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Tina
Einleitungs-Beitrag
Anzahl der Antworten 7
heute 21:29

Bogenlaufen

Thema: Warum Bogenlaufen oft das falsche Signal ist ​Hallo zusammen, ​man sieht es im Alltag immer wieder: Sobald eine Begegnung ansteht, die potenziell etwas Dynamik in sich trägt, wird sofort großräumig ausgewichen und ein Bogen gelaufen. Was oft als „höflich“ oder „deeskalierend“ gedacht ist, bewirkt im echten Leben aber oft genau das Gegenteil. ​Für mich ist dieses ständige Bogenlaufen oft kein gutes Management, sondern kontraproduktiv: ​Es signalisiert Unsicherheit: Durch das Ausweichen macht man die Situation erst recht zu einem „großen Ding“. Man schafft ein Drama, wo eigentlich keines ist. ​Kein Lerneffekt: Wer immer nur ausweicht, lernt nie, eine normale, enge Begegnung stabil und souverän auszuhalten. ​Es verstärkt das Meideverhalten: Das System lernt nur: „Wir haben überlebt, weil wir geflüchtet sind.“ Das Vertrauen in die eigene Souveränität geht völlig verloren. ​Statt ständig Bögen zu laufen, ist es oft viel effektiver, klar, aufrecht und geradlinig durch die Situation durchzugehen. Grenzen setzen, Präsenz zeigen und den Raum behaupten – das schafft echte Klarheit und Ruhe, statt die Unsicherheit durch Ausweichen noch zu füttern. ​Wie seht ihr das? Ertappt ihr euch auch dabei, dass das Bogenlaufen die Situation oft erst recht spannend macht, oder setzt ihr auch lieber auf geradlinige Stabilität? ​Viele Grüße,
 
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Sabine
Beliebteste Antwort
heute 20:46
Wie ich Hundebegegnungen manage/ übe, hängt doch wohl von der Thematik/Problematik des eigenen Hundes und dem Verhalten des jeweiligen Gegenübers ab. Richtig und falsch, wie von dir behauptet, halte ich für Schwarz- Weiß- Denken
 
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Sabine
heute 20:46
Wie ich Hundebegegnungen manage/ übe, hängt doch wohl von der Thematik/Problematik des eigenen Hundes und dem Verhalten des jeweiligen Gegenübers ab. Richtig und falsch, wie von dir behauptet, halte ich für Schwarz- Weiß- Denken
 
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Lisa-Eileen
heute 20:50
Kommt vielleicht wie bei so vielem auf den Hund und die Umsetzung an, wenn man panisch fluchtartig ausweicht wirds natürlich auch entsprechend vom Hund wahrgenommen.
Für mich ist es extrem wichtig und hilft Rocket extremst wenns ihm zu nah ist oder ich merke das er den anderen kacke findet.
Ich mach das aber auch möglichst locker ohne panisch schneller zu werden, zu glotzen oder sonst was was den Hund triggern würde.
Daher kann ich deine Darstellung null bestätigen, eher das Gegenteil.
 
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Tina
heute 20:57
Kommt vielleicht wie bei so vielem auf den Hund und die Umsetzung an, wenn man panisch fluchtartig ausweicht wirds natürlich auch entsprechend vom Hund wahrgenommen. Für mich ist es extrem wichtig und hilft Rocket extremst wenns ihm zu nah ist oder ich merke das er den anderen kacke findet. Ich mach das aber auch möglichst locker ohne panisch schneller zu werden, zu glotzen oder sonst was was den Hund triggern würde. Daher kann ich deine Darstellung null bestätigen, eher das Gegenteil.
„Hallo Lisa-Eileen, danke für deinen Erfahrungsbericht mit Rocket. Du sprichst da einen ganz entscheidenden Punkt an: Die eigene innere Haltung („panisch/fluchtartig“ vs. „locker“) überträgt sich natürlich eins zu eins auf den Hund.
​Aber genau da liegt der verhaltensbiologische Trugschluss: Auch ein ‚locker gelaufener‘ Bogen bleibt im Kern ein Meideverhalten. Wenn du ausweichst, weil er den anderen ‚kacke findet‘, managst du zwar die Situation im Hier und Jetzt (was völlig legitim ist!), aber du löst das eigentliche Problem nicht. Der Hund lernt dadurch nicht, dass du die Situation auch auf gerader Linie souverän im Griff hast. Es bleibt ein sympathisches Umschiffen, aber eben keine dauerhafte Klärung über echte Führung.“
 
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Julia 🐾Nero
heute 20:58
Ich glaube da gibt es kein richtig oder falsch.
Das was einem Hund helfen kann, macht es bei einem anderen Hund nur schlimmer.

Ich habe dieses "wir gehen weiter" auch lange probiert, weil so viele immer berichtet haben, dass es die richtige Lösung ist.
Bei uns hat es alles schlimmer gemacht, denn mein Hund hat deutlich signalisiert, dass er da nicht hin wollte. Ich habe ihn aber immer wieder übergangen und in eine Situation hineingezwungen, die er nicht bewältigen konnte. Dadurch ist sein Verhalten weiter eskaliert und er hat immer früher ausgelöst. Zudem hat sich seine Antipathie gegen fremde Hunde gesteigert, denn auch der vorbeigehende Hund hing öfter plötzlich bellend in der Leine, wenn wir auf gleicher Höhe waren.

Ich habe den Eindruck, dass das "wir gehen weiter" sehr gut bei Hunden funktioniert, die zu jedem Hund HINwollen und deswegen ziehen, pöbeln usw.
Ein Hund, der allerdings WEG will, kann dadurch erst recht das Vertrauen verlieren, dass sein Mensch ihn nicht in blöde Situationen führt und schützt sich dann eben selber, indem er versucht das Gegenüber zu vertreiben oder gar anzugreifen.

Ich kann mit dieser Überlegung natürlich auch falsch liegen, aber bisher scheint es dieses Muster zu geben, bei wem es toll funktioniert hat und bei wem nicht.

Seit wir fremden Hunden aus dem Weg gehen, fängt mein Hund auch langsam an wieder Unwohlsein zu kommunizieren und nicht direkt durchzudrehen. Vermutlich weil er lernt, dass ich seine Kommunikation wahrnehme und seinem Bedürfnis nach Abstand nachkomme.

Aber das ist ein komplexes Thema und ich weiß sicher nicht die eine Wahrheit. Lediglich meine Erfahrung mit meinem Hund.
 
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Julia 🐾Nero
heute 21:04
„Hallo Lisa-Eileen, danke für deinen Erfahrungsbericht mit Rocket. Du sprichst da einen ganz entscheidenden Punkt an: Die eigene innere Haltung („panisch/fluchtartig“ vs. „locker“) überträgt sich natürlich eins zu eins auf den Hund. ​Aber genau da liegt der verhaltensbiologische Trugschluss: Auch ein ‚locker gelaufener‘ Bogen bleibt im Kern ein Meideverhalten. Wenn du ausweichst, weil er den anderen ‚kacke findet‘, managst du zwar die Situation im Hier und Jetzt (was völlig legitim ist!), aber du löst das eigentliche Problem nicht. Der Hund lernt dadurch nicht, dass du die Situation auch auf gerader Linie souverän im Griff hast. Es bleibt ein sympathisches Umschiffen, aber eben keine dauerhafte Klärung über echte Führung.“ ​
Wenn der Hund von sich aus Meideverhalten anbietet, wieso soll man das umgehen und eine unnatürliche Begegnung erzwingen?

Es gibt eine Beobachtungsstudie mit freilaufenden Hunden und da wurde festgestellt, dass 1) Hunde häufig nicht gleichzeitig aufeinander zugehen, sondern einer wartet oder sie sich abwechseln, 2) Hunde sich häufig mit Pausen und im Bogen nähern.

Dieses schnurstracks aufeinander zu und vorbeigehen entsteht doch nur an der Leine, weil Menschen auf Wegen gehen und ein Ziel haben. So bewegen sich Hunde selber aber gar nicht fort.
 
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Tina
heute 21:11
Wenn der Hund von sich aus Meideverhalten anbietet, wieso soll man das umgehen und eine unnatürliche Begegnung erzwingen? Es gibt eine Beobachtungsstudie mit freilaufenden Hunden und da wurde festgestellt, dass 1) Hunde häufig nicht gleichzeitig aufeinander zugehen, sondern einer wartet oder sie sich abwechseln, 2) Hunde sich häufig mit Pausen und im Bogen nähern. Dieses schnurstracks aufeinander zu und vorbeigehen entsteht doch nur an der Leine, weil Menschen auf Wegen gehen und ein Ziel haben. So bewegen sich Hunde selber aber gar nicht fort.
Hallo Julia, danke für deinen Input! Die Studien zu freilaufenden Hunden kenne ich natürlich. Aber genau da liegt der entscheidende Denkfehler: Freilaufende Hunde agieren im freien Raum und treffen ihre eigenen Entscheidungen – im Guten wie im Schlechten.
​Eine Situation an der Leine, auf einem engen Gehweg im menschlichen Alltag, ist damit überhaupt nicht vergleichbar. Das ‚Meideverhalten‘, das ein Hund an der Leine zeigt, ist oft kein höfliches Kommunizieren, sondern schlichte Hilflosigkeit, weil er gelernt hat, dass die Situation für ihn sonst eskaliert.
​Es geht überhaupt nicht darum, eine ‚unnatürliche Begegnung zu erzwingen‘ oder stur frontal ineinanderzurennen. Es geht darum, dass ich als Halter dem Hund durch meine klare, geradlinige Präsenz den Druck nehme. Wenn ich stabil führe, muss der Hund weder die Situation managen noch flüchten. Er kann sich einfach an mir orientieren.
 
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Julia 🐾Nero
heute 21:29
Hallo Julia, danke für deinen Input! Die Studien zu freilaufenden Hunden kenne ich natürlich. Aber genau da liegt der entscheidende Denkfehler: Freilaufende Hunde agieren im freien Raum und treffen ihre eigenen Entscheidungen – im Guten wie im Schlechten. ​Eine Situation an der Leine, auf einem engen Gehweg im menschlichen Alltag, ist damit überhaupt nicht vergleichbar. Das ‚Meideverhalten‘, das ein Hund an der Leine zeigt, ist oft kein höfliches Kommunizieren, sondern schlichte Hilflosigkeit, weil er gelernt hat, dass die Situation für ihn sonst eskaliert. ​Es geht überhaupt nicht darum, eine ‚unnatürliche Begegnung zu erzwingen‘ oder stur frontal ineinanderzurennen. Es geht darum, dass ich als Halter dem Hund durch meine klare, geradlinige Präsenz den Druck nehme. Wenn ich stabil führe, muss der Hund weder die Situation managen noch flüchten. Er kann sich einfach an mir orientieren.
Aber wenn ein Hund von sich aus warten, den Abstand vergrößern oder gar weggehen würde, dann ist ein geradliniges Weiterlaufen eine unnatürliche Begegnung. Begegnung ist ja nicht zwingend Kontakt.

Ich glaube durchaus, dass eine klare Präsenz bestimmten Hunden den Druck nehmen kann. Ich glaube aber auch, dass es bei anderen Hunden erst Recht Druck aufbauen kann.
Das kommt doch zum einen auf die grundlegende Ursache und Gefühlslage des Hundes bei Hundebegegnungen an, zum anderen auch auf die Beziehung zwischen Mensch und Hund. Wenn ein Hund seinem Menschen nicht vertraut, dann orientiert er sich auch nicht, egal wie geradlinig und präsent man in Situationen geht (da muss man dann erst mal Vertrauen außerhalb von Hundebegegnungen aufbauen). Es gibt natürlich unterwürfige Hunde, die dem Menschen nicht vertrauen, sich aber fügen, weil sie Druck vom Menschen spüren (was aber nicht bedeutet, dass sie sich wohl fühlen oder lernen, dass der Mensch übernimmt. Sie können auch lediglich lernen, dass sie aushalten müssen). Und andere reagieren auf Druck mit Gegendruck.

Ohne die Ursachen für das jeweilige Verhalten (Angst, Unsicherheit, soziale Aggression, Lust am Konflikt, Konditionierung usw) und die Beziehungsstruktur zwischen Mensch und Hund zu kennen, halte ich das "einfach orientieren" für etwas naiv.