Autos, Radfahrer Skater etc sind kein Thema, egal ob er in einem Kommando oder im Freilauf ist.
Die Frage nach der Motivation kann man ja bei jedem Kommando hinterfragen, das gegen die genetische/intrinsische Motivation eines Hundes geht.
Die Grundlage ist, dass der Hund seiner Genetik entsprechend ausgelastet wird. Wir arbeiten zusammen bspw in der Dummy-Arbeit und Zielgeruchsuche. Er darf also „jagen“ aber eben in einem geschützten Rahmen, mit mir gemeinsam und ohne dass dabei andere Tiere leiden.
Ich bin überzeugt, dass wir eine gute Bindung haben, sonst wären wir nicht schon so weit gekommen in zweieinhalb Jahren. Die soziale Komponente geht aber eben nur so weit. Wenn ich vom Hund verlange, seinem Jagdtrieb nicht (bzw nur auf Kommando bspw in der Dummyarbeit) nachzugehen, dann MUSS ich das vorher üben. Auch auf einem hohen Erregungslevel. Das kann ich dann steigern und das Hundehirn lernt das überhaupt zu leisten. Man sieht bei zu viel Dynamik aktuell, dass er einfach nicht richtig denken und umsetzen kann. Er bleibt dann stehen und guckt mich an, schafft aber noch nicht das Kommando Platz umzusetzen. Dafür will ich die Reizangel nutzen, um kontrolliert Dynamik, Entfernung, etc steigern zu können.
Falls du weitere Tipps hast, welche Reize man noch nutzen kann, um Kommandos unter Ablenkung zu festigen, sag gerne Bescheid.
Welche Genetik meinst du genau? Das Zuchtziel beim Golden Retriever ist absolut kein selbstständiges Jagen, sondern die Arbeit nach dem Schuss – und zwar erst nach dem Kommando. Genetisch bringt er durch die angezüchtete Standruhe (Steadiness) bereits die perfekte Veranlagung mit. Er muss ruhig warten, während um ihn herum geschossen wird, und darf niemals eigenmächtig losrennen. Ein selbstständiger Hetztrieb wurde ihm komplett weggezüchtet.
Wenn ein Golden Retriever also unkontrolliert jagt, liegt das nicht an seiner Genetik, sondern schlicht an unzureichender Erziehung. Jetzt darf man hier aber nicht vergessen, dass Merlin gerade mal zwei Jahre alt ist – da ist das Oberstübchen hin und wieder mal wegen Umbauarbeiten geschlossen.
Der große Vorteil dabei: Man muss ihn nicht mühsam gegen seine genetische Veranlagung formen, sondern einfach nur die Impulskontrolle festigen, die er genetisch eigentlich schon im Gepäck hat.
Dazu eine Reizangel zu benutzen, ergibt für mich allerdings wenig Sinn. Damit nutzt man ja genau den Reiz als Ablenkung, den man eigentlich kontrollieren und abbauen möchte. Die Reizangel triggert das Hetzen – also genau die Sequenz, die er gerade unkontrolliert auslebt und die ihm genetisch eigentlich wegzüchten wurde. Ihn in dieses extreme Jagdfieber zu pushen, macht es für sein zweijähriges Gehirn nur noch schwerer. Statt das Hetzen erst anzufeuern, sollten wir lieber direkt an seiner genetischen Stärke ansetzen: der Standruhe. Er muss lernen, in der Ruhe zu bleiben, wenn sich etwas bewegt, anstatt dass wir ihn aktiv zum Jagen animieren.“