Sicherlich hast Du teilweise recht aber man kann es so einfach nicht sagen.
Wenn der Hund seinen Menschen anbellt dann hat es unter Umständen etwas mit Stress zu tun- muss es aber nicht! Es hängt vom Kontext und der Situation ab.
Zudem ist die Bellfreudigkeit auch genetisch bedingt. Ein Wachhund wird sicherlich mehr bellen als ein Hütehund ohne dass er unter Stress ist sondern es gehört zu seinem genetischen Programm zu melden! Auch ein Herdenschutzhund der abends seine Bell Stunde hat ist nicht unter Stress sondern es ist seine Genetik.
Womit du natürlich recht hast, ist, das die Kommunikation des Hundes und auch mit dem Hund in erster Linie über die Körpersprache erfolgt.
Da unsere Hunde sehr vielfältig sind und auch zu unterschiedlichen Zwecken gezüchtet werden und wurden sollte man aber mit solch absoluten Aussagen vorsichtig sein denn das kann ziemlich daneben liegen.
Und was geht in dem Wachhund vor während er meldet? Oder macht der das einfach nur weil er halt bellt?
Lass uns gerne über Reiz Reaktion sprechen und darüber welche Abläufe im Hundekörper vor sich gehen noch bevor er einen Ton von sich gibt.
Ich bleibe dabei, dass bellen immer ein Symptom von Stress ist. Stress ist dabei nicht unbedingt negativ oder positiv zu werten sondern eine ganz normale Reaktion des Nervensystems. Eine bellfreudigkeit einer rasse zuzusprechen macht es einem einfach dieses Symptom als normal abzustempeln und ist tatsächlich meist nicht im Sinne des Tieres. „Aja, Hunde bellen halt!“ ist ne faule Ausrede.
Und ja, Wachhunde bzw HSH melden Gefahren aber auch in diesen Momenten sind sie, ob man es glauben will oder nicht, einem Stress ausgesetzt, der ganze Körper wird mit Adrenalin gefüllt und das Nervensystem reagiert. HSH die wirklich in einer Herde leben und ihrer tatsächlichen Aufgabe nachgehen melden tatsächlich nicht jede kleinste Bewegung oder Geräusch, sie sind unglaublich gut darin tatsächliche Gefahren zu erkennen und auch darin die Herde nicht zu verunsichern wenn es keinen triftigen Grund gibt, weil dafür sind sie gemacht. Und eine bellstunde(?) 1. noch nie gehört und 2. wenn die Hunde ihrer ursprünglichen Aufgabe nachgehen, dann machen sie das ja auch nicht 🤔 somit wieder der Punkt das da irgendwas nicht so richtig im Einklang ist.
Aber schauen wir uns doch noch einmal ne ganz andere Kategorie Hund an. Die Kleinstrassen. Auch diesen sagt man eine gewisse bellfreudigkeit nach. Aber auch bei diesen Rassen haben wir bellen als stresssymptom. Ihre individualdistanz wird ständig unterschritten, sie werden in ihrem ausdrucksverhalten nicht ernst genommen und nur belächelt. Zudem haben diese Rassen oft körperliche Missbildungen oder chronische Schmerzen (Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, Gelenkschmerzen,etc)
Und jetzt schauen wir noch einmal auf die arbeitsrassen. Bei Schäferhunden und co ist in der IGP Arbeit auch vom Hund verlangt das er bellt. Und auch dabei haben die Hunde Stress und zwar eustress also positiven Stress, da sie diesem Sport gerne nachgehen. Trotz allem sieht man lange nach hinten gezogene Mundwinkel, viel Speicheln und weit aufgerissene Augen. Ein Hund der gar nicht abwarten kann, dass es weiter geht und anfängt zu bellen der freut sich zwar ist aber eben so gestresst.