Home / Forum / Erziehung & Training / "Gewöhnungseffekt" im Training?

Verfasser-Bild
Julia 🐾Nero
Einleitungs-Beitrag
Anzahl der Antworten 602
heute 13:51

"Gewöhnungseffekt" im Training?

Hallo ihr Lieben, Ein Thema das mich gerade akut wieder zur Verzweiflung bringt, sich aber seit ich Nero habe durchzieht. Wenn wir einen neuen Trainingsansatz probieren läuft es in der Regel so ab: Er versteht es relativ schnell (nicht Einstein schnell, aber doch zügig), dann erfolgt eine steile Lernkurve, in der das trainierte Verhalten immer besser ausgeführt wird und dann, für mich aus unerklärlichen Gründen, wachen wir eines Tages auf und er führt das Verhalten nicht mehr aus. Und es wird dann auch nicht mehr besser. Meine laienhafte, naive Vorstellung von Training ist, dass der Hund es mit der Zeit immer besser kann, es ihm immer leichter fällt und zum Normalzustand wird. Bei uns ist es genau anders rum. Am Anfang lernen und bemühen und wenn man das Gefühl hat er kann es, macht er nicht mehr mit. Hat jemand mit soetwas Erfahrung? Ist es eine Art Gewöhnung? Ich gehe schon davon aus, dass es an mir liegt. Allerdings scheint es kein Verständnisproblem zu sein. Zur Veranschaulichung, aktuell ist es wieder die Leinenführigkeit (tritt aber auch bei anderen Problemen wie Rückruf genauso auf). Wir haben jetzt zum dritten Mal mit einem Trainer versucht diese aufzubauen. Mit allen drei Methoden und Trainern lief es gleich ab. Relativ schnell verstehen was man will, immer besser werden und dann plötzlich einfach nicht mehr mitmachen. Zu dem Wort "Gewöhnung" würde mir noch "Abnutzung" einfallen, also das die Signale (sowohl positive als auch negative) ihre Wirkung verlieren und er anfängt sie völlig zu ignorieren, während er am Anfang noch beeindruckt ist. Aber das ist meine subjektive Interpretation und beide Begriffe passen auch nicht sonderlich gut. Ich bin ratlos. Diesmal schien es so vielversprechend zu sein 😞...
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Katja
18. Juni 09:03
Könnte das Verhalten vielleicht damit zusammenhängen, dass Polli aufgrund der vielen Gerüche ... sich in einer Reizüberflutung befand?
Nö, das war bei uns im Tierpark und der ist sehr sehr weitläufig und es gibt immer wieder parkartige Abschnitte, wo man einfach nur entspannen kann. Sonst hätte ich es auch nicht gemacht!

Wenn Polli Reizüberflutung hatte dann höchstens wegen der vielen Würstchen- und Fressbuden alle paar Meter!😬

Ne vor und direkt nach dem Bären war sie komplett entspannt (sie kommt sehr schnell runter)… deswegen hat’s mich ja so verwundert!

PS: Wer sie denn doch geschafft hat, waren die Affen am Schluss! Die fand sie interessant (aber nicht aufregend) aber sie kam nicht drüber weg, dass die den Spieß umgedreht haben und SIE als Unterhaltung genommen haben: Der eine verließ sogar seinen Logenplatz an der Scheibe, um sich ein Stück Apfel zu holen. Damit nahm er dann seinen Beobachtungsposten wieder ein und starrte weiter Hundine an. Dass der nicht an die Scheibe geklopft hat, war alles!
Hundine war fix und fertig, als wir aus dem Affenhaus rauskamen!

Vorher war das für sie ein durchaus interessanter Spaziergang mit vielen Würstchen, Eisresten und was Kinder eben sonst noch so fallenlassen…🤪
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Babs
18. Juni 09:06
Da gerade die Themen Gehege, Zoo ... etwas im Fokus stehen, würde ich gerne, da mir dieses Thema sehr am Herzen liegt, ein bissel dahingehend sensibilisieren, dass dort die Wildtiere in Gefangenschaft leben. Sie können sich nicht ihrem typischen Verhalten entsprechend verhalten und zeigen oftmals Verhaltensstörungen 😞.

Bitte nicht falsch verstehen. Ich möchte nur ein wenig sensibilisieren. Mir tun die Tiere einfach wahnsinnig leid 😞.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Katja
18. Juni 09:18
Da gerade die Themen Gehege, Zoo ... etwas im Fokus stehen, würde ich gerne, da mir dieses Thema sehr am Herzen liegt, ein bissel dahingehend sensibilisieren, dass dort die Wildtiere in Gefangenschaft leben. Sie können sich nicht ihrem typischen Verhalten entsprechend verhalten und zeigen oftmals Verhaltensstörungen 😞. Bitte nicht falsch verstehen. Ich möchte nur ein wenig sensibilisieren. Mir tun die Tiere einfach wahnsinnig leid 😞.
Verstehe ich schon… deswegen gehe ich auch nicht in unseren Zoo in der Stadt: da ist eben vieles platzbedingt ein Kompromiss. Das möchte ich mir nicht ansehen.
Der Tierpark ist mit 160 Hektar der größte Europas und klar, die Tiere leben nicht frei… aber strenggenommen auch nicht soooo schlecht!

Aber die Diskussion wollte ich hier gar nicht vom Zaun brechen.
Ich wollte lediglich dazu ermutigen, den eigenen Hund im Umgang mit Tieren zu beobachten und daraus für den täglichen Umgang zu lernen. Kann ja auch auf dem örtlichen Bauernhof sein!😀
Wenn man dann noch gleichzeitig die Möglichkeit hat, die Reizdichte zu steuern, sollte man die Gelegenheit echt wahrnehmen, wo‘s eben geht!

Nach den Videos von Thomas würde ich z.B. bei möglicher Anwesenheit von Wildschweinen die Hunde immer anleinen! Die sind viel zu interessiert…

Mit Polli hab ich’s ausprobiert und die will definitiv WEIT weg… im Wald noch mehr als am Wildgatter! Also läuft sie ohne Leine (auch damit sie im Zweifel schneller weg kommt)
Wenn Hundine im Wald der Meinung ist „wir gehen jetzt hier lang, da drüben ist unheimlich“, dann machen wir das! Oft hat‘s uns dann schon hinterhergegrunzt.
Ich bin echt auch nicht scharf auf Schweinebegegnungen…🥴
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Thomas
18. Juni 09:21
Wow, da hast Du aber auch gute Nerven! Ich hätte im ersten Video schon längst die Beine in die Hand genommen… Polli vorneweg! Gerade wenn die so neugierig auf einen zukommen…😳
Aehm, da waren wir schon aus dem Bereich der Rotte raus - die hatten uns komplett eingekreist - kamen von links und rechts aus dem Gebüsch.
Vorher hatte ich keine Gelegenheit das Handy raus zu holen...
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Alois
18. Juni 09:22
Oh... das schiesst mir grad was in den Kopf was mir in meiner Anfängerzeit aufgefallen ist und mir sehr viel gebracht hat. Zum einen herrscht auf dem Platz immer eine sehr gute, heitere Grundstimmung, selbst wenn's mal stressig wird, viel schief läuft. Die Teamarbeit steht dabei im absoluten Mittelpunkt. Die Trainer selbst zeigen sich immer - natürlich in Variationen - gut gelaunt und konzentriert. Der Durchbruch für mich, sozusagen als ich noch Anfänger war, kam als ich gesehen habe wie der - übrigens einzige (ausgerechnet) männliche - Trainer auffallend in "kindlicher, mickimaus-tonierter Stimme seinen Hund (australian shepperd) geredet und ihn animiert hat. Das habe ich mir abgeschaut. Machen die anderen Trainerinnen oft auch, bei Ihm fiel mir das halt besonders auf - gerade weils ein Mann ist. Mir fiel das anfangs echt schwer, Stichwort "über den eigenen Schatten springen". Für mich währe diese positive und somit gut motivierende, Mut machende Grundstimmung der entscheidende Marker bei der Suche nach Verein und Trainer. 🌻
Hallo Frank,
das sehe ich auch als elementar an😊
Den Hund über die eigenen positiven Emotionen motivieren zu können!
Einmal viel beim Training auch der Satz, wenn ein außenstehender der keinen Bezug zum Hund hat, dich beim Training mit deinen Hund betrachtet muss er zu dem Schluß kommen, das kann nur ein Irrer sein😂
Leider hatte ich nie das Glück einen derartigen Verein in meiner Nähe zu finden 😕
Die meisten Vereine (und es waren nicht wenige) die ich mir anschaute (bei denen wurde auch teilweise Schutzdienst praktiziert)
vielen durch die Einstellung der Hund das Sportgerät durch😕
Die Hunde wurden teilweise unter Starkzwang gearbeitet, selbst Würger ohne Stop, Stachelhalsbänder sowie Teletac waren ihnen nicht fremd.
Es zählte nur der schnelle Erfolg, zu Lasten des Hundes!
Teilweise, hatte ich den Eindruck sie benutzten den Hund nur um sich zu profilieren, und da war ihnen jedes Mittel recht.
Skrupel hatte da keiner!
Sie lobten ihre 30 jährige Hundeerfahrung, arbeiteten aber sogar mit nicht sozialisierten und instabile Hunden im Schutzdienst!
Ich selbst machte mit Nina nur Unterordnung und das natürlich zu meinen Bedingungen!
Aber ich konnte noch nie dieses
Milieu akzeptieren!
Irgend wann gab ich bezüglich der Vereine auf😕
Nina wurde überwiegend auf Fußballplätzen trainiert, und wir hatten beide unseren Spaß😊
Gerne würde ich mich auch im Vereinsleben mit anderen Hundehaltern austauschen, aber nicht zu diesen Bedingungen!
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Frank
18. Juni 09:24
Je mehr ich drüber nachdenke, desto mehr merke ich, dass das auf Ivy so gar nicht zutrifft. 😅 Am Wildgehege ist sie hochgradig erregt, versucht näher heranzukommen, buddelt und beißt in den Zaun. Sie wirkt jedenfalls nicht wie ein Hund, der die Situation als aussichtslos bewertet und deshalb Energie spart. Wahrscheinlich ticken Hunde auch da sehr unterschiedlich. Manche scheinen den Zaun tatsächlich als klare Grenze zusehen andere nicht, Ivy Zuhause ja, draußen nicht🤔😂 (Zumal sie zuhause de facto Zugriff hätte und draußen mal doppelt nicht, weil stabiler Wildtierzaun und zusätzlich auch noch ne Leine dran ist)
Ist natürlich möglich. Baja gehörte zu der Sorte Ausbruchskönigin, das haben Nachbars Hühner leider erleben müssen 🫢. War noch in der Junghundezeit.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Babs
18. Juni 09:27
Verstehe ich schon… deswegen gehe ich auch nicht in unseren Zoo in der Stadt: da ist eben vieles platzbedingt ein Kompromiss. Das möchte ich mir nicht ansehen. Der Tierpark ist mit 160 Hektar der größte Europas und klar, die Tiere leben nicht frei… aber strenggenommen auch nicht soooo schlecht! Aber die Diskussion wollte ich hier gar nicht vom Zaun brechen. Ich wollte lediglich dazu ermutigen, den eigenen Hund im Umgang mit Tieren zu beobachten und daraus für den täglichen Umgang zu lernen. Kann ja auch auf dem örtlichen Bauernhof sein!😀 Wenn man dann noch gleichzeitig die Möglichkeit hat, die Reizdichte zu steuern, sollte man die Gelegenheit echt wahrnehmen, wo‘s eben geht! Nach den Videos von Thomas würde ich z.B. bei möglicher Anwesenheit von Wildschweinen die Hunde immer anleinen! Die sind viel zu interessiert… Mit Polli hab ich’s ausprobiert und die will definitiv WEIT weg… im Wald noch mehr als am Wildgatter! Also läuft sie ohne Leine (auch damit sie im Zweifel schneller weg kommt) Wenn Hundine im Wald der Meinung ist „wir gehen jetzt hier lang, da drüben ist unheimlich“, dann machen wir das! Oft hat‘s uns dann schon hinterhergegrunzt. Ich bin echt auch nicht scharf auf Schweinebegegnungen…🥴
Ja, ich wollte nur nicht, dass jetzt alle in den Zoo laufen, um mal zu schauen, wie der Hund reagiert. Machte mir ein bissel Bauchschmerzen 😳.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Jörg
18. Juni 09:35
Vermutlich spielt die Situation und auch das Verhalten der Wildtiere ebenfalls eine nicht zu unterschätzende Rolle. Hier mal Videos mit Wildschweinbegegnungen hier im Ort - kein Wildgehege...
So nah wäre ich nie mit meinem Hund ran da wäre mir das Risiko viel zu hoch
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Julia 🐾Nero
18. Juni 10:05
Mit dem für den geilsten halten fand ich etwas einseitig/ komisch. Fand ich eher sinnvoll im Kontext wenn ich als Mensch ne Führungsfrage stelle das das dann unter anderem die Antwort vom Hund ist wenn er es übernimmt/ übernehmen will. Eher so ein "ich bin der kompetenteste hier, dann übernehm ich, geht klar wenn du es nicht kannst" und nicht im Sinne von das der Hund iwie prollig ist. Gibts bestimmt auch, aber ich hatte da eher aus meiner Sicht mit Rocket draufgeguckt und er ist sehr fürsorglich und garnicht iwie prollig.
Aber wenn du selber sagst, dass Rocket nur im Bereich der Führungsanfragen agiert macht es ja auch Sinn, dass er keine Führungsaussagen ausführt.

Ich verstehe es bisher so.
Führungsanfrage geht an den Halter: "führst du oder soll ich?"

Führungsansage geht auch zum Halter: "jetzt führe ich, weil ich kompetenter bin. "

Die Führungsaussage hingegen ist eher eine Mitteilung an die Umwelt. Aus Sicht des Hundes ist die Lage mit dem Halter geklärt, er führt, die Diskussion ist vorbei. Das verstehe ich so ein bisschen wie den WhatsApp Status: "habt ihr da draußen schon gewusst, dass ich führe? Jawohl, ich"
Daher auch sich draußen und in Gruppen präsentieren, imponieren, wenn man CEO ist, muss man das auch mitteilen/zeigen.

Nero zum Beispiel scharrt richtig intensiv und glotzt dabei andere an, trägt auch vor anderen Sachen rum, wälzt sich vor anderen. Daher wurde vielleicht der Ausdruck "ich bin der geilste" gewählt.
Im Endeffekt präsentiert er ja bloß den "Status", den er inne zu haben glaubt.

Aber ja das ist schon alles sehr durch eine bestimmte Perspektive interpretiert und beschrieben. Im Endeffekt wird jede Handlung des Hundes zur Absicht erklärt und im Kontext der Führung gedeutet.

Wird sicher auch vielen nicht gefallen, wenn sie das Buch lesen. Ich finde es interessant, weil ich viele der beschriebenen Gesten immer für Zufälle, Versehen bzw keine Absicht gehalten habe. Halte das Buch bzw die Interpretation aber auch nicht für die eine Wahrheit.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Katja
18. Juni 10:05
So nah wäre ich nie mit meinem Hund ran da wäre mir das Risiko viel zu hoch
Manchmal hat man wenig Wahlmöglichkeiten: Polli stand auch letztens am Wegesrand vor nem Gebüsch. Ich hab dann übernommen und wollte sehen, was da ist.
Ich hätte nur die Hand ausstrecken müssen und hätte die Sau, die da lag, berühren können… und als dann noch was Gestreiftes durchs Bild flitzte, haben wir aber mal ganz schnell den mehr oder minder geordneten, kollektiven Rückzug angetreten!😳
Stadtschweine können echt gnadenlos sein, wenn sie meinen, dass ist ihr Wald!!!