie man das aufbaut, dass er Hund das aus intrinsischer Motivation macht? Ist dies überhaupt möglich?
 
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Babs
7. Dez. 09:36
Klar hängt von vielen Sachen ab und es ist gut wenn jeder seinen Weg findet. Ich habe meinen gefunden und werde ihn nächstes Jahr wieder anwenden und immer so weiter. Bei meinen 3 hat's funktioniert und es sind Allrounder. Wachtrieb-/Schutztrieb spricht territoriales Verhalten Vorhanden, Rattler - Jagdtrieb vorhanden, Auch als Treibhunde genutzt. Charakterlich: stur, eigensinnig und nicht das will to please, agieren gerne selbständig. Ich wohne in der Stadt und 5 Minuten von der Innenstadt entfernt. Wir sind aber jeden Tag auch im Wald unterwegs.
Oh, den Satz:" werde ich immer wieder so machen" habe ich schon öfter gehört, bis DER Hund kam, den das nicht interessierte. Ich persönlich finde den Satz echt gefährlich.
 
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Steffi
7. Dez. 09:40
Oh, den Satz:" werde ich immer wieder so machen" habe ich schon öfter gehört, bis DER Hund kam, den das nicht interessierte. Ich persönlich finde den Satz echt gefährlich.
unreflektiert sicherlich..da wären wir dann wieder bei Schema F...
 
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Dogorama-Mitglied
7. Dez. 09:52
Zum Thema Reize kontrollieren: Mein Hund sieht einen Hasen und rennt hinterher. Intrinsisch motiviert. Mein Hund wird doch nie intrinsisch so einen Reiz aushalten. Wenn ich meinen Hund in sicherer Distanz den Hasen beobachten lasse, gebe ich durch die Leine oder eine Korrektur den Rahmen vor. Der Hund merkt dann zwar, wenn er zieht, zappelt, fiept oder sonstiges, geht es nicht weiter, denkt aber nicht irgendwann nach etlichen Wiederholungen "Ah, Hase. Mir egal. Ich bleib lieber ruhig, weil wir dann weiter gehen" (wobei weitergehen auch eine Belohnung oder Motivation, also extrinsisch ist), sondern er denkt "Oh, Hase. Ich würde gerne hinterher, aber ich darf oder kann nicht oder wenn ich bleibe, macht mein Mensch etwas richtig tolles". Kein Hund würde aus rein intrinsischer Motivation aufs Jagen verzichten und stattdessen lieber bei seinem Menschen bleiben, sobald die Leine ab ist, wenn es nicht vom Menschen irgendeine Bestätigung für das Verhalten gibt, sei es Lob, ein Spiel, ein Superleckerli oder sonst was cooles.
Nicht unbedingt. Wir haben mal auf einem Campingplatz gelebt, auf dem es vor Kaninchen nur so wimmelte. Ausserhalb der Saison waren wir fast die einzigen Menschen, und die Pinscher sind den Ninchens anfangs noch nach. Die sind natürlich jedes Mal nach ein paar Metern durch Hecken Zäune und unter Wohnwägen verschwunden und nach kurzer Zeit haben beide Hunde die Puschels ignoriert. Das ist auch so geblieben, seit wir nach einem Umzug öfter mal Feldhasen und Kaninchen auf freiem Feld treffen.
 
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Mary-Lou
7. Dez. 10:05
Nicht unbedingt. Wir haben mal auf einem Campingplatz gelebt, auf dem es vor Kaninchen nur so wimmelte. Ausserhalb der Saison waren wir fast die einzigen Menschen, und die Pinscher sind den Ninchens anfangs noch nach. Die sind natürlich jedes Mal nach ein paar Metern durch Hecken Zäune und unter Wohnwägen verschwunden und nach kurzer Zeit haben beide Hunde die Puschels ignoriert. Das ist auch so geblieben, seit wir nach einem Umzug öfter mal Feldhasen und Kaninchen auf freiem Feld treffen.
Die Frage ist warum sie sie ignoriert haben. Fanden sie sie einfach nicht mehr spannend? Oder weil sie keinen Erfolg hatten? Dann wäre es tatsächlich intrinsisch.
Ich persönlich fände es für meinen Hund allerdings nicht so gut, einfach darauf zu warten bis er von sich aus von ganz allein das Interesse am Jagen verliert. Da hätte ich wohl lange warten können und das wär mir auch zu gefährlich gewesen. Wir treffen Hasen und co. in der Regel nicht in eingezäunten oder von Hecken umgebenen Gebieten.Mein Hund geht mittlerweile auch nicht mehr Wild hinterher, aber nicht, weil sie nicht möchte, sondern weil sie nicht darf.
 
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Dogorama-Mitglied
7. Dez. 10:06
Klar hängt von vielen Sachen ab und es ist gut wenn jeder seinen Weg findet. Ich habe meinen gefunden und werde ihn nächstes Jahr wieder anwenden und immer so weiter. Bei meinen 3 hat's funktioniert und es sind Allrounder. Wachtrieb-/Schutztrieb spricht territoriales Verhalten Vorhanden, Rattler - Jagdtrieb vorhanden, Auch als Treibhunde genutzt. Charakterlich: stur, eigensinnig und nicht das will to please, agieren gerne selbständig. Ich wohne in der Stadt und 5 Minuten von der Innenstadt entfernt. Wir sind aber jeden Tag auch im Wald unterwegs.
Ich glaube ungesehen, dass es funktioniert,da ich es ähnlich handhabe. Da ich mit einigen Rassen Erfahrung habe, wage ich aber zu behaupten, dass Du bei einem klassischen Windhund oder Schlittenhund an Grenzen kommst. Nicht die des Hundes, nur hat eben ein Grönländer ein anderes Verständnis von Nähe beim gemeinsamen Tun und viele Windige ein anderes Verständnis vom gemeinsamen Tun an sich. Die Bindung und das Rudelerlebnis ist ebenso intensiv, aber der Rahmen, den diese Hunde bräuchten ist größer, als Du ihn in unserer heutigen Zeit und Gesellschaft geben kannst. Grundsätzlich bin ich aber ganz bei Dir! Es lässt sich nur nicht auf alle Hundetypen übertragen und erst recht nicht von vielen Hundehaltern leben und anwenden.
 
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Dogorama-Mitglied
7. Dez. 10:12
Die Frage ist warum sie sie ignoriert haben. Fanden sie sie einfach nicht mehr spannend? Oder weil sie keinen Erfolg hatten? Dann wäre es tatsächlich intrinsisch. Ich persönlich fände es für meinen Hund allerdings nicht so gut, einfach darauf zu warten bis er von sich aus von ganz allein das Interesse am Jagen verliert. Da hätte ich wohl lange warten können und das wär mir auch zu gefährlich gewesen. Wir treffen Hasen und co. in der Regel nicht in eingezäunten oder von Hecken umgebenen Gebieten.Mein Hund geht mittlerweile auch nicht mehr Wild hinterher, aber nicht, weil sie nicht möchte, sondern weil sie nicht darf.
Meine haben vorher auch nicht gejagt - weil sie nicht durften. Auf diesem Gelände durften sie aber, es kam keine Einwirkung meinerseits. Aber flink wie die Elfen waren die Ninchens eben immer so schnell weg, ich denke das Desinteresse kam durch Nichterfolg. So wie die meisten Hunde in ihrer Jugend mal versuchen Vögel zu jagen und es dann wieder aufgeben. Auch da gibt's Ausnahmen, ist mir bewußt.
 
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Dogorama-Mitglied
7. Dez. 10:13
Ja, das heißt auch, dass ich kein Lob einsetze – sonst wäre das Verhalten wieder an einen äußeren Verstärker geknüpft. Aber der Hund merkt trotzdem, wenn eine Situation für ihn angenehm ist. Hunde bevorzugen ohnehin nonverbale und paraverbale Kommunikation, weil diese für sie klarer und natürlicher ist. Wenn ich mich ruhig bewege, die Distanz zu einem Reiz kontrolliere oder meine Position bewusst wähle, gebe ich meinem Hund Orientierung. Das ist für den Hund oft viel wertvoller als Worte oder äußere Verstärker.
Ich finde das ziemlich ungenau besprochen und verstehe noch immer nicht, worum es konkret geht - also was im intrinsischen "Training" quasi schon und nicht erlaubt wäre.

Non- und paraverbale Kommunikation sind nicht weniger Kommunikation und damit auch extrinsische Einflüsse.
Ebenso sind meine Ruhe, meine Distanzkontrolle, Positionswahl und Orientierung extrinsische Einflussnahmen.

Ist der Punkt jetzt wann ich extrinsisch beeinflusse?
Vorher ok, nachher nicht ok?
Was genau ist aber vorher und nachher in einer ständig fließenden Interaktion?
Das sind ja willkürlich gesetzte Interpunktionen.
Und wenn es bei ok oder nicht ok der extrinsischen Beeinflussung nicht um den Zeitpunkt geht, worum dann?

Um alles extrinsische wegzuschalten, müsste ich dem Hund jegliche Interaktion und Reaktion auf seine Verhalten verwehren.
Das ist ja aber wohl nicht im Sinne des Erfinders.
 
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Ulrich
7. Dez. 10:17
Das Kommando für den Hund am linken Bein ist: "Bei Fuss"
Das reicht völlig aus.
 
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Dogorama-Mitglied
7. Dez. 10:22
Natürlich tun Hunde das, was für sie einen Vorteil bringt. Aber ich bin auch der Meinung eine äußere Belohnung kann nie wirklich besser sein als ein selbstbelohntes Verhalten, weil das selbstbelohnte Verhalten aus einem inneren Bedürfnis heraus kommt und für den Hund unmittelbar Sinn macht.
Da kommt man aber über Beziehungsgestaltung bzw ganz allgemeine Verhaltensgrundlagen nie hinaus.

Wirklich selbstbelohnend ist nur, was an Grundbedürfnissen (körperlich wie sozial-emotional) natürlich vorhanden ist.

Nicht zu jagen ist nicht selbstbelohnend und wenn ich ausser nicht näher rangehen (wobei ich den Hund aber extrinsisch beschränke) nichts machen darf, wie komm ich dann auf ein konkretes Ergebnis?
Wie soll der Hund dann überhaupt wissen, dass ein konkretes Ergebnis erwünscht wäre, wenn Feedback nicht erlaubt ist?

Ich bitte jetzt nochmals um eine konkrete Beschreibung des intrinsischen Trainings - gerne in Bezug auf Jagen, weil das bei uns ein Thema ist und ich um jede Hilfe froh bin.
 
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Dogorama-Mitglied
7. Dez. 10:26
Das bedeutet nicht, dass ich seine intrinsische Motivation komplett ausschließe. Es geht nicht darum, dass der Hund völlig losgelöst von meiner Präsenz agiert – das wäre unrealistisch und gefährlich. Vielmehr schaffe ich einen Rahmen, innerhalb dessen der Hund eigenständig Entscheidungen treffen kann. Die Kontrolle von Distanz oder Position ist keine direkte Manipulation seines Verhaltens, sondern eine Unterstützung, damit der Hund in einer Situation nicht überfordert wird. Was der Hund dann innerhalb dieses Rahmens macht – z. B. ruhig bleiben oder sich an mir orientieren – kann sehr wohl aus intrinsischer Motivation entstehen, weil er die Erfahrung macht, dass es für ihn angenehmer ist.
Die Kontrolle von Distanz und Position ist keine direkte Manipulation🫨🫨🫨???

Ich kann mir kaum mehr direkte Manipulation vorstellen, als ein Lebewesen in seiner physischen Bewegungsfreiheit zu beschneiden.