Ob Zucht aus Hundesicht überhaupt als ,,gut" eingestuft werden kann ist halt eine Frage auf die es nur ein ,,kommt drauf an" als Antwort geben kann. Ich denke jeder Hund wäre froh wenn er dank Zucht in einem gesunden geistigen und körperlichen Zustand ist. Ob ein Hund der weniger auf Leistung gezüchtet wird glücklicher ist kann ich nicht beurteilen. Was bringt es den Hund wenn er sich super regulieren kann aber wegen der fehlenden Leistungsfähigkeit gefrustet ist? Das Verhältnis muss halt ausgewogen sein und das ist tatsächlich gar nicht so leicht.
Ja und dieses „Es kommt darauf an“ ist für mich eigentlich das Spannungsfeld zwischen Zucht und Natur.
Natürlich kann Zucht aus Sicht des Hundes etwas Gutes hervorbringen. Gesundheit, körperliche Stabilität, gutes Wesen und all das kann für einen Hund ein Gewinn sein. Und natürlich kann ein Hund auch Bedürfnisse haben, die durch bestimmte Arbeitsanlagen erfüllt werden.
Aber mit Zucht verändern wir Natur gezielt nach menschlichen Vorstellungen und machen sie für menschliche Zwecke nutzbar. Und dadurch entsteht für mich eine besondere Verantwortung gegenüber dem Lebewesen, in dessen Genetik der Mensch eingreift.
Wird eine Eigenschaft verstärkt, weil wir sie brauchen oder attraktiv finden, sollten Menschen sich fragen MÜSSEN, was diese genetische Ausstattung für den Hund/das Tier bedeutet.
Und genau diese Frage, mit diesem Fokus vermisse ich häufig.
Dein Beispiel mit dem weniger leistungsfähigen Hund und möglicher Frustration finde ich übrigens interessant. Denn natürlich kann auch Unterforderung ein Problem sein. Aber dann müsste das Zuchtziel doch eigentlich sein, einen Hund hervorzubringen, der Bedürfnisse hat, die er in einem realistischen Leben auch befriedigen kann und nicht immer leistungsfähiger zu werden und anschließend den einen Menschen zu suchen, der diese Leistung irgendwie abfordern kann. (Was mMn immer noch nicht heißen muss, dass es dem Hund tatsächlich „gut geht“ mit seiner Genetik)
Ich möchte nicht die Natur möglichst gut für unsere Zwecke optimiert haben. Ich finde eher, sobald wir sie bewusst verändern, müssen wir uns fragen, ob die Veränderung auch aus Sicht des Lebewesens vertretbar ist - ein Perspektivwechsel wäre nötig.
Und da habe ich tatsächlich das Gefühl, dass wir diese Frage in der Zucht häufig erst stellen, wenn das Kind schon im Brunnen liegt.