Heute Abend hatten wir hier eine recht turbulente Situation, die mich im Nachgang noch beschäftigt.
Eines unserer Hühner hatte sich offenbar verspätet und stand vor verschlossener Klappe. Da ich abends immer durchzähle, fiel mir das natürlich auf – und da die doofe Nuss nicht mehr im Gehege war hieß es: mit Taschenlampe bewaffnen und auf zur Suche. Nach einer gefühlten Ewigkeit fand sich das blöde Huhn im Kirschbaum, zum Glück auf Kopfhöhe. Als ich seiner dann grabschend habhaft wurde, schrie es natürlich hysterisch als wäre ich der böse Waschbär und wollte ihm den Garaus machen – Neo kennt solch ein Theater schon und ignoriert sowas aber Ivy kam na klar angerast und war völlig außer sich. Sie schrie, zappelte, sprang an mir hoch, wollte unbedingt zu diesem Huhn.
Mein Mann war zum Glück da, hat sie am Geschirr geführt und ruhig mit ihr gesprochen, während ich das zeternde Federvieh Richtung Stall schleppte.
Wir haben Ivy anschließend mit zum Stall genommen. Sie war immer noch sehr aufgeregt, hat aber immerhin etwas Spannung abgebaut. Ich bin dann noch mit ihr an der offenen Tür stehen geblieben, damit sie die Hühner beobachten konnte. Erst, als sie ein bisschen ruhiger wurde, habe ich die Tür geschlossen und wir sind gemeinsam weiter zum Füttern gegangen.
Jetzt frage ich mich: War das nun ein Rückschritt, weil sie das Huhn so stark mit Beute verknüpft hat?
Oder war es – wenn man es mit Ullis Haltung betrachtet – vielleicht sogar eine wertvolle Erfahrung, weil sie diese Situation nicht allein, sondern gemeinsam mit uns durchlebt hat?
Mein Gefühl war, dass die Verbindung zu mir sie am Ende tatsächlich beruhigt hat. Ich habe nichts gefordert, kein Futter eingesetzt, sondern einfach Nähe, Kontakt und Orientierung angeboten. Das hat sich in dem Moment richtig angefühlt – aber ich frage mich, ob und wie man so eine hoch emotionale Situation später wieder „auffangen“ sollte.
Wie würdet ihr das einschätzen oder begleiten, wenn ein Hund so stark auf reale Beuteerlebnisse reagiert?
Ullis Haltung kann ich nicht bieten, nur meine eigenen Gedanken:
Ich sehe es so wie die Babs, für mich hört es sich so an, als hättet ihr aus der Situation, die ihr euch so nicht ausgesucht habt, das bestmögliche herausgeholt und das sehr gut gemacht ☺️
Bezüglich Rückschritt vs. wertvolle Erfahrung tue ich mich schwer. Der eine Aspekt bezieht sich auf die Hühner der andere auf euren Umgang miteinander.
„Aufgeregtes kreischendes Huhn“ war vermutlich eine gänzlich neue Erfahrung für Ivy, kann man neue Erfahrungen als Rückschritt werten, in diesem konkreten Fall? Sie müssen erstmal eingeordnet werden, oder wie siehst du das?
Es wird so oder so nur eine Erfahrung von vielen mit euren Hühnern sein und sie hat nicht auf der höchsten Aufregung geendet. Im Idealfall erinnert sie sich daran, was ihr geholfen hat, sich ein wenig besser zu fühlen, falls nicht, schafft ihr weitere Erinnerungsanker, die ihr in solchen Situationen zukünftig weiterhelfen.
Du hast das Know-How und das Gefühl dafür ihr zu mehr Gelassenheit zu helfen und das tust du nicht zum ersten Mal. Ivy erlebt dich bisher in unterschiedlichen Situationen als verlässliche Unterstützung und ich würde davon ausgehen, dass das auch im Bezug auf die Hühner eine große Hilfe sein wird.
Was mich noch aufhorchen lässt ist „Ivy war wirklich im Ausnahmezustand.“ Ausnahmezustand ist ein starkes Wort.
Die Mira würde ich nicht direkt am Tag nach einem Ausnahmezustand, wieder damit konfrontieren, wenn es nicht sein muss. Wenn sie etwas komplett aus der Bahn haut, für das sie noch gar keine (!) Handlungsoptionen entwickelt konnte, hat das Nachwehen. Ihr Nervenkostüm ist bis zur ersten Nacht meist komplett in den Fritten und stabilisiert sich am Tag danach und in der zweiten Nacht. Je nach Erholung handelt sie eher schnell als wohlüberlegt und beobachtend.
Für sie wäre der Zeitraum zu kurz.
Nun hast du keine Mira zuhause, sondern eine Ivy (: Eine ganz andere Persönlichkeit.
Du wirst das richtig entscheiden und abwägen, ich bin sicher das ihr das gut hinbekommt 👍