Beitrag von Karin & Nuka
in Gruppe "Reisen_mit_Hund"

Seit März haben meine Menschen jetzt dieses grosse weisse Ding vor dem Haus stehen. Wohnmobil nennen sie es. Ich nenne es: „Die fahrende Snack- und Abenteuerkiste.“ Am Anfang war ich ehrlich gesagt nicht ganz sicher, was genau der Plan ist. Plötzlich liefen meine Menschen ständig mit Kabeln, Kisten, Taschen und sehr wichtigen Gesichtern herum. Und jedes Wochenende hörte ich neue Sätze wie: „Haben wir den Stromadapter?“ „Ist der Wassertank voll?“ „Wo ist die Auffahrkeile-Tasche?!“ Keine Ahnung was das alles bedeutet. Aber ich habe schnell verstanden: Wenn die Menschen anfangen hektisch Schränke zu öffnen, dann passiert etwas Gutes. Mittlerweile merke ich schon Tage vorher, wenn Camping bevorsteht. Da reicht ein einziges Geräusch. Zum Beispiel wenn die Kaffeemaschine plötzlich verschwindet. Oder wenn meine Leinen bereitgelegt werden. Dann stehe ich sofort daneben und kontrolliere alles persönlich. Nicht weil ich misstrauisch bin. Sondern weil meine Menschen manchmal gefährlich nahe daran sind, wichtige Dinge zu vergessen. Zum Beispiel mich. Darum laufe ich dann demonstrativ zwischen ihren Beinen durch, starre sie an und setze mich mitten vor die Eingangstür. Nur damit alle Beteiligten verstehen: „Die Lagotto-Dame reist selbstverständlich mit.“ Das Mitfahren war am Anfang schon speziell. Das Wohnmobil ist gross. Es bewegt sich anders. Es macht andere Geräusche. Und bei jeder Kurve denkt man kurz: „Interessante Entscheidung vom Fahrer.“ Aber meine Menschen haben dann dieses berühmte Podest gebaut. Ich glaube, dieses Ding wurde ungefähr achtzigmal umgebaut. Mal höher. Mal tiefer. Mal mit Matte. Mal ohne Matte. Zwischendurch sah es aus wie ein kleines Ikea-Projekt kurz vor dem emotionalen Zusammenbruch. Aber jetzt? Perfekt. Ich kann rausschauen, mitfahren und alles überwachen. Sehr wichtig. Vor allem Kreisverkehre beobachte ich genau. Da verlieren Menschen manchmal komplett die Orientierung. Campingplätze finde ich grundsätzlich super. Viele Hunde. Viele Gerüche. Viel Wasser. Also praktisch Disneyland für Lagottos. Nur hatte ich anfangs das Gefühl, dass dort niemand genug aufpasst. Darum habe ich versucht, den Platz akustisch etwas mitzuorganisieren. Hund läuft vorbei? „Wuff.“ Velofahrer? „Wuff.“ Autotür? „Wuff.“ Blatt bewegt sich leicht im Wind? Man weiss ja nie. Meine Menschen nennen das „zu viel bellen“. Ich nenne das Sicherheitsmanagement. Aber ich gebe zu: Mittlerweile bin ich entspannter geworden. Man muss nicht mehr jede Bewegung kommentieren. Manche Dinge lösen sich offenbar tatsächlich ohne meine Hilfe. Persönlich finde ich das zwar organisatorisch fragwürdig — aber gut. Das Beste am Camping ist sowieso das Essen. Zu Hause ist das Essen okay. Wirklich. Aber im Wohnmobil entwickeln meine Menschen plötzlich ganz andere Qualitäten. Da wird gegrillt. Da fällt mal Fleisch runter. Da gibt es Snacks draussen. Da riecht alles nach Abenteuer und Abendessen gleichzeitig. Ich habe inzwischen verstanden: Camping macht Menschen grosszügiger. Besonders schön finde ich auch die grossen Laufrunden. Morgens riesige Schnüffelrunde. Abends nochmal Abenteuerprogramm. Wasser. Wald. Wiesen. Neue Wege. Neue Hunde. Mein Gehirn arbeitet da auf Hochleistung. Ich analysiere Gerüche, kontrolliere Uferzonen und trainiere gleichzeitig weiter für die inoffizielle Lagotto-Schwimm-WM. Leider endet das oft mit der Abenddusche. Die Menschen behaupten dann Dinge wie: „Nuka… du stinkst nach See.“ Oder: „WARUM bist du komplett schwarz an den Pfoten?!“ Ganz ehrlich? Camping bedeutet Freiheit. Und Freiheit riecht manchmal halt leicht nach Sumpf. Was nachts passiert, verstehe ich übrigens selbst nicht ganz. Zu Hause schlafe ich niemals im Bett. Wirklich nie. Ich habe Stil. Eigene Plätze. Klare Regeln. Im Wohnmobil dagegen… Keine Ahnung was dort passiert. Sobald wir auf dem Campingplatz stehen, werde ich plötzlich zu einem kleinen Kuschel-Lagotto. Dann liege ich mitten im Bett. Quer natürlich. Meine Menschen haben kaum noch Platz, aber das scheint irgendwie trotzdem akzeptiert zu sein. Camping verändert Menschen. Und offenbar auch Hunde. Wenn wir dann wieder nach Hause kommen, bin ich jeweils komplett erledigt. Meine Menschen sagen dann: „Nuka braucht immer zwei Tage Ruhe danach.“ Natürlich brauche ich Ruhe. Ich habe schliesslich: • den Campingplatz überwacht • mehrere Gewässer kontrolliert • neue Gerüche analysiert • Menschen organisiert • Essen getestet • Hunde begrüsst • und emotional sehr viel gearbeitet Camping ist kein Urlaub. Camping ist Hochleistungssport für Lagottos. 🤎

Tierisch gut
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