Der „Ulli-Weg“ sieht Hunde aus einer ganz anderen Perspektive als es heute leider oft der Fall ist.
Ich würde deshalb gerne hier noch ein bisschen ihre Gedankenwelt verbreiten und noch etwas aus Ullihunde.at zitieren:
Facebook überschüttet mich seit einiger Zeit mit Werbung für Hundetraining. Vorher-Nachher-Videos in denen Hunde zu sehen sind, denen Manieren beigebracht wurden.
Artig schleichen die dann neben ihren Herrn und Meistern (m/w/d) her und lassen diese erscheinen, als hätten sie ihr Leben und überhaupt eh alles im Griff.
Höchst selbstzufriedene Trainer-Männlein (manchmal sind es auch stramme Weiblein) erklären dem geneigten Zuschauer dann, wie sehr Hunde doch nach „Führung“ lechzten und wie unerlässlich es doch wäre, dass der Mensch dem Hund alle Entscheidungen abnähme. Dann wäre er nämlich glücklich und frei von Stress.
WTF…
Wer will so leben? Geführt, geleitet, untergeordnet, befehlshörig und absolut stressfrei? Als wäre es der Lebenszweck von Hunden, einem Führer zu dienen und jegliche eigene Persönlichkeit aufzugeben.
Für viele Menschen ist das aber anscheinend ein verführerischer und dadurch wahrscheinlich logischer Gedanke.
Sollte ich je in den Sog dieser Verlockung geraten, habe ich ein kleines, pelziges Mahnmal zu Hause sitzen, das mich schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Meine Vivi nämlich.
Die Vivi wurde schwer verletzt neben einer Autobahnauffahrt gefunden. Mehrfacher Beckenbruch, Zwerchfellriss, Lungenblutung und bewegungsunfähig. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie, als der Sensenmann sie holen wollte, ihm ihre spitzen Zähne gezeigt und mit Nachdruck erklärt hat: „DU bestimmst sicher nicht, wann ich gehe. Das bestimme immer noch ICH!“
Als sie dann vom Tierheim an mich vermittelt wurde, weil sich nie ein Besitzer gemeldet hatte (natürlich konnte sich keiner melden - eine Vivi hat keinen Besitzer), durfte ich sehr schnell und sehr nachhaltig lernen, Grenzen zu respektieren und mir meine halbherzigen Erziehungsversuche an den Hut zu stecken.
Eine Vivi erzieht man nicht, man lernt von ihr.
Was würde ich gern all diese Internet-Helden an ihr scheitern sehen.
Gut, das eigene Ego leidet ein wenig unter der Standhaftigkeit von Viventieren, aber das ist eine sehr heilsame Therapie. Meine kleine, heimlich grinsende Rache ist, dass ich ihr ausschließlich rosa Zeug kaufe. Rosa! Wo ihr doch schwarze Lederjacken viel besser stünden.
Ich sage häufig „über Hunde kann man sich die Welt erklären“ und war immer recht stolz drauf, wie oft dieser Satz sich doch bestätigt. Kürzlich musste ich feststellen, dass schon lang vor mir jemand zum gleichen Schluss gekommen ist und das auch noch viel schöner formuliert hat.
Franz Kafka nämlich und er sagt das so:
„Alles Wissen, die Gesamtheit aller Fragen und alle Antworten sind im Hund enthalten“.
Manchmal könnte ich verzweifeln über die Unfähigkeit der Menschen, von Hunden zu lernen. Die Unfähigkeit zu erkennen, was Hunde uns so selbstverständlich anbieten und wir nur einen Schritt zurücktreten müssten, um es zu erkennen.