Nachdem ich hier nun wieder ein bisschen mitgelesen habe, gebe ich auch mal meinen Senf dazu.
Wir sind hier in den Thread gekommen und ich war direkt begeistert von der Idee hinter dem Ganzen - der freundliche Umgang mit dem Hund, bei dem seine Natur respektiert und ein gemeinsamer Weg gegangen wird. Gemeinsam erleben statt gegeneinander zu arbeiten und alte, eingeschliffene Erwartungen ("so muss Gassi ausehen") durch etwas Positives, Neues ersetzen.
Das hat auch im Umgang mit Lucys Jagdverhalten direkt und unvermittelt Erfolge gezeigt, hauptsächlich wahrscheinlich, weil ich mich weniger verkrampft und weniger gestresst habe, Lucys starken Jagdtrieb und ihren Gesang weniger dramatisch sondern eher als natürlich angesehen habe.
Soweit, so gut. Wir gingen gemeinsam auf Spurensuche, haben Wild mal mehr und mal weniger ruhig beobachtet. Lucy hat das Vorstehen perfektioniert und ich konnte den Zeitraum von Anzeigen bis losbollern gut verlängern, sodass Zeit zum Handeln bleibt. ABER!
Wir sind mittlerweile an einem Punkt, an dem ich wieder umdenken muss. Lucy findet so viel Gefallen an der gemeinsamen Jagd, dass es nunmehr nur noch ums Wild erspähen oder Fährte finden geht. Sie scannt inzwischen permanent die Umgebung, zeigt alles und jeden an und steigert sich so von Mäuseloch zu Rehspur immer weiter rein, bis das Ganze mit in der Leine hängen und kreischen eskaliert, wie es davor nur ganz am Anfang unserer gemeinsamen Zeit eskaliert ist, als Lucy noch ein halbwilder Tierschutzhund war. Gehen wir gemeinsam mit anderen Hunden spazieren, ist die Reizschwelle quasi nicht mehr existent.
Freilauf gestaltet sich so als höchst riskant und geht nur noch in Ausnahmefällen- dabei haben wir beide die Zeit ohne Leine eigentlich immer besonders genossen. Leider ist da aber irgendwie der Fokus verrutscht.
Das, was Michi da mit Müsli hat, hätte ich gerne! Ohne Leine im vorher gesteckten Rahmen freundschaftlich gemeinsam unterwegs sein und erleben. Die Leine an sich ist ja eigentlich auch ein Abbruch. Ob nun ein "Nein" oder die Leine den Hund stoppt, ist ja eigentlich Wurst. Ohne Leine ist aber nunmal einfach schöner 🫠
Ich bin also dazu übergegangen, nicht mehr das Beobachten zu loben, sondern das Abwenden vom Wild zu mir hin.
Beobachtet sie ruhig, lasse ich sie das unkommentiert tun - springt sie in die Leine und wird hysterisch, nehme ich sie einfach mit in die andere Richtung, bis sie den Reiz nicht mehr sehen und sich wieder beruhigen kann. Danach darf sie dann gerne an der frischen Fährte schnüffeln, sie bleibt dann auch ruhiger und achtet wieder mehr auf mich, ist wieder ansprechbar und kann sogar Futter nehmen.
Es mag sein, dass wir den Ulliweg damit wieder verlassen haben. Vielleicht sind wir ihn auch nie richtig gegangen.
Wie Michi schon schrieb, jedes Hund und Halter Team ist individuell und kann in kein starres Konzept gepresst werden.
Ich werde mir nach wie vor die Rosinen aus dem Gesamtpaket picken, die zu uns passen - der "richtige" Ulliweg funktioniert bei uns leider nicht.