Nuka gegen die Nordsee Teil 3 …Nach so einem Strandtag könnte man jetzt meinen, meine Menschen würden endlich verstehen, was so ein Arbeitstag mit einem Hund macht. Ich bin schliesslich nicht einfach spazieren gegangen. Ich habe Wellen bekämpft, Möwen beschäftigt, Kaninchen überwacht, den Strand umgestaltet, die Dünen kontrolliert, den See inspiziert und nebenbei noch einen verlorenen Ball gefunden. Ehrlich gesagt weiss ich gar nicht, wie ich das alles an einem einzigen Tag schaffe. Da versteht sich doch von selbst, dass so ein Hochleistungssportler entsprechend versorgt werden muss. Meine Menschen behaupten tatsächlich, ich bekäme hier sogar mehr Futter als zuhause. Morgens gibt es mein Frühstück. Zwischendurch zwei Snacks. Abends wieder eine grosse Portion. Angeblich sogar etwas mehr als sonst, weil ich mich am Strand so viel bewege. Das klingt auf den ersten Blick gar nicht schlecht. Auf den zweiten allerdings auch nicht. Auf den dritten schon gar nicht. Trotzdem bin ich überzeugt, dass da irgendwo ein Rechenfehler passiert sein muss. Die Menschen rechnen nämlich nur das Futter. Ich rechne den Energieverbrauch. Und der ist gewaltig. Allein das Rennen den Möwen hinterher müsste mindestens einen zusätzlichen Napf rechtfertigen. Die Kaninchen kommen noch obendrauf. Das Buddeln ist körperliche Schwerstarbeit. Und gegen die Wellen anzukämpfen ist sowieso Hochleistungssport. Ich finde deshalb, dass ich mich angesichts der vorhandenen Futtermenge erstaunlich professionell verhalte. Andere Hunde hätten längst eine Beschwerde eingereicht. Kaum bin ich dann satt, denke ich jedes Mal, jetzt kann der Feierabend beginnen. Aber nein. Meine Menschen haben noch einen Programmpunkt. Duschen. Nur weil ich ein bisschen Sand mitgebracht habe. Ein bisschen. Gut… vielleicht etwas mehr. Aber der gehört doch inzwischen zu mir. Den habe ich den ganzen Tag sorgfältig gesammelt. Zwischen den Pfoten, am Bauch, im Bart und sogar hinter den Ohren. Das passiert nicht einfach so. Dafür muss man sich richtig Mühe geben. Man wälzt sich, buddelt, rennt durch trockenen Sand und springt wieder durchs Wasser. Das ist stundenlange Feinarbeit. Und dann stellen mich meine Menschen einfach unter die Dusche. Der ganze Sand verschwindet. Einfach so. Ich schaue zu, wie mein kompletter Arbeitstag den Abfluss hinunterläuft. Das ist ungefähr so, als würde jemand den ganzen Tag ein Bild malen und es am Abend wieder weiss überstreichen. Ich verstehe wirklich nicht, warum meine Menschen das jeden Abend machen. Am nächsten Morgen sammle ich den Sand doch sowieso wieder ein. Eigentlich könnten wir uns diese ganze Aktion sparen. Aber gut… Menschen haben manchmal einfach seltsame Hobbys. Ich lasse sie dann jeweils in dem Glauben, sie hätten gewonnen. Insgeheim weiss ich aber längst, wer am nächsten Morgen wieder als Erste am Strand steht und mit Begeisterung den ersten Sand zwischen den Pfoten hat. Nämlich ich. 😄


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