Home / Forum / Erziehung & Training / Frustationsroleranz ≠ Konzentrationsfähigkeit

Verfasser-Bild
Michele
Einleitungs-Beitrag
Anzahl der Antworten 16
zuletzt 8. Mai

Frustationsroleranz ≠ Konzentrationsfähigkeit

Hallo ihr Lieben, Ich habe vor kurzem einen alten (geschätztes Alter 13 Jahre) aus dem Tierheim adoptiert. Arbeitsrasse, dementsprechend intelligent. Hatte vorher einen Border Collie, kenne das Temperament also. Es gab bekannte Probleme, reaktiv, unverträglich mit Artgenossen und ein paar andere Kleinigkeiten. Nun zu meinem Problem, wir arbeiten natürlich an verschiedensten Dingen und mir fällt immer öfter auf, dass sobald ich Verhalten vom Hund unterbinde (teilweise auch nur durch einen Richtungswechsel ausgelöst), der Hund übersprungshandlungen zeigt und kopflos wird. Das fing an, dass er wild auf Stöcker sprang bis hin zu, dass er gegen mich tackelt, mich begrenzt und versucht teilweise sehr körperlich seinen Willen zu bekommen. Mein Problem hierbei ist, das wir egal wie reizarm die Umgebung ist, wir kaum trainieren können, weil er gefühlt keine Frustrationstolerant hat und sofort überspringt. Habt ihr Tipps wie ich daran arbeiten kann? Wie kann ich seine Toleranzschwelle steigern
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Frank
Beliebteste Antwort
7. Mai 12:51
Mit 13 Jahren lernt auch eine Arbeitsrasse nicht mehr so flott.
Ich finde du verlangst da deutlich zuviel von ihm.

Er - ein Tierheimhund(!) - muss erstmal richtig bei Dir ankommen können, das kann - je nach seiner Vergangenheit - locker paar Monate dauern - und das ist noch relativ(!), bei anderen dauerts teilweise noch deutlich länger.

Gib ihm Zeit,
meide triggernde Situationen, gehe wenig frequentierte Wege mit ihm, erstmal kurze Wege und anfangs immer die gleichen.
Mache kleine, spielerische(!) Übungen mit ihm und lobe/belohne jedes positive Verhalten, auch die welche er selbstständig zeigt.
Bleibe freundlich und gelassen, wenn was nicht klappt mache etwas das er schon kann damit ihr mit einem guten Erlebnis abschliessen könnt.


Im Forum gibts viele Info's/ Threads zu dem Thema,
Boardsuche hilft sie zu finden.
LG
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Nicole
7. Mai 11:53
Hallo Michele 👋 Wie unterbindest du denn das Verhalten? Plötzlich und unerwartet? Plötzliche Richtungswechsel haben bei uns auch zu Frust geführt, weil sie für Ernie keinen Sinn ergaben. Und ehrlich gesagt, hatte er damit ja auch recht 😅 Er hat nicht verstanden, was ich damit eigentlich bezwecken möchte. Und mal ehrlich, wie soll der Hund verstehen, dass er nicht ziehen soll, wenn man plötzlich aus dem Nichts die Richtung wechselt. Auch einfaches Stehenbleiben, wenn er gezogen hat, hat nichts gebracht. Vor Frust wurde sich dann auch eine alternative Beschäftigung gesucht (Stöckchen kauen z.B.). Ich würde tatsächlich einen anderen Ansatz probieren. Nicht bei jedem Hund funktionieren die Tipps, die man so sieht oder liest. Wir mussten auch einiges ausprobieren, bis wir miteinander kommunizieren konnten. Bei Ernie waren es Freundlichkeit, Spaß und viele Leckerlis 😅 Ich habe ein Signalwort aufgebaut, dass ich immer bei gewünschtem Verhalten sage. Danach kommt sofort eine Belohnung (Futter, Spiel o.ä.). Das Wort ist also, wie ein Klicker. Ersetzt aber nicht die Belohnung. Nicht aufgeben und viel Erfolg 🍀 Habt Spaß miteinander ☺️
 
Beitrag-Verfasser
The In
7. Mai 12:06
Hi Michele,
Klappt es denn drinnen, Frustrationstoleranz zb mit Leckerchen aufzubauen?
Ich erinnere mich an eine Übung meiner Trainerin, mit der wir auch testen konnten, wie es denn mit Impulskontrolle und Frustrationstoleranz bei unserem Hund so aussieht. Bei meinem war auch wenig bis gar nichts da 😅
Dazu nimmst du sichtbar ein Leckerchen in die Hand, schließt diese vollständig und hälst sie ihm hin. Solange er versucht die selber aufzubekommen, öffnest du sie nicht. Erst wenn er Kontakt zu dir aufnimmt, also dich zb anguckt und wartet (!) kommt ein Signalwort und die Hand geht auf.
Hier kann man viel lernen, manche Hunde versuchen die Hand auszukratzen, andere fangen frustriert an zu bellen, wieder andere "zeigen einem den Finger" und gehen weg.
Du bekommst also ein Gespür dafür, wie sehr kann er sich zusammen reißen, kann er sich überhaupt konzentrieren um zu lernen und wie sehr frustet es ihn, wenn er es nicht (sofort) bekommt?
🍀🐕
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Frank
7. Mai 12:51
Mit 13 Jahren lernt auch eine Arbeitsrasse nicht mehr so flott.
Ich finde du verlangst da deutlich zuviel von ihm.

Er - ein Tierheimhund(!) - muss erstmal richtig bei Dir ankommen können, das kann - je nach seiner Vergangenheit - locker paar Monate dauern - und das ist noch relativ(!), bei anderen dauerts teilweise noch deutlich länger.

Gib ihm Zeit,
meide triggernde Situationen, gehe wenig frequentierte Wege mit ihm, erstmal kurze Wege und anfangs immer die gleichen.
Mache kleine, spielerische(!) Übungen mit ihm und lobe/belohne jedes positive Verhalten, auch die welche er selbstständig zeigt.
Bleibe freundlich und gelassen, wenn was nicht klappt mache etwas das er schon kann damit ihr mit einem guten Erlebnis abschliessen könnt.


Im Forum gibts viele Info's/ Threads zu dem Thema,
Boardsuche hilft sie zu finden.
LG
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Michele
7. Mai 14:20
Hallo Michele 👋 Wie unterbindest du denn das Verhalten? Plötzlich und unerwartet? Plötzliche Richtungswechsel haben bei uns auch zu Frust geführt, weil sie für Ernie keinen Sinn ergaben. Und ehrlich gesagt, hatte er damit ja auch recht 😅 Er hat nicht verstanden, was ich damit eigentlich bezwecken möchte. Und mal ehrlich, wie soll der Hund verstehen, dass er nicht ziehen soll, wenn man plötzlich aus dem Nichts die Richtung wechselt. Auch einfaches Stehenbleiben, wenn er gezogen hat, hat nichts gebracht. Vor Frust wurde sich dann auch eine alternative Beschäftigung gesucht (Stöckchen kauen z.B.). Ich würde tatsächlich einen anderen Ansatz probieren. Nicht bei jedem Hund funktionieren die Tipps, die man so sieht oder liest. Wir mussten auch einiges ausprobieren, bis wir miteinander kommunizieren konnten. Bei Ernie waren es Freundlichkeit, Spaß und viele Leckerlis 😅 Ich habe ein Signalwort aufgebaut, dass ich immer bei gewünschtem Verhalten sage. Danach kommt sofort eine Belohnung (Futter, Spiel o.ä.). Das Wort ist also, wie ein Klicker. Ersetzt aber nicht die Belohnung. Nicht aufgeben und viel Erfolg 🍀 Habt Spaß miteinander ☺️
Danke für deine Antwort.

So abrupt sind die Richtungswechsel nicht.
Wir haben schon einiges probiert, weil bei ihm z.B. Druck (in dem Fall kurze Leine) zu noch mehr negativem Verhalten führt.

Es ist meist in Situationen mit anderen Hunden. Da ich weiß, dass die kurze Leine bei ihm zu mehr Aggressionen führt, bleibe ich stehen und sobald ich eine Reaktion in Form von Kopf zu mir drehen, Ohren gehen in meine Richtung, spreche ich ihn an und gehe in die andere Richtung.
Das führt eigentlich immer dazu, dass er sich eine Alternative sucht. Das bessert das Verhalten gegenüber anderen Hunden, aber er wird dann kopflos und droht sich zu verletzten (springt dann plötzlich in ein Gebüsch o.ä.)

Bei normalen Kommandos, sobald er etwas mehr als 2x machen soll, tackelt er, wirft sich hin oder geht teilweise auch mit den Zähnen dran. Egal ob das bekannte Kommandos sind oder ob wir was neues lernen.

Es ist so komisch, weil ich das nicht richtig deuten kann.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Michele
7. Mai 14:21
Hi Michele, Klappt es denn drinnen, Frustrationstoleranz zb mit Leckerchen aufzubauen? Ich erinnere mich an eine Übung meiner Trainerin, mit der wir auch testen konnten, wie es denn mit Impulskontrolle und Frustrationstoleranz bei unserem Hund so aussieht. Bei meinem war auch wenig bis gar nichts da 😅 Dazu nimmst du sichtbar ein Leckerchen in die Hand, schließt diese vollständig und hälst sie ihm hin. Solange er versucht die selber aufzubekommen, öffnest du sie nicht. Erst wenn er Kontakt zu dir aufnimmt, also dich zb anguckt und wartet (!) kommt ein Signalwort und die Hand geht auf. Hier kann man viel lernen, manche Hunde versuchen die Hand auszukratzen, andere fangen frustriert an zu bellen, wieder andere "zeigen einem den Finger" und gehen weg. Du bekommst also ein Gespür dafür, wie sehr kann er sich zusammen reißen, kann er sich überhaupt konzentrieren um zu lernen und wie sehr frustet es ihn, wenn er es nicht (sofort) bekommt? 🍀🐕
Das probieren wir aus Dankeschön
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Michele
7. Mai 14:25
Mit 13 Jahren lernt auch eine Arbeitsrasse nicht mehr so flott. Ich finde du verlangst da deutlich zuviel von ihm. Er - ein Tierheimhund(!) - muss erstmal richtig bei Dir ankommen können, das kann - je nach seiner Vergangenheit - locker paar Monate dauern - und das ist noch relativ(!), bei anderen dauerts teilweise noch deutlich länger. Gib ihm Zeit, meide triggernde Situationen, gehe wenig frequentierte Wege mit ihm, erstmal kurze Wege und anfangs immer die gleichen. Mache kleine, spielerische(!) Übungen mit ihm und lobe/belohne jedes positive Verhalten, auch die welche er selbstständig zeigt. Bleibe freundlich und gelassen, wenn was nicht klappt mache etwas das er schon kann damit ihr mit einem guten Erlebnis abschliessen könnt. Im Forum gibts viele Info's/ Threads zu dem Thema, Boardsuche hilft sie zu finden. LG
Ich habe nicht das Gefühl, dass er noch ankommen muss.

Man muss dazu aber sagen, dass er vor der Adoption schon wochenlang zum Probewohnen hier war.

Ich bin allerdings kein Fan davon, dem Hund keine Regeln oder weniger Regeln zu geben, weil er eine schlechte Vergangenheit hat.

Er muss einen Rahmen haben, bei dem ich klar und konsequent bin, damit er sich daran orientieren kann.

Und mir geht es nicht darum, dass er auf Grund der Arbeitsrasse viel lernt, sondern dass er vom Kopf und körperlich andere Ansprüche an Auslastung hat und da bin ich ehrlich, durchaus auch so intelligent ist, Schwächen bei mir zu erkennen und zu nutzen 😅
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Maria
7. Mai 15:17
Ich Trainiere mein XHerder öffter das hier,Ich binde ihm fest und packe eine Sache was ehr sehr Mark genau so nah zu ihm aber ehr kann ess nicht nehmen.wenn ehr dann errget wann das Ding ignoriert nehme ich das und packe ess Weck.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Frank
7. Mai 17:53
Ich habe nicht das Gefühl, dass er noch ankommen muss. Man muss dazu aber sagen, dass er vor der Adoption schon wochenlang zum Probewohnen hier war. Ich bin allerdings kein Fan davon, dem Hund keine Regeln oder weniger Regeln zu geben, weil er eine schlechte Vergangenheit hat. Er muss einen Rahmen haben, bei dem ich klar und konsequent bin, damit er sich daran orientieren kann. Und mir geht es nicht darum, dass er auf Grund der Arbeitsrasse viel lernt, sondern dass er vom Kopf und körperlich andere Ansprüche an Auslastung hat und da bin ich ehrlich, durchaus auch so intelligent ist, Schwächen bei mir zu erkennen und zu nutzen 😅
Also erstmal meinen Respekt dass du dich für diesen Hund entschieden hast. 🌻

Ich verstehe was du meinst und finde deine Zielvorgabe auch richtig.
Nur finde ich, du fängst auf einem viel zu hohen Level an.
Solange er im "Erregungs-Tunnel" ist oder so schnell hochdreht kann er nicht lernen, das erzeugt nur weiteren Frust.
Deswegen:
Meide erstmal aufregende Trigger, möglichst keine Hundebegegnungen, nichts was ihn hochdrehen lässt.
Beginne mit den Basic's, Ruhe, Vertrauen, Frusttoleranz, erstmal wirklich kleine Übungen die er auch bewältigen kann.

LG
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Karin
7. Mai 20:00
Hi, wir haben die meisten Erfolge erzielt indem wir aus einer größeren Distanz heraus geübt haben. Meistens sind wir auf eine Anhöhe von wo aus wir einen weiten Fernblick hatten. Dort hab ich mich mit Roxy nieder gelassen und einfach nur gemeinsam beobachtet. Gleichzeitig haben wir den Blick zu mir aufgebaut. Als das gut klappte haben wir die Distanz zum " Feind" verringert. Blieb sie ruhig, schaute mich an...hab ich gelobt und belohnt. Hat sie Rabatz gemacht haben wir die Distanz wieder vergrößert. Das hat echt super geklappt. Auch hat Roxy mich aus Frust immer seltener attackiert und mehr meinen Blick gesucht, also raus aus dem Tunnel. So wurde sie ansprechbar und wir konnten ruhig zur Seite treten oder sogar verschiedene Sachen wie drehen, Sitz, Platz ...👍
Das kannst du super ausprobieren denn selbst wenn es bei euch nichts bringen sollte, so macht man das Problem damit nicht schlimmer. 🤷‍♀️👋
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Lisa-Eileen
7. Mai 23:50
Ich habe nicht das Gefühl, dass er noch ankommen muss. Man muss dazu aber sagen, dass er vor der Adoption schon wochenlang zum Probewohnen hier war. Ich bin allerdings kein Fan davon, dem Hund keine Regeln oder weniger Regeln zu geben, weil er eine schlechte Vergangenheit hat. Er muss einen Rahmen haben, bei dem ich klar und konsequent bin, damit er sich daran orientieren kann. Und mir geht es nicht darum, dass er auf Grund der Arbeitsrasse viel lernt, sondern dass er vom Kopf und körperlich andere Ansprüche an Auslastung hat und da bin ich ehrlich, durchaus auch so intelligent ist, Schwächen bei mir zu erkennen und zu nutzen 😅
Ist auch richtig so.