Home / Forum / Spaß & Tratsch / Suche nach Gleichgesinnten. "Männchen oder Weibchen"

Verfasser
Tina
Einleitungs-Beitrag
Anzahl der Antworten 62
zuletzt 27. Juni

Suche nach Gleichgesinnten. "Männchen oder Weibchen"

Ich suche bewusst nach "älteren" Hundebesitzern. Kennt ihr die Zeiten, in denen man auf Entfernung kommuniziert habt? Weibchen oder Männchen? Kontakt ja oder nein. Zeiten ohne Hilfsmittel. Der Hund hat in der Familie gelebt. Ohne großartiges Training. Hundekontakt an der Leine war normal. Ruhe musste man nicht beibringen. Man ist eh permanent in der Natur unterwegs. Hund ruht automatisch zu Hause. Hund lief nebenbei. Der Hund war geliebtes Familienmitglied. Der Hund hatte viel Freiheiten, Grenzen wurden aber bewusst gesetzt. Gibt es Euch noch? Natürlich hat der Hund im Bett geschlafen.
 
Beitrag-Verfasser
Tina
27. Juni 08:18
Ich kenne vieles davon auch noch aus Nachbarschaft, Familie und Bekanntschaft von früher. Das sind einige nette Rosinen, die da früher so am Start waren im Eingangstext. Dazu gehörte aber auch, dass der sicher geliebte Hund zwar einfach mitlief und man sich halt so aus dem Bauch raus beschäftigt hat, aber eben auch die Zeitung zusammenrollte, wenn er nicht spurte, ihn wenn er nicht automatisch ruhte ins Badezimmer sperrte etc. (macht meine ältere Nachbarin heute noch). Selbst danwo keine Zeitung zum Einsatz kam, wurde mindestens gebrüllt und an der Leine geruckt. Auch Oma mit der Flexi hat den Kleinhund geschimpft und geruckt. Vergisst man nur schnell, dass da früher nicht so viel auf "die Sicht des Hundes verstehen" gegeben wurde (war ja bei der Kindererziehung nicht anders). Hühnerknochen gab es gekocht aus der Suppe, das jagen der Nachbarskatze wurde belacht anstatt unterbunden (sind ja Hunde, die machen sowas) und Frolic mit den künstlichen Farbstoffen war bei jeder Omi Pflicht (kennt ihr noch die Haufen der "Frolic Hunde"? Ziegelrot, ein Traum). Früher hat sich auch eher nur der Jäger den Jagdhund geholt, in andere Hände kamen nur die unbrauchbaren. Übrigens ähnlich auch der erste Collie einer Bekannten - der wurde verschenkt, weil die Halskrause "zu hässlich" war. Also ich weiß ja nicht, worauf der Thread abzielt. Ich freue mich über jeden alten Hasen, der sein Bauchgefühl zwar hat, aber diverse alte Vorgehensweisen gerne mal überdenkt. War halt nicht alles toll oder sinnig und auch nicht so wild romantisch. Und heute ist es mit Training und Hilfsmitteln auch nicht schlechter. Ich wäre damals jedenfalls dankbar gewesen, wenn nicht jeder Hinz und Kunz seinen Fifi zu meinem zwar ach sooo schönen, aber unverträglichen Gassihund gelassen hätte. Da musste er jedes Mal erstmal steil gehen und ich als Teenie in den Seilen hängen, damit mir das geglaubt wurde. Warum bin ich als Teenie mit nem gern mal griffigen Fremdhund gegangen? Weil man das damals einfach so erlaubt hat, ohne drüber nachzudenken 😅 Hach, das waren Zeiten 🙃. Dieser Hund musste übrigens regelmäßig lange in Flur und Garten sein, weil er zu laut war. Also für die Ohren der Familie. Wie die Nachbarn und Passanten das im Garten fanden war egal. Vielleicht sogar auch allen irgendwie. Vermeintlich entspannt für die Gesellschaft, aber nicht toll für den Hund. Also ja, früher waren manche Dinge entspannter - aber andere dafür aversiver. Was heute der verwöhnte, verweichlichte Kindersatz ist (und darunter leidet) war früher der gegängelte (Gebrauchs)hund (der genau so gelitten hat, nur anders). Also Bauchgefühl von früher mitnehmen und mit Wissen von heute kombinieren, das wäre gut 👍
Die gute alte Zeitung. 😀 Die Methode hat meine Großmutter klug abgewandelt: "Wenn der Welpe ins Haus pinkelt, roll' die Zeitung zusammen und schlag dir kräftig auf den Kopf. Du hast gepennt!"
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Thomas
27. Juni 08:26
Hund im Bett - am Fußende - gab es hier nur zu Zeiten des 9 kg Terriers. Die nachfolgenden Hunde waren dann doch zu groß und haarten zu viel und bei Vieren gleichzeitig hätte das zu echten Platzproblemen geführt...

Kontakt an der Leine ist für uns etwas ganz Normales, Undramatisches. Ebenso haben wir kein Problem mit unangeleinten Hunden, die Kontakt aufnehmen.

Nebenher lief hier allerdings noch nie ein Hund, alle waren bewusst angeschafft und geschätzte Familienmitglieder, auf die auch entsprechend geachtet und Rücksicht genommen wurde.

Die zugestandenen Freiheiten ergaben sich aus den jeweiligen Lebensumständen: Lenchen (Rauhaardackel in den 70er/80er) profitierte vom Leben in eher ländlicher Umgebung mit mehr Freilauf, Bobby (Welsh-Terrier in den 80er/90er) lebte mit in Berlin mit den dort notwendigen Einschränkungen. Die fünf anderen hatten/haben dann soviel Freiheiten, wie es ihr Verhalten ermöglicht. Ben (Westsibirischer Laika) konnte abseits von Strassen meist frei laufen, Sonja (Schafpudel) und die Huskys leider nicht - da war der Jagdtrieb zu präsent und wir leben am grünen Stadtrand von Berlin in einer Wildschwein- und wildreichen Gegend.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Arinka
27. Juni 09:20
Ja uns gibt's es noch, allerdings haben meine Hunde weder vor 40 Jahren noch jetzt in meinem Bett geschlafen ;-)
Bei uns auf dem Land gibt es noch ganz viele Gleichgesinnte, ich staune immer was man aus anderen Gegenden so alles liest und hört.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Sonja
27. Juni 09:48
Natürlich war früher nicht alles besser, da gebe ich dir vollkommen recht. Das mit der Zeitung kenne ich auch - einfach schlimm! Wurde aber bei uns zu Hause, bei unserem Familienhund auch nicht praktiziert. Deinen letzten Satz finde ich richtig gut! Ich glaube aber leider, dass manche Menschen durch das "Wissen", das überall und von jedem verbreitet wird und sich oft widerspricht, völlig verunsichert sind.
Ja, da ist wieder das Problem "Wissen" und "Meinung". Vieles, was in Social Media (und auch in so mancher HuSchu) verbreitet wird ist mehr Meinung als alles andere. Irgendwo am Boden mag ein wahrer Kern sein, aber...
Es ist echt Fluch und Segen zugleich. Wir haben Zugriff auf sämtliche Informationen. Aber kaum einen passenden Filter das alles einzuordnen. Und leider wird von übergeordneten Instanzen auch alles durch gelassen. Ist ja Meinungsfreiheit. Das ist ja auch gut so, aber dennoch ist nicht jede Meinung auch gleich fundiert und zum nacheifern. Mag sie auch noch so gekonnt propagiert werden.
Da war es wirklich schöner, als Ratgeber noch von echten Experten verfasst wurden und erstmal den Verlag passieren mussten.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Arinka
27. Juni 09:53
Ja, da ist wieder das Problem "Wissen" und "Meinung". Vieles, was in Social Media (und auch in so mancher HuSchu) verbreitet wird ist mehr Meinung als alles andere. Irgendwo am Boden mag ein wahrer Kern sein, aber... Es ist echt Fluch und Segen zugleich. Wir haben Zugriff auf sämtliche Informationen. Aber kaum einen passenden Filter das alles einzuordnen. Und leider wird von übergeordneten Instanzen auch alles durch gelassen. Ist ja Meinungsfreiheit. Das ist ja auch gut so, aber dennoch ist nicht jede Meinung auch gleich fundiert und zum nacheifern. Mag sie auch noch so gekonnt propagiert werden. Da war es wirklich schöner, als Ratgeber noch von echten Experten verfasst wurden und erstmal den Verlag passieren mussten.
Das sehe ich auch so, und gleichzeitig geht auch der gesunde Menschenverstand verloren.
In meiner Anfangszeit gab es noch lange keine Hundeschulen. Man hat sich allenfalls ein Buch gekauft oder war im Hundeverein.

Die heutigen Hundeschulen springen ja gern auf jeden Zug auf und machen "Probleme" der Hundehalter oft eher noch größer.

Ich glaube man sollte zuallererst in sich hinein hören und sein Bauchgefühl befragen, wenn es mal Schwierigkeiten gibt. Ich habe nichts dagegen sich Hilfe zu holen, aber wie soll ein Neuling beurteilen können, was gut ist.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Carola
27. Juni 09:56
Ja, da ist wieder das Problem "Wissen" und "Meinung". Vieles, was in Social Media (und auch in so mancher HuSchu) verbreitet wird ist mehr Meinung als alles andere. Irgendwo am Boden mag ein wahrer Kern sein, aber... Es ist echt Fluch und Segen zugleich. Wir haben Zugriff auf sämtliche Informationen. Aber kaum einen passenden Filter das alles einzuordnen. Und leider wird von übergeordneten Instanzen auch alles durch gelassen. Ist ja Meinungsfreiheit. Das ist ja auch gut so, aber dennoch ist nicht jede Meinung auch gleich fundiert und zum nacheifern. Mag sie auch noch so gekonnt propagiert werden. Da war es wirklich schöner, als Ratgeber noch von echten Experten verfasst wurden und erstmal den Verlag passieren mussten.
Welche übergeordneten Instanzen meinst du? Zensur? Es soll ja auch noch Leute geben die ohne betreutes denken durchaus passend und unpassend unterscheiden können. Und ja viele Wege führen nach Rom
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Anna
27. Juni 10:20
Nun ja! Früher war auf jeden Fall nicht alles besser und wenige Menschen haben sich wirklich mit Hunde Kommunikation beschäftigt. Das gute war dass es einfach weniger Hunde gab. Vor 40 Jahren nahm ich meinen 60 kg Leonberger mit auf den Spielplatz, der wartete neben den Kinderwagen bis wir fertig waren und niemand hat sich darüber aufgeregt. Natürlich wurde der Spielplatz nicht als Hundeklo verwendet und alles war gut. Und nein er durfte nicht im Bett schlafen dazu war er nämlich zu groß! Der Hund war zwar ein Familienmitglied aber nicht das goldene Kalb und dass man herumtanzte. Manche konnten ihre Hunde erziehen und manche nicht fast so wie heute. Auch 15 Jahre später in den 90er Anfang der 2000er Jahre war vieles einfacher aber auch die Erziehungsmethoden waren anders als heute und Hundeschulen gab es zu dieser Zeit schon. Dennoch war der Hund immer noch nicht Kind Ersatz und das goldene Kalb sie hatten auch da noch wesentlich mehr Freiheiten und man kam nicht auf die Idee alles für den Hund zu regeln. Vieles durften die Hunde untereinander regeln- das ging aber nicht immer freundlich ab und trotzdem haben sie überlebt und zu ernsthaften Verletzungen kam es fast nie. Auch zu dieser Zeit war der Hund eben der Hund und ein Familienmitglied und nicht das goldene Kalb. Und nein auch dieser Hund durfte nicht in meinem Bett schlafen! Seit Corona hat sich aber viel verändert und heute erscheint es mir schon teilweise so dass der Hund der Nabel der Welt geworden ist und sogar die Familie zuliebe des Hundes vernachlässigt wird. Hundeschulen gibt es reichlich-gute und schlechte- aber viele Menschen merken nicht dass sie es mit einem Lebewesen zu tun haben sondern sind überrascht das Kötilein auch manchmal eigene Ideen entwickelt. Obwohl man doch so schön alles für ihn regelt! Viele Hunde haben überhaupt keine Chance mehr Sozialkompetenz zu erlernen, da ihnen jedweder Kontakt zu Artgenossen verweigert wird und sie kaum mehr Freiheiten haben. Sie sind das goldene Kalb und das ständig herumgetanzt wird und die eigenen Ängste und Defizite auf den armen Hund übertragen werden und dann wundert man sich dass es Probleme gibt! Natürlich trainiere und erziehe ich meine Hunde anders als vor 40 Jahren denn es gibt neue Erkenntnisse, neue Methoden und vieles ist durchaus hundegerechter und positiver. Das finde ich auch gut und man kann ja auch viel daraus machen. Natürlich sind sie Familienmitglieder wie ihre Vorgänger nur dass sie heute ein wenig anders erzogen werden und natürlich auch mit einer wesentlich größeren hundedichte klarkommen müssen. Und ja sie haben viel Freiheit und sie dürfen Hund sein und ich regele auch immer noch nicht alles für meine Hunde! Und nein immer noch dürfen meine Hunde nicht in meinem Bett schlafen (nur ausnahmsweise, wenn wir unterwegs sind)! Nach wie vor lebe ich mit meinen Hunden und nicht für meine Hunde, ich analysiere nicht alles, ich pathologisiere nicht alles sondern ich respektiere sie so wie sie sind- Erziehung ist natürlich wie bei allen vorherigen Hunden ein Muss. Tja ich glaube ich bin doch schon älter😂
So gut geschrieben!
Bravo 👏
 
Beitrag-Verfasser
Anita
27. Juni 10:39
Meine Antwort kurz und knapp bei der Hitze.Ich bin 3 Jahre älter wie du also brauche ich nichts mehr schreiben du hast schon alles geschrieben.Stop!!! Paul darf bei mir schlafen aber ist auch kleiner.
LG.Anita
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Angelika
27. Juni 10:41
Ich frage zwar auch Weiberl oder Manderl, aber eigentlich ist das bei meiner Hündin egal, sie mag oft Weiberl lieber, da die nicht so aufdringlich sind hinten. Bei ihr kommt es eher auf Rasse und auftreten des Hundes an, ob sie ihn mag oder nicht…
Und ja meine darf ins Bett und auf die Couch. Und wenn es möglich ist, ist sie überall dabei, außer es ist Stress für sie oder so…
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Mel und
27. Juni 10:50
Da wird die Vergangenheit extrem romantisiert und eine "Früher war alles besser"Nostalgie bedient, die an der Realität doch wohl völlig vorbeigeht.
Wenn ich das schon lese: "Hundekontakt an der Leine war normal" ja, mag sein, aber das führte damals ganz genauso zu Frust, Leinenaggression und Beißereien wie heute! Nur hat man das damals eben mit einem lockeren „Das machen die unter sich aus“ abgetan.
Und hinter dem netten Satz „Grenzen wurden bewusst gesetzt“ versteckte sich früher doch ganz oft ein verdammt grober Umgang. Leinenruck, Alphawürfe oder noch Schlimmeres waren an der Tagesordnung, weil man es schlicht nicht besser wusste oder sich keine Platte um Gewaltfreiheit gemacht hat.

Dass man damals gefühlt weniger trainieren musste, lag doch nicht daran, dass die Hunde "besser" oder entspannter waren, sondern weil die Umwelt eine völlig andere war:
Es gab deutlich weniger Verkehr, weniger dicht besiedelte Flächen und nicht an jeder Ecke fünf andere Hunde auf engstem Raum.

Heute wird von einem Hund erwartet, dass er als perfekter Begleiter im Café, im Büro und in der vollgestopften Innenstadt funktioniert.. Dass man da heute eben Wert auf Ruhe und Deckentraining legt, ist eine logische Anpassung an unser modernes Leben und kein alberner "Modetrend".

In der Realität bedeutete dieses "Nebenbeilaufen" damals nämlich auch total oft: schlechtere medizinische Versorgung, null Verständnis für die tatsächlichen, individuellen Bedürfnisse des Hundes und oft genug ein einsames Leben im Zwinger oder auf dem Hof. Das hat mit der gemütlichen Couch und Bett Romantik, die in dem Beitrag beschworen wird, absolut nichts zu tun.
Kurz gesagt: Heute wissen wir einfach viel mehr über Hundeverhalten, und echten Tierschutz. Dieses Wissen zu nutzen, ist kein Fortschrittswahn, sondern einfach nur fair underen Hunden gegenüber.