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Ekath
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zuletzt 3. Mai

Plötzlich (wieder) unkontrollierbaren Jagdtrieb

In der Hoffnung, dass jemand Tipps hat und vielleicht ähnliches erlebt habt. Wir haben unserer Tierschutzhündin seit etwa über 2 Jahren. Sie wird Ende des Jahres 4. Ich habe von Anfang an super viel Arbeit in den Freilauf gesteckt. Leinenführigkeit war mir nie so wichtig. Ich wollte einen Hund, den ich quasi immer frei laufen lassen kann. Wir haben sehr viel geübt. Sie macht gerne Tricks und lernt auch neue Tricks auf dem Spaziergang. Mittlerweile sind wir bei über 30 Kommandos, die sie sicher beherrscht. Die (Rück-) Orientierung klappte bis Anfang des Jahres auch problemlos. Ebenso der Rückruf. Sie schaut sich normaler im Radius von 5-6 Metern um mich herum immer um und kommt auch regelmäßig ohne Kontaktaufnahme zu mir zurück. Ich weiß, dass sie Jagdtrieb hat. In den ganzen zwei Jahren vorher ist sie aber nur zweimal in ein Feld und dann stehen geblieben. Sie durfte von Anfang an nur hinter oder vor auf dem Weg laufen. Geschäft erledigen am Wegesrand, aber niemals vom Weg runter. Impulskontrollübungen (Sitzen bleiben auf der Bewegung, Futter/ Leckerli erst nach Freigabe nehmen, Apportieren) machen wir auch. Seit diesem Jahr ist das anders, richtig schlimm seit zwei-drei Wochen. Sie nimmt eine Fährte auf oder hört was rascheln und weg ist sie. Nie außer Sichtweite und natürlich ist seit zwei Woche nur noch Schleppleine oder kurze Leine angesagt, aber es will nicht besser werden. Ich habe mittlerweile auch eine kleine Sinneskrise, weil natürlich mit jedem Mal die Angst und Verzweiflung wächst und das Vertrauen schwindet. Sie kann auch apportieren, macht sie nur momentan nicht gerne. An der Schleppleine (5 Meter) üben wir gerade Radius einhalten (Rückruf bevor die Leine spannt), Stoppsignal aus der Vorwärtsbewegung, Rückruf. Ich versuche die Spaziergänge abwechslungsreich zu gestalten ( z.B klettert sie gerne auf den gefällten Baumstämmen). Bin aktuell wirklich ratlos :/.
 
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Sandra
30. Apr. 20:10
Wenn ich deinen Beitrag lese, kommt es mir vor als wenn du deinen Hund sehr stark kontrollierst.
Radius 5-6 Meter im Freilauf etc
30 Kommandos
Viele Regeln und Erwartungen.
Mein Tipp, versuche mal loszulassen und deinem Hund einfach zu vertrauen.
Lass die Maus doch einfach Mal Hund sein.
 
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Julia 🐾Nero
30. Apr. 20:26
Hallo,

Ich kann von meinem Hund berichten, dass sich sein Jagdverhalten auch um den Dreh von 4 Lebensjahren verändert hat.

Davor war er ein reiner "Sichtjäger". Also er hat nur auf visuelle Bewegungsreize gehetzt.
Mit etwa 4 hat sich das geändert und er ist zum "Fährtenjäger" herangewachsen.
Wo er davor nur auf visuelle Jagdreize reagiert hat, nimmt er jetzt Fährten auf und ist auch weg, ohne das Wild sehen zu müssen.
Er schnüffelt aber nicht einfach der Fährte nach, sondern sprintet wirklich los.

Das ist zwar keine Lösung für euere Problem, aber vielleicht zumindest eine Bestätigung, dass du mit dem Problem nicht alleine bist und nichts falsch gemacht hast im Training.

Bei manchen Hunden ändert sich das Jagdverhalten bzw der "Trieb"/die Motivation mit dem Alter.
 
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R
30. Apr. 20:38
Ich empfehle Dummytraining und/ oder Fährtensuche für einen stark jagdlich motivierten Hund. Ich konnte meine Amira die ersten 3 Jahre astrein auch von Wild abpfeifen. Dann war ich im Dorf auf der Hunderunde wo jagende Hunde dabei waren und jeder Dauergepfiffen hat. Da sind sie mal gemeinsam los und sie hat die Pfeife ignoriert. Seitdem kann ich sie nicht mehr anständig vom jagen abpfeifen, deshalb heißt es seitdem Schleppleine. Sie ist jetzt 5 und durch das Dummytraining kann ich sie bedingt im Training laufen lassen und auch in den Wald schicken Dummys suchen, also ich gebe ihr eine Aufgabe. Außerhalb des Trainings könnte ich nicht mehr abgeleint Gassi gehen. Ich denke auch der wenn der Jagdtrieb stark ist geht das eben nur bedingt.
Bin froh, dass es bei dir ähnlich ist. Im Training geht es gut, ohne Training - also ohne direkte Aufgabe, geht die selbstständigkeit nicht so gut auf. Auch das mit der Pfleife kennen wir... Leider. War mal Bombe - jetzt nur "im Training" wirklich verlässlich.

Kann noch hinzufügen zum Anti-Jagdtraining , nur was uns scheinbar gut unterstützt, aber noch kein Garant ist- nicht unbedingt dieses ganze Frustrationstoleranz oder Stopp oder langsam machen, sondern vielmehr sowas wie kontrolliere Jagdvorbereitung und Bewegung. Bspw erst umrundet meine nach meinen Vorgaben Hindernisse und dann fliegt im Anschluss der Dummy. Also die Vorjagd bestimmen. Aber auch Sachen wie "Scheinwürfe" und wirklich erst Erfolg und Flug des Dummys bei meinem Zeichen. Quasi den Erfolg immer erst dank Anweisung und ohne geht's quasi gar nicht.
Fährte und Anzeige ist auch super. Eben auch Reizangel.
warum es kein Garant ist...also bei mir fällt so ein sehr aktives Training ohne richtig aufwärmen, oder weil vlt mal irgendwas gesundheitlich nicht optimal ist erstmal raus. Fährte ist auch nicht überall gut machbar ☺️.
Auch ist den Akku derart ausfahren bei Terrier ein Garant für zoomies und leichtes "durchdrehen" ☺️ also immer die richtige Dosis ist für uns nicht so leicht und nicht immer alltagstauglich. Vlt was bei, dass euch mehr Vertrauen über die gemeinsame "Jagdarbeit" gibt. Oder den Aspekt der zusammenarbeit für den Hund stärkt.
Vlt hat hier auch jemand was Gutes zum lesen? Das meiste was ich fand, war wirklich um die Jagd direkt zu trainieren. Ich mag die Ansätze von den Profijagdtrainern auf youtube. Nur sehr oft ist die Haltung anders, als unser Haushundmodus 😅 und meine bleibt ja Teilzeit verwöhntes Sofakissen.😅
 
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Ekath
30. Apr. 20:41
Wenn ich deinen Beitrag lese, kommt es mir vor als wenn du deinen Hund sehr stark kontrollierst. Radius 5-6 Meter im Freilauf etc 30 Kommandos Viele Regeln und Erwartungen. Mein Tipp, versuche mal loszulassen und deinem Hund einfach zu vertrauen. Lass die Maus doch einfach Mal Hund sein.
Sie hat einfach unheimlich viel Spaß neue Tricks zu lernen und fasst sie sehr schnell auf. Hundeschule war ihr immer zu langweilig. Wofür die andern die ganze Stunde gebraucht haben, war sie nach 5 Minuten durch damit. Für mich sind die Tricks ein Ersatzverhalten um sie geistig auszulasten, aber auch um sie auf mich zu fokussieren. Wir haben z.B letzte Woche auf dem Spaziergang mit zwei neuen Tricks angefangen und die sitzen jetzt schon.
 
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Ekath
30. Apr. 20:42
Hallo, Ich kann von meinem Hund berichten, dass sich sein Jagdverhalten auch um den Dreh von 4 Lebensjahren verändert hat. Davor war er ein reiner "Sichtjäger". Also er hat nur auf visuelle Bewegungsreize gehetzt. Mit etwa 4 hat sich das geändert und er ist zum "Fährtenjäger" herangewachsen. Wo er davor nur auf visuelle Jagdreize reagiert hat, nimmt er jetzt Fährten auf und ist auch weg, ohne das Wild sehen zu müssen. Er schnüffelt aber nicht einfach der Fährte nach, sondern sprintet wirklich los. Das ist zwar keine Lösung für euere Problem, aber vielleicht zumindest eine Bestätigung, dass du mit dem Problem nicht alleine bist und nichts falsch gemacht hast im Training. Bei manchen Hunden ändert sich das Jagdverhalten bzw der "Trieb"/die Motivation mit dem Alter.
Das mit dem Nachsprinten ist bei uns aktuell auch so. Völlig aus dem nichts und leider ohne vorheriges Anzeichen. Habt ihr eine Lösung gefunden?
 
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Julia 🐾Nero
30. Apr. 20:48
Das mit dem Nachsprinten ist bei uns aktuell auch so. Völlig aus dem nichts und leider ohne vorheriges Anzeichen. Habt ihr eine Lösung gefunden?
Leider nein.
Wir sind aber auch von einer Brut-und Setzzeit direkt in die Leinenpflicht aufgrund der Afrikanischen Schweinepest (habe im Sperrgebiet gewohnt) und wieder in die Brut-und Setzzeit gekommen.

Daher gibt es leider keinen Freilauf und maximal Schleppleine oder eben die Führleine.
Auf dem Vereinsgelände darf er sich ausrennen.

Ich fand die Sichtjagd auch deutlich einfacher zu managen, da ich das Wild oft vor ihm gesehen habe.
Mit der Fährte fühle ich mich ein bisschen chancenlos, weil ich sie ja nicht rieche und Nero losschießt, so wie bei euch, ohne Vorzeichen.
 
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Aga
1. Mai 03:55
Wenn ich deinen Beitrag lese, kommt es mir vor als wenn du deinen Hund sehr stark kontrollierst. Radius 5-6 Meter im Freilauf etc 30 Kommandos Viele Regeln und Erwartungen. Mein Tipp, versuche mal loszulassen und deinem Hund einfach zu vertrauen. Lass die Maus doch einfach Mal Hund sein.
Das endet bei einem jagenden Hund böse wenn man ihn einfach mal Hund machen lässt, dann hätte meine schon Rehe und Hasen gerissen wenn ich das machen würde. Darüber hinaus kann ein Hund im Jagdtrieb auch vor ein Auto laufen wenn er Spuren nachgeht die über Straßen führen. Ich finde das lebensgefährlich.
 
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Aga
1. Mai 04:07
Schau dir mal den Thread „Wege zur Freundschaft (Ulli Reichmann). In dem Buch gehts darum mit dem Hund „gemeinsam“ zu jagen, ihm auch mal eine Wildfährte zu zeigen oder ein Mauseloch, also nicht immer vom jagen abzuhalten sondern gemeinsam was zu machen. Das war bei uns der Schlüssel beim Dummytraining weil ich auch das Gefühl habe sie darf ja erst auf meine Anweisung aber es stillt ihre jagdlichen Bedürfnisse etwas Dummys im Wald zu suchen oder Ähnliches. Wir arbeiten auch an der Frustrationstoleranz und Impulskontrolle, ich rolle auch den Ball weg, sie darf erst auf mein Kommando hinterher, Stop kennt sie auch was heißt sofort stehen bleiben. Reizangel findet sie doof. Ich erziehe meine Hündin auch nicht wie die Jäger, meine schläft im Bett 😅. Aber mein Weg ist wie du sagst, Vertrauen über das gemeinsame Arbeiten/jagen.
 
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Sylvia
1. Mai 05:59
Hallo, Ich kann von meinem Hund berichten, dass sich sein Jagdverhalten auch um den Dreh von 4 Lebensjahren verändert hat. Davor war er ein reiner "Sichtjäger". Also er hat nur auf visuelle Bewegungsreize gehetzt. Mit etwa 4 hat sich das geändert und er ist zum "Fährtenjäger" herangewachsen. Wo er davor nur auf visuelle Jagdreize reagiert hat, nimmt er jetzt Fährten auf und ist auch weg, ohne das Wild sehen zu müssen. Er schnüffelt aber nicht einfach der Fährte nach, sondern sprintet wirklich los. Das ist zwar keine Lösung für euere Problem, aber vielleicht zumindest eine Bestätigung, dass du mit dem Problem nicht alleine bist und nichts falsch gemacht hast im Training. Bei manchen Hunden ändert sich das Jagdverhalten bzw der "Trieb"/die Motivation mit dem Alter.
Genau so ist es bei uns mit 4 Jahren auch geworden
 
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Arinka
1. Mai 06:27
Das mit dem Nachsprinten ist bei uns aktuell auch so. Völlig aus dem nichts und leider ohne vorheriges Anzeichen. Habt ihr eine Lösung gefunden?
Das hat bei meiner auch mit ca. 4 angefangen, zuvor war sie ebenfalls reiner Sichtjäger.
Erstaunlicherweise hilft hier ein "Platz" besser als der Rückruf. So kann ich sie oft noch stoppen, obwohl ich das Platz auf Distanz nie wirklich explizit geübt habe.