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Celine
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Anzahl der Antworten 807
zuletzt 18. Feb.

Der Fall "Sam" - Angriff oder missglückter Rettungsversuch?

Der aktuelle Fall um den Hund "Sam" wirft bei mir viele Fragen auf. Je mehr ich lese, desto unsicherer werde ich bezüglich des tatsächlichen Tathergangs. In den Medien (die nicht einmal die korrekte Rasse benennen können) ist die Rede davon, dass der Halter an einem Biss ins Gesicht verstarb. Dem steht die Theorie gegenüber, der Hund habe lediglich versucht, sein Herrchen (nach einem medizinischen Notfall) zu "wecken". Wie lässt sich die Schwere der Verletzungen mit einem bloßen Weckversuch vereinbaren? Ab wann schlägt Fürsorge in (unbeabsichtigte) schwere Verletzung um? Auf dem Bild erkennt man schon etwas rosa am weißen Brustzeichen, was für Kontakt mit Blut steht. Die Dobihündin, die bei mir zum Schluss war, lag 2 Tage neben dem toten Besitzer in der Wohnung. Der Besitzer hatte aber keine Spuren von seinem Hund. Das heißt natürlich nicht, dass es bei allen Hunden so sein muss, das ist mir schon klar. Wären aber solche Fälle nicht häufiger/ bekannter? Und vor allem, wenn es zu einem Kampf kam, warum hat niemand was gesehen oder gehört? Der Fall Chico damals, der nachweislich misshandelt wurde und die 2 Menschen getötet hat, hat meiner Meinung nach nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen. Was ist hier anders? Ich bin mir bei dem Thema so unsicher, dass ich mir gar kein Urteil erlauben kann oder will. Dennoch freue ich mich über eure Ansichten und vielleicht auch die ein oder andere fachliche Einschätzung oder auch persönliche Erfahrung😊 https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/osnabrueck_emsland/hund-toetet-halter-rechtsmedizin-bestaetigt-bisse-als-ursache,lohne-122.html
 
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Celine
16. Feb. 18:47
Was mich ja auch so stutzig macht. Alles wird von Sam geteilt außer der Obduktionsbericht..
 
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Katja
16. Feb. 18:48
Wenn der Landkreis erstmal noch prüfen muss, frage ich mich, warum der Bruder schon spenden sammelt. 😅
Der Bruder muss bestimmte Auflagen erfüllen, wie z. B. einen Halterschein.
Ich vermute deswegen die Formulierung mit der Prüfung.
 
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Lena
16. Feb. 18:54
Formal ist jede Entscheidung ein Individualverwaltungsakt, der nur für den konkreten Sachverhalt gilt. Materiell jedoch erzeugt er eine Präjudizwirkung, die man nicht ignorieren kann. Ein Einzelfall wie Sam schafft eine neue Tatsachengrundlage. Wenn Sachverständige und Behörden einmal öffentlich dokumentiert haben, dass ein Hund nach einer Tötung durch Wesenstest und Training ‚geheilt‘ werden kann, kann diese Annahme zum Standardargument für jeden Verteidiger werden. Der Einzelfall wird zur fachlichen Referenz, auf die sich Gutachter bundesweit berufen können.
Der Wesenstest bzw. ein Gutachten muss erfolgen, das ist tatsächlich Vorschrift, die Möglichkeit ist also bereits dokumentiert. Sonst hätte man Sam auch gar nicht mehr testen müssen.

Wenn dann eine Behörde in Sams Einzelfall dazu kommt, dass eine Weitervermittlung möglich ist- ist es immer noch im Einzelfall, da kann sich der Verteidiger eines rein hypothetischen Mandanten auf den Kopf stellen.
 
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Katrin
16. Feb. 19:42
Dann guck dir mal in Facebook die Kommentare unter dem NDR, RTL etc an..
Na sag ich doch, die Groupies
 
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Carola
16. Feb. 20:37
Mir wurde die Sam Geschichte auch bei Facebook in die Timeline gespült(ein Schelm wer sich böses dabei denkt) und abgesehen von einigen wenigen vernünftigen Kommentaren bekommt man da wirklich das Gruseln!
Fakt ist aus meiner Sicht der Hund hat einen Menschen getötet-warum und wie auch immer es geschehen ist!
Der Bruder des Toten möchte den Hund übernehmen und hier stellt sich wieder die Frage: war nicht alles so wie es berichtet wurde oder handelt es sich um einen krassen Fall von kognitiver Dissonanz?
Offensichtlich hat der Hund den Wesenstest bestanden und so wie es aussieht soll der Bruder den Hund auch bekommen.
Da tauchen dann für mich aber auch schon wieder Fragen auf die hier ja auch bereits intensiv gesprochen wurden und wenn nicht die finanziellen Mittel vorhanden sind die Auflagen zu erfüllen dann denke ich nicht dass der Hund dort optimal aufgehoben ist.
Aus dem Wesenstest aber zu schließen dass er es nicht war finde ich schon abenteuerlich denn der Obduktionsbericht spricht wohl eine andere Sprache.
Aus meiner Sicht müsste er eingeschläfert werden, so leid er mir auch tut, wenn das nicht der Fall ist muss aus meiner Sicht auf jeden Fall gewährleistet sein dass der Hund nie wieder ohne Auflagen gehalten werden darf.
 
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Nicole
16. Feb. 21:13
https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/oldenburg_ostfriesland/nach-toedlicher-attacke-american-bully-xl-besteht-wesenstest,wesenstest-100.html

Hab ich eben gelesen. Er hat den Wesenstest wohl bestanden.
 
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wolf
16. Feb. 23:31
Mir wurde die Sam Geschichte auch bei Facebook in die Timeline gespült(ein Schelm wer sich böses dabei denkt) und abgesehen von einigen wenigen vernünftigen Kommentaren bekommt man da wirklich das Gruseln! Fakt ist aus meiner Sicht der Hund hat einen Menschen getötet-warum und wie auch immer es geschehen ist! Der Bruder des Toten möchte den Hund übernehmen und hier stellt sich wieder die Frage: war nicht alles so wie es berichtet wurde oder handelt es sich um einen krassen Fall von kognitiver Dissonanz? Offensichtlich hat der Hund den Wesenstest bestanden und so wie es aussieht soll der Bruder den Hund auch bekommen. Da tauchen dann für mich aber auch schon wieder Fragen auf die hier ja auch bereits intensiv gesprochen wurden und wenn nicht die finanziellen Mittel vorhanden sind die Auflagen zu erfüllen dann denke ich nicht dass der Hund dort optimal aufgehoben ist. Aus dem Wesenstest aber zu schließen dass er es nicht war finde ich schon abenteuerlich denn der Obduktionsbericht spricht wohl eine andere Sprache. Aus meiner Sicht müsste er eingeschläfert werden, so leid er mir auch tut, wenn das nicht der Fall ist muss aus meiner Sicht auf jeden Fall gewährleistet sein dass der Hund nie wieder ohne Auflagen gehalten werden darf.
Die Polizei hat ja noch einmal gekräftigt, daß es zweifelsfrei die Bisse von Sam waren, die zum Tod führten.
Es ist kaum zu rekonstruieren, wie es dazu kam. Die wenigsten Bissverletzungen sind Folge aggressiven Verhaltens, sondern meist Unfälle und Missverständnisse. Da sagt so ein Wesenstest wenig aus, insbesondere wenn man nicht weiß, was tatsächlich der Auslöser war.
Ein bitterer Beigeschmack ist nun, daß Sam als Cash Cow für Spendenaufrufe ausgeschlachtet wird...
 
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wolf
16. Feb. 23:34
Was mich ja auch so stutzig macht. Alles wird von Sam geteilt außer der Obduktionsbericht..
Wir sind in Deutschland, da wird so ein Obduktionsbericht nicht einfach veröffentlicht. Hast du schon welche aus anderen Fällen zu Gesicht bekommen? Das ist ein reguläres Vorgehen und kein Grund, an Verschwörungen zu glauben. Es wurde aber wiederholt offiziell bestätigt, daß es keinen Zweifel daran gibt, daß die Bissverletzungen von Sam stammten und todesursächlich waren.
 
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Sonja
17. Feb. 06:45
Die Polizei hat ja noch einmal gekräftigt, daß es zweifelsfrei die Bisse von Sam waren, die zum Tod führten. Es ist kaum zu rekonstruieren, wie es dazu kam. Die wenigsten Bissverletzungen sind Folge aggressiven Verhaltens, sondern meist Unfälle und Missverständnisse. Da sagt so ein Wesenstest wenig aus, insbesondere wenn man nicht weiß, was tatsächlich der Auslöser war. Ein bitterer Beigeschmack ist nun, daß Sam als Cash Cow für Spendenaufrufe ausgeschlachtet wird...
Genau deswegen mache ich mir Sorgen, wenn dieser Hund in Familie und Freundeskreis bleibt. Man will ja offensichtlich nicht glauben, was da passiert ist. Also wird der Hund genau so weiter verhätschelt und vermenschlicht (vielleicht aus Mitleid sogar noch mehr), wie man es überall liest.
Ich weiß nicht ob sowas geplant ist, aber der Bruder müsste eigentlich regelmäßig und nachweislich Seminare über Verhalten und Kommunikation besuchen und sich auch testen lassen im Umgang. Ob er es tatsächlich beherrscht, Hunde zu lesen und mit ihnen richtig umzugehen. Und eben nicht ständig aus menschlicher, verklärter Sicht. Wenn das nicht jedem endlich klar wird, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis wieder etwas passiert. Eben weil der Hund missverstanden und vermutlich in diversen Situationen bedrängt wird. Ich glaube ja sofort, dass er keine Bestie ist. Aber sicherlich hat er nun eine Strategie mehr, um sich nicht mehr dauerhaft für dumm verkaufen zu lassen... Und die kann man nicht unbedingt direkt mit einem Wesenstest auslösen.
 
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Heike
17. Feb. 07:47
Ich glaube auch nicht, dass ein bestandener Wesenstest darauf schließen lässt, dass der Hund in einer ähnlichen Situation wie bei dem Vorfall nicht wieder ähnlich aggressiv reagiert. Keiner weiß genau, was der Auslöser für sein Zubeißen war, es war niemand dabei. Wie ich schon einmal schrieb, gab es in unserer Nachbarschaft einen Fall, wo der Familienhund in einer speziellen Situation plötzlich das Kind der Familie in Kopf und Gesicht gebissen hat.
Niemand hätte den Hund als aggressiv eingeschätzt, es gab keinerlei Vorfälle im Vorfeld und auch danach war der Hund zu niemandem aggressiv. Wäre nicht jemand aus der Familie in der Nähe gewesen und konnte sofort eingreifen, weiß man nicht, wie es für das Kind ausgegangen wäre. Hier blieben Verletzungen und Narben beim Kind und sicher ein Trauma. Der Hund kam weg, er wurde nicht eingeschläfert aber anderweitig vermittelt, so wurde es jedenfalls gesagt.
Es ist vielleicht eine ganz spezielle Situation die solch eine Reaktion beim Hund auslöst, die vielleicht nie wieder vorkommt im Hundeleben, die aber auch wahrscheinlich nicht bei einem Wesenstest nachgestellt werden kann.
Jeder Hund ist in der Lage zu beißen und oft kommt dann später : „ das hat er noch nie gemacht…“
Je nach Größe, Beißkraft und Aggressionspotential in dem Moment, kann so ein Vorfall ganz schlimm enden.
Kann man wirklich verhindern, dass es bei einem Hund wie Sam in Zukunft niemals eine ähnliche Situation geben wird?