Wie hast du denn das Vertrauen aufgebaut?
Nero ist schon auch selbstständig und entscheidet selber.
Das ist soweit ich Informationem zur Rasse finden kann auch ein Zuchtziel.
Im Gegensatz zum deutschen Schäferhund sollte der osteuropäische Schäferhund selbstständig Gefahren einschätzen und handeln, anstatt auf Kommando zu warten. Wenn ein Kommando kommt sollte er natürlich trotzdem folgen, aber die Orientierung ist nicht so auf den Hundeführer ausgelegt, wie es beim deutschen Exemplar der Fall ist und der Hund bietet sich nicht an. Zudem wurden Härte und ein eher geschlossenes, defensives Wesen bevorzugt, während der deutsche Schäferhund ein offenes Wesen haben sollte.
Aber gut, das ist soweit die Theorie.
Hallo Julia,
ich bin kein Profi in der Hundeerziehung. Bei meinem Appenzeller Sennenhund (Hütte-Treib- Schutz-Wach-Hund), bei dem die Sturheit und Selbstentscheidung sehr stark ausgeprägt sind, ist mir die Erziehung
auf die, unten beschriebene Art, gut gelungen🙂.
Das Vertrauen habe ich auf unterschiedliche Art und Weise aufgebaut.
Generell habe ich mit einer positiven Verstärkung gearbeitet und (auch, wenn es seltsam klingt) mit der humanen Psychologie. Dabei habe ich unsere Sprache angewendet.
Ich dachte, wenn die Hunde gleich intelligent sind, wie unsere Kinder mit 2-3 Jahren, dann können wir
ihnen das zutrauen.
Gesprochen habe ich in verkürzten Sätzen, möglichst ohne Fälle. Sobald die Wörter sich dadurch komplett anders anhörten, habe ich diese dann als Nomen benutzt. 🙈
Dazu den Rest:
1) Die Körpersprache meines Hundes habe ich erlernt und beobachtet.
Auch, wenn ein Hund sich nur hinsetzt, hat das, je nach Situation, eine bestimmte Bedeutung und er will dir damit etwas mitteilen.
2) Routine und klare Strukturen (feste Zeiten zum Essen, Spielen, Ruhen, zum Gassi gehen). = Ein wenig Berechenbarkeit. Damit der Hund weißt, wann er zu Ruhe kommen kann und sich selbst ,,mit organisieren" kann.
3) Konsequent sein und Grenzen setzen.
Wenn ich ihm etwas nicht erlaube, dann bleibe ich dabei. Was er heute generell nicht darf, darf er morgen auch nicht.
Ich habe aber nie nur Verbote erteilt, sondern ihm auch eine Alternative geboten, vor allem dann, wenn er nicht aufgeben wollte. Nach dem Motto, je größer (für ihn) der Verzicht, desto besser und interessanter musste (für ihn) mein Angebot sein.
4) Sicherheit gegeben, wenn er sie brauchte.
Das habe ich regelmäßig in unsere Gassi-Runden eingebaut. Am Anfang ist sehr wichtig, dass du nur das wählst, womit du IMMER und zu 100% Erfolg haben kannst.
Ein Beispiel:
Wenn meiner Angst vor einem herunter gefallen Ast hatte, dann habe ich von ihm verlangt, dass er sich abseits hinsetzt (nicht zu weit) und da wartet. Dann bin ich (selbstsicher, mit der entsprechenden Körperhaltung) zu dem Ast gegangen und habe ihn demonstrativ zur Seite geschoben. Dadurch hat mein Hund gesehen, dass ICH das FÜR IHN geregelt habe. Es waren immer die kleine Dinge. Man braucht dafür ein bisschen Kreativität und man muss das regelmäßig üben. Zuerst müsste man dafür die Hundekommunikation/bzw. ihre Körpersprache lernen, damit man seinen Hund, in jeder Situation richtig deuten kann.
Am Anfang ist es wichtig, der Gefahr auszuweichen, die man nicht zu 100% selber regeln kann. Auch das Ausweichen an sich, zählt zu dem, was man ,,Sicherheit geben " nennt. Das muss zur richtigen Zeit passieren, noch bevor der Hund ,,sich überlegt", wie er die Situation regeln soll.
Sobald dein Hund merkt, dass du seine Gefahren aus dem Weg räumst, wird er dir in diesem Punkt vertrauen. Jedesmal ein Stückchen mehr.
5) Ich habe meinem Hund regelmäßig erlaubt, selbst Entscheidungen zu treffen, die für mich nicht maßgeblich waren (z.B. die Lauf-Richtung b. Gassi, etc.).
Meiner freut sich immer noch, wenn er die Richtung bestimmen darf.
6) Die Gassi-Runden spielerisch gestalten.
Ich habe ihm regelmäßig etwas interessantes geboten (nicht das, was mir Spaß machte,
sondern das, was er gerne gemacht hat).
7) Seine Bedürfnisse respektieren, das Versprechen halten, etc.
Ich weiß nicht, wie es b.d. anderen Hunden ist, aber meiner merkt sich einiges.
z.B. wenn ich ihm verspreche, dass wir am nächsten Tag seine Leckerli's a.d. Keller holen werden, dann wird er mich am nächsten Tag daran erinnern selbst, wenn ich es vergesse, in dem er sich, im vorbeilaufen vor die Kellertür setzt und nicht weiter geht.
Das erinnert mich an das, was du auch beschrieben hast, wenn dein Hund sich, mitten a.d. Weg hinsetzt und nicht weiter gehen will. Vllt . will er dir damit etwas sagen? Du muss nur herausfinden was.
8) Den Hund auch mal gewinnen lassen.
Meiner mochte immer schon Zerr-Spiele (und es hat bei uns keinen Jagtinstinkt gefördert, wie manchmal es behauptet wird). Ich lasse ihn oft gewinnen (für sein Ego), aber zwischendurch zerre ich ihn, samt dem Spielzeug durch die Gegend, damit er meine Kraft zu spüren bekommt. Ich denke, dass es für die Hunde wichtig ist, weil der Rudelführer, aus der Hunde-Sicht, muss stark genug sein.
9) Das Spielen mit den Artgenossen, oder Zeit mit ihnen zu verbringen war für meinen Hund immer sehr wichtig. Deswegen habe ich das sehr stark unterstützt und für die H.-Kontakte gesorgt.
10) Ich habe fast tägl. (kurze Zeit) mich nur mit ihm beschäftigt (außer den Gassi-Runden). Wir haben dabei entweder Trick's gelernt, die alten wiederholt, oder einfach nur gespielt.
Das ist das, was mir eingefallen ist. Damit das Ganze gut funktioniert, muss man die Umgebung und den Hund ständig und genau beobachten. Wenn ich mit meinem Hund unterwegs bin, beschäftige ich mich mit nichts anderem.
Mein Handy bleibt in der Tasche. Ich genieße die Umgebung und beobachte alles.
Insgesamt Pflege ich einen respektvollen Umgang mit meinem Hund. Einen Befehl-Ton gibt es auch mal, aber nur dann, wenn er, zum 1000-Mal versucht seinen Dickkopf durchzusetzen. Ein Dickkopf bleibt halt ein Dickkopf 🤷♀️.
Vllt. kannst du etwas davon gebrauchen und es hilft euch.
LG, M&P 🐕