Zuchtziele sind immer unterschiedlich. Zuchtrassen, die für ihre Leistung gezüchtet werden, wie Mali oder Border, sind nicht für jeden geeignet und daher von guten Züchtern schwer zu bekommen. Anders sieht es bei Züchtern aus, die weniger seriös oder einfach nur auf der Suche nach Profit sind. Genau das ist meiner Meinung nach das größte Problem bei der Zucht. Jeder kann sich als Züchter bezeichnen. Malis beispielsweise haben ein erhöhtes Risiko für plötzliche Aggressionsphasen. Das liegt an einem speziellen Gen bei dem ein Allel für Probleme sorgt. Darauf kann man aber testen, wie auf so vieles andere auch. Nur macht das halt nicht jeder der sich Züchter nennt.
Ich glaube, wir reden gerade ein bisschen aneinander vorbei. 😊
Dass seriöse Zucht, Gesundheitsuntersuchungen und Gentests wichtig sind und dass es leider auch Züchter gibt, die aus Profitgründen nicht ausreichend selektieren, bestreite ich überhaupt nicht.
Mein Gedanke ist, dass das Problem nicht erst durch einen unseriösen Züchter entsteht, sondern auch bereits darin liegt, welches Verhalten zum Zuchtziel gemacht und wie weit es ausprägt wird.
Ob man nun bestimmte genetisch bedingte Erkrankungen testet und entsprechende Allele aus der Zucht nimmt sagt noch nichts darüber, ob eine bestimmte Verhaltensausprägung selbst irgendwann so extrem werden kann, dass sie für das Tier zur Belastung wird.
Beim Mali wäre für mich beispielsweise interessant, wo die Grenze zwischen einem gewünschten, rassetypischen Temperament und einer züchterisch so weit verstärkten Erregbarkeit, Reaktivität oder Arbeitsmotivation liegt, dass der Hund darunter leidet.
Das meine ich mit möglichen Verhaltensmerkmalen als Qualzuchtmerkmalen.
Der Halter kann natürlich sehr viel beeinflussen. Aber zu sagen: „Mit dem richtigen Halter funktioniert das“, da frage ich mich, ob damit nicht zuweilen die Verantwortung des Zuchtziels auf den Halter verschoben wird.
Die Frage danach, ob ein Merkmal zum Zuchtziel werden darf, wenn seine extreme Ausprägung zwar für den Menschen erwünscht ist, für den Hund selbst aber möglicherweise erheblichen Stress darstellt, ist für mich eine andere Diskussion als die Frage nach seriöser oder unseriöser Zucht.
Zumal zwangsläufig deutlich mehr Hunde produziert werden müssen als dass es Menschen gibt, die genau so einen Spezialisten benötigen.
Im Übrigen ist auch dann, wenn der so „spezialisierte“ Hund in den vermeintlich „richtigen Händen“ gelandet ist, die Frage offen, ob er unter seinen angezüchteten Verhaltensmerkmalen leidet.