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Celine
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heute 08:05

Der Fall "Sam" - Angriff oder missglückter Rettungsversuch?

Der aktuelle Fall um den Hund "Sam" wirft bei mir viele Fragen auf. Je mehr ich lese, desto unsicherer werde ich bezüglich des tatsächlichen Tathergangs. In den Medien (die nicht einmal die korrekte Rasse benennen können) ist die Rede davon, dass der Halter an einem Biss ins Gesicht verstarb. Dem steht die Theorie gegenüber, der Hund habe lediglich versucht, sein Herrchen (nach einem medizinischen Notfall) zu "wecken". Wie lässt sich die Schwere der Verletzungen mit einem bloßen Weckversuch vereinbaren? Ab wann schlägt Fürsorge in (unbeabsichtigte) schwere Verletzung um? Auf dem Bild erkennt man schon etwas rosa am weißen Brustzeichen, was für Kontakt mit Blut steht. Die Dobihündin, die bei mir zum Schluss war, lag 2 Tage neben dem toten Besitzer in der Wohnung. Der Besitzer hatte aber keine Spuren von seinem Hund. Das heißt natürlich nicht, dass es bei allen Hunden so sein muss, das ist mir schon klar. Wären aber solche Fälle nicht häufiger/ bekannter? Und vor allem, wenn es zu einem Kampf kam, warum hat niemand was gesehen oder gehört? Der Fall Chico damals, der nachweislich misshandelt wurde und die 2 Menschen getötet hat, hat meiner Meinung nach nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen. Was ist hier anders? Ich bin mir bei dem Thema so unsicher, dass ich mir gar kein Urteil erlauben kann oder will. Dennoch freue ich mich über eure Ansichten und vielleicht auch die ein oder andere fachliche Einschätzung oder auch persönliche Erfahrung😊 https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/osnabrueck_emsland/hund-toetet-halter-rechtsmedizin-bestaetigt-bisse-als-ursache,lohne-122.html
 
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Petra
heute 07:24
Ich habe auch nochmal unterschiedliche Gedankengänge dazu gehabt. Eigentlich erleben wir hier doch eine umgekehrte Instrumentalisierung oder? Wäre es ein Schäferhund gewesen, hätten viele die Tat sofort als Beweis für die Gefährlichkeit dieser Rasse genutzt, weil der Schäferhund ohnehin schon die Statistik der Beißvorfälle anführt. Man hätte den Tod des Besitzers quasi als Argument gegen die Rasse ausgeschlachtet. Weil es aber ein Listenhund wie Sam ist, passiert das Gegenteil. Die Community geht in eine Abwehrhaltung. Aus Angst vor noch mehr Repressionen und dem Klischee vom bösen Listenhund wird die Tat bis zur Unkenntlichkeit relativiert ( ‚Spielsituation‘). Anstatt den Einzelfall objektiv als das zu sehen, was er ist, eine tödliche Katastrophe durch einen Hund, der nicht kontrollierbar war, wird die Debatte zur Ideologieschlacht. Die einen wollen die Rasse schützen und verharmlosen deshalb das Töten eines Menschen, während sie bei anderen Rassen vermutlich als erste nach Verboten geschrien hätten. Zumindest ist das mein Gefühl. Denn wenn es Artikel über Beißvorfälle mit Schäferhunden gibt, kommen immer Kommentare wie ‚wann kommt endlich der Schäferhund auf die Liste‘. Ist es aber schon bereits ein Listenhund, geht es eher in die Richtung ‚kein Hund wird böse geboren‘ ‚das Problem liegt am anderen Ende der Leine‘.
Sehr gut erklärt. Beispiel, der Rhodesian Ridgeback war in Bayern auch schon auf der Liste. Wurde wieder runter genommen, weil er keine Neigung zur Aggression hat. Ich habe gehört, dass er tatsächlich für Hundekämpfe missbraucht wurde. Diese Rasse gehört zu den „Krafthunden“. Es steht aber auch der Rasse zugeschrieben, dass er eine hohe Hemmschwelle hat, was ich bestätigen kann. Wie sie die zu den Kämpfen gebracht haben muss meiner Meinung richtig Arbeit gewesen sein. Hier zeigt es sich auch, dass das Ende der Leine der Schuldige ist.
 
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Lena
heute 07:48
Kürzlich bin ich auf einen Artikel gestoßen, in dem ein Kind von einem Hund gebissen wurde, den es als Viszla beschrieb. Das Kind fuhr mit dem Fahrrad vorbei, als der Hund es mehrmals ins Bein biss. Die Kommentare zu dem Vorfall waren überwiegend skeptisch und behaupteten, dass Viszlas nicht zu solch aggressivem Verhalten neigen, während Ridgebacks eher dazu neigen. Ein anderer kürzlich Fall, bei dem ein Labrador ein Kind ins Gesicht gebissen hat, löste eine ähnliche Reaktion aus. Die Kommentare zu diesem Vorfall waren ebenfalls voreingenommen und behaupteten, dass Labradore keine Kinder beißen und dass sie als absolute Familienhunde gelten. In diesem Fall wurde dem Kind die Schuld für den Vorfall gegeben, obwohl die genauen Umstände unbekannt sind. Diese Beispiele deuten darauf hin, dass viele Menschen bestimmten Hunderassen von vornherein ein Beißvorfall zuschreiben. Folglich werden einige Rassen sofort als schuldig angesehen, während andere automatisch als unschuldig angesehen werden.
Ich verstehe diesen Fokus auf die Rasse null, abgesehen von der Folge aufgrund von Größe/ Beißkraft, ist es doch komplett egal, ob es der Bully, der Schäferhund oder ein Retriever war…

Ebenso mit der Schuldzuschreibung, ja, dann war es eben das Fahrrad oder das Kind hat komisch geguckt what ever, deshalb sollte ein Hund trotzdem nicht zubeißen.

Was eine Attacke ausgelöst haben kann, ist wichtig für die Einschätzung des Hundes etc., sollte aber den Vorfall an sich nicht beschönigen. Der Hund hat gebissen (nicht geknabbert, gekniffen etc.)

Unser erster Hund hat mal mit voller Wucht auf unserem Grundstück einen Verwandten gebissen.
Die Person hat sich „untypisch“ verhalten und der Hund kannte die Person nicht gut.
Natürlich war das Verhalten der Person bissl doof, aber der Hund durfte immer alleine in den Garten, hatte ohnehin einen Beschützermodus (was immer als lustig/positiv angesehen wurde),
es gab keinerlei Gedanken darum „was/wie können wir mit dem Hund arbeiten, dass sowas nicht wieder passiert“-

der Verwandte war selber schuld, das war’s auch (Hund nach wie vor oft alleine im Garten, Beschützerangewohnheiten weiter gefördert 🙈) bis heute keine Einsicht…
 
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wolf
heute 07:55
Sehr gut erklärt. Beispiel, der Rhodesian Ridgeback war in Bayern auch schon auf der Liste. Wurde wieder runter genommen, weil er keine Neigung zur Aggression hat. Ich habe gehört, dass er tatsächlich für Hundekämpfe missbraucht wurde. Diese Rasse gehört zu den „Krafthunden“. Es steht aber auch der Rasse zugeschrieben, dass er eine hohe Hemmschwelle hat, was ich bestätigen kann. Wie sie die zu den Kämpfen gebracht haben muss meiner Meinung richtig Arbeit gewesen sein. Hier zeigt es sich auch, dass das Ende der Leine der Schuldige ist.
Es gibt halt Rassen, die man als besonders anspruchsvoll im Umgang sehen sollte und die aufgrund von Größe und Beißkraft ein erhöhtes Risiko darstellen können. Das tritt dann leider in Kombination damit auf, daß bestimmte Rassen Modehunde sind, die von den falschen Personen mit unpassenden Motiven angeschafft werden. Für mich zählt ein Schäferhund dann durchaus dazu. Ein Rhodesian Ridgeback ist zwar auch anspruchsvoll und kraftvoll, aber meist wissen die Halter, was sie sich holen diese Rasse hat glaube ich noch nicht die Funktion eines Statussymbols.
 
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Petra
heute 08:05
Es gibt halt Rassen, die man als besonders anspruchsvoll im Umgang sehen sollte und die aufgrund von Größe und Beißkraft ein erhöhtes Risiko darstellen können. Das tritt dann leider in Kombination damit auf, daß bestimmte Rassen Modehunde sind, die von den falschen Personen mit unpassenden Motiven angeschafft werden. Für mich zählt ein Schäferhund dann durchaus dazu. Ein Rhodesian Ridgeback ist zwar auch anspruchsvoll und kraftvoll, aber meist wissen die Halter, was sie sich holen diese Rasse hat glaube ich noch nicht die Funktion eines Statussymbols.
Kann ich durchaus damit leben, Statussymbol hin oder her. Für mich ist es keines. Wir wissen was wir uns geholt haben und bemühen uns dem gerecht zu werden.