Genau. Und da kommen für mich aber auch die Verhaltensweisen ins Spiel.
Es wird ja nicht nur nach dem äußeren Ideal gezüchtet, sondern auch nach Eigenschaften, die dem Käufer gefallen oder das Zusammenleben für den Menschen attraktiv machen. Freundlich, immer menschenbezogen, distanzlos, ständig arbeitsbereit, hoch motiviert, immer „will to please“ …
Aber wen nützt dieses Verhalten eigentlich?
Dem Menschen oder dem Hund?
Ein Hund, der jeden Menschen toll findet und unbedingt Kontakt aufnehmen möchte, ist für viele Käufer vielleicht besonders angenehm. Aber aus Sicht des Hundes kann eine hohe soziale Motivation gepaart mit fehlender Distanzregulation durchaus auch Belastung und Stress bedeuten.
Genauso kann ein Hund, der permanent arbeitsbereit und hoch motiviert ist, für einen bestimmten Halter großartig sein. Wenn der Hund aber Schwierigkeiten hat, zur Ruhe zu kommen und seine Erregung selbst zu regulieren, ist das nicht automatisch ein Gewinn für seine Lebensqualität.
Vielleicht müssen wir deshalb auch bei Verhalten aufhören, den „perfekten Hund für den Menschen“ zu züchten.
Und stattdessen mal danach fragen, welche Eigenschaften das Leben für den Hund selbst besser machen (?)
Vielleicht wäre es mal Zeit wegzukommen vom Hund als Wunschprodukt und hin zum Hund als Lebewesen.
..für mich sprichst Du einen sehr wichtigen Punkt an.. das Wesen, die Instinkte des Hundes und die tendenzielle Ausprägung von diesen bei Hundetypen wie Jagdhunden, Hütehunden und zB Herdenschutzhunden... Ich rede bewusst nicht von Rassen.
Diese Wesenszüge sollten schon zu den Lebensumständen und dem Charakter des Hundebesitzers passen.
Ich habe einen Hundetyp vom aktiven Schäfer.. den Schäferhund Urtyp.. kerngesund.. höchstwahrscheinlich ein Leben lang wie seine Eltern und Grosseltern.. aber er wird immer ein Hüte- und Wachhund sein, der fremden Menschen gegenüber distanziert bleiben wird und dem niemals Gassirunden reichen werden.. Als ich noch berufstätig war, hätte ich mir nie zugetraut, ihm ein, seinem Wesen gerechtes, Zuhause zu geben.. Heute bin ich sehr glücklich mit ihm.
Er wird also nie in einem Heim enden.. Nicht die Rasse, Mischling, TS Hund Junghund, alter Hund.. und was auch immer sind am Ende entscheidend für das Tierwohl.. sondern ob der Mensch es schafft dem individuellen Hund ein würdiges, liebevolles zuhause zu geben.
Dazu gehört natürlich ein gesundes Mass an realistischer Selbstreflektion, Empathie und "Arbeit".
Sorry.. mein Beitrag ist etwas weg von Qualzucht und Co..